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Der Kalender.

Ein Kalender ist uns etwas so Alltägliches, daß niemand mehr daran denkt, wieviel tausend Jahre es ge­kostet hat, die Zeit so in Tage, Wochen, Monate und Jahre einzutheilen, wie es setzt üblich ist. Wir Deutschen haben den Kalender von den Römern, die Römer von den Griechen, diese von den Egyptern, die Egypter von den Chaldäern im alten Babylon. Vom Himmel ist die Zeiteintheilung genommen, Sonne und Mond sind die beiden Uhrzeiger, der Sternenhimmel dahinter das Ziffer­blatt der großen Weltenuhr, die Sonne zeigt Tage und Jahre, der Mond Wochen und Monate an.

Das klingt so einfach, und es war doch so schwer, die Sonnenzeiten und die Mondzeiten miteinander in Ein­klang zu bringen, ja selbst der Tag war nicht glatt so und soviel mal in dem Zeitmaß des Jahres unterzubringen; 365 volle Tage gehen in ein Jahr, und dann bleibt ein Rest von 5 Stunden 48 Minuten und 48 Sekunden übrig. In unserem Kalender spielt die Sonne mit ihren zwei Zeitmaßen, dem Jahr und dem Tag, die Haupt­rolle, die Mondzeiten sind untergeordnet und mußten, da sie von Haus aus sich nicht recht einfügen wollten, ein wenig verändert werden, um in die Jahreseintheilung zu passen. Der Monat ist nämlich die Zeit von Neumond zu Neumond und dauert 29V« Tag, 12 solcher Monate ergeben ein Mondjahr von 354 Tagen.

Juden, Dirken und Araber rechnen noch heute nach solchen Mondjahren, müssen aber auf jegliche Ueber­einstimmung mit dem Sonnenjahr und dessen regelmäßigem Wechsel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter ver­zichten. Auch die Griechen und ihnen folgend die Römer legten ursprünglich ihrer Zeiteintheilung das Mondjahr zu Grunde, fügten aber von Zeit zu Zeit soviel Tage hinzu, daß es sich ungefähr dem Sonnenjahr von 365 Tagen anpaßte. Das brächte natürlich viel Verwirrung mit sich.

Die schwierige Aufgabe, eine richtige praktische Zeit­eintheilung zu finden und einzuführen, wurde von Julius Cäsar im Verein mit dem Astronomen Sosigenes von Alexandrien gelöst. Der im Jahre 45 vor Christi Geburt im ganzen römischen Reich eingeführte julianische Kalender ist die Grundlage des unsrigen, das Mondjahr wurde gänzlich abgeschafft, das Sonnenjahr mit 365V4 Tagen trat an seine Stelle mit der Bestimmung, daß jedes gewöhnliche Jahr 365 Tage, jedes vierte Jahr aber als Schaltjahr 366 Tage zählen sollte. Der Jahresanfang wurde vom 1. März auf den 1. Januar verlegt. Die Monate mußten um durchschnittlich einen Tag verlängert werden, um zusammen ein Sonnenjahr, statt wie bisher ein Mondjahr, zu bilden.

Der Julianische Kalender stellte einen ungeheuren Fortschritt in der Zeitrechnung dar, enthielt aber einen kleinen Fehler, der sich im Lauf der Jahrhunderte be­merkbar machte. Das Jahr ist nämlich fast 12 Minuten kürzer als 365V4 Tage, und diese 12 Minuten summieren sich in 100 Jahren zu s/i Tagen, in 400 Jahren zu drei Tagen, um welche der Kalender hinter der wirklichen Zeit zurück ist. Im 16. Jahrhundert betrug der Fehler schon stark zehn Tage. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, verfügte Papst Gregor im Jahre 1534 für alle römisch- katholischen Länder, daß für dieses Jahr zehn Tage, nämlich die Tage vom 5. bis zum 15. Okiober über­sprungen werden und in Zukunft innerhalb jeder 400 Jahre drei Schalttage ausfallen sollten. Nach Papst Gregor wurde der so veränderte Kalender der gregorianische genannt und von den meisten Nationen eingeführt, in Deutschland im Jahre 1700. Heute sind es nur noch die Völker des griechisch-katholischen Bekenntnisses, vor­nehmlich die Russen, welche an dem alten julianischen Kalender festhalten. Der Unterschied zwischen diesem und dem gregorianischen Kalender ist gegenwärtig auf zwölf Tage angewachsen, um welche wir den Russen voraus

sind. Die Ruffen feiern also Neujahr, wenn wir bereits den 13. Januar schreiben. tt.

gante« Kick.

