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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ,,Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps

Mittwoch, den 28. September

Aöonnements-Gintadung.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1892 (Oktober, November, Dezember) der

WM^SÄetaner Zeitung"

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummer nicht immer möglich ist. 9ceu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung

an bis Ende d. Mts. gratis.

Deutsches Iieich.

Berlin. An der Spitze des amtlichen Theiles seiner gestrigen Nummer veröffentlicht derReichsanzeiger" folgende kaiserliche Kundgebung:

Aus den zahlreichen telegraphischen und schriftlichen Segenswünschen, welche Mir aus Anlaß der glück­lichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, Meiner Gemahlin, von einer Prinzessin, zugegangen sind, habe Ich zu Meiner lebhaften Freude ersehen, welch herzlicher Theilnahme dieses durch Gottes Gnade Uns beschiedene Familienglück in allen Kreisen des engeren wie des weiteren Vater­landes begegnet ist. Mögen alle, welche Mir bei dieser Gelegenheit so .liebevolle Aufmerksamkeit er­wiesen haben, Meines aufrichtigen Dankes ver­sichert sein!

Ich beauftrage Sie, dies zur öffentlichen Kennt­niß zu bringen.

Marmor-Palais, den 21. September 1892.

Wilhelm I. R,

An den Reichskanzler.

23. Sept. Die Vermählung der Prinzessin Margarethe mit dein Prinzen Friedrich von Hessen wird, wie verlautet, am 25. Januar 1893, dem 35. Jahrestage der Vermählung der Kaiserin Friedrich, in Berlin stattfinden.

* Die preußische Regierung ist mit einer Prüfung der Krankenversicherung der Dienstboten beschäftigt und es sind in dieser Beziehung Erhebungen getroffen, welche zunächst die Bedürfnißfrage zu untersuchen haben und feststellen sollen, in welchem Umfange die Nothwendigkeit für eine Abänderung vorhanden ist, ob dieselbe durch Reichs- oder Landesgcsctzgcbung erfolgen soll; ferner, ob es zweckmäßig und mit den Grundsätzen der Billig­keit vereinbar erscheint, die Dienstherrschaften auch über die Dauer des Dienstvertrages hinaus, bezw. auf welche weitere Zeit zur Fürsorge für ihre erkrankten Dienst­boten zu verpflichten; endlich, ob es sich empfiehlt, Vereinigungen der Dienstherrschaften zu gemeinsamer Leistung der ihnen obliegenden Fürsorge für Dienstboten und Gesinde vorzusehen.

* Zur Vorbereitung der Kommunalst, uersorm in Preußen ist Mitte August ein Reskript des Ministers des Innern und der Finanzen ergangen, welches von

den Nachgeordneten Behöiden Auskunft verlangt über.,,..... - -......----- --- --------

die zweckmäßigste Art und Weise, wie die Verpflichtung! bereits ein Kessel heißes Wasser bereitet und wer weiß, der Gemeinden festgelegt werden kann, die Realstem,n ob nicht eine eigenartigeDesinfektion" ausgeführt zur Deckung des Gemeindebedarfs in Zukunft zu verwenden.

Mit der zweijährigen Dienstzeit wird bekanntlich beim 2. Garde Regiment z. F. in Spandau ein Versuch gemacht. Es wurde hierzu das 1. Bataillon ausersehen, welches man zu diesem Zweck lediglich aus Rekruten und solchen Mannschaften zusammensetzte, die ein Jahr Dienstzeit hinter sich hatten. Aus diesem Bataillon sind nun jetzt alle zweijährigen Mannschaften entlassen worden. Bei der Neueinstellnng der Rekruten in diesem November wird die gleiche Formation wie im vorigen Herbst durch- geführt, so daß wieder ein Bataillon genau nach dem Muster der zweijährigen Dienstzeit besteht. Der Kaiser hat sich dies Bataillon im Sommer vorführen lassen und mit dem Ergebniß des Versuches seine Zufriedenheit geäußert. Die jetzt erfolgte Entlassung sämmtlicher Zweijährigen zeigt, daß die Probe konsequent durchgeführt werden soll.

Die Sozialdemokratin haben, wie der bekannte Unabhängige" Wilhelm Werner in einer am Mittwoch Abend in Berlin abgehaltenen ,.Anarchisten"-Versammlung erzählte, bei der Bank von England 370,000 Mark für Wahlzwecke zinstragend angelegt.

