eine welche die auf ihr ruhende Last (große Mengen Heu und das schwere Dach) nicht mehr zu tragen vermochte und verschüttete die unter ihr stehenden Personen, die nunmehr unter dem hcltauftodcrnden Heuhaufen lagen. Die Leute waren verloren, nur einer (Bürsten, wacher Nicmeyer) enttarn noch lebend, erlitt aber so schreckliche Brandwunden, daß er nach kurzer Zeit starb. Als Leichen wurden unter dem Schutt hervorgezogen: Der Stadtbaumeister Brutkohl, der Gastwirth Oster- mann, der Rendaut Tambornio, der Stukkateur Simonis, der Anstreichermeister Brandstätter, der Schreinermeister Kleincberg und der Bergmann Winterkamp; alle bis auf den Rendanten, waren verheirathet. Bon den zu Tode Gekommenen gehören nur drei, Tambornio, Simonis und Brandstätter der Feuerwehr an; der Stadtbaumeister Brutkohl leitete die Löscharbeiten. Die Leichen sind zum Theil verkohlt.
Eine Aufsehen erregende Neuheit auf dem Gebiete der Blumenzucht wird aus Düsseldorf angekündigt, woselbst gegenwärtig eine Chrysautheuum- Ausstellung stattfindet. Unter den unzählbaren Spielarten der jetzt so modernen Blumenart, welche bisher geruchlos war, ist dort nämlich eine neue ausgestellt, die „Miß Annic Manda" genannt wird und einen wundervollen Duft ausströmt, der sehr an Heliotrop erinnert. Sie zeitigt reinweiße große Blumen, deren Petalen (einzelne Blumenblätter) dicht mit weißen Härchen besetzt sind. Um eine richtige Vorstellung von den Blüthen zu haben, denke man sich einen Büschel weißer, gekräuselter Straußenfedern auf einen Stil. Einer der Preisrichter, Herr Otto Schnurbusch, sagte, daß „Miss Annie Manda'1 in Schönheit und Bau die „M r. Alphons Hardy‘c noch übertrifft. Der Prinz von Battcuberg und Frau Ge- heimrath Krupp in Essen kauften Stecklingspflanzen von dieser Neuheit. Vor etwa acht Tagen zahlte man in London auf der Ausstellung für eine abgeschnittene Blume noch 50 Pfd. Sterl., also 1000 Mark (?).
Trier, 19, Nov. Der Commandeur der 31. Ju- fanteric-Brigade, Generalmajor von Stuckrad, fand heute Morgen ein unerwartetes schreckliches Ende. Wohlgemuth verließ er seine Familie, um vor Beginn des Dienstes einen Spazierritt zu unternehmen. In der Nähe des Drachenhauses hinter Schneiderhof wollte der Reiter das Pferd rasch wenden, aber dieses scheint vor einem Gegenstand gescheut zu haben und warf mit einem gewaltigen Seitensprung den Reiter mit der Stirne an den vorspringenden Ast eines Apselbaumcs. Die Wirkung war eine fürchterliche. Die ganze linke Schädelseite wurde zertrümmert; blutüberströmt stürzte der General vom Pferde, daß den Unglücklichen etwa noch 30 Schritte wciterschlcifle. Dort fand ihn der rasch hinzugeeilte Förster vom Drachenhause in den letzten Zügen. Die Herbeigerufenen Aerzte konnten nur den Tod des Generals fcststcllcn. Die Leiche wurde in das Garnisonlazareth und Abends in die Wohnung des Verunglückten überführt. v. Stuckrad, ein begabter, vielversprechender Offizier, stand erst im 52. Lebensjahre.
Ausland.
