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Hessen und der Provinz Westfalen statt. Herr Pfarrer Schafft wird die Predigt in der Laut- und Gebärden­sprache halten. Alle Taubstummen, welche sich daran becheilizen wollen, können sich behufs Erlangung von Fahrpreisermäßigung auf den Esenbahnen direct an Herrn Pfarrer Bernhard Schafft zu Breitenau bei Gux- hagen wenden unter Beifügung einer Freimarke (10 Pfg.). Jeder Theilnehmer erhält von diesen einen Legitimations­schein zugesandt, welchen er bei der Billetausgabestelle der Abgangsstation vorzeigen muß, worauf ein Billet 3. Classe zum Militärfuhrpreis verabfolgt wird. Alle Zeitungen der Provinz Hessen-Nassau, des Großherzog- thums H ffen und der Provinz Westfalen werden um Weiterverbreitung dieses Artikels gebeten. Die Herren Geistlichen, Lehrer und Vorsteher, in deren Orten sich Taubstumme befinden sollten, werden gütigst ersucht, die betreffenden Taubstummen hierauf aufmerksam zu machen.

Frankfurt a. M., 7. Juli. Ein ganz fabelhaftes Glück verfolgt den Buchhalter Braun, welcher seither in der Papierhandlung von Wilhelm Büttel in der großen Sandgasse beschäftigt war. Nachdem Herr Braun zwei Millionenerbschaften gemacht, ist ihm jetzt diedritte" durch den Tod eines in Bamberg veistorbenen Ver wandten zugefallen. Der Reichthum scheint den Glücklichen nicht zu reizen, denn er hat an seiner Lebensweise nichts geändert.

Susanne. Novelle von M. W.

(Fortsetzung.)

Daß Du dem Unfug nicht wehrst, Schulmeister," sagte die magere Frau mit dem kleinen, blassen Gesicht. Mir sollten die Rangen nur in dieser Weise kommen. Ich wollte sie schon lehren, mich nicht zu belästigen, sondern hübsch bei ihren Arbeiten zu bleiben so lange es hell ist. Aber Du !" Sie zuckte mit der spitzigen Schulter,hast für alle solche Allotria noch ein nach- sichtiges Wort. Und wenn Deine Kinder auch den ganzen Tag faulenzten, Dir wäre es gleich! Der gute Satz:Zeit ist Geld und wer die Zeit nicht nutzt ver­liert sein Vermögen! -" ist ja nicht für Dich geschrieben."

Frau, ich bitte Dich! Die Kinder sind erregt durch das Glück, welches plötzlich über uns hereingebrochen."

Die Schulmeisterin hob die wimpernlosen Lider von den wasserblauen Augen.

Das Glück," wiederholte sie mit eigenem Tonfall. Ach, Gottja, über der angestrengten Arbeit im Gemüse­garten habe ich ganz vergessen, was Martha Dirver­spricht". Aber noch hast Du das Geld nicht, Schul meister! Kömmt es jedoch wirklich, wider mein Erwarten, in Deine Hand, so nimm es mir nicht übel! ist es wenig genug, was die liebe Schwester Dir von der ererbten Million abgiebt!"

Aber Frau, Martha hat durchaus nicht die Ver­pflichtung, mir etwas zu schenken!"

Wie Du meinst," erwiderte die Frau. Dann aber hatte sie ihrem Gatten den Rücken gewandt.Zu solchem unnützen Wortgeplänkel habe ich keine Zeit," sagte sie dabei kurz. Schon im nächsten Augenblicke hörte man sie denn auch in der Küche mit Tellern und Schüsseln hantieren.

Gott Gott wie ertrag' ich das!" stöhnte der Mann.

Da aber legte sich ein weiches Kinderhündchen auf seine Rechte Schmeichellaute klangen an sein Ohr und der kleine fünfjährige Leopold, das einzige Kind, welches ihm seine dritte Frau geschenkt, sagte altklug:

Die Mutter schilt auch ohne Aufhören! Aber der

Fritz singt immer na, wie singst Du gleich doch?" fragte der hübsche Bube und wandte sich nach dem älteren Bruder um.