Der Rächer seiner Ehre. Das Schwurgericht am Landger icht I in Berlin hat am Freitag einen bcmerkens-

Die Expedition.

w.ritzen Wahrspruch gefällt. Ein Gärtnergehülfe Redlich hatte vor einem Jahre einen Kellner Slenzel, den früheren Zuhälter seiner Frau, erstochen, als er ihn in verfänglicher Situation mit seiner Frau in seiner eigenen Wohnung überraschte. Er war der Frau zu diesem Be­hufe nachzeschlichen. Der Angeklagte bestritt, daß er beim Betreten der Wohnung ein Messer bei sich geführt und die Absicht gehabt habe, eine Blutthat auszuführen. Er habe nur verhindern wollen, daß seine Frau die Möbel entferne und mit ihrem Liebhaber ausrücke. Er sei wider Willen Ohrenzeuge des tete-ä-tgte geworden, habe im Zorn ein Messer ergriffen und zugestochen. Der Vertheidiger war dafür, daß die That im Effect begangen sei. Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage und der Rächer seiner Ehre wurde freigesprochen.

Aus Ostpreußen. Aus den Kreisen der östlichen Landwirthe werden vielfach Klagen darüber laut, daß ihnen der Segen eines leidlich befriedigenden Ernte- ertrages durch die andauernd mißliche Geschäftskonjunktur illusorisch gem.cht wird, indem das Getreide trotz des billigen Preises ohne Begehr bleibt und das Angebot die Nachfrage bei weitem überfieigt. Dieser Umstand er= icheiut denBerl. Pol. Nachr." um so bemerkenswerther, als, wie besannt, erst in alleijüngster Zeit noch der Minister des Innern die unvelhältnismäßige Höhe des Broiprcises zum Gegenstand eines Erlasses an die poli­zeilichen Behörden gemacht hat. Verdienst bei Getreide- Handel. Ein Händler hat, so schreibt dieSchles. Morgenzettuug" unterm 10. o. Mts. aus Breslau, heute mit einem Gutsbesitzer bei Lrssa i. P. abgeschlossen 6000 Doppelzentner Roggen zu 12,60 Mk. ab Station; mit der Fracht stellt sich der Doppelzentner Igco 13,50 Mk.; verkauft hat der Händler sofort zu 14,50 M., macht Verdienst 6000 Mk.

Schukidemühl. Desinfektion auf alle Fälle. Vor 8 Tagen kehrte in das Dorf H. bei Schneidemühl ein junges Mädchen aus Hamburg zurück. Kaum hatte der Dorfschulze das Ereigniß erfahren, da begab er sich in Gemeinschaft mit dem Gemeindediener zit demver­dächtigen" Mädchen und erklärte, sie müsse, wie im Kreisblatt verfügt, desinfizirt werden. Als das Mädchen sich sträubte, schrie und weinte, ließ sie der unerbittliche Wächter des Gesetzes mit einem Strick binden und durch den Gemeindediener nach seiner, des Schulzen Wohnung

abführen. Zur Bornahme derDesinfektion

wurde

worden wäre, wenn nicht inzwischen der herbcigcrufene Arzt das Mädchen für gesund erklärt und dein Schulzen bedeutet hätte, daß dieDesinfektion" unterbleiben könne.

Aus Thüringen. Dieser Tage fand man in der schwarzburgischen Feldflur Abtsbessingen von einer im Freien aus dem Acker übernachteten Schafheerde 58 Stück todt und den Hirten an seiner Schäferhütte erhängt vor. Die Ursache dieses traurigen Borfalls ist darin zu suchen, daß der Schäfer am Abend vorher um 10 Uhr nach Abtsbessingen gerufen wurde, um einem Landwirthe bei einer erkrankten Kuh Rath zu ertheilen. Während der Abwesenheit von der Schafheerde brach diese aus der Hürde aus, die Hunde trieben in Ausübung ihrer Pflicht die Thiere auf einen Haufen so eng zusammen und hielten sie in Schranken, daß 58 Schafe erstickten. Als um 1 Uhr Nachts der Hirte zu seiner Heerde zurückkehrte und das Unglück sah, stürzte er nach seinem Hause und theilte der Gattin mit, daß er sich das Leben nehmen werde. Er kehrte in Begleitung der 21-jährigen Tochter zu der Schafheerde zurück, schürzte sich einen Strick um den Hals, kletterte aus die Schäferhütte und erhängte sich, bevor die Tochter im Stande war, ihn daran zu verhindern. Es blieb dem Kinde nur übrig, die Leiche des Vaters abzuschneiden.

