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schließt sich der Gletschersturz von St. Gervais an, bei dem gegen 200 Personen ihr Leben eingebüßt haben sollen. Auch in den bayerischen Voralpen ist am 12. d. Mts. ein Wolkenbruch niedergegangen, welcher großen Schaden besonders in Schliersee, Tölz und Miesbach angerichtet hat. Ob Menschen dabei umgekommen sind, ist bisher nicht festgestellt. Erst kürzlich sind in Elsaß bei einer Wasserfahrt 11 Personen ertrunken und wiederum wird ein ähnlicher Unglücklücksfall berichtet. Nach einer Depesche aus Peoria (Illinois) wurde am Dienstag Abend 10 Uhr ein Vergnügungsdampfer auf dem Perio-See von einem Cyclon überrascht, der Dampfer schlug um, von 40 Passagieren desselben ertranken 18.

Ausland.

Schweiz. Der Direktor der Genfer Dampfschiffahrts­gesellschaft, Samuel Röchet, wurde nach einem Verhör über die gräßliche Kesselexplosion auf dem der Gesellschaft gehörigen DampferMontblanc" in Lausanne verhaftet. Es heißt, gefahrdrohende Risse am Dampfkessel seien der Direktion in der That angezeigt worden, nach deren ober­flächlicher Ausbesserung dieselbe den Weiterbetrieb des Montblanc" angeordnet habe. Ein starkes Stück! Das Unglück von St. Gervais. Dem Berichte des Berner Bund entnehmen wir noch folgende Einzelheiten über die Wirkungen des Unglücks in dem Dorfe Bionnay zwischen dem gerutschten Gletscher und dem Badeort St. Gervais: Das Dorf bestand aus etwa 20 Häusern, die am Ausgange einer Schlucht etwa 20 m über dem Flusse gebaut waren. Das Wasser stürzte aus dem Gletscher wie ein ungeheurer Wasserstrudel; es hatte eine Höhe von über 30 w, rollte durch die Schlucht und riß alle Häuser mit, außer dem Schulhause und einigen von bem- selben beschützten anderen Häusern, diese wurden bis zur First mit Geschiebe bedeckt. Die meisten Einwohner befanden sich in den Bergen wegen der Alpzeit. Etwa 33 Personen fielen im Schlafe dem Wasser zum Opfer. Wir sahen eine Frau, die noch ihr Kind in den Armen hielt; beide waren todt. Die meisten Opfer von Bionnay wurden vom Geschiebe mitgewältzt und in Stücke gerissen. Man findet Leichen ohne Kopf, ohne Beine, Leichen, denen die geschwollene Zunge aus dem Munde hängt; der Anblick ist schrecklicher als derjenige der Leichen von Fayet. Die Felder sind mit einer hohen Schicht von Geschiebe bedeckt. Die Ernten sind verloren. Es wurden zwei Pferde, die 6 m tief im Schlamme steckten, hervor­gezogen; die Leiche des Pferdeknechtes fand man nicht, sie wird wohl noch tiefer liegen. Ein einziger Bewohner, Simond, wurde lebend aus den Trümmern gerettet. Wir sahen ihn heute, er wird den Tag nicht überleben; am Kopf allein hat er 17 Wunden. Der Pfarrer von St. Gervais erzählte uns, daß der furchtbare Lärm alle Einwohner des 250 m über dem Flußbette liegenden Dorfes weckte. Der durch das Vorübersausen der Wasser­massen entstandene Luftdruck hätte auch die stärksten Häuser so erschüttert, daß sie wie Blätter zitterten. Er behauptet, ein Greis habe ihm früher gesagt, daß die im Thale aufgehäuften Steinmassen einstmals durch einen Bruch des Gletschers von Bionnassay hergeführt worden seien. Man hat aber darüber keine sichere Urkunde. Man bemerkte, daß der Bergbach dieses Jahr sehr wenig Wasser mit sich führte; dasselbe sammelte sich, wie man jetzt weiß, im Gletscherbecken und verursachte die Katastrophe. Drei aus Chamounix von den Behörden aufgebotene Führer bestiegen die Gletscher. Ihre Erklärungen be­weisen, der wirkliche Urheber der Katastrophe sei der kleine Gletscher Sex Rousse auf einem Kamme des Dome du Gouter, 350u m über dem Meer. Hier bildeten sich Wassersäcke, welche platzten und den Gletscher mitrissen, der auf eine Seitenmoräne fiel, rechts vom Bionnassay- gletscher, sie zerstörte und ungeheure Granitblöcke milriß. In der Schlucht unterhalb des Dorfes Bionnassay erreichte das Wasser eine Höhe bis zu 100 m.

