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In Durbach in Baden hat'' am Dienstag v. W. einer der wohlhabendsten Bürger infolge eines Streites seinen eigenen Sohn erschossen. Der Streit war da­durch entstanden, daß der Sohn aus einem Faß Wein genommen nnd schlechteren dafür hincingcthan haben sollte. Der Vater, welcher als jähzornig und händel­süchtig gilt, griff plötzlich nach einem an der Wand hängenden Gewehr und gab einen Schuß auf seinen Sohn ab, an dessen Folgen letzterer starb.

Ausland.

Auf Corstka hat ein Wirbel-Sturm über 100 Menschenopfer gefordert; mehr als 300 Häuser sind vollständig zerstört.

^Nach der neuesten Meldungen aus Cagliari (Sardinien) sind durch die Ucberschwemmungen 500 Häuser eingestürzt. In Duimo sind 45 Leichen in der Kirche und 25 im Pfarrhaus untergebracht. Lebens­mittel, Kleider und Bettzeug sind für die Obdachlosen auf der Präfektur eingetroffen.

Leider konnte man ihn nur als Leiche unter dem Wagen hervorholen. Gerstung war 46 Jahre alt und hinterläßt eine Wittwe mit 6 kleinen Kindern in ärmlichen Ver­hältnissen.

r. Birstein, 25. Oktober. Ueber das Vermögen des Fabrikanten I. Hemmerling zu Düsseldorf, der auch Besitzer des Bades Soden bei Salmünster und der Fürstlich-Jsenburg-Birstein'schen Holzindustrie I. Hemmer- ling u. Co. ist, welche zu Birstcin und Wächtersbach Dampfsägewerke betreibt, ist am 21. d. Mts. Concurs angemeldet. Von kompetenter Seite erfahren wir, daß die fürstliche Verwaltung mit dieser Commandit-Gesellschaft Nichts zu thun hat und daß nur Seine Durchlaucht der Erbprinz mit einer geringen Einlage betheiligt ist.

Das Reformationsf-st.

Man kann nicht Reformationsfest feiern, ohne des großen Mannes zu gedenken, der als das von Gott auserwählte Rüstzeug dieses Werk der Kirchenverbesserung mit dem Anschlagen seiner 95 Sätze an die Thüre ver Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 be­gonnen hat und der in den Herzen der weitaus größten Mehrzahl unsres Volkes als Wohlthäter und Retter verehrt und bewundert fortlebt.

Es ist nur eine Gestalt aus allen Jahrhunderten der deutschen Geschichte, die Luther an die Seite gestellt werden kann, nämlich Kaiser Karl der Große. Karl der Große, der deutsche König, und Martin Luther, der deutsche Prophet, Beide eines Hauptes länger denn alles Volk. Kein Volk auf Erden hat einen Mann aufzuweisen, in welchem sich Christenthum und Volksthum so innig durchdrungen hatten, als in Luther. Seit der Apostelzeit ist in der Kirche keiner aufgestanden, der das Wort des Glaubens so geistesmächtig gepredigt und für die Jahrhunderte nach ihm solchen Segen hinterlassen hat als er. Mit kühner gewaltiger Hand schob der riesige Recke alles bei Seite, was sich zwischen Christen­thum und die einzelne Seele als Mittler stellte, mit wuchtiger Faust stieß er jeden zurück, der seinen Herrn Christum antastete. Mit mächtiger Stimme verkündete er der Welt die vergessene evangelische Lehre von der Glaubensgerechtigkeit und dem allgemeinen Priesterthum, mit glühenden Worten legte er Zeugniß ab für evangelische Gewissensfreiheit.

Luther ist es, der die irdische Arbeit und den welt­lichen Beruf, die damals so gering und arm von der Welt geachtet wurden, wieder als Gottesdienst geadelt und geweiht hat.

Auch diejenigen, welche die Reformation beklagen,« weil durch sie die Kircheneinheit unsrem Volke verloren gegangen ist, müssen in ihm den deutschen Mann be­wundern. Deutsch ist seine Heimaths- und Vaterlands­liebe, seine Verehrung für Kaiser und Fürst wie seine I Hingabe an das Volk. Deutsch ist sein Familiensinn und Familienleben, seine Freude an Natur und Musik. Deutsch auch ist seine Frömmigkeit, sein kindlich traulicher Verkehr mit Gott und der tiefe Ernst für das Heilige, für das Seelentheil. Er war ein Mann, der das Volk verstand. Keiner hat so wie er die deutsche Volksseele in ihrer ganzen Tiefe erfaßt. Er erkannte, wo den kleinen Mann in Stadt und Land der Schuh drückte, und verlangte energisch Abhilfe.