James Lick war ein amerikanischer Millionär, der das Bedürfniß in sich spürte, bei Lebzeiten dafür zu sorgen, daß sein Name der Nachwelt erhalten bleibe. Er ging mit dem Gedanken um, sich in Egypten eine Pyramide als Grabstätte bauen zu lassen, höher als die vieltausend­jährige des Cheops, eines alten egyptischen Königs. Es gelang seinen Freunden, ihm diesen Gedanken auszureden, indem sie ihm vorstellten, daß in einem von allen Staaten so begehrten und daher Eroberungskriegen besonders aus­gesetzten Lande die Lick-Pyramide leicht eingeschossen werden könne; sicherer sei die Grabstätte in Amerika und schöner als eine Pyramide und ebenso ruhmreich sei eine Riesen­sternwarte mit dem größten Fernrohre der Welt, dessen Granitunterbau sich vorzüglich als Grabstätte eigne. Das war einleuchtend. So entstand in Kalifornien in groß­artiger Weltabgeschiedenheit die berühmte Lick-Sternwarte zwischen den Schneehöhen der Sierra Nevada und der unendlichen Fläche des Großen Ozeans. Das Riesen- fernrobr, dessen Leistungen die Welt schon manche er­staunliche Entdeckung am Sternhimmel verdankt, ruht auf einer Granitsäule, und in dieser eingelassen ruhen die Ge­beine von James Lick. tt.

Mruschenfresslex.

Jede Woche werden nach Buthi, dem Hauptorte von Sherbro in Englisch-Westafrika, Männer-, Frauen- oder Mädchenleichname gebracht, denen das eine oder andere Glied abschnitten und von den Kanibalen aufgefreffen war. Die zivisterteren Eingeborenen haben bereits gegen dreißig Kanibalen dem Henker überantwortet; die Men­schenfresser waren von einem Zauberer, namens Tango, angezeigt worden, der aber wahrscheinlich ebenso schuldig ist, wie die von ihm dem Richtbeil überlieferten Scheusale. Die Maffenhinrichtung hat jedoch wenig genutzt, die Morde und Leichnamverstümmlungen nehmen noch immer ihren Fortgang und hören gewöhnlich nur für ganz kurze Zeit auf, wenn der Appetit der Kannibalen einst­weilen befriedigt oder wenn sie übersättigt sind. Es ist so weit gekommen, daß die bessergenährten Einge­borenen sich nicht mehr in die Felder hinauswagen, um die Palmenfrüchte einzuheimsen, so daß vielen die Ernte verfault. Es wird versichert, daß die Kannibalen eine Art Geheimbund bilden, dem auch die Vornehmen des Landes angehören, die von den Menschenopfern stets die besten Stücke für sich behalten. A.

Kt»mini«m-GrdS«>e.

Eine Merkwürdigkeit mehr steht den Besuchern der nächsten Columbus-Ausstellung in Chicago bevor, und zwar ein Haus von 16 Etagen an der State- und Madisonstraßen-Ecke. Die Architekten haben bei dem Bau dieses Hauses die Ziegelstein-Fayaden durch Aluminium- Platten von Va Centimeter Stärke ersetzt. Eiserne, bis zum Gipfel reichende Säulen, die mit reichhaltig ge­schmückten, künstlerisch geformten Aluminiumverkleidungen versehen sind, bilden das Gerippe für dieses Bauwerk. Etwas ganz neues sind die Fenster, von denen einige die Länge von 6,60 Meter überschreiten und bis auf einen kleinen Raum jede volle Etagenhöhe einnehmen. Dieser Zwischenraum zwischen den Säulen wird durch Aluminium- Platten von 80 Centimeter Länge und 50 Centimeter Breite ausgefüllt, welche durch Aluminium-Querstreben von 15 Centimeter Breite versteift werden. In den da­hinter befindlichen leeren Raum wird unverbrennliches Material gebracht und nach innen zu mit einer Portland- Cementschicht vermauert. A.