Frankreich. Die Franzosen in Dahomey. Der schwarze König Behanzin von Dahomey, der den Franzosen so viel zu schaffen gemacht, scheint nun des Krieges überdrüssig geworden zu sein. Aus Portonovo an der Dahomeyküste wird nämlich gemeldet, der König hätte die ihm von den Franzosen diktirten Fricdens- bedingungen, nach welchen er die Verwaltung seines Landes den Franzosen unterstellt, nur Titularkönig bleibt und auf alle Menschenopfer verzichten muß, an- genommen. Die Hauptstadt Dahomey ist von ihrer Bevölkerung verlassen und so von den Franzosen besetzt worden. Die heilige Stadt der Dahomeer, Kana, der Schauplatz der gräßlichen Menschenopfer, ist nieder- gebrannt. Nach einem unbeglaubigten Gerücht soll König Behanzin auf der Flucht von den Verfolgern gefangen worden sein. — General Dodds telegraphirt, die von Behanzin gewünschten Friedensverhandlungen seien resultatlos verlaufen; Behanzin nahm unsere Bedingungen: Auslieferung der Waffen, Stellung von Geißeln und Zahlung des ersten Theiles einer Kriegsentschädigung, nicht an. Am 16. November rückten die Truppen vor und bedrohten dcu Feind im Rücken. Dies führte den Rückzug Bchanzin's herbei, welcher vorher alle Paläste, sowie die Häuser der.Prinzen verbrannte. Am 17. d. M. zog die Kolonne in Abomey ein und nahm den großen Palast in Besitz, auf dem die Trikolore flattert. Behanzin ist mit den Trümmern der Armee drei Marschtage von Abomey zurückgezogen. Ich beginne nunmehr die Okkupation des Territoriums von Dahomey.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 25. November.
* — Um jedem Zweifel zu begegnen, welcher in- bezug auf die Sonntagsruhe vor dem WeihuächtKfeste laut werden könnte, geben wir nachstehend den Wortlaut der für den Regierungsbezirk Kassel geltenden Bestimmung wieder. Dieselbe lautet: „An den letzten 3 Sonntagen vor Weihnachten dauert im ganzen Regierungsbezirk die zulässige Beschüftigungszeit in allen Zweigen des Handclsgcwcrbes bis 7 Uhr Abends."
* — Zufolge amtlicher Bekanntmachung ist der Betrieb des Handels-Gewerbes an den 4 letzten Sonntagen vor Weihnachten, also vom nächsten Sonntag ab in der Zeit von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, mit Ausnahme der von der Ortspolizeibehörde festgesetzten zweistündigen Pause während des Hanptgvttes- dieustes, zulässig.
* — Zur Warnung berichten Berliner Blätter Folgendes: In Potsdam starb am 17. d. M. die Frau des früheren Rittmeisters im Regiment der Gardes-du Corps Hans von Arnim, geborene von Alvensleben an der Diphteritis. Die Dame pflegte einen ihrer an der Diphteritis erkrankten Söhne und beging im Gefühle vollen Mutterglückes über die glücklich bestandene Krise des Kindes die Unvorsichtigkeit, dieses zu küssen, und sog so den Keim des Todes ein, gerade wie ihrerzeit die Großherzogin Alice von Hessen.
Hanuu, 22. November. Mit Bezug auf die kürzlich gebrachte Mittheilung, daß ein Bursche in verschiedenen Orten der Kreise Offenbach und Hauau Schwindeleien verübte, indem er sich für einen Agenten der Friedrich- Wilhelm-Krankenkasse aus gab und die Einwohner zum Beitritt in diese Kasse und zur Hinterlegung des Eintrittsgeldes bewog, wird heute mitgetheilt, daß der Schwindler in der Person des Eigarrenmachers Heinrich Johann Spange aus Schwerin ermittelt und zur Haft gebracht worden ist. Derselbe befindet sich im Kgl. Amtsgerichts- gefängniß zu Geluhauseu.
In Hünfeld hat es wieder einmal gebrannt — zum Glück nicht bedeutend, aber immerhin so, daß nach Lage der Sache die dortigen Einwohner darüber von großem Unwillen befallen sind. Das Feuer entstand in einem gut versicherten, früher schon zum Brennen geneigten Hause beim „Frankfurter Hof", ganz in der Nähe des Rudolf Aha'schen Wohnhauses und äscherte dieses nebst zwei alte Nachbarhäuser in kurzer Zeit und trotz energischen Eingreifens der städtischen Feuerwehr ein. Auf diese Weise ist es möglich, daß Hünfeld noch eine ganz neue Stadt wird.
Casscl, 24. Nov. Der Provinziallandtag hat sich einstimmig für Erhaltung der Hof-Theatcr in Casscl und Wiesbaden ausgesprochen und beschlossen, hiervon dem Ministerium Mittheilung zu machen.
