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Mittwoch, den 2. November
1892.
Amtlicher Theil.
Ew. Hochwohlgeboren erwidere ich auf die gefällige Anfrage Dom 24. d. Mt-, J. Nr. 13063, betreffend die Zahlung des Viehbestandes in dem dortigen Kreise, ergebenste daß diesseits keine Bedenken bestehen, wenn die erforderliche Viehzählung bis zu der am 1. Dezember d. Js. statifindenden allgemeinen Zahlung ausgesetzt werden wird.
Gleichzeitig ersuche ich ergebeust, die Ew Hochwohl- geboren von hier aus mitgetheilten Formulare nach Maßgabe der Resultate der allgemeinen Viehzählung vom 1. Dezember er. gefälligst austülleu lassen zu wollen.
Cassel, den 28. Oktober 1892.
Der Land es -Dir c ctor.
Nr. 7611. Die Herren Bürgermeistern und Guts- vorsteher des Kreises wollen hiernach die Zählung des Viehbestandes bis zum 1. Dezember er. aussetzen und wird meine Verfügung vom 19. d. Mis. Nr. 7302 — Kreisblatt Nr. 45 — hierdurch abgeändert.
Schlüchtern, den 31. Oktober 1892.
Der Königliche Landrath: i. V.: Go erz.
Deutsches Neich.
Berlin, 31. Okt. Der Kaiser, die Kaiserin und die drei Prinzen reisten um 3 Uhr 15 Minuten von Potsdam nach Wittenberg in Begleitung der Fürstlichkeiten über Berlin, wo um 9 Uhr 15 Minuten der Prinzregent Albrecht, der Erbprinz von Meiningen, der Großherzog von Oldenburg und der Reichskanzler entstiegen. — In Wittenberg begaben sich der Kaiser und die Kaiserin mit den drei ältesten Prinzen nach der Beendigung des Gottesdienstes nach dem Lutherhanse zur Unterzeichnung der Urkunde und alsdann zur Beiwohnung des historischen Festzuges, der auf das Glänzendste verlief. Die Kaiserin verließ mit Ihren königlichen Hoheiten der Erbprinzessin von Meiningen und bet Prinzessin Friedrich Leopold und den drei kaiserlichen Prinzen kurz vor 2^ Uhr das Lutherhaus, um nach Berlin zurückzukehren.
— 27. Oktober. Durch eine vom 26. d. M. datirte Cabinetsordre wird der Reichstag auf den 22. November einberufen.
— 27. Oktober. Staatssekretär v. Bötticher theilte in der heutigen Bundesrathssitzung mit, daß wegen der vorzeitigen Veröffentlichung der Militärvorlage eine strenge Untersuchung eingeleitet worden sei und daß künftig sämmtliche Drucksachen des Bundesraths, auch die Tagesordnungen, als geheim zu behandeln sind.
— Die Publikation der neuen Militärvorlage durch die „Köln. Ztg." ist, wie nunmehr feststeht, durch einen groben Vertrauensbruch erfolgt und die Einwendungen des rheinischen Blattes Hiergegen sind nicht stichhaltig. Der „tzamb. Korr." bestätigt, daß gegen die „Köln. Ztg." wegen Veröffentlichung der Militärvorlage die Untersuchung eingeleitet ist. In der letzten Sitzung des Bundesraths hat auch Staatssekretär v. Bötticher seinem Bedauern über die widerrechtliche Publikation Ausdruck gegeben.
* — Die durch hervorragende Landwirthe aus den Provinzen verstärkte technische Deputation für das Vetcrinärwesen ist zusammengetreten, um Maßregeln zur wirksameren Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche, der Lungenseuche und des Rothlaufs der Schweine zu berathen.
— Bei der preußischen EiscnbnhnverwaUurg ist in Anregung gebracht worden, ob die Eu künfte nicht durch Zulassung von Geschäfts- und BergnugungSanzeigen auf Bah steigen, in Warteräumen und in Zügen zu steigern seien. Die Eisenbahnverwaltung hat sich dieser Anregung nicht von vornehercin verschließen wö„en. Es findet daher dem Berl. Akt. zufolge am 28 d. Mts. im Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine komm statische Berathnug der Frage statt.
* — Der Buchhalter Eduard Frank, der s. Zt. im im Verein mit Makler Schwieger die deutsche Bank um 3,220.558 Mk geschädigt hat, wurde heute vom hiesigen Landgeriät zu 4 Jahren Ge'ängr iß, 3000 Mk. Geldbuße und Ehrverlust auf 3 Jahre verurtheilt. Schwieger ist bereits früher zu derselben Strafe verurtheilt worden.
Frikdrichshafen, 30. Okt. Die Königin Olga, welche bekanntlich seit längerer Zeit schwerkrank darmederliegt, ist heute Abend 7 Uhr sanft entschlafen. Der Heim
gang der schon seit Jahren leidenden Königin-Wittwe Olga wild eine schmerzlich gefühlte Lücke zurücklassen, s Eine edel und groß angelegte Natur, hat sie es mit dem Berufe, der ihr zugefallen war, ernst genommen und namentlich auf den Gebieten der Erz^ehung, der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe mit den ihr zu K-bote stehenden reichen Mitteln außerordentlich viel geleistet, so daß noch späte Geschlechter ihr Andenken segnen werden.
