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35 84. VLütwoch, den 19. Oktober 189^.

&fMhtl1rt^ °"l dieSchlüchterner Zeitung" Ji'llllUUuyUI werden noch fortwährend von allen -........." - - - - - Postanstalten undLandbricfträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Das französische Kriegsbudget.

Der Bericht über das Budget des Kriegsministeriums ist an die Mitglieder der Budget-Kommission vertheilt worden. Dieses Schriftstück enthält eine sehr vollständige Studie über Alles, was seit dem Jahre 1871 für die nationale Vertheidigung in Frankreich geschehen ist. Oyne die Militär-Pensionen und die strategischen E scw bahnen darin zu begreifen, sind seit dem Jahre 1871 für Armee-Zwecke 15,368,000,000 Francs ausgegeben worden. Hiervon entfallen 2,891,000,000 Francs anf die Wiederherstellung des Materials und 11,7 7 4,000,000 auf Unterhaltung und Verstärkung der Militärmacht.

Die Ausgaben für dieArtillerie betragen 1,565,149,660 Francs. Die Artillerie hat mir ihren Geschützen, trotz der Verminderung des Kalibers auf 90 für die Stand- batterien und auf 80 für die bespannten Batterien, heute eine doppelte Tragweite gegen früher, und die G.schosse haben heute eine viel mödenschere Wirkung, seitdem dieselben mit Zeit- und Perkussionszündern gleichzeitig versehen sind. Auch ist die Zahl der Feldbatterien von 232 auf 484 verdoppelt worden. Ebenso hat die Artillerie die Zahl ihrer Pontonier Regimenter ver­doppeln müssen. Jedes Armeekorps hat ein Brückentrain erhalten. Ferner haben die festen Plätze Geschütze von 155 bis 220 Zentimeter erhalten. Auch für die Küsten- defestigung hat die Armee ein neues Material beschaffen müssen. Und die Ingenieure dieser Waffe haben noch für den Bau der Eisenbahnen, der verschanzten Lager und die Einrichtung der Telegraphen und Telephonlinien daselbst sorgen müssen.

Die Infanterie hat eine ähnliche Entwickelung durch­gemacht. Die größte Tragweite des Chassepot war 2500 Meter, aber die Wirkung derselben auf 1000 Meter war fast Null. Das Lebet Gewehr trägt auf 3200 Meter. Das Geuiekorps hat 780,560,536 Francs aus.cgeben, davon 511 Millionen für Forti­stkationen, 228 Millionen für ru litärische Gebäude, 25 Millionen für Material- und Spezial-Dienstzweige.

Auch das System der Artillerie-Anlagen hat ge­ändert werden müssen. Man hat an einem Theil der Forts, deren Geschütze zu sehr Ungesehen werden konnten oder zu exponirt waren, diese entfernt und leichte, rasante oder eingegrabene Batterien mit verdecktem Schuß in der Nähe errichtet, um die Forts zu unterstützen. Im Jahre 1870 besaß Frankreich, Elsaß-Lothringen ein- geschlossen, ein Unterkommen für 380,000 Menschen, heute besitzt es ein solches für 3,000,000 Mann und 124,000 Pferde. Die Einrichtung der Kasernen ist heute viel luxuriöser. Dieselben sind mit Ouell- und siltrirtem Wasser, mit Baderäumen und Lazareth-Jsolir- stationen, mit Speisesälen, Waschtischen und Exerzier- Schuppen versehen.

Das Geniekorps hat ferner die Armee mit Feld­telegraphen, den Requisiten für die Luftschifferei, Brief­tauben und den Feldeiscnbahnen versehen. Für Jntendanturzwecke sind 81,388,730 Francs ausgegeben worden. Für das Material dieses Dienstzweiges sind allein 22 Millionen in Feldbäckereien für Mobilisations- und Konzentrattonszwecke, für Errichtung von Stations­und Etappen-Magazmen ausgegeben worden.

Die Bekleidungsbehörden laben für Kleidung und Lagergegenstände 242,594,022 Francs, nicht blos für die Truppen unter den Waffen, sondern auch für die Beschaffung der Kriegsvorräthe verwandt, so daß heute dici Millionen Menschen eingckieidet werden können.

Für den Sanitätsdienst wurden 23 Millionen aus gegeben, für Remonten und Geschirre 27,874,594. Die Einrichtung der militärischen Eisenbahnen hat einen Kostenaufwand von 35 Millionen für den Bau von Militärbahnhöfen und der entsprechenden Verladung? Bahnsteige erforderlich gemacht.

Die Eihaltung des Menschenmaterials hat 11,774,000,000 FrancS ei fordert. Auch die Präsenz­stärke ist erheblich vermehrt worden; sie betragt 484,015 gegen 385,372 im Jch-e 1869. Die Anzahl bei Bataillone ist von 372 auf 727, die der Schwadronen von 238 auf 448 gestiegen. Wenn man hierzu die Reserve und Landwehr Regimenter hinzuzieht, so kommt man auf 1650 Bataillone Infanterie, 600 Schwadronen

Kavallerie, 753 Batterien Artillerie, in Summa auf 2 Millionen Mann, zu denen 800,000 Laudwehrleute und Landstürmer kommen.