Aus dem Kreise Marburg. In seiner letzten Sitzung hat der Kreistag des Kreises Marburg die Mittel zur Verfügung gestellt, um auch die Landwege des Kreises mit einer Dampf-Straßenwalze bearbeiten zu lassen. Letzteres hat nämlich den Vortheil, daß die neueingebetteten Wege sofort benutzt werden können, während es früher längere Zeit dauerte, bis dieselben eingeebnet und angefahren waren. Es ist dieser Beschluß von der gesummten Krcisbcvölkernng mit Freuden ausgenommen worden, da er es einerseits ermöglicht, unsere Landwege in eine bessere Verfassung zu bringen, andererseits aber die Landgemeinden von der Last der Selbcinbettung des Steinmaterials auf den genannten Wegen befreit, die nunmehr auf Kosten der Kreiskasse geschehen soll. Die erwähnte Walze wird in 3 Hauptzügen zur Verwendung kommen und hat ihre Arbeit im hiesigen Kreise bereits begonnen. Das erste Feld ihrer Thätigkeit lag in den Gemarkungen der Gemeinde Wehrda, Marbach, Wehrs- Hausen, Ellnhausen, Dilschhausen, Weitershausen, Nesselbrunn, Hermershausen, Haddamshausen, das zweite jetzt begonnene liegt in den Gemarkungen von Cyriapweimar, Nicdcrwcimar, Ockershausen, Wehrda, Goßfelden, Sterz- Hausen, Michelbach, Görzhäuser Hof, Dagobertshausen, Caldern und Kernbach, und von hier aus wird die Walze int Amte Wetter zur Verwendung kommen.
Susanne.
Novelle von M. W. (ForlseKunz.)
Auch das Bitterste, das Qualvollste war überstanden. Der blumengeschmückte G abhügel wölbte sich über den irdischen Resten Robert Müllers. Aber die, welche den Todten zur letzten Ruhe geleitet, kehrten nach häßlichem alten Dorfgebrauch in das Trauerhaus zurück, um sich von der Wittwe bewirthen zu lassen. Glücklicherweise jedoch endete der Schulze die Festlichkeit um vieles früher, als es sonst bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegte. Vielleicht genügte es dem reichen Bauer nicht, daß man ihm nur mit Kaffee und Kuchen aufgewartet hatte — wo man in anderen Häusern das Bier und die Spiritousen in Strömen fließen ließ. So erhob er sich denn noch vor Anbruch des Abends von seinem Sitze. Die übrigen Gäste folgten dein Beispiel ihres Oberhauptes. Sie wünschten der Wittwe nochmals Gottes Trost und — daß der Allgütige ihr nach Jahresfrist einen eben so braven Gatten schenken möchte, als es der Verstorbene gewesen. Dann aber verließen sie auch mit dröhnenden Schritten das Hans und der kleine Kreis der Hinterbliebenen war allein.
„Gott sei Dank!" konnte sich Susanne nicht enthalten auszurufen, als sich die Thür des Schulzimmers, in dem die Gäste bewirthet worden waren, hinter dem letzten derselben geschlossen hatte. Der kleine Leopold aber sah den Abgchenden noch vom Fenster aus mit bitterbösen Blicken nach. Ja, die braunen Händchen zur Faust geballt, sagte er sogar weinerlich: „Beinahe allen Kuchen
haben sie uns aufgegessen, Mutter! Der Schulze hat sich immer die größten Stücke genommen, und Bauer Werkmann —".
„Pfui, Kind, wer wird so sprechen," unterbrach die Schullneisterin da ihren Einzigen. Aber nicht mit dem nörgelnden Ton, welcher ihr zu Lebzeiten des Gatten ' eigen. Dann wandte sie sich zu Richard, der am obersten Ende der langen Tafel neben Susanne saß und eben schmerzlich bewegt in das kummervolle Ge- sichtcheu seiner Cousine sah.
„Ich bin auch nur die Tochter eines Ackerbürgers, welche wohl an den Gebrauch gewöhnt sein müßte, in tiefstem Herzeleid noch Schmausereien auszurichten. Aber dennoch — glauben Sie es mir, Herr Neffe, empfinde ich genau wie Sie: auch mir graut vor solchen Dingen — sie erscheinen mir widerwärtig und unnatürlich." j Der Angeredete fuhr fast erschrocken in die Höhe. Er hatte sichtlich nur die letzten Worte der Tante gehört und beantwortete sie mit einem zustimmenden Kopfneigen. Dann erhob er sich schnell und an Susanne gewendet, die wortlos vor sich hinblickte, sagte er freundlich:
„Sie sehen sehr angegriffen aus, Cousine! Lassen Sie uns hinaus in die frische Luft gehen — die erdrückend heiße Zimmeratmosphäre ermattet Sie."
