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Nur ein Leben.

Professor Drummond, Verfasser von:Das Beste in der Welt", erzählt folgende Begebenheit: Vor kurzem machte ich eine Reise über den Atlantischen Ozean. Eines Abends unterhielten einige Passagiere und ich uns mit dem Kapitän, der uns im Verlauf des Gesprächs einen Vorfall erzählte, welchen er vor einigen Jahren erlebt hatte. Er führte ein Schiff, welches schon eine weite Reise gemacht, als die Schraube brach; um sie zu reparieren, wurde der Schaft herausgezogen, aber da der Verschlag nicht beizeiten verschlossen worden, ergoß sich das Wasser durch die Oeffnung, und in wenigen Minuten begann das Schiff zu sinken, die Boote wurden gelöst und der Ka­pitän stieg in ein schon überfülltes Boot. Dunkck war die Nacht und die See stürmisch, so daß wenig Aussicht zum Durchkommen des Bootes vorhanden war. Nach einer Weile erblickten sie die Lichter eines herankommenden Dampfschiffes, aber wie konnten sie sich bcmerklich machen? Sie durchsuchten das Boot und fanden eine abgenutzte Laterne mit einem zolllangen Lichtstümpfchen darin. Dann wurde nach einem Zündhölzchen gesucht. Jeder durch­forschte seine Taschen, jedoch vergeblich, keines fand sich. Der Kapitän befahl, aufs neue zu suchen und das Futter umzudrehen, und siehe, zuletzt kam aus einer Taschenecke ein Zündhölzchen zum Vorschein. Der Mann, der es gefunden, gab es weiter, vom Matrosen gelangte es zum Offizier und dann in die Hände des Kapitäns. Die Matrosen stellten sich dicht um ihn, hielten ihre Jacken vor, um den Wind abzuhalten und verwendeten kein Auge von ihm. Der Kapitän sagte, er habe mancher Schwierig­keit getrotzt und habe mancher Gefahr ins Auge gesehen, aber nie habe er solche Verantwortlichkeit gefühlt, als in jenem Augenblicke, als er das Zündhölzchen zu streichen hatte doch er that es. Die Laterne wurde angezündet, und als man sie zum Signal hin und herschwenkte, wurde das Zeichen von dem Schiffe bemerkt, welches nun den Kurs änderte und alle aufnahm. Was aber gab denn jenem Zündhölzchen solchen Werth? Es war das einzige; und das ist's, meine Freunde, was eurem Leben solch hohen Werth verleiht. Dein Leben ist das einzige Leben, das du hast, von ihm hängt dein ewiges Leben ab; wenn irregeführt und verloren, hast du kein zweites, in welchem du den Schaden gut machen könntest.

Erfinderisch.

Kapitän Hall, ein kühner Reisender und Nordpol­fahrer, erzählte von einer wunderbaren Rettung aus Lebensgefahr. Mit einem Eskimoknaben war er im Boot nach einer Insel gefahren, die seine Wißbegierde gereizt. Er glaubte den Kahn sicher am Ufer befestigt zu haben und begab sich mit dem Begleiter in das Innere der Insel. Als er aber zurückkehrte, fand sich's, daß der strick gerissen war, und der Kahn trieb eine Strecke vom Lande entfernt in den Wellen hin und her. Die Ver­legenheit war groß. Bei der eisigen Kälte des Wassers wäre es eine gefährliche Sache gewesen, schwimmend das Boot zu erreichen zu suchen. Als letzten Versuch löste Kapitän Hall die Litzen auf, mit denen seine und des Knaben Schuhe geschnürt waren, band die Faden aneinander und befestigte einen Stein an die dadurch gewonnene freilich sehr dünne Leine. Ein geschickter Wurf brächte den Stein wirklich in das Boot und so gelang es, mit größter Vorsicht das­selbe zu sich heranzuziehen. R.

Sonderbare Gebräuche.

Die Chinesen bezahlen ihren Arzt solange sie gesund sind. Sobald sie krank sind, ziehen sie das Honorar zurück. Bei den alten Eghptern honorierte der Patient den Arzt während der ersten Tage einer Krankheit. Darnach aber bezahlte der Arzt den Patienten so lange, bis er ihn wieder hergestellt hatte. R-

Die Macht der Gnade.

Sonntagsepistel: 1. Cor. 15, 110.

1. Cor. 15, 10. Aber von Gottes Gnade bin ich, was ich bin.

Wenn irgend ein Mensch, so ist der Apostel Paulus ein lebendiges Zeugniß für die Macht der Gnade Gottes. Denn wo ist wohl ein größerer Gegensatz denkbar, als der zwischen dem eifrigsten Verfolger des Namens und der Gemeinde Christi und dem gewaltigen, geisterfüllten Verkünder des Evangeliums und dem weisen Baumeister und uner= müdlichen Gründer von christlich enGemeinden? Paulus hört nicht auf, sich selbst immer wieder daran zu er­innern, was er gewesen ist vor seiner Berufung zum Sendboten des Heilands; er wird nicht müde, zu rühmen, was sein Herr an ihni gethan, und was er aus ihm gemacht hat.

Ich habe euch gegeben," sagt er,welches ich auch empfangen habe," und damit verkündet er der Gemeinde die Grundthatsachen unserer Erlösung. Die Mittheilung dieser heiligen Thatsachen durch den Mund des auferstandenen Herrn ist das höchste Zeichen seiner Gnade gegen den Apostel, und was derselbe in der Epistel hier an die Gemeinde darüber schreibt, ist der höchste Beweis von der Macht dieser Gnade, die den Apostel nicht bloß selbst gewonnen hat für den Herrn, sondern die ihn auch gewonnen hat zur Hingabe von Leib und Seele für das Reich seines Meisters.

Weil ihn selber nun dies Evangelium, das ihm der verklärte Herr verkündigt, so beseligt und neu­geboren hat, so darf er wohl seine Brüder an das­selbe Evangelium erinnern, das sie angenommen haben, und durch welches auch sie selig werden können. Auch an ihnen soll sich die Macht der Gnade er­weisen, die sie zum festen Glauben an den Herrn und zu steißiger Arbeit für den Herrn bringt. Was er nun in diesem Betracht an seine Gemeinde zu Corinth geschrieben hat, das gilt gleicherweise uns, eben wie auch die Erinnerung an dies Evangelium, in welchem wir seit den Tagen der Kindheit und seit der Stunde unserer Confirmation stehen. Er­innert euch darum oft und immer wieder auf's Neue dieses Evangeliums, liebe Christen, und besonders der in der Epistel berührten Kern- und Hauptpunkte desselben.Daß Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift, und daß er begraben sei und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift," sind hohe Artikel des Glaubens und Zeugnisse von der Macht der Gnade, die dies Un­endliche für uns gethan hat.

Laßt uns darum nicht dieses Fundament antasten oder verrücken, was doch geschehen würde, wenn wir dasFür unsere Sünden" Wegnahmen, wenn wir noch etwas von der Selbstgerechtigkeit des Phari­säers im heutigen Evangelium an uns behielten, welche das Vermeiden grober Sünden, sowie die äußerlichen Werke des Fastens und Almosengebens für das ausreichende Mittel hält, um mit Gott auf gutem Fuß zu stehen und sich vor anderen Menschen auszuzeichnen. An denen, die also denken, ist Gottes Gnade vergeblich gewesen. Laßt uns vielmehr dem Zöllner gleichen, der sich nach der Gnade sehnte, deren Kraft in dem Schwachen mächtig ist.