Catania, 15. Juli. Die Eruption des Aetna nimmt weiter zu. Es haben sich zwei, 250 Meter hohe Berge neu gebildet. Die Bewohner von Nicolosi sind bisher außer Gefahr, doch sind die Landschäden bedeutend.

London, 24. Juli. DasBureau Reuter" meldet gerüchtweise aus Sydney, daß durch einen Vulkanausbruch die zwischen den Inseln Celcbes und Mindanao liegende Insel Sangir vollkommen zerstört worden ist. Die Be­wohner der Insel, über 12,000, wären umgekommen. (Am 2. März 1856 kamen bei einem Ausbruch des dortigen Vulkans über 6000 Menschen um. D. R.)

Rußland. Die Zustände in Baku sollen gräßlich sein. Dort fehlt es an Aerzten, Todtengräbern und Desinfektious- Mitteln. Die Leichen liegen stundenlang unbeerdigt und ihre Wäsche wird nicht desinfizirt. Unwert der transkaukasischen Bahn wurden auf einem einzigen Begräbnißplage 250 unbeerdigte Choleraleichen konstätirt, deren Verwesung die Luft weithin verpestet. Die Epidemie ist denn auch bereits in weit abseits von der Bahnlinie gelegene Orte gedrungen. Immer grauenhafter lauten die Einzelheiten über die Astrachaner Greuel. Die Stenge vor dem Choleralazereth bestand aus etwa 10,000 Menschen, vielfach betrunkenes, arbeitsloses Gesindel, darunter sehr viele Weiber und halbwüchsige Jungen. Da vom 15. Mai bis 15. Juli kein Fischfang staltsindet,' waren viele sonst bei der Fischerei beschäftigte Arbeüer dabei. Die Weiber hetzten die Männer, indem sie Steine und Kreosin herbeitrugen. Sie verleiteten die Männer

dazu, auch im Marien- und Alexander-krankenhause die Fenster einzuschlagen, die Einrichtungen zu zerstören. Im Choleralazareth wurde Dr. Popow todtgeschlagen, seine Leiche aus dem Fenster gestürzt, ein Feldscher mit Carbol begossen, in Petroleum getränkte Tücher gewickelt und verbrannt. Einzelne Feldschere retteten sich, indem sie sich in bereit stehende Särge versteckten und als das Volk diese Hinaustrug, sich schwerkrank stellten. Dadurch entstand das Gerücht, die Aerzte hätten Kranke lebendig eingesargt und auch viele schon beerdigen lassen. Die Rotte zog brüllend zum Kirchhof, wo neun der zuletzt begrabenen Särge ausgegraben, erbrochen und nachgesehen wurden. Von den aus dem Lazareth auf die Straße geschleppten Cholerakranken starken fast alle. Die be­trunkene Bande rieth ihnen, ruhig nach Hause zu gehen und auf Gott zu hoffen. Die Feuerwehr wurde mit Steinwürfen und Geschrei empfangen:Zurück mit Euch! Mag die Cholera wüthen!" riefen die Wüthenden. In Astrachau haben in den letzten Tagen die Erkrankungen stark zugenommen, die Aerzte sind alle aus der Stadt entflohen oder haben sich versteckt.

Algier, 12. Juli. (Fremdenlegion!) Zwei Ber­liner, Namens Kobert und Schwarz, wurden kürzlich in Oran (Algier) kriegsgerichtlich erschossen. Beide dienten in der Fremdenlegion, waren aber schon nach wenigen Monaten dieses Lebens so überdrüssig, daß sie zu desertieren sich entschlossen. Auf der Flucht von einem Eingeborenen bemerkt, schlugen sie diesen nieder, wurden eingefangen und vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt. Als sie im Beisein der ganzen Garnison auf dem Glacis außerhalb der Stadt einer Sektion ihres Bataillons furchtlos ihre Brust darboten, riefen sie:A bas la France! Vive l'Allemagiie!" Einem Landsmann, der von ihnen beauftragt wurde, ihren Tod den in Berlin wohnenden Angehörigen zu melden, baten sie, alle Deutschen vor dem Eintritt in die Fremden­legion zu warnen.

Washington, 16. Juli. Staatstruppen nahmen den Hauplsitz der ausständigen Bergarbeiter nach heftigem Kampfe ein. Wallala und Mullan sind im Besitze der Regierungstruppen. Die Ausständigen drohen, die Berg­werke in die Luft zu sprengen. Angeblich wurden bereits zwei mit Dynamit gesprengt und verschüttet. Die Zahl der Todten und Verwundeten ist nicht festgestellt. Die Bergleute drohen, einen weiteren Widerstand zu leisten und führten mehrere Directoren als Geiseln mit.