Mach' mir nichts draus!" erwiderte Fritz. Doch als der Vater verweisend die Hand erhob, legte der hoch­aufgeschossene, elfjährige Knabe schnell und zärtlich seinen Arm um die Schulter des alten Mannes.Komm nur in die Schulstube, Papa!" flüsterte er.Ich hab' von dem Junker ein prachtvolles Buch bekommen. Es ist von einem gewissen Cooper geschrieben und heißt der Lederstrumpf". Das lesen wir zusammen, nicht wahr? Die Mutter braucht es ja nicht zu wissen!"

Müller fühlte wohl, daß es seine Pflicht gewesen wäre, dem Knaben ob der letzten Worte einen Verweis zu geben. Dennoch blieben seine Lippen geschlossen. Stumm, mit gesenktem Haupte schritt er dem Hause zu. Indessen nun der Vater und die jüngeren Kinder wirk­lich die Schule betraten, eilte Susanna nach der Küche, um der Mutter behülflich zu sein. Während sie dann in einer riesigen Kanne den Kaffee bereitete und die Mutter ohne Unterlaß vor sich hinschalt über die Faulheit der Kinder und die Ungezogenheiten ihres einzigen die Nachsicht des Vaters und die schlechten Eigenschaften der Magd, die noch im Garten arbeitete malte sich die lebhafte Mädchenphantasie die Zukunft in den hellsten Farben aus. Sie sollte ja in die Residenz! Ach, der Gedanke hatte trotz allem, was sie von Tante Martha gehört doch ihr ganzes Denken und Fühlen in andere Bahnen gelenkt. So lange die Stiefmutter im Hause lebte und Frau Anna hielt ihren Einzug, als Fritz, bei dessen Geburt die Mutter gestorben, ein Jahr zählte hatte das junge Mädchen nur für die Arbeit und an die Arbeit denken müssen. Obgleich es für die große Familie auch gar viel zu thun gab, hätte Frau Anna in den letzten Jahren doch wohl hin und wieder dem erblühenden Mädchen ein kleines Vergnügen bieten können. Dergleichen aber kam der rastlos thätigen Frau garnicht in den Sinn. Wagte es der Gatte aber, darauf anzuspielen, daß man der erwachsenen Tochter doch einen kleinen Lebensgenuß bereiten müßte, so zuckte Frau Anna die Achseln und meinte:

Wenn sie Zeit dazu hat, mag sie gehen! Ich für meine Person kann an solche Dinge nicht einmal denken. Du weißt ja, ich habe so viel für Deine Kinder zu thun, daß ich nie vor zwölf zu Bette komme und schon wieder auf den Beinen bin, wenn Ihr Euch noch einmal be­haglich auf die andere Seite gelegt."

Sie sprach freilich die Wahrheit und Müller empfand es in solchen Augenblicken so überwältigend tief, wie diese Frau diese Tochter eines kleinen Ackerbürgers aus der Kreisstadt, ihm doch im Grunde genommen mit Annahme seiner Hand ein fast übergroßes Opfer gebracht hatte, daß es ihm wie ein Unrecht erschien, seine Tochter zu einem Vergnügen zu führen, während ihre Stiefmutter wie die niedrigste Magd schaffte und wieder nur schaffte.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Auf der Insel Sangir bei Celebes fand eine furchtbare vulkanische Katastrophe statt, bei welcher 11 Dörfer zerstört und etwa 1000 Menschen ge- tödtet wurden.

Die Probe. Ein alter Mann, welcher in Nord­amerika lebte und sich durch jahrelange Sparsamkeit ein hübsches Vermögen, man sagt 20,000 Doll., erworben hatte, fühlte sein Ende herannahen; da schrieb er an seine Verwandten, der Winter sei vor der Thür, ob ihm nicht jemand eine kleine Unterstützung wolle zukommen lassen, um ihn vor Hunger und Frost zu schützen. Bon

keiner Seite erhielt er eine Antwort auf seine Bittschrift; einzig und allein die Tochter seines Bruders, ein armes Mädchen, welches als Schullehrerin sich ihr Brod ver- dienen mußte, schickte dem alten Oheim fünfzig Dollars, die sie sich erspart hatte. Wie groß war ihre Ueber« raschung, als sie bald darnach erfuhr, sie sei von ihrem Onkel als alleinige Erbin des Vermögens eingesetzt. Ja, hätten die Andern das gewußt! Der Alte war fürwahr ein kluger Mann gewesen: wenn man als Bittender kommt, da lernt man recht, was im Menschen ist. Wie zeigt sich da Mancher ganz anders, als man's von ihm geglaubt.