Von der Mosel, 19, September. (Die Choleracur

mit der Wichsbürste.) Kürzlich kommt ein ehrsamer Schuhmacher zur Stadt, um Leder einzukaufen. Nach alter Gewohnheit trinkt er einen Schoppen, noch einen u. s. w. Spät Abends kommt er in unsagbar jämmer­lichem Zustande nach seinem Dorf. Die Folgen seiner Kneiperei lassen nicht lange auf sich warten.1 Voller Angst eilt seine ihm erst vor kurzer Zeit angetraute Gattin zum Arzt in der nahen Stadt. Dieser verspricht, möglichst rasch zu kommen und verordnet mittlerweise tüchtige Einreibung des Patienten. Nach Verlauf einer guten Stunde erscheint der Arzt, sieht sich den Kranken an, schüttelt bedenklich sein Haupt und erklärt unsern Schuster für cholcraverdächtig. Der Ortsvorsteher wird herbeigerufen und die Jsolirui g des Kranken beschlossen. Da im Attischen Moment erwacht Meister Siliertem aus seiner Erstarrung und sieht sich verwundert die Gesellschaft an. Erstaunt hört nun der Erwachte, daß erkrank, sehr krank sei, und als sicheres Zeichen seiner Erkrankung die bereits vollständig blau und schwarz unterlaufene Haut zu betrachten sei. Da tritt die weinende Gattin vor und sagt ganz treuherzig: Herr Doctor, die schwarze Hautfarbe ist wohl nur äußerlich, ich habe ihre Vorschrift, die Einreibung betreffend, gründlich besorgt; leider hatte ich in der Eile nichts Besseres zur Hand und nahm deshalb die Wichsbürste. Doctor, Ortsvorsteher, Schuster und Frau sollen sich unverbrüchliches StlU- schweigen über den Vorfall gelobt haben; dennoch ist die Geschichte schon heute von einem der Betheiligten aus­geplaudert worden.

Eine halsbrecherische Sitte herrscht in Freiburg im Breisgau. Dort erklettern, nach einem alten Brauche, am Geburtstage des Großherzogs von Baden alljährlich mehrere Arbeiter den Thurm des Münsters. Es ist das ein außerordentlich gefährliches Wagestück, da die Höhe 122 Ritter beträgt und der Aufstieg an der äußern Seite, nicht etwa im Innern des Thurmes unternommen wird. Die Personen müssen an den steinernen Vor- sprüngen, die nicht selten in einem Abstand von einem Meter von einander stehen, emporklettern und ein einziger Fehltritt kann sie in die Tiefe stürzen. Oben angekommen, feu.rn sie einige Pistolenschüsse ab, zum Zeichen, daß das Wagestück gelungen ist, drehen den mächtigen goldenen Stern um seine Achse, reinigen ihn und unternehmen den Abstieg. Von der Stadt erhält jeder den Betrag von fünf Mark, und außerdem können sie zusammen ein Mittagsmahl einnehmen, dessen Kosten ebenfalls der Stadt anheimfüllen. Auch wieder dieser Tage, am 66. Geburtstag des Fürsten, unternahmen drei Arbeiter den Aufstieg. Beim Herumklettern zeigte sich einer so waghalsig, das sein Davonkommen als ein Wunder erscheint. Am untern Ende der achtseitigen, in durch­brochener Steinmetzarbeit ausgeführten Pyramide an­gelangt, die den oberen Thurm-Aufsatz bildet, schwang sich der Tollkühne auf eine eiserne Stange, durch die für Die kleineren Eckthürmchen eine Stütze geschaffen wird, hinauf und begann vor den Augen einer entsetzten Zuschauermenge Turnübungen zu machen, wie Bauchwelle, Rückenaufzug u. f. w. Es sah geradezu grauenhaft aus, wie der unvorsichtige. Mensch in der schwindelnden Höhe herumturnte, und man athmete ordentlich erleichtert auf, als er seinen gefährlichen Platz verlassen und sich in den Thurm zurückgezogen hatte.

Ausland.

Schweiz. Sensationelle Entdeckung. In der Schweizerischen Militärzeitung" veröffentlicht Pros, gebier in Küßnacht am Vierwaldstättersee zwei Artikel, die Aufsehen erregen. Der Erfinder des kleinkalibrigen Gewehres und des Geschosses mit Stahlmantel theilt mit, daß die Wirkungen des jetzt im Gebrauch be­findlichen kleinkalibrigen Gewehrs verdreifacht werden können, ohne daß man das Kaliber verkleinern und an dem Gewehr ober an der Patrone auch nur die geringste Aenderung vorzunehmen brauche. Die neue Erftndung des Professors Hebler besteht einfach in einer ganz neuen Construkiion des Geschosses, durch die der Wider­stand der Luft bedeutend verringert wird. Wenn man so fügt Professor Hebler hinzu sich aber zu einer neuen Verkleinerung des Kalibers veistehen und das 5 Millim.-Gewehr einführen würde, so könnte die Wirkung des neuen Gewehres fünfmal so groß werden, als die des jetzigen kleinkalibrigen Gewehrs.

CoukkcllcS, 23. September. Dicht an der belgischen . Grenze überfielen französische Arbeiter, von sozialistischen