WchtemerMung
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As 77. Samstag, den 24. September 1892.
Aöonncments-Gmtadung.
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MM^ ,Ick»kück»terner Zeitung" *^^ bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefl. aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummer nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. ^ Expedition.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. September. Am Mittwoch Vormittag arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Civilkabinets und nahm darauf den Vortrag des Reichskanzlers Grafen Caprivi, sowie den des Staatssekretärs Frhrn. v. Marschall entgegen. — Der Kaiser reist heute zur Jagd nach Rominten. Der „Pester Lloyd" meldet, daß Kaiser Wilhelm am 9. Okt. in Wien zu dreitägigem Aufenthalt eintrifft, während dieser Zeit sollen Jagden im Lninzer Thiergarten abgehalten werden.
— Zwei Vermählungen deutscher Prinzen mit bürgerlichen Frauen haben letzten Dienstag stattgefunden: die des Prinzen Ernst von Meiningen mit Fräulein Jensen, und die des Prinzen Heinrich von Hessen mit der Sängerin Milena.
— Die Umwandlung der Stadtgemeinde Zaborowo in der Provinz Posen in eine Landgemeinde hat kürzlich die königliche Genehmigung erlangt. Damit ist aus der Reihe der preußischen Städte eine der kleinsten, aber bei Weitem nicht die kleinste, ausgeschieden. Zabv'omo, das im Kreise Lissa liegt, hatte nach der Zählung von 1890 nur 887 Einwohner, es giebt aber noch 32 Städte in Preußen, die noch kleiner sind, und wohl ohne Ausnahme sich besser stehen würden, wenn sie auf die städtischen Rechte verzichten und sich in Landgemeinden nmwandeln wollten. Im Ganzen giebt es in Preußen nach der letzten Volkszählung 47 Städte,^ deren Einwohnerzahl unter 1000 bleibt. Davon entfallen 14 auf die Provinz Posen, 13 auf Schlesien, 10 auf Hessen- Nassau (auf den Regierungsbezirk Cassel)^ 3 auf Brandenburg, je 2 auf Westpreußen und Westfalen nnb je eine auf Sachsen, Hannover und die Rheinprovinz. Die beiden kleinsten Städte sind Schleiden in der Rheinprovinz mit 515 und Lagow in der Provinz ^Brandenburg mit 493 Einwohnern. Die einzige Stadt mit weniger als 1000 Einwohner in der Provinz Sachsen ist Wahrenbrück im Kreise Liebenwerda mit 647 Einwohnern. Diesen Zwergstädten steht eine ganze Anzahl von Landgemeinden mit mehr als 10,000 Einwohnern gegenüber, und diese sollten einer Umwandlung in Stadtgemeinden nähed treten. Nicht weniger als 37 dieser großen Landgemeinden werden gezählt. Von ihnen entfallen 13 auf die Rheinprovinz, wobei jedoch zu bemerken ist, daß einige von diesen sogenannte Sammelgemeinden sind, die aus mehreren Ortschaften gebildet sind und zum Theil eine große Fläche umfassen. In der Provinz Westfalen und in der Provinz Brandenburg giebt es 7 Landgemeinden von über 10,000 Einwohner, in der Provinz Brandenburg lediglich als Vororte Berlins, die fast alle demnächst der Hauptstadt einverlkibt werden dürften. Schlesien weist 5 große Landgemeinden auf; die übrigen fünf vertheilen sich auf Pommern, West- preußen, Posen, Sachsen (Giebichenstein mit 14,454 Einwohnern) und Schleswig-Holstein. Die beiden größten Landgemeinden sind Rixdorf bei Berlin mit 35,702 und Altendorf bei Essen mit 31,892 Einwohnern. Interessant ist, daß sich unter den großen Landgemeinden Schlesiens auch ein Gutsbezirk befindet, Lanrahütte mit 10,572 Einwohnern.
— Pack schlägt sich. Pack vertrügt sich! Bei der am Dienstag in Berlin abgehaltenen sozialistischen Kommunalwählerversammlung, in welcher Zubeil, Fischer, Singer und Werner sprachen, entstand bei der Rede Singers eine heftige Prügelei zwischen Fraktionellen und „Unabhängigen". Die Parteimitglieder schlugen mit Stuhlbeinen, Gläsern, Ochsenziemern und Gummischläuchen zu. Die Polizei räumte den Saal und trieb die Tumultuanten auseinander.
— Die deutsche Bierehrlichkeit und Bierseligkeit steht vor einer harten Probe und mehr als je zuvor wird demnächst die Frage aufgeworfen werden, ob das braune Getränk zu den Nahrnngs- oder Genußmitteln gehört.
