Kri >e« Goldgräber«.
An dem Flusse Wakatipu auf Neuseeland wird viel Gold gegraben. Wer dort Gold graben will, muß sich von der Regierung einen Schein ausstellen lassen, welcher zehn Schilling kostet; dann darf man sich einen Fleck wählen, wo Gold vermuthet wird,' und aus Werk gehen. Doch viele Enttäuschungen giebt es auch bei dieser Arbeit, und auch das Goldgraben macht nicht glücklich. Das wissen die Leute auch nur zu gut. Als eine Reisegesellschaft die Arbeiter an dem Wakatipu aufsuchte, war unter ihnen ein alter Mann, der eine Geschichte aus dem dortigen Leben erzählte. Innerhalb einer halben Stunde hatte ein Mitarbeiter drei Stücke Gold gefunden, jedes vielleicht so groß wie ein Kieselstein, doch' hatten diese Stücke einen ungeheueren Werth. Als der Mann hörte, welch' eine große Summe Geldes er dafür erhalten würde, gericth er in solch' eine freudige Erregung, daß er seiner Sinne nicht mehr mächtig war. Er bekam einen Nervenscklag, verlor seinen Verstand und mußte in ein Irrenhaus gebracht werden. A.
Begegnung.
Eine tief ergreifende Szene spielte sich kürzlich im Moabiter Kriminalgerichte ab. Der Raubmörder Kühne, der in Gemeinschaft mit dem noch immer steckbrieflich verfolgten Töpfer Hahn den Handelsmann Mützelburg aus Zerpenschleuse erschlagen hat, erhielt nach seiner Jnliaf- tierung den ersten Besuch seiner alten Mutter. Die Begegnung fand im Zimmer und im Beisein des Untersuchungsrichters statt. Als der Gefangene das Zimmer betrat, schrie die alte Frau laut auf, sie warf sich an den Hals des Sohnes und rief: „Mein Sohn, man Sohn, was hast du gethan? Läßt dich verführen, um des Geldes halber einen Menschen totzuschlagen!" Der Mörder sagte selber nichts, aber er schluchzte ebenso laut wie die Mutter, sodaß man trotz der geschlossenen Thür das Weinen und Jammern draußen auf dem Korridor hörte. Als die Mutter sich ein wenig beruhigt hatte, ermähnte sie den Gefangenen, streng bei der Wahrheit zu bleiben, den lieben Gott um Verzeihung zu bitten und sich geduldig in alles zu schicken, was über ihn verhängt werde. Als aber der Gefangene wieder abgeführt werden sollte, da verlor die arme alte Frau die Kraft, sie brach zusammen und mußte durch die Nachbarin, die sie begleitet hatte, gestützt werden: als der Sohn Abschied nahm, klammerte sie sich vcr- zweislungsvoll an die Thürpfosten und schrie, daß es durch den ganzen Korridor schrillte: „Ich unglückliche Mutter, ich unglückliche Mutter!" Z.
Ein brklagcn«n>erthrr Mann.
In New-Dork ist kürzlich der 100 fache Millionär Iah Gould zu Grabe getragen worden, dem — wie man schreibt — kein einziges Dankeswort, sondern nur Verwünschungen nachgerufen worden sind. Sein einziges Bestreben ging dahin, der reichste Mann von Amerika zu werden, seine einzigen Gedanken, Tag und Nacht, waren Börsenspekulationen. Wie die Spinne ihr Netz spinnt und erbarmungslos alles, was hinein geräth, umbringt, so Jay Gould. Es wird erzählt, daß er selbst seine Freunde nicht schonte, wenn es galt, seinen Goldhaufen zu vergrößern, ja er trieb sogar einen Geschäftsfreund zum Selbstmord und einen anderen machte er zum Bettler, aber nicht, um selbst herrlich und in Freuden zu leben, nein, er war enthaltsam in manchen Dingen, nur einen Genuß kannte er, den, im Golde zu wühlen!' Beklagenswerther Mensch! Es wird von einer armen alten Frau erzählt, die oft hungerte, um ihre ersparten Brodkrusten einer Verheiratheten Tochter zu bringen, die sich in eben solcher Noth befand, wie sie selbst. Und als sie gefragt wurde, warum sie die ihr nöthige Nahrung weggäbe, antwortete sie: „Ach, wir würden ja nie etwas abgeben können, wenn wir so lange warteten, bis wir etwas haben!" F. St.