Er vertheidigte die Rechtmäßigkeit vieler von den Bauern in ihren 12 Artikeln vorgebrachten Beschwerden und forderte von den Fürsten, sie sollten den Bauern geben was recht und billig sei. Als jene aber anfingen zu sengen und zu brennen, da entbrannte sein heiliger Zorn und er verlangte die strengste Bestrafung dieser räuberischen und mörderischen Bauern".

Mit der deutschen Bibel und dem kleinen Katechis­mus hat Luther seinem Volke eine einheitliche Sprache gegeben, die Sprache, die heute noch gilt !soweit die deutsche Zunge klingt", die Sprache, welche zur Zeit der politischen Zerrissenheit allein uns noch daran er­innerte, daß wir ein großes deutsches Volk sind.

Schwache Seelen haben daran Anstoß genommen, daß der ehemalige Augustinermönch heirathete. Wir danken es ihm, denn er brach die Tyrannei der kanonischen Ehehindernisse, er brächte Gottes Ordnung und Stiftung wieder zu Ehren und gab durch seine eigene Ehe dem deutschen Volk eine Musterbild eines schönen Familienlebens. Wie liebte Luther die Kinder! Mit welcher Hochachtung sprach er von denkleinen Majestäten", wie trat er für sie ein und forderte von den Eltern und Behörden, daß sie das junge Volk nicht sollten aufwachsen lassen wie das Holz im Walde, sondern die Kinder das Evangelium lehren. So ward er der Vater der deutschen Volksschule.

Was aber Luther zu dem machte, als welchen wir ihn allezeit rühmen werden, das war sein felsenfester Glaube, mit dem er Christum umklammerte, das war seine brennende Liebe zu dem, der ihn zuerst geliebt.

Lokale- u»d provinzielles. Schlächtern, 28. Oktober.

* Gestern morgen sank die Temperatur auf 2 Grad Kälte, infolgedessen sich im Freien vielfach Eis bildete. Was an Blumen, Gemüse rc. sich noch in den Gärten rc. befand, ist alles erfroren.

* Nach dem Urtheil der Wetterpropheten hätten wir heuer einen baldigen, harten und langen Winter zu gewärtigen. Verschiedene Anzeichen aus dem Thier- und Pflanzenleben sollen nach Ansicht jener Wetterkundigen darauf hindeuten. Aus dem frühzeitigen Abzug der meisten Wandervögel, sowie aus dem Umstand, daß das Laub der Birken nicht wie sonst von der Spitze, sondern von den unteren Aesten anfängt, gelb zu werden, will man auf einen baldigen Winter schließen können, während die noch fest an den Zeigen sitzenden Blätter der Bäume auf eine» besonders harten Winter Hinweisen sollen. Ein langer Winter endlich würde uns deshalb bevor- stehen, weil die Blütenähren des rosafarbigen Haide- krautes in diesem Jahr eine ungewöhnliche Länge gezeigt hätten. Die Wetterpropheten irren sich aber auch manch­mal, und so wird's wohl auch diesmal heißen:Wenn's zutrisft, fehlt's nicht."

* Auf Grund des Kreistagsbeschlusses vom 30. September cr. ist jetzt die in diesem Jahre zu zahlende Kreissteuer ausgeschrieben worden und zwar 12'/, pCt. der Einkommensteuer und 6'/« pCt. der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer.

* Zur Wahl der Steuerausschüsse zur Fest­setzung der neuen Gewerbesteuer ist für die Gewerbe­treibenden der Klassen III. und IV. Termin auf den 8. November d. Js., Morgens 10 Uhr im Königlichen Landrathsamt dahier anberaumt worden. Zur Klasse III gehören alle Gewerbetreibende, welche 36 Mk. und mehr Gewerbesteuer zahlen, und zur Klasse IV. diejenigen Gewerbetreibende, die weniger als 36 Mk. Gewerbe­steuer zahlen (cfr. heutiges Kreisblatt).

