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Line aufopfernde That.

Aus der Zeit des deutsch-französischen Krieges erzählt ein französischer Wundarzt von einem Soldaten folgende That selbstloser Liebe. Am 8. Oktober war in Metz der Vorrath an Chloroform auf's bedenklichste zusammen- aeschmolzen. Einige Droguisten der Stadt hatten es zu bereiten versucht; aber das Machwerk war unbrauchbar. In unserm Lazareth hatten wir nur noch sehr wenig von dem echten Chloroform. Da wir nicht wußten, wie lange die Belagerung noch dauern konnte, war es dringende Pflicht, sparsam damit umzugehen. Eines Morgens, nach einem Ausfalle, gab es unzählig viele Verwundete. Ein Chasseur der Garde wurde mit einer schlimm zerschossenen Hand uns in's Operationszimmer gebracht. Es wurde für nöthig befunden, dem Mann den Finger abzunehmen. Er trat, mit der einen Hand die Flinte fest gefaßt, her­ein.Nun, mein Freund," sagte der Arzt,wir müssen da wohl ein bischen operieren."Ich weiß es, Herr Doktor, darum bin ich gekommen."Möchten Sie be­täubt werden?"O ja! Ich habe die ganze Nacht so viel Schmerzen gelitten, daß ich's wohl länger nicht aus­halten kann."Möchten Sie's dringend gern?"Nun," das Zeug ist jetzt wohl rar, das Zeug, daß einem den Schlaf verschafft?"Es ist nur noch ein Weniges da." Der Chasseur dachte einen Augenblick schweigend nach, dann sagte er plötzlich:Nun wohl, so sparen Sie's für die, welche Arme und Beine verloren haben aber machen sie schnell!" Er riß die blaue blutige Kravatte los und legte sich dieselbe zwischen die Zähne, dann streckte er sich aus und hielt mir die Hand hin. Die Operation war vorüber.That es sehr weh?"Ja, aber was thut's? Wir armen Burschen müssen einer dem andern doch helfen!" Ja, das ist's! Einander helfen. Die Selbstsucht spricht: Erst denk an dich! Gott sagt: Liebet einander! R.

Gin Mützen,nacher.

Ein Mann, dessen Name vor etwa einem Viertel­jahrhundert im Munde aller war, der verabschiedete Husaren-Rittmeister Ossip Jwanowisch Komissarow, ist kürzlich in seinem 53. Jahre gestorben. Als Karakosow am 4. April 1866 das Attentat gegen den Kaiser Alexander II. verübte, befand sich Komissarow, ein ein­facher Mützenmachergeselle aus Kostroma, am Eingang zum Sommergarten und schlug Karakosow die Pistole aus den Händen, so daß der Schuß fehl ging. Die reichste Belohnung ward Komissarow zu theil; er wurde überall gefeiert und bejubelt, wo er sich zeigte. Er ward geadelt und in ein Husaren-Regiment eingereiht, wo er bis zum Rittmeister stieg; dann nahm er seinen Abschied und zog sich mit Frau und Kindern auf seine Besitzung zurück.

Gine Flasche Branntwein.

Ein amerikanischer Zeitungsredakteur brächte kürzlich in seinem Blatte folgende Notiz:Ein Geschenk in Gestalt einer Flasche feinen, alten, schottischen Whiskys wurde freundlichst am Donnerstag, nachmittags 2 Uhr, in unserer Expedition abgegeben. Zehn Minuten nachher war kein Tropfen Liquenr davon mehr vorhanden, zehn Minuten später hatte der Laufbursche der Redaktion die Flasche bei einem Lumpen- und Knochensammler nebenan verkauft. Um 2 Uhr 30 wurden drei Mann auf die Polizeiwache gebracht, weil sie betrunken waren und Unfug verübt hatten. Der Herausgeber dieser Zeitung sagt hiermit seinen besten Dank für die schöne Gabe und würde sich 51t noch größerem Dank verpflichtet fühlen, wenn der Geber des Whisky übersenden würde: zweiundsiebzig Schilling, einen Polizeihelm, einen neuen Laufburschen, vier Fensterscheiben, einen neuen Straßen-Thür-Klopfer und keinen Whisky mehr."

Die Wruderlieöe.

Sonntagsepistel: 1. Joh. 3, 1318.

1. Joh. 3, 14. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder.

Es besteht auf Erden eine Kluft zwischen der Welt und dem Reiche Gottes, und damit ein Gegen­satz zwischen den Kindern der Welt und den Kindern des Reichs. Seitdem der Herr Jesus Christus als das wahre Kind Gottes den Hohn, den Spott, die Versolgung der Menschen erduldete, ist dies eine ausgemachte Wahrheit. Jesus sah auch klar voraus, daß von seinen Zeiten an, so lange die Welt stehen wird, ein Kampf zwischen seinen Jüngern und den Kindern dieser Welt hin- und herwogen muß, in dem es sich um ihn selbst handelt, wo Feinde und Freunde des Kreuzes Christi mit einander ringen. Die Waffe der Jünger ist das Wort Gottes, wie der Meister im hohenpriesterlichen Gebet davon redete: Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie, denn sie sind nicht von der Welt, gleich­wie auch ich nicht von der Welt bin." Der Waffen­schmied der Welt ist der Haß gegen Christum unb sein Reich, und seiner Waffen ist Legion.

Gern möchten alle wahren Christen die Kinder der Welt mit ihrer Liebe umfassen, denn es sind ja viele irregeleitet und sündigen aus Unwissenheit; auch hat solch gutes Werk eine starke und feste Ver­heißung. Die Knechte des Herrn nöthigen im Evangelium die armen Leute und die ohne Er­barmen sich selbst überlassenen Bettler an den Land­straßen und an den Giriern der schönen Landhäuser, zum großen Abendmahl ihres Herrn zu kommen. Wo im Gehorsam gegen Jesum diese Liebe geübt wird, da werden auch Seute aus der Welt gewonnen; wo das Licht d r Christen leuchtet, und gute Werke gesehen werden, da sangen noch heute die Menschen an, den himmlischen Vater zu preisen. Die Tage der Bekehrungen sind nicht aus, so lange sich gläubige Liebe zu den Elenden kehrt.

Doch Gottes Wort fordert mehr von uns als Gutes zu thun an jedermann, es mahnt ganz besonders zur Bruderliebe. Man sagt wohl ge­meiniglich: alle Menschen sind Brüder, und denkt, sie tragen alle das Ebenb.ld Gottes: ja, aber im eigentlichen Sinne werden Menschen nur dadurch Brüder, daß sie durch den Glauben an Christum Gottes Kinder werden; eben dadurch ist die Liebe unter einander für sie etwas Natürliches, wie zwischen Geschwistern. Darf man sich nicht wundern, wenn die W.lt dieBrüder" haßt, so kann man billig darüber erschrecken, wenn Christen sich unter ein­ander hassen oder es doch an den Beweisen der brüderlichen Liebe gänzlich fehlen lassen. Und hier beklagen wir es, daß die Kirche Christi so zerspalten ist, daß der eine Theil den anderen kaum mehr als Bruder betrachtet.

Indessen gilt es heutzutage neben der Erfüllung der Nächstliegenden Pflichten, den Blick auch dahin zu lenken, wo das Elend samt der Sünde sich massen­haft anhäuft, und wo wenig zur Abhülfe leiblicher und geistlicher Noth geschehen würde, wenn die christ­liche Liebe fehlte. Die Kinder der Welt schließen nicht bloß das Herz, sondern auch die Augen zu vor all bent durch Sünde und Noth erzeugten Jammer;