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Samstag, den 20. August

Chvlerngefahr und Choleraschutz.

Bon Dr. O. St.

Es dürfte nicht überflüssig cr'cheinen, zunächst einige Worte über den Unterschied zwischen der einheimischen und der asiatischen Cholera zu bemerken, die beide mit Durchfall beginnen. Bei der sogenannten Cholera nostras, die in der Regel während der heißen Sommer­monate in Folge von Diätfehlern durch abnorme Göhr- ungen oder Zersetzungen des Magen- und Darmindaltes eintrilt, zeigen sich mitunter als Verboten: Unbehagen, Leibschneiden und Kollern im Leibe. Häufig tritt die Krankheit plötzlich, oft während der Nacht ein, indem reichliche Smhlausleerungen erfolgen. Heftiges Er­brechen geht voraus oder folgt auf die ersten Ent­leerungen und tu Tb bald schleimig wässerig, grün­lich aussehend und sauer schmeckend. Der Patient fühlt sich dabei äußerst hinfällig und verspürt brennenden Durst, doch erregt das Trinken immer neues Erbrechen. Der Leib ist weich; der Puls beschleunigt und kaum fühlbar; kalter Schweiß bringt aus allen Poren, auch Hände und Füße sind kalt und werden oft durch schmerz­hafte Stümpfe, namentlich in den Waden, zusammen- gezogen. Ist der Anfall vorüber, so wird die Haut wieder warm, ein leichter Schweiß stellt sich ein, die Entleerungen werden seltener und der Kranke füllt in ruhigen Schlummer. Diese Krankheit verläuft meist in 8 bis 24 Stunden und tobtet in der Regel nur geschwächte Individuen.

Die asiatische Cholera wird, wie schon bemerkt, fast immer auch durch Diarrhöe eingelei-et, fetten nur . abcu kräftige Menschen das Gift so zu sagen massenhaft aus­genommen und werden innerhalb weniger Sinnden pin« geiafft. In der Regel ist der Krankheitsverlauf ^ -g.ui^eri Es tritt zuerst Durchfall auf, dann gesellt sich stürmisches Erbrechen hinzu, Kiämpfe in Händen und Füßen, wie namentlich der Wadenmuskeln, quälender Duist, blaue Gesichtsfarbe, Hautkälte, heisere Stimme, kalter Schweiß und größte Mattigkeit und Hinfälligkeit. Das Erbrochene und die Stuhlgänge sind dünn, weiß, reiswasserähnlich, der Puls ist nicht mehr fühlbar und die in Falten emporgcz0t,ene Haut bleibt stehen. In diesem Zustande kann die Krankheit tödtlich werden, indem sie in weitere Stadien tritt, die wir hier nicht ausmalen wollen; oder aber sie geht in Genesung über, indem Urinentleerung sich entstellt, die Durchfälle nach­lassen und normale Hauttemperatur, verbunden mit warmen, wohlchuenden Schweiße sich einfindet.

Man sieht aus dieser kurzen Skizze zur Genüge, wie ähnlich einander die beiden Arten der Cholera, zumal in den ersten Stadien, sehen. Nun ist allerdings durch Koch's Entdeckung die Möglichkeit gegeben, die asiatische Cholera von jeder Art anderen Brechdurchfalls u. s. w. zu unterscheiden, da ihr allein der Kommabacillus eigen ist. Die Unterscheidung ist übrigens nicht ganz leicht, da es auch andere in Komma- oder Spirillenform auf- tretende Pilze gibt, die mit den echten Kommabacillen verwechselt werden können.

Immer tritt mit dem Aufhören der Diarrhöe die Genesung ein; sie bildet die hauptsächlichste Krankheits­erscheinung, und daraus folgt, daß man in der Cholerazeit bei den ersten Anzeichen von Durchfall aufmerksam werden und vorsichtig sein soll. Am besten ist es natürlich es gar nicht bis dahin kommen zu lassen, sondern sich von vornherein einer Lebensweise zu be­fleißigen, bei welcher die Verdauungsorgane nicht gestört werden.Es ist eine alte Erfahrung," heißt es in einer sehr lehrreichen Veröffentlichung des Nieder: Heinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege,daß z. B. Trunkenbolde, deren Magen stets in krankhaftem Zu slande sich befindet, der Cholera beinnahe immer erliegen. Wer daher eine einfache und mäßige Lebensweise führt, bleibe hierbei und treffe keine Aenderung. Wer aus Erfahrung weiß, daß sein Magen bei geringen Diät- fehlern oder bei geringer Aenderung in der Diät leicht gestört wird, besonders auch wer zu Reizzuständen des Darmes, zu Durchfällcn geneigt ist, möge in der Auswahl der Speisen und Getränke wohl vorsichtig sein und vermeide alle diejenigen Nah:ungsmittel und Ge tränke, welche leicht Magencatarrh und Darmcatarrh hervorzurufen im Stande sind. Es ist ja bekannt, daß nihlicher Genuß von Obst, Gemüse, besonders von grünem Gemüse, von Süßigkeiten, von jungem Bier, jungem Weine, daß in Verderbuiß und Göhrung über­

gegangene Speisen und Getränke die Magen- und Darm- verdauung stören und Durckfälle hervorbringen. Wer durch Erlä tungen zu Verdauungsstörungen disponirt, soll in der Kleidung vorsichtig verfahren; bei ihm erweist sich das Trogen einer wollenen Leibbinde jedenfalls sehr nützlich. Daß alle Excesse im Essen und Trinken durch­aus gemieden werden müssen und daß man sich vor Er­kältungen schützen soll, ergibt sich hieraus von selbst."

