Einzelbild herunterladen
 

WüchtemerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg

^»>7 .....HUHBUI- :-. ^"^..»»-M.^q«..»^^.;,,^-^-.».tim^x' .<..<'A«.'j:hi-a:a».»*.*.....* ..s^^-i.: fA^s .-- . - :. «4r.u^...H4»j«~aaiCT^r:e^ .<Mg»^i^^.vjpxixa^.,3»CTm^.?n«jrwKfctn33ait!!^;aM&mimtKi«»Tni>m.-T.iiM'ag">" »'i»*'i<iiiTii«iii«iiM»«M»M«»»»»»»»»»»»-

^2 104. Mittwoch, den 28. Dezember 1892.

Höonnements Einladung.

Bestellungen auf das 1. Quartal 1893 (Januar, Februar, März) der

H^^Sdiläd'itm Zeitung" "^E bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, anfgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. Ale E^p^dition.

Deutsches Reich.

Berlin Der Kaiser hat am Montag Abend im Kreise des Offizierskorps des Garde-Pionier-Bataillons einem Kriegsspiele und einer Besprechung desselben durch den Erbprinzen von Sachsen-Meiningen beigewohnt. Dienstag konferirte er mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und empfing später den Militär- bevollmächtigten bei der deutschen Botschaft m Paris, Major von Schwartzkoppen.

Der Kaiser und die Cholera. Der Kaiser hat sich, wie derBerl. Lokal-Anzeiger" hört, über die gegenwärtige gesundheitliche Lage in Hamburg Bericht erstatten lassen. Ueberhaupt herrscht über das Wieder- auftreten der Cholera an den leitenden amtlichen Stellen in Berlin hohe Besorgniß und wird auf Grund der vorhandenen fachmännischen Berichte für das Frühjahr eine größere Epidemie befürchtet. Dementsprechend wird die Wiederholung der amtlichen Warnungs- und Abwehr­vorschriften geplant. Ueberhaupt sollen zur Lokalisirung derSeuche die umfassendsten Vorkehrungen getroffen werden.

DasMilitär-Wochenblatt" veröffentlicht einen Schluß-Artikel überDie Kriegsformationen des französischen Heeres", wonach die Gesammtsumm- der französischen Kriegsformationen 1787 '/s Bataillone, 32 Compagnien Infanterie und Jäger, 650 Eskadrons und 1022 Batterien beträgt. 1870 betrug die französische Feldarmee 368 Bataillone Infanterie und Jäger, 16 Bataillone Marineinfanterie, 115 neugebildete vierte Bataillone und 115 Depotbatailloue, zusammen also 614 Bataillone. Die französischen Kriegsformationen haben sich somit seit 1870 um 1173 Bataillone, 308 Escadrons und 4908 Feldgeschütze vermehrt.

DerVolksstimme" wird von hier geschrieben: In jüngster Zeit ist in der Lebensmittelbranche der Kontrahenten des hiesigen Konsum-Vereins eine Gahrung Entstanden, die eine besondere Bedeutung gewinnt, wenn man die Frage untersucht: Wer schürt diese Gährung? Die Kontrahenten werden einfach sagen: Der Vorstand oder die Kommission! Selbstverständlich ist es die Aufgabe des Vorstands dahin zu wirken, daß den Mitgliedern so billig wie möglich die Waaren geliefert werden. Da in der ganzen Umgegend die Fleischpreise niedriger sind als hier, hatte der Verein eine Kommission gewählt, um mit den Metzgern Rücksprache zu nehmen, ob sie nicht das Fleisch und die Wurst billiger liefern könnten, nämlich das Pfund Fleisch anstatt 54 Pfg. für 50 Pfg., die Wurst anstatt 64 Pfg. für 60 Pfg. Die Schweinemetzger gingen darauf ein, aber die Rindsmetzger nicht, sie erklärten, sie würden zu Grunde gehen und wendeten sich an einen Advokaten, welcher ihnen einen Revers vorlegte und zu unterschreiben empfahl, der dahin lautete: die Kontrahentschaft nieder- zulcgen und nie wieder anzunehmen; auch die Nicht- kontrahenten schloffen sich dem an. Als die Schweine- metzger, die sich doch mit den Forderungen einverstanden hatten, das sahen, machten sie es ebenso. Einige Tage darauf annoncirten schon zwei Rindsmetzger, daß sie das Fleisch für 45 Pfg. per Pfund verkaufen. Wo bleibt da die Konsequenz? Was sich diese Herren ge­macht haben, wird die Zukunft lehren; denn der Vorstand hat den Beschluß gefaßt, von den früheren Kontrahenten keine mehr aufzunchmen. Drei Rindsmetzger haben sich schon gemeldet, von welchen der eine die Kontrahentschaft nicht niedergelegt hatte. Das übrige wird sich finden! Auch die Bäcker, die gar keine Veranlassung haben, waren zusammen, ein Beweis, daß hier etwas anderes im Spiele ist, auf das wir noch zurückkommen. Bei den Bäckern scheiterte es an der Vernunft verschiedener Kontrahenten, welche einfach die Advokaten mit ihrem Revers abwiesen.