Metz, 25. Okt. Sowohl auf den Schlachtfeldern um Metz als auch bei Spichern werden zur Z-it alle einzeln in den Feldern zerstreut liegenden Kriegergräber ausgehoben und die Gebeine der Gefallenen gesammelt und gemeinsam in Massengräbern wieder beerdigt. Die auf französischem Boden bei St. Privat und Verneville Ruhenden sind bereits vor einiger Zeit auf deutsches Gebiet verbracht worden. Es sind dies besonders einstige Angehörige der schleswig-holsteinischen und hessischen Division, die da, wo sie gefallen, zwischen Verneville und Mariechauxchenes auf französischem Boden beerdigt worden waren.
Am jüngsten Dienstag ging, wie aus Darmstadt berichtet wird, in der Nähe des Dorfes Wahlen im hessischen Odenwald, etwa drei Stunden von Weinheim an der Bergstraße gelegen, ein großer Luftballon nieder. Im Korb saß ein fast völlig erstarrter Franzose, der kein Wort deutsch verstand. Dem Vernehmen nach soll derselbe in Paris aufgestiegen sein. Jedenfalls hat der Mann sein Reiseziel verfehlt, denn in jetziger Jahreszeit stattet gewiß kein Pariser freiwillig dem Odenwald einen Besuch ab.
Aschaffeaburg, 27. Okt. Ein interessantes Vor- kommniß beschäftigte dieser Tage das Schöffengericht im venachbarlcn Lohr. Ein Gast hatte in einer Wirthschaft gezecht, sich beim Weggehen eine Cigarre angezündet und hiebei einige Streichhölzchen in die Westentasche gesteckt. Ein Gendarm, welcher den Vorfall mit ansah, erstattete Anzeige, und daraufhin wurde der Delinquent heute zu einem Tage Gefängniß wegen Diebstahls Der« urtheilt.
In Folge der drohenden Choleragefahr sind auch in Elberfeld die Brunnen untersucht worden, wobei sich haarsträubende Resultate ergeben haben. Von 66 Brunnen sind 56 geschlossen worden, well deren Wasser im höchsten Grad gesundheitsschädlich wirkt.
Das Landgericht zu Dortmund verurtheilte den Bankier Herbrecht aus Unna wegen 111 Wechselfälschungen über eine Gesammtsumme von rund 800,000 Mark zu 3 ’/s Jahren Gefängniß. Der Staatsanwalt hatte 7 Jahre Zuchthaus beantragt.
Erkelenz. 27. Oktober. Die Tochter des Gutsbesitzers Püllen von Mennekerath war vor einigen Tagen, als sie mit ihrem Bräutigam vom Standesamt Heim- kehrte, durch drei Schüsse, die aus einem Gebüsch an der Landstraße fielen, getödtet worden. Am ersten Tage nach der That wurden der Schuhmacher Schwitz aus Mennekerath und der Rottenarbeiter Hoffer aus Mell- busch verhaftet. Beide sind jedoch als unschuldig wieder entlassen worden, weil sie genau nachweisen konnten, wo sie zur Zeit der That sich aufgehalten hatten. Gestern wurde nun der Gutsbesitzer Püllen selbst verhaftet, weil er verdächtig ist, seine eigene Tochter erschossen zu haben. Püllen Hot sieben Kinder, davon sind fünf theils taubstumm, theils etwas schwachsinnig. Das ermordete Mädchen war vernünftig, ebenso ein Sohn, der in Cob- lenz beim Militär dient.
Magdtburg, 28. Oktober. Von den beiden Raubmördern, die den Mord an dem Schlosser Kietzmann in der Forst bei Clötze vollführt haben, ist der eine in der Person des Schlossers Ludwig Büsch bereits ergriffen worden. Derselbe ist geständig. Als Mitthäter ist dringend verdächtig der Schlosser August Suhr aus Hagen. Derselbe hat sich in Hannover von Busch getrennt und ist von da nach Dortmund gefahren. Die Legitimationspapwre und die Uhr des Ermordeten soll er mit sich tragen. Der Untersuchungsrichter veröffentlicht ein sehr ausführliches Signalement des Suhr und ersucht um Nachforschungen in Herbergen, Verpflegungs- stationen und Arbeiterkolonien.
Halle, 30. Oktober. Eine Riesendividende, nämlich 48 ’/2 % gewährt für das am 31. August beendete Ge schästsjahr die Aktien-Zuckerfabrik „Holland" in Cöthen auf das 630 000 Mk. betragende Aktienkapital.
Der Gastwirth Schmidt in Hochheim bei Erfurt vereinnahmte kürzlich einen Pfennig, der keinen Klang hatte.
