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Faktorei in Kamerun.

In Kamerun sind die Deutschen hauptsächlich auf den Handel mit Landesprodukten angewiesen; zu diesem Zweck sind längs der Ströme in der Nähe der größeren Dörfer und Städte derKönige" Handelsniederlassungen an­gelegt, die sogenannten Faktoreien. Trotz der Nähe der Dörfer befinden sie sich in der vollsten Wildniß des Ur­waldes. Riesenhaft strecken sich die Bäume in die Höhe, der Boden ist durch das Sommer und Winter ungehindert fortwuchernde

Gewirr von Gebüsch und Schlingpflanzen unwegbar ge­macht. Alle Arten wilder Thiere sind ver­treten. Die Faktorei selbst hat in der Mitte eine massive Küche. Am Uferrand arbei­ten europäische Schiffszimmer­leute im Verein mit schwarzen Gehülfen; ein­töniges Klopfen tönt aus der Böttcherei her­über, in welcher die Fässer für Palmöl zusam­mengeschlagen werden. Aber

Faktorei in

Kamerun.

von der anderen Seite dringt ein

greller Lärm, welcher anzeigt, daß dort Frauen ihre Wünsche kund thuen. Wir wenden uns dahin. Auf der Veranda vor einem Magazin steht ein Weißer, neben ihm ein sauber gekleideter schwarzer Gehülfe, welcher ihm die Waren aus dem Innern der Vorrathskammer herausreicht. Der Markt beginnt; die Frauen bringen allerhand Lebensmittel für die Mannschaft der Faktorei, Bodenfrüchte, Fische, Hühner und Eier, Hammel. Geld giebt es nicht; sie erhalten da­für leichte Stoffe, Geräthschaften und leider auch Brannt­wein. Der regste Handel aber entfaltet sich drunten am

Ufer des Flusses. Dort liegen neben den Kanoes der Eingeborenen und den Booten sowie Seglern der Weißen alte abgetakelte Schiffe, welche nunmehr als schwimmende Waren-Magazine verwendet werden. Eifrig tragen die Schwarzen die Waren heraus und hinein, nur mit einem Lendentuch bekleidet. Den Hauptbestandtheil der Waren- vorräthe bildet das Palmöl, welches bereits gereinigt in großen Fässern daliegt; daneben lagern die Kerne der Oel- palmfrüchle, welche ebenso wie die Erdnuß ein geschätztes Oelliefern. Im Raum daneben sieht man übel­riechenden Kautschuk, ein Pflanzenharz, aus welchem in Europa die Gummiwaren hergestellt wer­den. Denwerth- vollstenBorrath aber bilden die gewaltigen

Stoßzähne der Elephanten, welche weiter aus dem Innern geliefertwerden. Auch^hier wird nichts mit ge­münztem Geld bezahlt, sondern

mit Waren.

Der Haupt- in immer neuen

tauschartikel sind katunene Stoffe, welche

bunten Mustern massenhaft eingeführt und von den schwarzen Schönen mit Stolz getragen werden. Auch bessere Stoffe finden Abgang, daneben allerhand Messer, Faschinen, Sicheln und sonstige Werkzeuge, welche nach afrikanischen Mustern in europäi 'chen Werkstätten angefertigt werden, Pulver und alte Gewehre. Leider wird auch viel Branntwein eingeführt, durch welchen die armen Neger an Leib und Seele ver­derben. Gottlob erkennt man aber in der letzten Zeit die

Schande immer mehr, welche in solchem Handel liegt. N.