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Samstag, den 30. Juli

Ungarn unterstützt, obwohl Kaiser Franz Joseph mit der Besetzung Bosniens nur ein ihm auch von Rußland ausdrücklich zugestandenes Recht und eine völkerrecht­liche Pflicht erfüllte! Die Gesandten Persiani in Belgrad und H trowo in Bukarest haben bekannterweise alle Verschwörer auf der Balkanhalbinsel unter ihren speziellen Schutz gestellt, sie mit Geldmitteln unterstützt und, damit sie ihr friedenstörendes Gewerbe recht ungestört treiben können, ihnen russische Pässe gegeben.

Wann wird die Zeit kommen, in der sich ganz Europa gemeinsam gegen den halbbarbarischen Nachbar im Osten wendet.

Triumph der Demokratie.

So betitelt sich ein Werk Carnegie's, jenes geborenen Schotten, dem die Riesen-Stahlwerke im Homesteadt ge­hören. Auf diesen sind an 40,000 Arbeiter beschäftigt, das Kapital der Carnegie Steel Company beträgt 25 Millionen Dollars. Für seine Menschenfreundlichkeit ernannte Herrn Carnegie Aberdeen, seine Heimath, zum Ehrenbürgern; er selber läßt es an wohlthätigen Stiftungen in Schottland nicht fehlen und glaubt, alles den herrlichen demokratischen Einrichtungen Amerikas zu verdanken. Seine Großmuth erscheint jedoch ebenso wie sein Preisen der demokratischen Freiheit in bedenk­lichem Lichte, wenn man sich die Umstände des letzten Strikes auf den Werken in Homestead vergegenwärtigt.

Carnegie hatte eine Herabsetzung der Löhne um 30 pCt. verfügt. Die Arbeiter, durchweg Mitglieder von Gewerkvereinen, erklärten, sich die Lohnherabsetzung nicht gefallen lassen zu wollen. Es kam zur offenen Revolte. Da schickte die Fabrikleitung nach Philadelphia und ließ von dorther eine Brigade von Privatpolizisten kommen, die bis an die Zähne bewaffnet, die Arbeiter zu Paaren treiben sollten. "Namentlich sollten unter ihrem Schutze an Stelle der ausständischen Gewerkvereins- mitglicdcr freie, d. h. nicht organisirte Arbeiter eingestellt werden. Zwischen der übelberufenen Privatpolizei des Dctcktivanstaltsunternehmers Pinkerton und den Arbeitern Carnegies kam es zu blutigen Schlachten. Die Detektives erwiesen sich als nicht stark genug, einige Tausend Mann Bundestruppen mußten gegen Homestead auf­geboten werden.

Die englischen Blätter, welche auch während des letzten Wahlkampfes diesen amerikanischen Vorgängen die größte Aufmerksamkeit widmeten, heben hervor, daß sich aus dem Regimente der unumschränktesten Freiheit in Amerika wieder Zustände ergeben, die mit dem ent­arteten Feudalismus des Mittelalters die größte Aehn- lichkeit haben. Carnegie will den Arbeitern von Home- stcad und der Bevölkerung von Pittsburg, welche mit jenen sympathisirc, Trotz bieten. Er hat Weisung gegeben, die Fabrikanlagen nach allen Regeln der Kunst zu befestigen. Das Hauptbureau der Fabrik, das für den Generalstab bestimmt ist, wird von Wall und Graben geschützt und durch eine vierzig Fuß messende Zugbrücke mit einem gesonderten Gebäude verbunden, das besondes schwer zu stürmen ist. Hier sind Photo­graphische Apparate aufgestellt, welche mittelst des Augen­blicksprozesses sofort die Züge der Angreifer behufs späterer Jdentisizirung vor dem Richter festhalten können. Baracken sind gebaut zur Ausnahme der Besatzung; die stählerne SchaluppeAnnie", die im Flusse liegt, ist wie ein Kriegsschiff ausgerüstet und kann mit ihren Geschossen das Terrain bis zur Fabrik hin von etwaigen Angreifern säubern. Nach telegraphischer Meldung ist aus den Geschästsleiter in Homestead von einem zu­gereisten Arbeiter ein Mordanfall verübt worden.