Lokales und Prosinzielles. Schlüchtern, 19. Juli.

* Dem lebten Bericht der Hanauer Handels­kammer entnehmen wie Folgendes:Der von uns im Mai 1891 auf Veranlassung einer größeren Anzahl von Firmen aus den Städten Schlüchtern, Steinau, Sal- münsten und Soden gestellte Antrag, den Kreis Schlüchtern dem Bezirk der Handelskammer in Hanau zuzutheilen, hat an zuständiger Stelle keine Zustimmung gefunden. Unter dem 10. November 1891 All 9277 erhielten wir nachstehende Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten in Kassel:Auf den gefälligen Bericht vom 22, Mai 1891 erwidere ich der Handels­kammer ergebenst, daß ich in der Zutheiluug des Kreises Schlüchtern zum Bezirk der Handelskammer in Hanau, bei der nur untergeordneten Bedeutung der gewerblichen Verhältnisse dieses Kreises einen besonderen Vortheil für denselben nicht erblicken kann. Da außerdem nach den angestellten Ermittelungen die überwiegende Mehrzahl der Handels- und Gewerbetreibenden dieses Kreises im Gegen­satz zu den wenigen, von der Handelskammer namhaft gemachten Personen, dem Anschluß abgeneigt ist, so sehe ich mich nicht in der Lage, den gestellten Antrag auf Zutheilung des Kreises Schlüchtern zum Bezirk der Handelskammer in Hanau höheren Orts zu befürworten." Wir können es unter diesen Umständen nur den Interessenten überlassen, event, selbst in dieser Angelegenheit an zu­ständiger Stelle ihre Wünsche zum Vortrag zu bringen."

* Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 14. Juli. Drei junge Leute, ein Briefträger, ein Maurer und ein Spengler aus Romsthal hatten in einer Wirth­schaft in Salmünster dem Bier ziemlich zugesprochen und wollten um 11 Uhr Abends den Heimweg antreten. Auf der Straße vor der Wirthschaft gerieten sie mit einem Jagdaufseher in Streit und wurde dieser von ihnen durch Stoßen belästigt. Der hinzugekommene Nachtwächter wollte den Streit schlichten und mit Hülfe des Jagdaufsrhers den Spengler festnehmen. Als dies der Maurer bemerkte, schlug er mit seinem Stock dem Nachtwächter mehrmals auf den Kopf, so daß dieser mit dem Spengler zu Boden fiel. Ein zweiter Hinzu­gekommener Nachtwächter erhielt von dem auf der Erde liegenden Spengler einen derartigen Fußtritt an den rechten Oberschenkel, daß er ebenfalls zu Boden fiel und sich nach den Gutachten der Aerzte das Bein auskugelte, leider auch bis heute noch vollständig gelähmt ist. Die Thäter suchten auf gütlichen Wege die Sache zu erledigen und bezahlten an den verunglückten Nachtwächter je 117 Mark. Der Vorfall wurde jedoch von dem Gen­darmen in Salmünster zur Anzeige gebracht und erhielt nach Urtheil des Schöffengerichts Salmünster jeder der Angeklagten wegen schwerer körperlicher Mißhandlung eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten. Hiergegen legten dieselben Berufung ein. Das Berufungsgericht milderte

nur das Urtheil gegen den Briefträger, weil sich dieser weniger an der Schlägerei betheiligt hatte, auf 4 Monate herab, bestätigte dagegen das erstinstanzliche Urtheil gegen die beiden Mitangeklagten.

* Zu einer gerichtlichen Entscheidung wird dem­nächst die Frage Anlaß geben, ob Kunden, die bei Be­ginn der Kirchenstunden noch in den Geschäftsräumlichkeiten anwesend sind, sofort zum Verlassen derselben aufge­fordert werden müssen, oder ob man sie noch abfertigen darf. In einem Geschäfte wurden dem Kunden die vor Beginn der Kirchenstunden gekauften Sachen noch eingepackt und er bezahlte sie an der Kasse, wodurch 5 Minuten mehr in Anspruch genommen wurden, als die gesetzlich vorgeschriebene Zeit erlaubt. In Folge einer Anzeige erhielt der Firmeninhaber einen Strafbe- fehl. Er wird richterliche Enscheidung beantragen, da es sich hier um eine Sache handelt, die sich an allen Sonn- und Feiertagen in belebten Geschäften wieder­holen kann.

Hanau, 14. Juli. Auf dem heutigen Viehmarkt waren angetrieben: 410 Stück Kühe und Rinder, 133 Stück Kälber, 87 Stück Schweine und Ferkel, 6 Pferde. Der Handel war schwach und die Preise gering.