' Die preußische Arzneitaxe für 1893, die soeben erschienen ist, hat 61 Arzneistoffe im Preise erhöht,

. 119 ermäßigt und "4 neuanfgcnommen. Ueber die Ver­wendung von Luxusgefäßen ist folgende wichtige Be­stimmung getroffen:Weiße Gläser, Gläser mit ge­riebenen Stöpseln, Tropfglüser, gefärbte Gläser, sowie ' Holzkork öpscl und Kantschukstöpsel dürfen nur zur ; Anwendung und Berechnung kommen, wenn sie aus­drücklich verlangt oder verordnet worden sind oder wo sie durch die Natur des Arzneimittels nothwendig er­fordert werden."

Stuttgart. 22. Dezember. Zur Bewältigung des Weihnachtsverkehrs auf der Post sind entgegen früherer Gepflogenheit diesmal in Württemberg hauptsächlich Civilpersonen herangezogen worden. Der Andrang von Bewerbern war ein sehr starker, was Angesichts der herrschenden Geschäftsstille nicht verwunderlich ist.

Cöln, 22. Dezember. Der Huf- und Wagenschmied Adam Abel aus Braunsfeld wurde während der Schlacht von Königgrätz durch zwei Splitter einer in seiner Nähe platzenden Granate schwer verwundet. Er stand bei den Cürassiren; ein Granatsplitter hatte ihm den Säbel, den er gezogen trug, entzweigeschlagen. Der Schwer­verletzte erholte sich nach längerer Krankheit, nachdem ihm die beiden Splitter entfernt worden waren. Den Feldzug 1870.71 machte er ebenfalls als Kombattant mit, blieb diesmal aber unverletzt. Nach der Heimkehr nahm Herr Abel seine Beschäftigung wieder auf, Schmerzen verspürte er nicht mehr, bis vor einem halben Jahre an seiner Brust, nahe der Stelle, wo ihn die Granatsplitter getroffen hatten, eine Geschwulst entstand, welche sich nach und nach vergrößerte und ihm dann große Pein verursachte. Es trat auch heftiger Husten­reiz ein und er war gezwungen, ärztliche Hülfe im Bürgerhospital in Anspruch zu nehmen, wo gestern die Geschwulst geöffnet wurde. In derselben steckte die etwa 33 Millimeter lange scharfe Spitze eines Cavallcrie- säbels. Es war das diejenige seines Säbels, welcher durch den Granatsplitter zertrümmert worden, sie war ihm zugleich mit dem Splitter in die Brust cingedrungcn. Volle 26 Jahre also hat der alte Soldat sie mit sich herumgetragen. Freudig sieht er nach Beseitigung der­selben seiner vollständigen Genesung entgegen.

Daß man auch kleine Kinder nicht ungestraft mit Beschimpfungen belegen darf, mußte eine Frau zu ihrem Leidwesen erfahren. Die Ehefrau des Arbeiters Rahmsdorf in Seehausen hatte das 4jährige Kind eines ihrer Miether mitRüpel" undDrache" geschimpft. Der Vormund des Kindes strengte Klage gegen dir Frau an und dieselbe wurde wegen Beleidigung zu 20 Mark Geldbuße oder 10 Tagen Gefängniß verurtheilt.

Ausland.

Amerika. Die Gift-Affaire in Nordamerika, nach welcher Arbeiter, welche sich nicht den Streikbeschlüssen fügen wollten, massenhaft vergiftet sein sollen, nimmt immer größeren Umfang an. Die große Jury in Pittsburg hat sich damit einverstanden erklärt, daß gegen den Arbeiterführer Dampsay in Homestead, gegen den Kochgehilfen Davidson und den Arbeiter Beatty Anklage erhoben werde, weil dieselben versucht hätten Arbeiter zu vergiften, die der Arbeiterunion nicht an gehören. In Homestead sollen in Folge von Vergiftung schon 32 Arbeiter gestorben und 2000 erkrankt sein. Auch in Nen-Cumberland in Westvirginien ist gegen ungarische Arbeiter, welche an die Stelle der streikenden Arbeiter der dortigen Ziegelfabriken getreten waren, ein Vergiftungsversuch unternommen worden, indem dem Trinkwasser Crotqn beigcmischt wurde. Viele ungarische Arbeiter sind erkrankt, mehrere Verdächtige verhaften Die kaum glaublichen Verbrechen machen in der ganzer- Nordamerikanischen Union gewaltiges Aufsehen. In der Strafanstalt von Helena ist unter den Sträflingen, welche zum Ersatz für streikende Arbeiter verwende:

wurden, plötzlich ein großes Sterben ausgcbrochcn. Man vermuthet hier ebenfalls Vergiftung. 1 Die Ob­duktion der Leichen von vergifteten Sträflingen in Helena (Mtg.) hat Arsenikvergistung ergeben. 2 weitere Zuchthäusler sind inzwischen gestorben, 75 Zuchthäusler und 2 Aufseher erkrankt.