Hierzu bemerkt die Nordd. Allg. Ztg. gewiß mit Recht: Die einzige Sicherung gegen einen socialen Krieg im Stile des ausgehenden Mittelalters ist eine durch die Autorität einer unabhängigen Regierung gewähr­leistete sociale Gerechtigkeitspflege, welche den Aus­schreitungen der Eigensucht und Gewalt von hüben und drüben vorzubeugen versteht.

Deutsches Reich.

Wilhelmshafen, 27. Juli. Der Kaiser traf heute 8 Uhr morgens bei schönstem Wetter ein und inspizirte die Kreuzerkoroette Sophie.

Berlin. Die ganze deutsche Grenze ist jetzt gegen die Choleragefahr mobil gemacht worden. Ueberall sind sanitäts-polizeiliche Maßnahmen angeordnet. Dazu kommt nun noch ein Einfuhrverbot aus Rußland. Mit Rück ficht auf die Eholeragefahr ist die Ein- und Durchfuhr

Von Rußland her droht unseren Grenzen stete Gefahr und besonders jetzt, wo der unheunliche Gast, die Cholera, in den Nothstands- gebieten an der Wolga furchtbare Nachlese hält und hin" wegzuraffen droht, was der grimme Hunger und die hohläugige Noth verschont haben.

Daß es so kommen mußte, ist für dieZivilisation" unserer Zeit, auf die sich mancher so biet zu gute hält, beschämend im höchsten Grade. Rußland, ein Riesenreich von unerschöpflichen, ober schwer zu hebenden und schlecht verthrilten Hilfsmitteln, starrt von Waffen und hat vielleicht eine Million seiner Söhne in die Uniform des Zaren gesteckt. Millionen und aber Millionen veraus­gabt es für neue Gewehre, für Kanonen, Kriegsschiffe und Befestigungen. Seine M litärmacht ist eine er­drückende und eine stete Gefahr für den Frieden Europas. Aber der ungefüge Koloß hrt Eiterbeulen an seinem Körper und ihm fehlt der helfende Arzt, ihm fehlen die Mittel, der schrecklichen Krankheit Herr zu werden. Hunger und Seuchen raffen Tausende der Unterthanen hinweg und die Regierung ist dem gegenüber machtlos Vielleicht vom besten Willen beseelt und um des eigenen Besten willen auch zur energischen Abwehr genöthigt, findet sie doch nicht genügend Köp'e und Hände, die den guten Willen zur Ausführung bringen. Was nützen die Wohlthätigkntsausschüsse, wenn das von diesen ge­sammelte Geld in das Sieb der russischen Beamten­schaft geschüttelt wird? Ehe es an Ort und Stelle kommt, ist das Sieb natürlich leer und der arme Bauer, für den es bestimmt war, hungert weiter.

Aber das haare Geld nutzt ihm auch wenig; der russische Bauer ist sittlich verkommen und sorgt nicht für morgen. Baares Geld ist ihm nur eine Anweisung auf Wutli, die er in die nächste Schenke trägt, um 'sich da­für den tröstenden und vergessenmachenden Fusel eiuzu- taufdjen, den er übrigens mit Weib nnd Kind ehrlich theilt. Das weiß man nur allzugut und darum hat man ihm Naturalien geliefert: Brod und Sa<Agetreide. Nun muß man aber wissen, wie und was in Rußland von den Großlieferanten geleistet wird und man hat dabei nicht einmal die Ausrede, daß derJude" den Profit einstreicht. Der Jude ist jetzt so ziemlich überall Derbrängt und die Lieferanten sind griechisch-orthodoxe fromme Leute, die Kleber und Gerstenschrot verbacken und verfaultes, dumpfes Getreide als zur Saat ge­eignet liefern.

