Einzelbild herunterladen
 

chlWernerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ^JUustiirtcm Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

JS 76. Aättwoch, den 21. September 1892.

BiS^T^TT o <- o> ÄIj 0 ^^M^^D^^D!., ^ ~js<a^"li!@i!!<^^ ^ ~ ; &. ~° 5/ ,!^^"v° o®£#§z2^j^SE2fcf®R®^^§®tS^^ ^ ~jSS?Sr ? ^>(1^,-- § i®ti$i&a 9 ^ -"^ ^ ^ 'w y ^6 ^ S v s^l

Aßormemerüs-Kintadung.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1892 (Oktober, November, Dezember) der

ALM*' «Zckkücküernee Zeitung" -MF bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu -vollen, und zwar möglichst bald, da die Nachlieferung bereits erschienener Nummer nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende d. Mts. gratis. K^i^iiimr

S. Die Cholera und das Wasser.

Die mit so außergewöhnlicher Heftigkeit ausgetretene und in kurzer Zeit rapid angewachsene Cholera-Epidemie in Hamburg wird zum großen Theil, was die schnelle und große Ausdehnung betrifft, auf die schlechten Wasserverhältnisse in Der Stadt zurückgeführt, und gerade dieser Umstand sollte eine ernste Mahnung sein, die Frage der Wasserversorgung in den Städten nicht auf die leichte Achsel zu nehmen.

Die drohende Choleragefahr muß allen Gemeinde­verwaltungen vor Augen fuhren, daß es eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist, den Bewohnern gutes Wasser zu verschaffen, denn das Wasser ist bei allen Seuchen der gefährlichste Träger derKrankheitskcime. Und zwar handelt es sich nicht allein um das Trinkwasser, sondern auch um alles Wasser, das zum Reinigen des Körpers, der Wohnung und aller Gebrauchsgegenstände benutzt wird, denn nirgends dürfen sich Jnsektionskeime festsetzen, da alles, was auf den Körper gelangt, auch in den­selben gelangen kann.

Die diesjährige Cholera-Epidemie in Hamburg hat Dank der sofort an allen Orten getroffenen Vorsichts­maßregeln bisher keine weitere Epidemie au anderen Orten hervorgerufen und die anderwärts vorgekommenen Choleraerkranlungen sind zum Glück vereinzelt geblieben. Hieraus aber den Schluß zu ziehen: die Gefahr ist vorüber und nun kann alles wieder seinen alten Gang gehen! wäre grundfalsch, und die Orte, wo man aus Bequemlich­keit oder falscher Sparsamkeit die Vorsichtsmaßregeln außer Acht läßt, könnten im nächsten Frühjahr oder Sommer ähnlich wie Hamburg sehr plötzlich aus ihrer Sorglosigkeit und Ruhe empor geschreckt werden. Zur Zeit ist in Hamburg wohl ein Stillstand in der Ausdehnung der Epidemie zu constatiren, aber ein wesentlicher Rückgang noch nicht, und wenn auch erfahrungsgemäß die Cholera mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit meist nachläßt bezw. erlischt, so pflegt sie jedoch im nächsten bczw. in den nächsten Jahren stets wieder mit Beginn des Frühjahrs oder Sommers erneut wiederzukehren. Gerade in dem Nachlassen der Cholera im Winter, welches naturgemäß einen laxeren Betrieb in den Borbeugungsmaßregeln zur Folge hat, liegt eine große Gefahr für eine Verbreitung der Krankheitskeime auf andere Gegenden, da die Eut Wickelung derselben im Winter wohl vermindert aber nicht verhindert wird und bei unseren ausgedehnten Verkehrsverhältnissen eine Verbreitung an sich sehr begünstigt ist.

Aus diesem Grunde ist es unbedingt nothwendig, den sanitären Verhältnissen unausgesetzt die größte Aufmerksamkeit zu schenken und die höheren Orts­gegebenen Anweisungen genau zu befolgen. In allen amtlich veröffentlichten Abwehrmaßregeln gegen die Cholera wird Reinlichkeit und die Beschaffung von gutem Wasser ganz besonders betont, und da Reinlichkeit und Wasser ja so eng zusammen gehören, so ergibt sich die Bedeutung der Güte des Wasser's, welches der Hauptgebrauchsartikel in jeder Familie ist, ganz von selbst.

In welcher Weise beschafft man nun gutes Wasser? Die Erfahrung hat gezeigt, daß Gemeinden mit Quell- wasserversorgung von der Cholera und auch von anderen Seuchen me st wenig zu leiden hatten und von allen Sachverständigen wird rückhaltlos anerkannt, daß unverfälschtes Quellwasser. zum gesammten Hausgebrauch das beste Schutzmittel gegen Infektion von dieser Seite ist. Brunnenwasser kann Ouellwasser nur dann ersetzen, wenn es wie dieses vor allen äußeren Zuflüssen ganz geschützt ist und da es absolut ausgeschlossen ist, in Ortschaften selbst den besten Brunnen auf die Dauer vor äußeren Einflüssen zu schützen, so ergibt sich daraus, daß Brunnen sehr mit

zu entziehen. Um für das ganze Reich die Handhabung derartiger Vorsichtsmaßregeln einheitlich und erfolgreich zu gestalten, ist offenbar ein besonderes neues Gesetz nöthig, und hat auch bereits der Reichskanzler das Reichsgesundheitsamt aufgefordert, einen solchen Gesetz­entwurf auszuarbeilen.