Die Entdeckung einer Goldmine von fabelhaftem Reichthum ist einem Kaufmann Namens Arthur O. Corua in Altair, einem Städtchen im westlichen Theile des Staates Sonora in Mexiko, auf folgende merk­würdige Weise geglückt. Vor kurzer Zeit kaufte er von einem Indianer ein Stück Quarz, das mehr als 6 Pfund reines Gold enthielt. Wenige Tage später er­schien der Indianer wiederum mit einem von Golde funkelnden Quarzstücke, welches ihm der Kaufmann für 20 Dollars abkaufte. Für 30 Dollars erklärte sich der Eingeborene schließlich bereit, den Fundort angegeben, weigerte sich jedoch, den Kaufmann dahin zu begleiten, einer alten Sage wegen, derzusolge ein Eingeborener, der einem Mexikaner eine Goldmine zeige, innerhalb zwölf Tagen unfehlbar stürbe. Die von Corna so ent­deckte und von ihmFeedvrena" genannte überaus reiche Goldmine weist deutliche Anzeichen auf, daß sie vor langen Zeiten im Betrieb gewesen ist und man nimmt an, daß es eine der Minen ist, welcher die Azteken Jahrhunderte zurück ihren Reichthum zu danken halten. Eine Ausbeute der wieder aufgefundenen Gold­mine im größten Maßstabe ist in Vorbereitung.

Aus Bessarabien kommt, wie derKöln. Bolksztg." gemeldet wird, die Meldung, daß dort die Cholera trotz der strengsten Winterkälte furchtbar wüthet. Die rumänische Regierung ist genöthigt, einen starken Militär- Kordon nufzustellen, um den Verkehr über den Pruth zu verhindern.

Lokales und Provinzielles.

SchlüHtern, 27. Dezember.

* Im Alter von 55 Jahren 11 Monaten verstarb in New-Uork Frau Margaretha Noll geb. Iahn. Die Verlebte war gebürtig aus Schlüchtern und in deutschen, speziell hessischen Kreisen New-Uorks wohlbekannt, be­liebt und geachtet. Der Gatte, Conrad Noll, Frau Lizzic Fuchs, Tochter, Frank I. Fuchs, Schwiegersohn, Ph. Iahn, Bruder, und Minna Iahn, Schwägerin, betrauern das allzufrühe Hinscheiden der guten Gattin und liebevollen Mutter und Schwester. Die Beerdigung fand am letzten Montag unter großer Betheiligung von Verwandten, Freunden und Bekannten sowie folgender Vereine statt: Deutsche Sylvestern Rheinischer Frauen- Bund, Leberecht Uhlig Loge No. 404, J. O. O. F., Schlüchterner Quartelt-Club und Freie Brüder Loge Mo. 103, O. D. H.

* Vom Lande wird geschrieben: Das Winterfeld steht, wie sich jetzt schon erkennen läßt, sehr gnt, so daß hoffentlich auch im nächsten Jahre eine gute Ernte zu erwarten ist. Das Wetter war beim Aussäen sehr günstig und ist die Frucht, ohne von Mäusefraß zu leiden, gut aufgegangen.

* Vom 1. Januar 1893 ab dürfen nur die neuen Frachtbriefformulare nach den Bestimmungen der an diesem Tage in Kraft tretenden Verkehrs-Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands bezw. des Berner internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahn- Frachwerkchr Verwendung finden. Eine Verwendung oei bisherigen Frachtbrief-Formulare über den ange­gebenen Zeitpunkt hinaus ist ausgeschlossen. Die Eisen- oahn-Direktion zu Frankfurt a. M. hat für ihren Bezirk angeordnet, daß die von ihr bezogenen und am 1. Januar k. I. noch nicht verwendeten alten Fracht­briefformulare bis zum 1. Februar k. J. gegen neue Formulare kostenlos umgelanscht werden können. Den Umtausch vermitteln die Dienststellen, durch welche die alten Frachtbrief-Formulare s. Z. bezogen worden sind. Frachtbriefe, die in Privatdruckereien hergestellt und nur mit dem Stempel der genannten Behörde versehen sind, werden zum Umtausch nicht angenommen.

* Für alle jungen Kaufleute, die ein Jahres­einkommen bis zu 2000 Mark haben, ist der 1. Januar 1893 ein bedeutungsvoller Tag, denn an diesem Tage tritt der Krankenversicherungszwang für Handlungsge­hilfen und -Lehrlinge in Kraft. Die Genannten müssen von da an einer Orts-, Gemeinde- oder Freien Hilfs- kasse von Standesgenossen angehören, soweit sie nicht