Da kann es denn nicht wunder nehmen, wenn sich der Mißwachs des Vorjahres wiederholt, der Hunger­typhus weitere Opfer fordert und die von Südosten herarrdringende Cholera ein wohlvorbereitetes Bett findet. An den Hauptcholeraherden, in Astrachan und Samarow, sind die Bande der staatlichen Disziplin bereits voll­ständig aufgelöst. Die Aerzte werden von der Bevölkerung todtgeschlagen oder weggejagt, die Krankenhäuser ge­stürmt und zerstört.Mag die Cholera kommen!" ruft die verzweifelte Menge, der ein schneller Tod will­kommener ist, als das langsame Siechthum infolge von Hunger und Entbehrung. Und das großmächtige Ruß­land ist diesem Treiben gegenüber ohnmächtig; seine Regierung ist nicht im staube, ordnungs- und erfahrungs- gemäße Vorbeugungsmaßregeln gegen das Weitergreifen der Seuche durchzuführen, so daß es auch in sanitärer wie in politischer Beziehung eine Gefahr für ganz Europa wird.

Bereits sollen Cholerafällt bei der Besatzung in der Nähe der österreichischen Grenze vorgekommen sein und über Gumbinnen meldet man, daß dort in der Grenznähe auf russischer Seite die schwarzen Pocken herrschen. Wir dürfen trotzdem ruhig sein, denn wenn auch bei uns zu Lande nicht gerade alles mustergültig bestellt ist, russische Zustände haben wir Gott fei Dank doch nicht! Unsere Behörden werden ihre Schuldigkeit zu thun wissen und können gewiß sein, daß ihre Anordnungen und Befehle, die doch nur dem allge- >Uei»en Besten dienen, nicht nur auch von ihren geringsten Drzanen befolgt, sondern ebenso von der ganzen Be- vöikerung nach besten Kräften unterstützt werden.

Der politischen und gesundheitlichen Bedrohung von Rußland her schließt sich ganz passend die Verseuchung der diplomatischen Verhältnisse an, die Rußland plan­mäßig betreibt und auf die der Beltschew Prozeß grelle Streiflichter geworfen hat. Die Politik Rußlands ist eine perfide durch und durch. Das offizielle Rußland hat, wie jetzt aktenmäßig feststeht, heimlich den Aufstand

der Herzegowiner und Bosniaken gegen Oesterreich'

gebrauchter Leib- und Bettwäsche, gebrauchter Kleider, mit Ausschluß der von Reisenden mitgeführten Kleider und Wäsche, sowie von Hadern, Lumpen, Obst, frischen Gemüsen und Weichkäse aus Rußland bis auf Weiteres verboten.

* Die Königlichen Eisenbahn-Direktionen haben angeordnet, daß nach der Einführung der Sonntags­ruhe die Vichbeförderung an Sonn- und Feiertagen keine Beeinträchtigung erleide. Die sonst an diesen Tagen regelmäßig verkehrenden Vieh- oder Güterzüge sollen fortan nicht abgelassen, sondern die Viehsendungen mit einigen fahrplanmäßigen Zügen zu gewöhnlichen Frachtsätzen befördert werden.

Die Einfuhr folgender Gegenstände aus Rußland wird wahrscheinlich im Hinblick auf die Choleragefahr verboten werden: Gänse, die notorisch die besten Cholera- träger sind, Eier, deren Verpackung ein guter Cholera- träger ist, Kornsäcke, gebrauchte Leib- und Bettwäsche, gebrauchte Kleider, Hadern und Lumpen, Papier Abfälle, Pelzwerk, Kürschnerwaaren, Felle, Häute ?c. Die sämmt­lichen deutschen Hafenbehörden sind angewiesen, die sanitätspolizeiliche Aufsicht über Schiffe aus Südrußland mit aller Strenge zu handhaben.