Deutsches Aeich.

Berlin, 16. Sept. Man bringt hier den Besuch des Kaisers bei der Kaiserin Friedrich in Homburg mit der Thatsache in Verbindung, daß die hohe Frau unlängst den Grafen Herbert Bismarck und Gemahlin bei sich empfing.

Bei dem Manöver der dritten Division, das am Freitag in der Umgegend von Anklam stattsand, hat, wie die Neue Stettiner Zeitung nachträglich meldet, der Kaiser einen Unfall erlitten, der, glücklicher Weise, ohne jede üble Folge g blieben ist. Beim Passiren eines der zahlreichen Gräben des Manövergeländes stürzte der Kaiser mit seinem Pferde. Der Kaiser bestieg, ohne irgendwie Schaden genommen zu haben, statt des Fuchses, den er bisher geritten, sofort ein anderes Pferd und setz'e den Ritt fort.

17. Sept. DerReichsanzeiger" schreibt: In den öffentlichen Blättern wird neuerdings die Nachricht verbreitet, daß S. M. der Kaiser gelegentlich einer Unterredung mit beut Pianofortefabrikanten Steinway aus Nerv-Dock geäußert habe, ein Besuch der Ausstellung in Chicago Allerhöchstihrerseits sei nicht unmöglich. Diese Nachricht ist unrichtig, Seine Majestät haben im Gegentheil zu Mr. Steinway gesagt, ein Besuch der Ausstellung in Chicago sei für Allerhöchstdieselben nicht wohl möglich.

Die im kaiserlichen Gesundheitsamt aus gefertigte gemkstwerständliche Zusammenstellung von Schutzmaßregeln gegen Cholera, welche zur Massenverbreitung bestimmt ist, liegt jetzt vor und ist als Flugblatt zum greife von

5 Pfg. pro Exemplar, 3 Mark pro 100 Exemplare und 25 Mark pro 1000 Exemplare vom Verlage von Jul. Springer in Berlin zu beziehen.Keine übergroße Aengstlichkeit! Peinliche Sauberkeit und Mäßigkeit! Mcht andere Gegenstände als Nahrungs- und Genußmitel an den Mund bringen. Möglichst wenig und nur un­verdächtiges Wasser trinken. Verwendung verdächtigen Wassers zum Trinken, Waschen u. s. w. nur nach minutelangem Kochen. Vor Eis und sehr kalten Ge­tränken hüten. Kein saures oder schales Bier trinken. Bittere Schnäpse, weil häufig Aloö enthaltend, sind bedenklich. Obst, Gemüse, Gurken 2C. nur gekocht essen, überhaupt nichts ungekocht oder ungebraten zu genießen, was von fremden, nicht als zuverlässig rein bekannten Händen angcfaßt ist. Kopf kühl, Leib warm, Füße trocken halten. In reiner Luft wohnen und schlafen. Täglich häufig die Hände waschen. Nach dem Anfassen beschmutzter oder verdächtiger Gegenstände die Hände in bprozentiger Carbolsäure waschen. Oeffentliche Abtritte nur im Nothfalle benutzen. Wäsche, Kleider, Bettzeug, Decken u. dgl. von Cholerakranken oder aus Choleraorten gründlich desinfiziren lassen. Bei gestörter Verdauungs- thätigkeit, be'm Eintreten von Durchfall, namentlich mit Erbrechen oder heftiger Uebelkeit alsbald an einen Arzt wenden. Bis derselbe kommt, ein warmes Getränk ge­nießen, eine wollene Leibbinde umlegen, im Zimmer bleiben und bei heftigem Schmerzen ins Bett legen. Zur Linderung eine Tasse Kaffee mit Cognac oder Rum genießen; sonst einstweilen schleunige Suppe, auch Zwieback oder altgebackenes Brod ohne Buter. Sind bewährte (nach ärztlicher Vorschrift verfertigte) Choleratropfen vorräthig, 2030 Tropfen davon auf Zucker nehmen."

* Im westfälischen Bauern Verein behauptete Freiherr von Schorlemer Alst, daß die Verschuldung des Grundbesitzes nach ziemlich sicherer Schätzung für ganz Deutschland 50 Milliarden Mark betrage (= zwei Milliarden Mark jährlicher Zinsen). Die Schulden nehmen allein für Preußen noch um 800 Millionen Mark jährlich zu.

