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Erscheint Mittwoch n. Samstag Preis mitKreisblatt" u. , Jllustrirtcm Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf UjMPTWnWT* n»»«»»».<.il.i..i»w -..vr^L^rjM»-a-.T -r,.T?--t»T^Tw^;*»^,-A-..>t-^-..CTr»~j^<-re.^-.TOa~-w^-..--^iw^-.r>.-v-.>.CT^.^^.^<'.CT^^r*...^-J^>..-^/^

M 57. Samstag, den 16. Juli 1892.

IMMIlitfAPtl °'"f dieSchlüchterner Zeitung" ^t'lllUUHyc 9t werden noch fortwährend von allen

^^^^^ Posianstalten undLandbriestrügern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Lyngen, 13. Juli. S. M. SchiffKaiseradler" ist gestern Nachmittag um 3 Uhr vor SWSöe angekommen und hat ebendaselbst Anker geworfen. Um 5 Uhr begab sich Se. Majestät der Kaiser an Land nnd erstieg die höchste Spitze der Insel. Der Kaiser wird auf seiner Nordlandsreise auch einem Walsischfang beiwohnen. Das hierzu nuserschene Wallsischfängerschisf heißtDuncan Grey", hat 9 Mann Besatzung und gehört derAnglo- Norwegian Fishing Co. Lim." in Tromsö. Bei un­günstigem Wetter soll zunächst aus der in der Nähe von Skaarö belegenen Insel Andamen eine Jagd auf Rentiere stattfinden, woraus dann bei besserem Wetter zum Walfang in See gestochen wird. Für diese Jagden sind zusammen etwa vier Tage in Aussicht genommen.

Berlin. Am hiesigen Hofe wurde am Donnerstag der Geburtstag des dritten Sohnes des Kaiserpaares, des Prinzen Aldalbert von Preußen, geboren 1884, festlich begangen. Die Uebersiedelung Ihrer Majestät der Kaiserin vom Neuen Palais nach dem Marmor- Palais wird nunmehr voraussichtlich am nächsten Sonnabend erfolgen, während die kaiserl. Prinzen, soweit wenigstens bis jetzt bekannt, bereits am vorhergehenden Tage, in Begleitung der Prinzessin Amalie von Schleswig-Holstein und ihren betr. Militär- und Civil- Gouvernenren rc., vom Neuen Palais nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel abzureisen gedenken.

Londoner Meldungen zufolge wird Kaiser Wilhelm Anfang August in Cowes Roads oen Regattas des kgl. Jacht-Geschwaders beiwohnen. Am 6. August dürfte die Rückreise nach Wilhelmshaven an­getreten werden.

14. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." weist darauf hin, daß man auf ein weiteres Vordringen der Cholera von Osten her gefaßt sein müßte und nunmehr auch Nachrichten aus dem Westen eingetroffen seien, welche die Möglichkeit des Auftretens der Cholera auch jenseits der Westgrenze ergeben hätten. Das Blatt betont, daß die Reichsregierung durch die Behörden in den Grenz­gebieten der Bundesstaaten dem Gange der Seuche auf­merksam gefolgt sei und alle gebotenen Maßregeln vor­gesehen hätte.