Susanne verließ sofort ihren Platz. Während die Wittwe nun Annen und Trinen befahl, ihr und der kleinen Magd beim Abräumen zu helfen, trat das junge Paar hinaus in den kleinen Vorgarten. Hier holte Susanne tief Athem: ihr Blick glitt schmerzlich über die schmalen Beete mit den einfachen Blumen darauf. Dann sagte sie mit umflorter Stimme:
„O, Gott! Wenn ich mein Eldorado wiedersche, wird es im Besitz eines Fremden sein!
Die Thränen traten ihr in die Augen und im Impulse des Moments die Hand auf den Arm des Vetters legend, stieß sie leidenschaftlich hervor:
„Consin — auf dieser winzigen Scholle Erde habe ich die glücklichsten Zeiten verlebt! Die ganze Kindheit, in der meine junge Seele doch noch von keinem Kummer getrübt wurde. Während jetzt —".
Richard hatte aufmerksam und befremdet zugleich in das junge, liebliche Gesichtchen gesehen. Jetzt drückte er Susannes Hand, und einen innigen Blick in ihre umflorten Augen werfend, erwiderte er:
„Seien Sie aufrichtig gegen mich, Susanne, und gestehen Sie mir, daß Sie sich momentan noch von einem andern Leid bedrückt fühlen, als dasjenige ist, welches Ihnen der Verlust Ihres Vaters verursacht?"
Als aber das schöne Mädchen nur leise seufzend, ohne doch ein Wort zu erwidern, vor sich niedersah, fuhr er noch inniger, noch dringender fort:
„Vor allen Dingen glauben Sie mir, daß es eine Wohlthat ist, sich aussprechen zu können. Sagt nicht auch ein treffliches Dichterwort: „Getheilte Freude ist doppelte Freude — getheilter Schmerz ist halber Schmerz!"
„Ja, ja — und ich glaube auch an die Wahrheit dieses Satzes!" tarn es nun schluchzend über die Lippen der Aermsten. Dann aber nahm sie all' ihre Willenskraft zusammen und sagte: „Dennoch — bitte ich Sie, Vetter, lassen Sie mich schweigen!"
„So vertrauen Sie mir also doch nicht?" meinte der Baumeister schmerzlich.
Sie drückte die Hand auf das Herz :
„Doch — doch! Aber —",
Susanne sah wieder vor sich nieder. Man merkte es ihr an, daß sie innerlich mit sich sümpfte. Dann schüttelte sie energisch den blonden Kopf.
„Lassen Sie uns von anderen Dingen reden, Richard," sagte sie rasch und setzte nach einer Pause, freilich recht unmotiviert hinzu: „Ich muß leider morgen schon wieder die Heimath verlassen, werde ich es unter Ihrem Schutze thun dürfen?"
Sie hob bittend die Augen. Vor dem sanften Strahl des unschuldigen Mädchenblicks, welcher ahnungslos, wider Willen alles verrieth, was Susannes Herz für Richard empfand, errötete aber der große, stattliche Mann vor neuerwachtem Glücksgefühl.
„Gewiß, gewiß!" erwiderte er eifrig in seiner offenen, treuherzigen Weise: „Die Wahrheit gestanden, habe ich vonherein darauf gerechnet, gemeinsam mit Ihnen die Rückreise anzlltreten. Trotz der aufrichtigen Theilnahme an dem Verlust, der die E—. Verwandten betroffen, freute ich mich doch auf diese langen Stunden im Eiscnbahncoupa. (Fortsetzung folgt.)
Etwas über Zeitungen.
(Lchluß.)
So wenig Unterstützung nun die Zeitung findet, so anspruchsvoll wird Mancher, wenn er irgend ein persönliches Interesse oder eine Reklame bei Aufgabe eines Inserates verfolgt. Dann kommt er, der „langjährige Abonnent" mit seinem „Eingesandt" „Civis14 „Unus pro multis“ :c. und verlangt oft kaltlüchelnd, daß das Blatt die Haut für ihn zum Markte trage. Daß manchmal ernste Unannehmlichkeiten und weitgehende Schädigung des Blattes die Folgen sein können, das ist dem Einsender selten klar zu mache». Er will für Alles cinstehen, gibt aber seinen Namen als Unterschrift nicht her. Ost sucht der Redakteur in seinem weitgehenden Entgegenkommen das nur eben Mögliche in solchen Angelegenheiten zu thun, und der betreffende