Normalarbeitstag.Sie liegen aber mindestens acht Stunden täglich in der Kneipe!"Ich habe eben den Normalarbeitstag schon eingeführt; acht Stunden bin ich verheirathet, acht Stunden schlafe ich und acht Stunden bin ich Mensch!"

Großes Fest.Nanu, alter Freund, was ist denn los? Austern und Champagner?"Ja, feiere großes! Fünfhundert Mark Schulden sind wieder verjährt!"

Eingesandt.

Sicherem Vernehmen nach wird seit einiger Zeit die Frage der Gründung einer genossenschaftlichen Bäckerei und Metzgerei in hiesiger Stadt eifrig wenn vorerst auch sehr geheim erörtert. Eine derartige Gründung würde von dem konsumirenden Publikum mit Freuden begrüßt werden und vielseitige Unterstützung finden, denn eine solide und leistungsfähige Concurrenz könnte unseren Herren Bäckern und Metzgern wnklich nichts schaden. Die niedrigen Preise für Roggen, Weizen, Gerste rc. genieren unsere Bäcker nicht, sie behalten ruhig ihre hohen Brodpreise bei und die Brödchen werden alle Tage kleiner und wässeriger, nur bei steigenden Frachtpreisen sind dieselben geschlossen mit Erhöhung der Detailpreise bei der Hand. Bei den Metzgern ist es gerade so. Die Bauern sagen:Die Metzger wollen uns rein gar nichts mehr geben für schlacht- bares und unschlachtbares Viehzeug." Ist dagegen Fleisch, Wurst rc. wesentlich billiger geworden? Nein! Der Konsum dieser nothwendigsten Lebensmittel würde sich steigern, wenn deren Preis im Detail den Ankaufspreisen der Rohproducte nur annähernd ent­spräche, also wesentlich billiger wäre. Hier kann nur eine gesunde Concurrenz helfen, deßhalb dürfte das in Aussicht genommene Unternehmen seinem Zweck entsprechen. Schlüchtern, im Ferien-Monat. x.

Markt und Handelsnachrichten.

Frankfurt, 11. Juli. Der heutige Viehmarkt war mit 373 Ochsen, 26 Bullen, 535 Kühen, Stieren und Rindern, 27 Kälbern, 92 Hämmeln und 445 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt r Ochsen 1. Qual. Mark 6769, 2. Dual. 60-64 Bullen 1. Qual. 4547, 2. Qual. 4244, Kühe, Rinder und Stiere 1. Oual. 5560, 2. Qual. 42- 46, Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht. Kälber 1. Oual. 65 70 Pfg., 2. Oual, 55 60 Pfg, Hämmel 1. Oval. 6264 Pfg., 2. Oual. 4048 Pfg., Schweine 1. Oual. 6465 Pfg., 2. Oual. 62 bis 63 Pfg. Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Fra nfurt a. M., 1t. Juli. Hiesiger Weizen 19, 19,50 Russischer,---,, Hiesiger Roggen 19,--,-- Hiesige Gerste 15,50 - 16,75 Pfälzer,---, Hafer je nach Qualität hiesiger 14, 14,75 Mark, Alles per 100 Kilo.

Fulda, 9. Juli. Dem Schweinemarkt vom Samstag waren ca. 60 Läufer und 150 Ferkel zugetrieben; Läufer 28- 60 M. Ferkel 1124 Mk. per Stück.

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Bei dem am vergangenen Sonntag statt- gefundenen Ausflug nach Brückcnau haben sich verschiedene Herrn Vereinsmitgiieder, welche auf dem zweiten Wagen saßen, geäußert:

Auf dem ersten Wagen sitzen nur

die L . . . buben!"

Warum nimmt der Verein solche Mit­glieder auf?

Im Uebrigeu hat uns L . . . buben der Ausflug gut gefallen.

Einer für Viele,