Ungeheures ist für Erziehung der Offiziere und Maunschaflen geleistet. Die Kriegsakademie ist reformirt worden, und die Untcroffizierschulen, welche die aus dem Regiment he. vorgehenden Offiziere vorbereiten, sind gehoben, um eine größere Homogenität des Offizier- Corps zu erreichen. Ferner ist den Vorbereitungs- schulen für Unteroffiziere eine besondere Sorgfalt zu- gewaudt worden.

Nicht ohne Stolz macht der Bericht schließlich auf die Besserung der materiellen Lage der. Offiziere und Mannschaften aufmerksam. Der Soid der Offiziere sämmtlicher Waffen ist ein einheitlicher geworden, dadurch ist der mittlere Sold von 2 700 Francs auf 3300 Francs gestiegen. Die Souslieutenauts beziehen heute 3 420 Francs statt 1850 Francs im Jahre 1869, die Haupt- leute 3420 Francs statt 2750 und die Obersten 8136 FrancS statt 6600. Die pekuniären Aufbesserungen der Kapitulanten sind im Budget für 1893 durch die artige Ziffer von 14,000,000 ausgedrückt. Für die Mannschaften ist die Fleischration von 250 Gramm auf 300 Gramm erhöht worden. Im Jahre 1869 be­trug der Sold der Mannschaften 48 Eis, im Jahre 1892, einschließlich der Fleischentschädigung, 60 C-s. Die Mannschaft erhält außerdem eme Zucker- und Kaffeeration.

Was hätte mit diesen Unsummen Gutes und Nütz­liches im Laufe der Jahre geschaffen werden können!

Deutsches Reich.

Berlin. S. M. der Kaiser hat am vergangenen Sonnabend um die Mittagszeit den Reichskanzler Grafen Caprivi empfangen und längere Zeit mit demselben ver­handelt. Auch der deutsche Botschafter in St. Peters­burg, General v. Schweinitz, ist vom Kaiser empfangen trb zur Tafel gezogen worden. Die Uebersicdeluug des Kaisers und der Kaiserin und des gesamten kaiserlichen Hofstaates vom Marmorpalais nach dem Neuen Palais bei Potsdam'fte voraussichtlich am 20. d. M. erfolgen.

Die von mehreren Blättern aufgestellte Be­hauptung. die Neichsregierung sei gesonnen, die einjährige Bewilligung der Heerespräsenzziffer ohne Weiteres zuzu- geden, wird jetzt bereits der offiziösenNorddeutschen Allgemeinen Ztg." für gänzlich aus der Luft gegriffen bezeichnet. DerNational-Ztg." wird versichert, daß die Militärvorlage die gesetzliche Feststellung der Friedensstärke des Heeres bis 1899 enthalte, und daß die Regierung nicht gesonnen sei, die jährliche Fest­stellung zuzugestchen.

Nach der letzten Lebensmittelpreistabelle der Siat. Korr." sind die Getreidepreise im September an fast allen Hauptmarkwrtcn der Monarchie weiter zurück- gegangen; die Meh'preise sind nur annähernd gefolgt; die Kartoffeln sind erfreulicher Weise infolge her guten Nachrichten, die über ihre Ernte bekannt sind, überall billiger geworden; die Fleischpreise zeigen im Allgemeinen keine weitere Zunahme; daS Bild, welches die Tabelle gibt, ist also recht erfreulich.

* Siebzehn Pferde der österreichischen Distanz­reiter mußten in Berlin zurückbleiben, da sie nicht transporifähig sind.

Zu dem ThemaBerliner Schwindel" liefert die Baugew. Ztg." folgende Momentphotographie von den zweifelhaften Elementen, welche sitzt so oft dieBau­unternehmer" spielen:Hunderte gibt es in Berlin, welche nicht 10 Mark ihr Eigen nennen, und wo der Gerichts­vollzieher ein ständiger Gast ist, weil sie nicht einmal ihre Steuern an die Berufszenossenschast oder an die Krankenkassen bezahlen können. Dabei spielen sie die vornehmen und reichen Herren. Nicht selten fahren sie in elegantem Wagen mit davor gespanntem Vollblutheugst. Eine ächte Dogge läuft nebenher, welche man im Volks­munde alsKredithund" bezeichnet, weil ihr vornehm gekleideter Herr, der dem eleganten Gefährt entsteigt, durch sein Auftreten den Leuten Sand in die Augen streut und dadurch leicht Opfer findet, die sich von ihm willig anpumpen lassen. Freilich gehört der Wagen dem Wagenbauer, das Pferd dem Pferdehändler, der Kredit- hund dem Hundehändler, die Möbel dem Möbelhändler, und das Uebrige ist der Frau verschrieben. Der Berufs genossenschait sind sie Tausende schuldig, den Handwerkern vielleicht Zehntausende; aber das Alles stört weder ihren Schlaf, noch ihr Gewissen, noch ihr Wohlbefinden. Sehr

unbequem ist ihnen allerdings die Alternative, entweder den Manifestaiionscid zu leisten ober in Haft genommen zu werden, aber auch darüber kommen sie schließlich hinweg und bleiben doch dieselben Leute wie früher, nur daß ihnen das Pumpen etwas schwerer gemacht ist.