Bei näherer Prüfung ergab sich Folgendes: Das Geld- stück bestand aus zwei kapselartig ineinander gefügten Theilen. Innen war das Bildnis des jetzigen Kaisers eingraviert; außerdem war zu lesen: „Reichstreue Wähler, thut Eure Pflicht am 20. Februar 1890." Daß der Gastwirth den interessanten Pfennig nicht wieder verausgabte, ist selbstverständlich.
Mühlhausen. Gegen die Giltigkeit der am 26. und 27. d. M. vorgenommenen Ziehung der Mühlhäuser Geldlotterie ist von verschiedenen Seiden Protest erhoben worden. Der von dem Redakteur der „Mühlhäuser Zeitung" an den Landrath eingereichte Protest zählt nicht weniger denn 9 Punkte auf, in denen Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. Unter anderem sind während der Ziehung eine größere Anzahl von Loosen aus der Trommel herausgefallen, ohne daß eine neue Einzählung derselben vorgenommen worden ist, sodaß den Loosinhabern keine Garantie geboten worden ist, daß sämmtliche Loose wieder in die Trommel zurückgelangt sind. Für die jetzigen Gewinner wäre es eine große Enttäuschung, wenn dem Protest stattgegeben würde. Da man nicht weiß, wie die Entscheidung der Behörde ausfällt, so empfiehlt es sich, auf jeden Fall die Loose aufzubewahren.
Gleiwitz, 28. Oktober. Von flüssigem Eisen über gössen wurde gestern Nacht auf der Schlackenhalde der Königlichen Hütte in Gleiwitz ein unbekannter Mann. Derselbe hatte sich auf den Halden zur Ruhe gelegt und wurde bei dem zweiten Abstich mit glühender Schlacke übergossen. Die Leiche des unbekannten Mannes ist verkohlt.
Hamburg, 27. Okt. Was eine Epidemie allein an einmaligen und außerordentlichen Ausgaben kostet, das lehrt die Uebersicht, welche der Hamburger Senat an die Bürgerschaft als Begründung für die Nothwendigkeit einer „temporären" Anleihe zugehen ließ. Zur Fertigstellung von Baracken und Feldlazarethen hat die Bau- Deputation verausgabt 612,400 Mk., die Einrichtungsund Betriebskosten beliefen sich auf 1,195,700 Mk. Der Bau provisorischer Leichenhäuser hat 67,600 Mk., die Kranken- und Leichentransporte 294,000 Mk., die Desinfektion 560,000 Mk., die Wasserversorgung 240,500 Mk-, die vorläufige Unterbringung von Waisenkindern, Reconvalescenten und Evacuirten 97,500 Alk. beansprucht. Sonstige Ausgaben, wie Errichtung eines provisorischen hygienischen Instituts, Aerztehonorar, Beerdigungskosten, Druck- und Bureau-Kosten, Ausgaben in den Landgemeinden, wurden in Höhe von 238,900 Mk. geleistet. Der Gesammtbettag beläuft sich auf 2,886,800 Mk. Hierzu werden noch die vermehrten Ausgaben für die Waisen- und Armenpflege hinzukommen, welche den Jahreshaushalt Hamburgs für die nächste Zeit erheblich belasten werden.
Elbing, 26. Oktober. In den mennonitischen Gemeinden Westpreußens begeht man am 6. November die 400jährige Gcburtsfeier Menno Simons', des Be- grü-ders des mennonitischen Ritus. Er wurde im Jahre 1492 in Witmarsum in Westfriesland geboren, wirkte im Jahre 1516 als katholischer Prister im Dorfe Ping- jum und stellte die mennonitischen Thesen auf. Er starb am 13. Januar 1559. Die Mennoniten finden sich heute noch in großer Zahl, besonders in der fluchtbaren Nogatniederung, wo sich ihre Grundstücke Vortheilhaft von solchen unterscheiden, deren Besitzer polnischen Ursprungs sind.
Ausland.
Lissabon, 29. Oetober. Der englische Postdampfer „Roumania", von Liverpool nach Bombay bestimmt, scheiterte bei Foz Arelho Peniche an der Küste von Portugal. Bon 55 Passagieren und 67 Mann Bemannung wurden nur 9 gerettet. Unter den Ertrunkenen befinden sich der Kapitän und ber Lootse.
Amerika. Ein lebhafter Wettbew rb ist in Amerika um gewisse Exemplare der Chicagoer Weltausstellungs- münze entstanden, die den Nennwerth eines halben Dollars haben wird. Auf die allererste und allerletzte dieser Münzen wurden bohe Angebote gemacht, Die üver 1000 Dollars hinausgingen. Der Weltausstellungs- Schatzmeister war klug genug gewesen, keines dieser Angebote anzunehmen, und heute sieht er sich für seine sinartness glänzend belohnt. Die Kensington Typewriter Company, ein Schreibmaschinen fabrieirendes Millionen- geschäst, hat, natürlich der Reclame wegen, jetzt die