Schon vor einigen Wochen haben durch die Provinzial- Steuerdirektoren bei den Hauptsteuerämtern vertraulich Erhebungen darüber stattgefunden, wie sich voraussichtlich der Bierkonsum bei Erhöhung der im Gesetz vom 31. Mai 1872 mit 4 Mk. vom Doppelzentner Malz festgesetzten Brausteuer auf 8 Mk., also auf das Doppelte, stellen würde. Diese Erhebungen stehen selbstverständlich mit der Frage der Deckung der Militärvorlage im Zusammenhang.
Hamburg, 19. Sept. Der Amerikaner Stanhope, weilt feit heute Mittag als freiwilliger Krankenpfleger im hiesigen neuen Krankenhause; er desinfizirt sich nicht, noch gebraucht er die übliche Vorsicht beim Waschen und Essen, nimmt also seine Mission vollkommen ernst. Die Haffkinsche Lymphe wurde ihm auch nicht bloß ins Fleisch, sondern in den Unterleib geführt. Dagegen wenden die ihu beobachtenden Aerzte jede mögliche Vorsichtsmaßregel an. Der kühne unverheirathete 32jährige Journalist hat beim amerikanischen Consul alle Verfügungen für seinen Todesfall hinterlassen. Wie er einem Mitarbeiter des Hamburger Tageblattes erklärte, will er zehn Tage in den Krankenhausbaracken verweilen und betrachtet die ganze Sache als einen interessanten Scherz.
* — Den jungen Medicinern und Aerzten, welche auf den Hilferuf aus Hamburg dorthin eilten, wurden, wie die Hall. Z. meldet, drei Mark und dreißig Pfennig pro Tag für ihre Mühewaltung angeboren, obwohl ihnen ein wesentlich höherer Betrag in Aussicht gestellt war. Auf eine von sämmtlichen im Alten Allgemeinen Krankenhause thätigen auswärtigen Medizinern an den Senat gerichtete Beschwerde, in welcher sie das ihnen gebotene Honorar als beleidigend zurückwiesen, erfolgte eine geradezu verblüffende Antwort. Die Mediziner wurden, ohne daß ihnen ein Wort des Dankes gesagt wäre, angewiesen, am vergangenen Sonntag das Krankenhaus ungesäumt zu verlassen; ihre Kompetenzen seien ihnen angewiesen. Hierauf haben die Herren denn auch selbst auf die Reisekosten verzichtet. — Es ist bereits früher in der Presse auf das Mißverhältnis; hingewiesen worden, daß ein Arbeiter, welcher beim Leichentransport thärig ist, 15 Mark täglich, ein Arzt dagegen nur 3 Mark 30 Pfennig erhalten solle. War doch die Arbeit eine überaus anstrengende. Vom frühen Morgen bis zur sinkenden Nacht hieß es auf dem Posten sein; selbst zu den Mahlzeiten bot sich kaum Zeit bei der Menge der immer aufs Neue dem alten allgemeinen Krankenhause zuzeführten Kranken. Was Wunder, wenn die Anstrengungen sogar den Kräften der immer hilfsbereiten Aerzte zu viel wurden und einzelne wegen Erschöpfung und choleraartiger Erscheinungen ihre Thätigkeit zeitweise aussetzen mußten. Haben doch auch in dieser Zeit in Hamburg einzelne der auswärtigen Aerzte ihre Aufopferung und Menschenliebe mit dem Tode bezahlen müssen. So unterlag auch einer, der von Halle abgegangene praktische Arzt, Dr. Gustav Eckert, der tückischen Krankheit, tief betrauert von seiner Braut, die er in wenigen Wochen heimzuführen gedachte. Verdient der Opfermuth dieser jungen Männer, die ihre Gesundheit und ihr Leben so bereitwillig in die Schanze schlugen, zweifellos Anerkennung, so berührt es um so eigenartiger, was über die Behandlung mitgetheilt wird, welche denselben jetzt vom Hamburger Senat zu Theil wird und sehr charakteristisch für die Ansichten der in Hamburg regierenden „Kaffeesäcke" ist.
Zur Warnung wird aus WandsbeA folgender Vorfall gemeldet: Unter der Beschuldigung, durch Ueber- tretung des vom Regierungs- Präsidenten erlassenen Ein- und Durchfuhrverbots den Tod zweier Menschen herbeigeführt zu haben, stehen ein hierselbst im Kringelgang wohnhaft gewesener Arbeiter und eine Arbeiterin, welche mit dem Ersteren die Wohnung theilte. Beide sind verhaftet und dem Gefängniß zugeführt worden.