Vor dem Schwurgericht zu Elbing wurde dieser Tage ein Prozeß verhandelt, der wegen der begleitenden Nebenumstände weitere Kreise interessieren wird. An­geklagt war der.ehemalige Guts- und Ziegeleibesitzer Dr. jur. Orbanowskt-Reimannsfelde wegen wissentlichen Meineids, Verleitung zum Meineid, vorsätzlicher Brand­stiftung und versuchren Betrugs. Orbanowski bezahlte, obwohl anfangs sehr vermögend, grundsätzlich keinen Menschen und lag deshalb, wie man zu sagen pflegt, mit der halben Welt im Prozeß. Viele Personen sind durch ihn ruiniert worden. Als über seine Ziegelei­anlagen die Zwangsverwaltung eingeleitet war, soll er die Ziegelei in Brand gesteckt haben; es bräunten fünf Gebäude und ein Ringofen nieder. Orbanowski genoß einen sehr schlechten Leumund. Sah man ihn mit einem fremden Menschen gehen, dann hieß es:Der begräbt wieder einen Lebendigen." Die Geschworenen fanden den Angeklagten des wissentlichen Meineids und des versuchten Betrugs für schuldig und der Gerichts­hof erkannte aus eine Strafe von zwei Jahren zwei Monaten Zuchthaus. Bemerkenswerth ist das Zeugniß, das ihm seine eigene Mutter ausgestellt haben soll: Er sollte Geistlicher werden, sie rieth ihm davon ab, weil sich der Herrgott nicht betrügen lasse wie die Menschen; O. wurde darauf Jurist. Aus dem Offiziersstand war er mit schlichtem Abschied entlassen worden.

Aus Ostpreußen. Von Bienen fast zu Tode ge­stochen wurde in vergangener Woche der Besitzer F. in Dogehnen in Ostpreußen. Derselbe besichtigte, ohne die Käppe anzulegen, seine Stöcke, wußte aber nicht, daß der eine sich zum Schwärmen vorbereitete. Kaum hatte er, wie er es stets that, den Stock emporgehoben, als sich Hunderte von Bienen auf ihn stürzten. Beim Fallenlassen des Korbes stürzte dieser von dem Gestell noch herab, und das ganze Volk geriety nun in Auf­regung, so haß F. im Augenblick von oben bis unten

dick mit den Thieren besetzt war. Aus Furcht vor den zornigen Bienen mochte ihm Niemand Hilfe bringen, und auch das Wassergießen, Klingeln und Schreien konnte die Thiere nicht verscheuchen. Da, in der höchsten Noth, stürzte sich der Mann kopfüber in den Pferdeteich und nun erst ließen die wüthenden Thiere von ihm ab. Der Unglückliche war derart zugerichtet, daß er leblos aus dem Teich gefischt und nach der Wohnung gebracht werden mußte, wo er heute noch schwer krank darniederliegt. Da auch beide Augen schwer verletzt sind, fürchtctman sogar für dasSehvermögen.

Leipzig, 12. Juli. Die amtlichen Feststellungen in der Affaire Jacpuot haben stattgefunden. Ein Theil der Zeugenaussagen läuft darauf hinaus, Jacquot habe provozirt, ein Theil dagegen meint, er sei gereizt worden. Ferner ist festgestellt, daß Jacquot im Thüringer Hof 6 Glas Baierisch und im Cafe Bauer 8 Glas Bowle getrunken hat. Sekretär Hcritte bezeichnet den Konsul als angeheitert gewesen, keinesfalls als betrunken.

Halle a. S., H. Juli. Die Wasserkalamität im Mansfeldischen ist in ein neues Stadium getreten. Der Spiegel des Salzigen Sees zeigt seit mehreren Tagen keine Senkung mehr, oder doch nur eine kaum noch be­merkbare, und das Wasser in den Schächten ist um etwa einen halben Meter zurückgegangen, nachdem aller­dings die hauptsächlich in Frage kommenden zwei Schächte von der Verwaltung selbst als vollständig ersoffen be­zeichnet wurden und das Wasser durch den Schlüssel- stollen nach der Saale abfließt. Dagegen ist am Ufer­hange des Binder-Sees (zwischen dem Salzigem und Süßen) ein etwa Wo Meter langer, etwa 5 Centimeter breiter Spalt entstanden, ver anscheinend große Tiefe hat. Dieser Spalt in Verbindung mit den schon er­wähnten Rissen in Gebäuden bei Oberröblingen sprichi weiter für die Annahme bedeutender unterirdischer Ein­stürze. Gestern sind 1000 Mann von der Belegschaft der beiden Schächte entlassen worden, die anderen werden auf andere Schächte vertheilt. Es ist den Leuten 14 Tage Lohn noch im Voraus gezahlt worden, worauf ein großer Theil bereits Mansfeld verlassen hat. Die Entlassenen sind hauptsächlich Polen und Schlesier, die in der beginnenden Ernte überall reichlich Arbeit finden. Für die Stadt Eisleben ist der Verlust jener Schächte eine Lebensfrage. Dort liegt augenblicklich Alles dar­nieder, Grundstückskäufe werden rückgängig gemacht, aller Kredit ist abgeschnitten, alles Geschäft gelähmt. Die nächsten Lohntage werden erst den Ausfall voll zur Geltung bringen.