Aus Nordschleswig, 13. Okober. Kürzlich sind in der Umgegend von Touderu annähernd 60 Schafe von Hunden zerrissen worden; fuderweise wurden am Morgen die todten und halbtooten Thiere in die Stadt geschafft; Kopf und Rumpf waren gräßlich verstümmelt, die Beine waren abgebissen, der Unterleib war auf­gerissen; vorwiegend sind kleine Leute durch dieses Blut­bad der raubthierähnlichen Hu-de betroffen worden; eine Untersuchung ist eingeleitet. Tondern, bemerkt ein Blatt, ist mit Hunden übervölkert, ein zweites Konstantinopel, wo die Hunde als eine Landplage auf- trden und die öffentliche Sicherheit bedrohen.

Aus Schleswig-Holstein, 13. Oktober. Während das Vikingerschiff in Christiania sich einen Weltruf er­worben, wissen nur wenige Deutsche, daß wir in SchleSwig-Holstein ein um 500 Jahre älteres Vikinger- schiff besitzen. Es ist dies ein altgermanisches Ruder­boot, das im Jchre 1863 in Nydam am Alsensund (Nordschleswig) im Meer gefunden wurde, das älteste Exemplar dieser Art, denn nach den zahlreich darin ge­fundenen Gegenständen zu schließen, stammt es aus dem Dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Kein Fremder verläßt Christiania, ohne das berühmte Vikingerschiff ge­sehen zu haben; das altgermanische Nydamer Schiff, das einen ebenso großen historischen Werth beanspruchen sann, ist fast unbekannt geblieben Jetzt theilt dir N. O. Z." mit, daß dieses deutsche Vikingerschiff sich auf dem Dachboden des Museums für vaterländische Alterthümer in Kiel befindet, einem ganz engen, dunklen Raume, wo man fast gar nichts sieht, denn das Boot füllt bei seiner großen Länge 75 Fuß den ganzen Rann aus- Es wäre eine Ehrensache für die Stadt Kiel, dem historisch werthvollen Boot einen würdigen Platz zu geben.

Bon der Weser, 12. Oktober. Dieser Tage wurde nach derLippescheu Landes-Zeitung" in der Nähe der lippischen Ortschaft Erder beim Baggern in der Weser tief im Flußbett von Kies bedeckt ein uralter Riesenstamm von einer Eiche aufgefunden und gehoben. Der Stamm, eisenhart und höchstwahrscheinlich schon Jahrtausende alt, maß nach Aussage des Bagg-rmeisters in der Länge 15 und im Durchmisser am Stammende nahezu 1 Meter. Es kommt in letzteren Jahren bei den Stromregulirungen öfter vor, daß derartige ganz hart und schwarz gewordene Eichenstämme im Flußbett aufgefunden werden. Ein noch seltenerer Fund wurde vor einiger Zeit bei Nienburg ebenfalls im Weserflußbett gemacht. Dort wurde von Arbeitern ein sogen. Einbaum, d. h. ein Schiff von 8 bis 9 Meter Länge und 70 bis 80 Zentimeter Breite, welches an beiden Seiten mit kupfernen Krampen zum Einlegen der Ruder versehen war, gehoben. Dieses alt« germanische Fahrzeug befindet sich jetzt auf dem Wege nach Berlin, um im Königlichen Historischen Museum aufbewahrt zu werden.

Aus Sachsen. Ueber einen Fall von Blutvergiftung durch Milzbrand wird aus Sörnewitz bei Meißen berichtet. Ein dortiger Gutsbesitzer wurde vor etwa zehn Tagen von einem Nachbar gebeten, dessen kranke, an Milzbrand leidende Kuh zu st ehen, welcher Bitte er auch bereitwilligst nachkam. Nach einigen Tagen bildete sich nun an seinem rechten Vorderarm ein G.schwur, welches er unberücksichtigt ließ, bis er durch die sich mehrenden Geschwüre und starken Schwellungen des ganzen Armes sich gezwungen sah, sich an den Arzt zu wenden. Dieser konstatierte eine Blutvergiftung durch Milzbrandgift und ordnete dir Ueberführung des Kranken in das Stadtkrankenhaus zu Dresden an. Die Aerzte daselbst müssen jedoch von einer Amputation des Armes absehen, da das Gift bereits in den Körper übergezangen ist. Der Zustand des bedauerns- werthcn Gutsbesitzers ist hoffnungslos. Die Thatsache selbst aber möge zur Warnung dienen, daß man bei milzbrandigem Vieh möglichst Vorsicht gebraucht.

In den Pfarralten zu Weißenfels ist ein Schriftstück gefunden werden, das, wenn seine Angaben zuverlässig sind, geeignet ist, auf die den Tod und die Bestattung des bei Silben gefallenen Schwedenkönigs Gustav Adolf begleitenden Umstände ein neues Licht saßen zu lassen. Während die Geschichtsforschung bisher immer annahm, daß die einbalsamierte Sei^e des Königs nach Schweden