Die Arbeiterin wird beschuldigt, in Hamburg gebrauchte Kleidungsstücke, als Unterröcke, Strümpfe, Trauerkleider, Stiefel, Bettwäsche u. a. erbettelt und hier eingeschmuggelt zu haben. Diese Gegenstände hat der Arbeiter, ohne sie gewaschen oder desinfizirt zu haben, für geringes Geld wieder an Einwohner der Felsstraße und Kirchhofstwiele verkauft. Eine Frau in der Kirchhofstwiele e> stand ein Knabenhemd, Strümpfe und ein Frauenhemd und nahm die Gegenstände sofort in Gebrauch. Infolge dessen erkrankte sie selbst, ihre 17jährige Tochter und der 5jährige Soh, an der Cholera. Mutter und Sohn sind bereits verstorben. Die Verhafteten sind geständig, in letzter Zeit täglich derartige Sachen hierher gebracht und ungewaschen und uuindesinfizi t verkauft, auch von dem Verbot der Einfuhr dieser Gegenstände gewußt zu haben. Mehreren ihr-r Käuferinnen versicherten sie auf deren Fragen, ob die Sachen aus Choterahäusern stammten, daß dies nicht der Fall sei, trotzdem sie vom Gegentheil ihrer Behauptung wußten, in einem Falle ihnen sogar bekannt war, daß auf einem hier eingrführten Bettlaken ein Chole^akranker gestorben war.
München. Der „Fall von Hütten" ist zu Ende. Dem Dr. Freiherrn Ulrich von Halten, Fabrikverwalter in Laufach (Unterfranken), war vom bayerischen Ministerium die Führung des Namens. Wappens und Titels eines Freiherrn von Hütten untersagt worden, weil seine Eltern, die bayerische Unterthanen waren, die Ehe in Preußen ohne Einwilligung der bayerischen Heimathsbehörden geschlossen hatten. Während die Ehe der Eltern des Dr. von Hütten in Preußen und in der ganzen übrigen Welt als eine giftige angesehen wurde, war sie in Bayern nach Lage der bayerischen Ehegesetzgebung bürger- li ungiltig. Dieses Reservatrecht Bayerns wurde im März d. J. endlich beseitigt. Es trat eine Novelle zur bayerischen Ehegesetzgebung in Kraft, welche jene ältere Bestimmung über die Giftigkeit einer im Auslande geschlossenen Ehe aufhob, und zwar mit rückwirkender Kraft. Dieser Tage hat nun, wie die „K- Z." berichtet, das bayerische Ministerium den Dr. Freiherrn von Hütten und seine Familie in die bayerische Adelsmatrikel eintragen lassen.
Freuudnachbarliche Zustände scheinen in einem Theil von Gundamsried bei Freising nicht zu herrschen. Bei dem jüngst bei dem Gütler Föhringer ausgebrochenrn Brand wollte ein Nachbar unter keinen Umständen aus seinem Brunnen Wasser zum Löschen hergeben, bis die Gendarmerie ihn dazu zwang.
Ausland.
In Mouterh (Mexiko) starb kürzlich, dem „New- Aorker Herald" zu Folge, Frau Margarita Rivera, die Großmutter des achzigjährigen Gouverneurs von Coahuila. Diese Dame erlangte, wie amtlich festgestellt ist, das erstaunliche Alter von 132 Jahren. B^s an ihr Lebensende war sie niemals krank; sie war in Spanien geboren und kam 1779 als junges Mädchen von 19 Jahren nach Mexiko.
Wie wir einem der „Cöln. Ztg." vorgelegten Privat- Briefe entnehmen, ist in Chile nach Beendigung des Bürgerkrieges eine Verwahrlosung der öffentlichen Sicherheit eingetreten, welche Schlimmes befürchten läßt. „Wie weit die öffentliche Ordnung hier herrscht, ersehen Sie da;aus, daß Jeder von uns mit dem Gewehr und dem Revolver an der Seite sich zur Ruhe begibt, und Keiner allein, sondern nur in Gesellschaft zu drei und vier stets bewaffnet des Abends auf die Straße sich wagt. Freilich, wir wohnen am Rande der Stadt, doch ist es im Centrum auch nicht viel besser. Die Nacht hindurch wird ohne Unterlaß geschossen. Wir sind an dergleichen schon so gewöhnt, daß, falls es einmal fehlte, wir sicher aus dem Schlaf erwachen würden. Dabei ist das nicht ein leeres Knallen ohne Bedeutung, Menschen sind das Ziel, und kein Tag vergeht, ohne daß einige Leichen aufgefunden werden." — Die deutschen Zeitungen in Valparaiso bekunden gleichfalls diesen Zustand. So berichtet eines dieser Blätter aus Temuco vom 4. Juni: „Kaum vergeht ein Taz, an dem nicht mehrere Todte in das Polizeigebäude eingeliefert werden. Das Räuberunwesen nimmt überhand, wie es überhaupt noch nie so sehr in Blüthe stand. Die meist n deutschen Colonisten verlassen ihr Land, um in der Stadt zu wohnen, da verschiedene vor kurzer Zeit überfallen wurden. Besonders einer von ihnen wurde schwer heimgesucht. Um halb 9 Uhr Abends kamen 15 Mann gut bewaffnete