Hamburg, 17. September. Bis jetzt sind 120 nicht rekognoszirte Choleraleichen in Massengräbern beerdigt. Auf Anordnung des Generalkommandos des neunten Armeekorps hat der Divisionspfarrer Trepte im Lockstedtcr Lager die Gräber der an der Cholera verstorbenen ' Mannschaften eiugeseqnet. Dabei fand ein großer feier­licher Gottesdienst statt, der erste seit 1871, wo viele französische Kriegsgefangene dort verstorben. Nach den bisherigen Feststellungen sind im Ganzen 14,894 Personen

Vorsicht zu benutzen sind und daß die Beschaffung von Quellwasser nur allein auf die Dauer eine Garantie für gutes Wasser bieten wird.

Tiefe Röhrenbrunnen mit eisernen Röhren (artesische oder abessynische) können unter Umständen eine Quell­wasserleitung ersetzen, wenn sie tief genug gegraben sind; eine Gemeindeverwaltung wird aber sehr reiflich erwägen müssen, ob Röhrenbrunnen, welche nur mit großen Kosten herzusteücn sind, für die Gemeinde zweck­mäßig sind. Vom ökonomischen Gesichtspunkt betrachtet ist eine Quellwasserleitung, die sich zinstragend ein richten läßt, jedenfalls praktischer, als die Anlage von Röhrenbrunnen, welche keinen Zins tragen und infolge ihrer theueren Herstellung nur die Gemeindelasten vermehren.

Dies würde ja aber eine interne Angelegenheit jeder Gemeindeverwaltung sein, wenn sie nur der ihr obliegenden Pflicht nachkommt und die Einwohner mit gutem Wasser versorgt, damit sie in dieser Hinsicht geschützt gegen die Cholera und andere Seuchen sind.

Es wird ja wohl jedermann einleuchten und Hamburg beweist es zur Zeit am besten, welchen schweren wirth- schaftlichen Nachtheil eine solche Epidemie hervorruft, und deßhalb gilt hier an erster Stelle der Grundsatz: Besser bewahrt, wie beklagt."

Was lehrt Hamburg?

Die große, altberühmte Handelsstadt Hamburg ist in einer solchen schrecklichen Weise von einer verheerenden Seuche heimgesucht worden, daß die Versorgung der Armen und Elenden, der Wittwen und Waisen noch ungezählter vermögensloser Familienväter, welcher der Cholera zum Opfer fielen und wahrscheinlich noch von dieser Seuche dahin- gerafft werden, das allgemeine Muleid wach ruft, und voraussichtlich trete deutsche Städte zu einem Liebeswerk an der so schwer geprüften nordischen Schwester anspornen wird. Weit mehr als durch die Nothstände in Hamburg ist aber durch die bedrohliche Seuche selbst, sowie durch deren zu befürchtende Wiederkehr bu alte Hansastadt das Schmerzenkind des deutschen Reiches geworden. Von der größten deutschen Handelsstadt aus muß naturgemäß eine große Verschleppungsgefahr allen anderen deutschen Städten drohen. Und welch unermeßlicher Schaden ist dem gesammten Wirthschaftsleben Deutschlands und selbst einem Theile der Nachbarländer durch den Aus- bruch der Choleraepidemie in Hamburg erwachsen! Die stärkste Verkehrsader für Deutschlands See- und Binnen­handel ist durch die Seuche in Hamburg unterbunden, Hamburgs weltberühmter Seeverkehr ist lahm gelegt, der Handel am Platze stockt, Arbeitslose gibt es zu Tausenden und die Hotels und Gasthöfe sind leer von Fremden Wie ein böser Fluch lähmt die Seuche ferner Deutschlands ganzen übrigen Verkehr mit dem Auslande und wegen der Choleragefahr mußten die meisten Messen und Märkte in den deutschen Städten verboten werden.

Angesichts solcher traurigen Folgen drängt sich Allen die Forderung auf die Lippen, daß die größten Anstreng­ungen gemacht werden müssen, um die Verbreitung der Cholera in Deutschland zu bekämpfen und deren Weitereinschleppung zu verhindern. Da Wissenschaft und Erfahrung bestätigt haben, daß die Cholera, die ansteckende gefährliche Seuche, nur aus Asien nach Europa ge­langen kann, und daß ferner nicht durch eine einzelne Einschleppung, sondern durch verwahrloste und mangel­hafte Zustände ein Bezug auf die Wasserversorgung, Canalisation, Straßenreinigun u. s. w. die Ansteckungs- stosfe sich zur Erzeugung einer Seuche vermehren können, so erwächst allen Behörden die doppelte Aufgabe sowohl die Einschleppung der Cholera zu bekämpfen als auch der Cholera selbst durch größte Sauberkeit des Wassers ' für Trink-, Koch- und Waschzwecke und entsprechende Säuberung der Straßen, Häuser und Höfe den Boden