Ein großes Schutzmittel gegen Cholera, ja vielleicht daß allergrößte und sicherste, ist die Reinlichkeit und zwar sowohl für den Einzelnen, wie für die Allgemeinheit. Was für den Einzelnen tägliche gründliche Abwaschungen, sodann Vollbäder mit nachfolgender kalter Brause und tüchtigem Hautfrottiren, das ist für Städte das Sauber­halten der Straßen von allem schmutzigen Unrath, das gehörige Spülen der Rinnsteine, das Reinigen aller übelriechenden Winkel und Gossen, kurzum die öffentliche Reinlichkeit, die sich aber nothwendigerweise auch auf die Sorge um unbeflecktes Trinkwasser erstrecken muß.

Es ist uns wohlbekannt, daß manche Fachmänner behaupten, für Cholera-Ansteckung durch Trinkwasser liegen keine Beweise vor, und daß namentlich Professor Max Gruber (Wien) dies auf dem hygienischen Congreß von 1887 aus den in Oesterreich 1 «85/86 gemachten Beobachtungen gefolgert hat. Dem scheinen jedoch zu viel anderweitige Erfahrungen zu widersprechen, und namentlich in der letzten, zwei Jahre währenden spanischen Epedimie hat sich unseres Erachtens unwiderleglich ge­zeigt, daß das Trinkwasser vermuthlich der hauptsächlichste Träger für die Cholerakeime ist. Nicht umsonst zeigt die unheimliche Seuche auch überall eine deutlich aus­geprägte Vorliebe, den Mass rstraßen zu folgen.

Man sorge also in den Städten für reines Trink- Wasser, was ja sehr leicht ist, wenn Wasserleitungen vor­handen sind, die ihr Wasser aus fernliegenden Quellen beziehen. Wenn das aber nicht der Fall ist, so sollten doch wenigsten, sobald sich Cholerasälle zeigen, die Cloaken zwangsweise ausgepumpt und sammt der Nach­barschaft desinficirt, verdächtige Brunnen vollständig ge schloffen werden. Im Haushalte aber trinke man natürliches Mineralwasser oder Selterwasser, das von destillirtem Wasser gemacht ist. Wem das zu theuer ist, der benutze nur gekochtes Wasser, das warm mit einem schwachen Zusätze von Thee oder Kaffee genossen werden kann. Nach dem Erkalten macht man es am besten durch einen kleinen Zusatz von Brausepulver schmackhaft. Eine Messerspitze voll doppeltkohlensaurem Natron und ebenso viel Weinsteinsäure genügt für zwei Liter gekochten Wassers.

Man verlasse sich nicht aus sogenannte Choleramiitel. wie Liqueure, Tropfen u. s. w. Auch manche ärztlicher­seits bei gewöhnlicher Diarrhöe mit Erfolg verordnete Arzneien erweisen sich bei echter Cholera als durchaus nutzlos; man vergeude also in allen wirklich besorgniß- erregenden Fällen nicht die Zeit mit Versuchen auf eigene Hand und mit Anwendung von Hausmitteln, sondern sorge dafür, daß der Kranke baldmöglichst in sachgemäße ärztliche Behandlung gelange.

Wir hegen die Hoffnung, daß es nicht dazu kommen werde und daß die gefürchtete Epidemie unserem Vater- lande fern bleiben mögen. Auf alle Fälle aber sei zum Schlüsse nochmals wiederholt, daß wir den Feind um so sicherer be-wingen, je mannhafter und gefaßter wir ihm entgegentreten. Darum sorgsame Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln, sobald es Noth ihm, aber unter Bewahrung ruhiger Gemmhsstimmung und Vermeidung übertriebener Aengstlichkeit, zu der vorläufig noch nicht der mindeste Grund vorliegt: keine Cholerafurcht!

Zum Schutze gegen die Cholera gibt der Berliner Arzt Geheimer Sanitätsrath Dr. E. Sachse in einer Broschüre e ne Reihe von Verhaltungsmaßregeln, Be­lehrungen über das Wesen der Cholera, Anweisungen zur Ausführung der Desinfektion u. s. w. Wir heben daraus folgende Vorschriften von allgemeinem Interesse hervor: Was darf man essen Und trinken, was nicht? Verboten: Ungelöststes Wasser. Rohe Milch und rohe Sahne, auch saure Milch und Schlagsahne. Butter und Bulterinilch. Frisches Gebäck. Alle kalten Suppen. Kalter Aufschnitt, der schon lange gestanden hat! Alle Salate und Majonnaisen. Cremes, Rohes Obst. Käse. Kuchen und Eis. Erlaubt: Abgekochtes Wasser, auch mit Cognac, Arac oder Nothwein. Gutes Soda- oder Selterwasser,