* Die Theatergesellschaft Dietrich, von vergangenem Jahr her noch gut bekannt, wird demnächst hier einen Cyclus von Vorstellungen geben.

* Der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des vor 8 Wochen dahier verstorbenen Herrn Gerichtsassessors Gößmann wurde am Dienstag auf Wunsch der Angehörigen auf hiesigem Friedhof wieder ausgegraben und am Mittwoch nach Frankfurt übergeführt, um daselbst endgültig im Familienbegräbniß beigesetzt zu werden.

* Jetzt bei dem frühen Dunkelwerden müssen bekanntlich alle auf öffentlichen Straßen fahrenden Wagen mit brennender Laterne versehen sein, sobald die Dunkel­heit eintritt. Diese Bestimmung wird, wie in allen Jahren vorher, auch diesmal wieder vielfach unbeachtet gelassen. Weil nun aber dieses Nichtbeachten der gesetz­lichen Bestimmungen nicht allein den Passanten der Straßen gefährlich ist, sondern sich auch an den Be­sitzern der Geschirre schwer rächen kann, so wollen wir deren Beachtung hiermit warm empfohlen haben. Der Geschirrinhaber, durch dessen nicht beleuchtetes Fuhrwerk irgend ein Unfall herbeigeführt wird, hat nämlich nicht nur Bestrafung zu erwarten, sondern ist auch zur völligen Schadloshaltung des Geschädigten verpflichtet.

Elm. Am vorigen Sonntag ist einem Schweinfurter Gendarmen auf dem Transport von Elm nach Schwein­furt aus dem Eisenbahnzug durch das Fenster des Abortes ein zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilter Mann entsprungen. Der Gendarm zog sofort an der Nothbremse, worauf der Zug hielt. Der entsprungene Sträfling wurde gleich aufgesunden. Derselbe lag bewußtlos mit eingeschlagenem Kopf auf dem Bahndamm. Er wurde in den Packwagen verbracht und nach Schwein­furt transportiert, wo er anderen Tages, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein, gestorben ist.

Tann a. V. Rh., 24. Okt. Vorgestern hat sich auf der Struth, einer eine Stunde weit von hier entfernten, hoch gelegenen großen Hutfläche, ein sehr bcdauernswerther Unglücksfall ereignet. Einige Bauern von Günthers hatten eine Fuhre Streu aufgeladen; das Fahren ging infolge tiefer Gräben rc. schwer von statten, plötzlich stürzte der schwer beladene Wagen um, und zwar über den Taglöhner Gerstung von Knottenhof, der gerade mitbehilflich war, den Wagen im Gleichgewicht zu erhalten,

Susanne.

Novelle von M. W.

(Fortsetzung.)

Er ist wirkich schwer krank," sagte während des Steigens das junge Weib,und wir würden ihn längst nach einem Krankenhause geschafft haben, wenn er nicht

so flehend gebeten hätte, ihn im Hause zu behalten! Er muß wohl triftige Gründe haben, seine Anwesenheit in der Stadt geheim zu halten. Wir haben ihn nicht einmal auf der Polizei anmeloen dürfen. . . . Aber da sind wir schon! Stoßen sie sich nicht, Fräulein!"

Mit diesen Worten öffnete Frau Michaelis eine Thür. Dann schob sie das junge Mädchen in den schmalen, bei­nahe dunklen Korridor, von dem aus eine Scitenthür in ein großes, aber nur einfenstriges Zimmer führte.

Der erwartete Besuch ist angelangt!" rief das Weib jetzt mit nicht unsympathischer Stimme. Und Susanne an der Hand fassend, trat sie mit ihr in das dunkle Gemach, dessen armselige Einrichtung nur aus zwei roh gezimmerten Bettstellen, mehreren Kästen, einem wackeligen Tisch und drei defekten Stühlen bestand.

Nur ein leises Stöhnen aus einer der Lagerstätten her antwortete auf diesen Zuruf.

Es thut wohl wieder sehr weh in den Gelenken?" fragte die Michaelis hart und doch tönte durch die barschen Worte ein gewisses Mitleid.Na, kommen Sie nur ganz dicht an das Bett heran, Fräulein," wandle sie sich nun wieder an ihren Gast, welcher angstvoll und tief ergriffen nach dem edelgeschnittcnen bleichen Gesicht sah, das sich auf dem rothgewürfelten Kissen bemerk­bar machte.