Karlsruhe, 10. Juli. Der Landwirth und Holz­händler Matthäus Schneider aus Freiolsheim hatte nach Maisch bei Eßlingen eine Fuhre Holz gebracht und zechte, nachdem er seine Geschäfte erledigt, ziemlich stark herum. Dabei soll sich ein angeblicher Handwerksbnrschc zu ihm gesellt haben, welcher von Schneider freigehalten wurde. Spät Abends sollen dann Beide gemeinsam den Heimweg angetreten haben. Gestern Morgen, kaum eine halbe Stunde von Maisch entfernt, wurde der Wagen des Holzhändlers gefunden und auf ihm der Besitzer mit ungeschlagenem Schädel. Die nähere Untersuchung ergab, daß die Baarschaft fehlte und somit ein Raubmord vorlag. Man nimmt an, daß der Hand- werksbursche, welcher mit Schneider gesehen worden, der Raubmörder ist.

Gebweiler, 11. Juni. Gestern besuchte die Musik­kapelle von Jsenheim (l*/s Stunden von hier) Benseld, um dort ihre frischen Weisen ertönen zu lassen. Im ganzen Elsaß gibt es derartige Kapellen, meistens aus unbemittelten Fabrikarbeitern bestehend. Nachdem die 36 Musiker bis Abends unter Sang und Klang herum­gezogen, wurde beschlossen, mit einer Kahnfahrt nach dem ruhigen und schmalen Jllflusse den schönen Tag zu endigen. Nicht mehr nüchtern, stiegen die Leute nach 6 Uhr in zwei kleine, schwache Kähne, die sonst zur Ausnahme von höchstens 10 Mann dienen, ver­banden diese mit Brettern hintereinander und vertrauten sich der Leitung einiger Männer an, die des <schisf- fahrens wenig kundig waren. Trotz der Warnungen einiger Umstehenden ließen sie sich nicht abhalten. Bei der Rückfahrt faßte der vordere Kahn Wasser und be­gann zu sinken; seine Insassen stürzten sich in ihrer Angst auf den letzten, welcher die Menge und das Gewicht natürlich nicht zu tragen vermochte. Er schlug um und die 40 Personen, fast sämmtlich des Schwimmens

unkundig, verschwanden unter Schreckens- und Hilfe­rufen in den Wellen. Glücklicher Weise war Hilfe schnell zur Stelle. Bei derUnansehnlichkeit des Flusses gelang es, binnen circa einer Stunden sämmtliche Ver­unglückte herauszuholen; oft hielten sie sich zu ihrem eigenen Verderben in Todesangst umklammert. Mancher wäre dem Leben erhalten geblieben, hätten ihn seine Freunde und Kameraden nicht mit sich in die Tiefe und in den Tod gezogen. Dreißig Männer wurden bald wieder zum Bewußtsein gebracht; elf blühende, frohe Leute aber mußten ihren und der Anderen Leichtsinn mit dem Tode büßen; ein tief erschütternder Vorfall. Die zahlreichen Wittwen und Waisen, deren manche unglücklicher sind als die Verunglückten, werden heute ihre Gatten und Väter als Leichen vorfinden.