auch natmliche Mineralbrunnen. Rothwein, gutes abgelagertes Bier, Kaffee, Thee, Cacao. Gebäck muß vor dem Genuß erst eine halbe Stunde im Hause erhitzt werden. Alle gekochten Suppen. Alle heißen (ge­kochten, geschmorten und gebratenen) Fleischspeisen. Ebenso alle gekochten Gemüse (Kartoffeln, Reis, Macaroni, Schnitzel, Schoten, Blumenkohl) rc. Gekochte warme Compots. Eierspeisen. Warme Puddings. Vernünftiger Tageszettel: Morgens: K.ffee, Thee oder Cacao, ohne oder mit stark abgekochter Milch, Eier, Gebäck, welches nochmals in einem Topfe eine halbe Stunde lang trocken erhitzt war, ohne Butter. 2. Frühstück: Bouillon mit Ei, Gebäck wie oben, warmes Fleisch, Wein. Mittags: Heiße Suppe, gekochtes oder geschmortes Fleisch, Braten, Gemüse, frisch gekochtes Compot, Nothwein dazu oder gutes Bier. Nachmittags: Kaffee oder Thee. Abends: Thee oder warme Suppe, von Mittag übrig gebliebenes Fleisch mit Gebäck vorn Morgen oder warme Fleisch­speisen, Wein oder Bier wie oben.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Herbstparade des Gardecorps aus dem Tempelhofer Felde bei Berlin fand gestern statt und verlief bei prachtvollem Wetter auf das glänzendste. Der Kaiser, begleitet von dem Prinzen Leopold von Bayern, der Erbprinzesfin von Meiningen zu Pferde, der Prinzessin Friedrich Leopold zu Wagen und einer glänzenden Suite, ritt die Front der in zwei Treffen ausgestellten Truppen ab. Hierauf fand einmaliger Vorbeimarsch in Com­pagnie- bczw. Eskadroufront statt. Nach der Parade empfing der Kaiser im Schlosse die Deputation der Helgoländer Fischer, hielt eine längere Ansprache an dieselbe und unterhielt sich dann eingehend mit den D'nucirten.

Der Kaiser hat Dienstag Vormittag von 7 Uhr ab den Garde-Kavallerie Brigade Uebungen auf dem Tempelhofer Felde beigewohnt. Am 18. August, dem Tage des Sieges von Gravelotto, f! idet vor Sr. Majestät dem Kaiser die große Herbstparade des Garde-Corps auf dem Tempelhofer F lde bei Berlin statt.

* DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ge­setze detriffend die Besetzung der Subaltern- und Unter» bcamicnstellen in der Verwaltung der Kommunal-Verbände mit Militairauwärtern; sowie betreffend das Dienstein­kommen der Lehrer an den nicht staatlichen öffentlichen höheren Schulen.

Der Oberpräsident der Provinz Pommern, der frühere Kultus- und spätere Minister des Innern v. Puttkammer, hat kurz vor den Sommerferien dem Franzburger Lehrerseminar einen Besuch abgeftattet und die Schüler der ersten Klasse, die demnächst in den Volksschuldienst eintreten, mit einer Ansprache erfreut, in der er sie u. A. ermähnte, in ihrer zukünftigen Stellung recht zufrieden zu sein; denn die Lehrerstellen seien jetzt allgemein so dotirt, daß deren Inhaber ihr gutes Auskommen hätten.

* Betreffs der namentlichen Bezeichnung einer Kolonie in einem Gemeindebezirk hat anläßlich eines Spezialfalls der Minister des Innern dahin entschieden, daß in denjenigen Fällen, in welchen es sich um ein Vorwerk oder sonstiges Etablissement ohne kommunale Selbstständigkeit handelt, die Regierungspräsidenten ermächtigt sind, auf den Antrag des Eigenthümers dem­selben einen besonderen Namen beizulegen, bczw. diesen abzuändern.

Ueber die Zunahme der katholischen Orden und Kongregationen in Preußen während des Jahres 1891 ist Folgendes zu merken: Am 31. Dezember 1890 waren 1027 Niederlassungen mit insgesamt l l 217 Mitgliedern vorhanden; ihre Zahl stieg bis zum Schluß des Jahres 1891 auf 1094 Niederlassungen mit 12 152 Mitgliedern. Sowohl die Niederlassungen wie die Mitglieder derselben vermehren sich weit stärker als die Volkszahl, welche jährlich im Durchschnitt um wenig mehr als 1 °/o wächst.

Das kleinste Rittergut in Sachsen liegt bei Würzen; es ist das rittersässige Rittergut Niederschmölen, am linken Muldeufer eine Halde Stunde oberhalb Würzen gelegen. Dieses Rittergut besteht aus nichts weiter als einem einstöckigen Hause (das Herrenhaus) und wenigen Nebengebäuden und einem ca. 1 Acker gioßen Garten. Felder, Wiesen, Wald fehlen! Der jeweilige Besitzer diesesRittergutes" hat nach denDresd. Nachr." Sitz in der ersten sächsischen Kammer. Das Gut be-