Kommen Sie nur ganz nahe, Fräulein," wiederholte die Frau.Der Patient kann nur sehr leise sprechen. Er hat schon während vierzehn Nächten kein Auge zu­gethan auch tagelang nichts genossen. Da ist er natürlich außerordentlich schwach!"

Der müde blonde Manneskopf mit den blassen durch­geistigten Zügen, welche von dem Ausdruck unsäglichen Seelenleids und körperlicher Schmerzen beherrscht wurden, hatte sich indessen langsam und sichtlich unter großer Anstrengung vollends dem Eingetretenen zugewandt. Jetzt zuckte es leise um die schmalen Lippen des Kranken. Eine abgezehrte, fast durchsichtige Hand streckte sich Susanne entgegen und nur wie ein Hauch tönte es an das Ohr des Mädchens:

Susanne das bist Du? O, wie danke ich Dir für Dein Kommen."

Nur einen Moment zögerte die Angeredete. Wie ein Schauern durchlief es ihren schlanken Körper. Dann aber trat sie endlich ganz nahe an das Lager heran. Während sie nun die ihr entgegengestreckte Rechte in die kleinen feinbehandschuhten Hände nahm, flüsterte sie:

Ich bringe Dir auch die ersehnte Hülfe!"

* * *

Welch ein Tag?! Sollte denn die Aufregung, die er gebracht die Sorgen und Aengsten gar kein Ende nehmen?

Als Susanne nach mehr denn zweistündiger Abwesen­heit wieder das Haus ihrer Tante betrat, fand sie die alte Dame wieder nicht daheim, dagegen im Wohnzimmer derselben ein Telegramm aus E . Die Schulmeisterin meldete, daß ihr Gatte schwer erkrankt darniederlag! Sie forderte die Stieftochter auf, falls sie den Vater noch einmal sehen wollte, sofort nach Hause zu komme». Einer der Dorfbewohner würde sie am kommenden Morgen auf dem Bahnhof mit seinem Fuhrwerk erwarten.

Susanne fühlte sich im innersten Herzen getroffen. Ihr Schmerz war grenzenlos. AIs dann auch Martha nach Hause kam, fand sie die junge Nichte mit gerungenen Händen und leidenschaftlich schluchzend in dem großen Gemach auf- und niedergehend.

Bei dem Anblick einer so grenzenlosen Verzweiflung blieb das alte Fräulein betroffen auf der Thürschwelle stehen. Dann stampfte sie zornig mit dem Fuß und es klang rauh und herrisch, als sie der Weinenden zurief:

Hast Du ganz und gar den Verstand verloren, daß Du Dir jetzt die Augen roth weinst, wo in jeder Minute der Besuch Afred Wildens zu erwarten steht?"

Ach!" Jetzt erst kam Susanne wieder die leidige Heirathsgeschichte in den Sinn.O Gott," rief sie, noch leidenschaftlicher schluchzend,ich habe den Bankier ganz vergessen! Sieh her, Tante ach, mein Vater, mein Vater!"

Das alte Fräulein hatte Susanne das Telegramm aus der Hand genommen. Für einen Moment war auch sie bleich geworden ging es auch durch ihre Züge, wie tiefe, schmerzliche Bewegung. Dann aber schüttelte sie mißmuthig den Kopf:

Ich denke, Du fährst nicht, Susanne!" sagte sie.

Tante!" Mit jähem Ruck hatte sich das Mädchen aufgerichtet,das könntest Du verlangen? Du Du wolltest im Ernst das Kind dem Sterbebett der Vaters fernhalten?! Und wenn auch," setzte sie, im Schmerz allen Respekt vergessend, hinzu.Und wenn auch! Mich hält jetzt keine irdische Macht in der Residenz, nun ich weiß, daß mein guter Vater mit dem Tode ringt!"

Die Tante senkte beschämt die Augen. Dann legte sie ihre Hand auf die Schulter des Mädchens:

So reise denn in Gottes Namen," sagte sie in un­gewöhnlich weichem Ton.Ich gebe Dir fünf Tage Zeit. Länger darfst Du mich aber nicht allein lassen länger auf keinen Fall."

Sie unterbrach sich, setzte dann aber so schnell hinzu, daß Susanne zu keiner Erwiderung kam:

(Fortsetzung folgt.)