Epiphanias.
Festevangelium: Matth. 2, 1—12.
Matth. 2, 2: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten. '
Was zwang die Weisen aus dem Morgenlande zu einer so weiten Reise, um ihre Huldigung dem neugeborenen König der Juden darzubringen? Sie waren reich an Gütern dieser Welt; das ersehen wir aus den reichen Gaben, die sie vor der Krippe niederlegen. Sie hatten einen noch höheren Vorzug; sie besaßen Bildung und Wissenschaft; das Reich des Geistes war ihnen erschlossen. Sollten denn großes Vermögen und Wissen zum Glück der Menschen nicht ausreichen? Was kann denn die Erde außerdem bieten? Unsere Seele ist für den Himmel geschaffen. Auf Erden findet sie nicht ihr volles Genüge.
Die Hoffnungen, welche gewöhnlich die Menschen beherrschen, sind nicht durch den Stern Bethlehems dargestellt. Von Hoffnung lebt der Mensch: der Arme in seiner Hütte, der Kranke auf seiner Leidensstätte, der Wanderer, der fern von seiner Heimath weilt, der Menschenfreund, welcher die Wunden der Menschheit zu heilen gedenkt, sie alle hoffen, aber ihre Sterne gehen unter, wenn sie nicht das himmlische Licht haben, welches das Leben der Mmschen ist. Eine mühselige Seele weiß besser, was ihr fehlt, wenn sie, von der Gnade ergriffen, vor allem und ernstlich nach dem Heile fragt. Sun dem Augenblick an, wo du zum rechten Selbstbewußtsein erwachst und nach der Gerechtigkeit hungerst und dürstest, wäre es dir nicht zu viel, bts an das Ende der Welt zu gehen, um das Zeugniß zu vernehmen: „Deine Sünden sind dir vergeben dein Heiland lebt."
Das ist es, was die Weisen auf ihrer Reise nach Jerusalem suchten. Wir sind besser daran als sie, wir brauchen das Heil nicht in der Ferne zu suchen, es ist uns nahe herbeigekommen; wir brauchen nur vertrauensvoll die Vergebung der Sünden aus der durchbohrten Hand des Heilandes hinzunehmen. Das weltliche Leben ist wie eine Wolke, die sich zwischen Erde und Himmel lagert. Die niedere Gewohnheit des alltäglichen Treibens verschleiert den Stern des Glaubens. Das Beispiel des Sündigens ist eine Verführungsmacht, die selbst ein helles Glaubenslicht mit der Zeit dunkel machen kann.
Du hebst die Augen auf und siehst bloß noch Finsterniß; aber wir haben ein festes prophetisches Wort. Wenn das Licht deines Glaubens erlöschen will, so laß es sich wieder ansachen an den Verheißungen, welche fester sind denn Himmel und Erde. Stütze dich auf das ewige Wort und nicht auf die eigenen Kämpfe, gehorche dem Worte und beherzige seine Andeutungen. So thaten die Weisen, und wieder ging vor ihnen der Stern einher, den sie im Morgenlande gesehen, bis daß er kam und stand oben über, wo das Kindlein war.
Nur die Liebe kann begreifen, was Liebe ist, nur der Geist kann dem Herzen bezeugen, was des Gottesgeistes Tiefe ist. Die Weisen beten an und öffnen ihre Schätze. Um zu begreifen, müssen wir I uns selbst hingeben und die Hingabe an Gott schließt