Reunkirchen. Die Firma Gebrüder Stumm hat folgenden Anschlag an ihren Werken gemacht:Ich warne alle Angestellten und Arbeiter vor der Theilnahme an der sogenannten deutschsozialen (antisemitischen) Be­wegung. Neunkirchen, 4. Juli 1892." (Gleiche Ver­bote betreffend die freisinnige und die sozialdemokratische Partei sind schon früher erfolgt.)

Eleve, 14. Juli. In Sachen des Xanbener Knaben- mords wurde auf Antrag beider Staatsanwälte der Angeklagte Metzger Buschhoff freigesprochen, da die Unter­suchung seine völlige Unschuld ergeben hat.

Ausland.

Genf, 10. Juli. Heute um 3 Uhr Morgens löste sich der Gletscher Bionnassay vom Mont-Blanc los und zertrümmerte beim Herabstürzen das Bade-Etablissement von Samt-Gervais, sowie den Weiler Dufayet, welche in den Strom mit fortgerissen wurden. Mehr als l") Todte liegen in der Arve, auf welcher Leichen und allerlei Gegenstände forttreiben. Eüi-TcheU des Gletschers von Bionassey wurde infolge eines Erdstoßes losgelöst, bildete zuerst eine Stauung und als das Wasser durch­brach, überschwemmte es das Dorf Bionnaz, St. Geroais und Fayet, indem es fast alle Häuser wegriß. In St. Geroais wurden viele Genfer Familien durch die Katastrophe betroffen. Da viele der Leichen von Eis- stücken und Felsblöcken vollständig zermalmt worden sind, so steht zu befürchten, daß mancher der Verun­glückten gar nicht mehr rekognoszirt werden kann. Die im Wasser herumtreibenden Leichentheile werden sorg­fältig gesammelt.

London, 11. Juli. Aus Newyork wird gemeldet: in einem Bergwerk in der Nähe von San-Franzisko fand heute ein blutiger Krawall zwischen Verbands­mitgliedern der Bergleute und solchen, die dem Verband nicht angehörten, statt. Von den letzteren wurden vier getödtet, worauf sich die Anderen dann ergaben und von den Verbandsmitgliedern in Gewahrsam gebracht wurden. Das Bergwerk ist völlig zerstört worden.

Rußland. Die Cholera ist bis nach Kasan vorge­drungen. Die offiziellen Krankenziffern, die von der russischen Regierung aus den einzelnen Städten gegeben werden, sind niedrig, ermangeln aber der Zuverlässigkeit. Privatberichte stellen die Dinge ganz anders dar, sie melden von zahlreichen Erkrankungen nnd Todesfällen und gänzlicher Kopflosigkeit. Alles flüchtet. Die Aus­schreitungen der niederen Bevölkerung in Astrachan, welche raubte und stahl, was sie finden konnte, und dann Reißaus nahm, haben in Folge energischen Ein­schreitens der bewaffneten Macht ihr Ende gefunden. Der Belagerungszustand dauert fort. Zu allem Leid wird noch ein massenhaftes Auftreten von Heuschrecken und anderem Ungeziefer gemeldet, welches die Ernte schwer bedroht.

Amerika. Am Freitag Abend sind zwei Drittel der Stadt St. Johns auf Neufundland durch Feuer zerstört worden. Der Schaden wird auf 80 Millionen Mark (4 Millionen Pfund) geschätzt. Eine zwölf englische Meilen von der Stadt San Francisco in Californien entfernt liegende Pulverfabrik ist am Sonnabend früh in die Luft geflogen. Sämtliche Gebäude der Gegend haben starken Schaden gelitten. 18 Arbeiter, meistens Chinesen, sollen ihr Leben eingebüßt haben.

Lokale- und provinzielle-.

Schlächtern, 13. Juli. Dem Seminar - Direktor Dr. Renisch ist das Direktorat des hiesigen Schullehrer- Seminars verliehen worden.