Hanau. Unter einem Wurf Ferkel, den ein hiesiger Oekonom vor Kurzem erhalten, befindet sich ein Schwein- chen, das statt der Klauen Pfoten gleich einer Katze besitzt.

Marburg, 14. Juli. Ein hiesiger, im Examen stehender Student war auf einen auf einem Tische stehenden Stuhl getreten, um eine an der Decke befind­lich nasse Stelle zu untersuchen, als er plötzlich vom Schwindel erfaßt wurde und aus der Höhe so unglücklich auf die spitze Ecke einer eisernen Bettstelle fiel, daß seine sofortige Ueberführung in die chirurgische Klinik nöthig wurde, woselbst der Bedauernswerthe sich einer ein­greifenden Operation unterziehen mußte.

Aus dem Kreise Alsfeld, 12. Juli. Die Kinder- Epidemien: Rötheln, Scharlach, Diphtherie u. a. herr­schen noch immer in vielen Orten unseres Kreises. Sehr häufig nehmen die Krankheiten einen solchen Um­fang an, daß vielfach die Schulen geschlossen werden mußten und jetzt noch geschlossen werden.

Was die Bäume einschließen. (Nachdruck verboten.)

Daß aus den fossilen Ueberresten vorweltlicher Bäume häufig versteinerte Körper von Reptilien, Vögeln. Fleder­mäusen, Insekten oder bergt. zu Tage gefördert werden, die in ihren festen Särgen der Zerstörung entgingen, [ist wohl allgemein bekannt; doch manchem wird es neu und wunderbar sein, daß auch lebende Zeugen der Vorwelt oder doch einer längst vergangenen Zeit aus solchen natürlichen Mausoleen ziemlich häufig hervorgingen.

Als man den Stamm einer Ulme abjägte, fand man im Innern, etwa biet Fuß über der Wurzel, eine lebendige Kröte. Sie hüpfte sehr behend fort, und doch war der Baum durchaus gesund ohne irgend eine Oesfnung, durch welche die kleine Gefangene hätte eindringen können. Man muß wirklich annehmen, daß der Laich, aus dem sie entstand, in dem Baume schon feit dem Anfänge seines Wachsthums verwahrt gewesen und die Kröte darin ausgekrochen und groß geworden sei.

Etwas Ähnliches geschah, als einige Männer den Stamm einer eben gefällten Eiche zersägten. Sie fuhren plötzlich in Schreck und Erstaunen zurück, denn da saß, ganz in den Baum eingekrustet, etwa vier Zoll von der äußeren Rinde und 15 Fuß von der Wurzel eine scheuß­liche Kröte, ungefähr von der Größe eines starken Hühnereies. Obgleich durch ein Beil verletzt, regte sich das Geschöpf noch, aber es erschien alt, dünn und abgezehrt. Auch in diesem Falle wurde der Baum sorgfältig untersucht, aber kein Eingang zu dem Ge­fängnisse der Kröte gefunden, wie man einen solchen auch nicht entdeckte, als ein riesiges Exemplar dieser Thiergattung sich zu PortSmuth in einem massiven Holz­klotze tm Lagerraum eines Schiffes lebend fand.

Auch durch ihre Beschaffenheit merkwürdige Funde wurden öfters in Baumstämmen gemacht. So entdeckte ein Holzhauer, der in einem schottischen Walde mit dem Zurichter: von Bauholz beschäftigt war, mitten in dem Stamme eines großen wilden Kirschbaumes eine lebendige Fledermaus von schöner schartachrother Farbe, die er thörichter Weise entschlüpfen ließ, weil er in aber» gläubiger Furcht meinte, sie sei kein Wesen der Erde, sondern stamme aus einer anderen Welt. Der Baum zeigte im Innern da, wo die Fledermaus gesessen hatte, eine kleine Höhlung, war aber vollständig gesund und von allen Seiten dicht und massiv.

Lebende Geschöpfe finden sich auch gelegentlich in den verschiedenen Schissswaarenladungen, die täglich an die Häfen gebracht werden. Inmitten einer solchen Ladung von Farbehölzeen, die von Pernambuco nach Liverpool gegangen war, fand man bei Ausladen der festgepackten Hölzer eine Schlange von 1 */a m Länge dicht zu­sammengerollt. Das Thier hatte während der ganzen Reise in seinem hölzernen Buen retiro süß geschlummert, beim Ausladen aber lockten Luft und Sonnenschein es aus seinem Lager, um den Arbeitsleuten einen heil­losen Schrecken einzujagen.

Noch wunderbarer und die Phantasie anregender sind aber häufig die todten Funde, die man im Innern von Bäumen entdeckt. So konnte das Nest und Skelett