Tilsit, 27. Juli. DieTils. Allg. Ztg." meldet, daß in Eydtkuhnen ein aus Rußland eingetroffener Rtisender als cholerakrank wieder über die Grenze zurück­befördert wurde.

Halle a. S, 27. Juli. Das Dienstmädchen in dem Droguenschäft von Kaiser betrat das Dach eines Neben­gebäudes, brach durch das Oberlicht und fiel auf einen Ballon mit Schwefelsäure, welcher zersprang. Das Mädchen wurde schrecklich verbrannt und liegt hoff­nungslos darnieder.

Halle a. K S., 25. Julff Der Vorstand der Jn- validiiNs- und Altersversicherungs-Anstalt für Sachsen- Anhalt in Merseburg hat beschlossen, ein Viertel der vorhandenen Ueberschüsse, ungefähr eine Million Mark, in Wohlfahrtseinrichtungen für die arbeitende Bevölkerung anzulegen. ES ist der Bau von Arbeiterwohnungen oder Beihilfe dazu durch Darleihung von Kapitalien zu ganz massigem Zinsfuß in Aussicht genommen.

Coburg, 22. Juli. Ein Bauer auS einem Nachbar­dorfe kaufte am Mittwoch auf dem hiesigen Schweine- markte ein paar Saugschweine, steckte dieselben in einen Sack, warf diesen auf den Rücken und trat vergnügt die Heimreise an. Kurz vor seiner Heimath angekommen, fiel es dem Bauer auf, daß es im Sack ganz still ge­worden. Die Schweinchen sind todt, meinte er sofort; um nicht noch Spott zu ernten, entschloß er sich rasch, die vermeintlich todten Thierchen in den Dorfteich kurz vor seinem Heimathsorte zu werfen. Gedacht, gethan! Im Wasser besamen dieselben aber neues Leben. Doch der Teich war zu tief, und betrübt mußte der Bauer seine Schweinchen, die er nicht retten konnte, ertrinken sehen.

Schweinfurt, 27. Juli. Zu dem am Mittwoch, den 3. August, hier stattfindenden Zuchtbullen- und Zuchtvieh­markt mit Preisverteilung sind bereits so zahlreiche An­meldung eingelaufen, daß wir uns veranlaßt sehen, auf diesen Mark aufmerksam zu machen, welcher eine reiche Auswahl schöner Zuchtsticre, Kühe und Kalbinnen, insbesondere des beliebten einfarbig rotgelben Frankenschlags, zum Ankauf bieten wird. Von den weit­hin bekannten und berühmten Musterzuchi-Stationen wird Prosselsheim 24, Goldersheim 8, Maibach 7, Eberts- hausen 10 Stück schöne Zuchtthiere zu Markt bringen, ganz abgesehen von den vielen Einzelzüchtern in den umliegenden Orten, welche den Markt mit gleicher Waare beschicken werden.

Ausland.

New Park, 26. Juli. Es herrscht überall Ungeheure Hitze und fanden mehrfache Stürme statt. BeiWheeling (Westvirginia) ertrank eine Familie von neun Personen. Eine Trombe verwüstete die Eisenbahn und Brücken. Ein in Bay Cily (Michigan) uns den benachbarten Wäldern ausgebrochenes Feuer zerstörte in der Stadt 4 Hotels, 2 Kirchen, etwa 50 Magazine und viele Gebäude. Der Schaden wird auf eine Million DollarS geschätzt. Auf den Director der Carnegiewerke in Pittsburg, Frick, wurde am Samstag Früh ein Revolver­attentat von einem Schriftsetzer Namens Bergmann unternommen. Frick wurde getroffen, aber nicht lebens­gefährlich verwundet. Der Attentäter wurde verhaftet. Qn semryl Munde fand man zwei Dynamiygtrpfltst,