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Samstag, den 25. Jllni
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Die Löwe'schen Gewetzre.
Der Bm sitzende der sächsischen Gcwehrprüfunqs- Kommission, Oberst Thierbach, hat sich nach einer Mittheilung der säcksischen Krieger-Vereins-Zeitung über die in der Löwe'schen Fabrik in Berlin hergestellten Gewehre, wie folgt, ausgesprochen:
„Die Löwe'schen Gewehre sind durchaus gut. Unsere Armee ist völlig schlagfertig. Richtig ist es, daß einige Flinten (nicht Löwe'sche) gesprungen sind. Das lag aber nicht an den Waffen, sondern an einem geringen F.hierbei der ersten Herstellung der Munition. Da ist es vorgekommen, daß einzelne Patronen nicht gut schloffen und Pulver verloren. Natürlich hatte nun der Schuß nicht die nöthige Kraft, das Geschoß blieb im Lauf stecken und dieser mußte springen, sobald der zweite Schuß abgegeben wurde. Dazu genügt auch eine bloße Platzpatrone. Daß die Büchsenmacher in der Löwe'schen Fabrik Arbeitsmaterial mit nach Hause nahmen, daß einzelne Herren Gewehre geschenkt erhielten, kurz, all jene „Thatsachen,", welchen die Ahlwardt'schen Zeugen so große Wichtigkeit beilegen, sind von gar keinem Belang. All das ist überall, auch in den staatlichen Werkstätten, gang und gäbe und hat mit Bestechung nichts zu thun. Selbstverständlich versuchen auch überall die Arbeiter, die im Stücklohn stehen, kleine Fehler zu verbergen. Jetzt ist allenthalben die Controlle so streng, daß derartige Versuche mißglücken. Die Hauptsache ist und ble bt, daß unsere Gewehre gut und kriegstüchtig sind. Wir haben hier in Sachsen nach dem Erscheinen der Ahlwardt'schen Broschüre sofort einen Theil der Löwe'schen Gewehre nachgeprüft, dieselben aber durchweg gut befunden. Die anfänglichen Mängel unserer Munition- sind nunmehr beseitigt. Ein Fehler bei einer größeren Anzahl von Gewehren, der sich bei der Abnahme herausgestellt hatte, ist gehoben. Es hatten nämlich eine Anzahl Flinten zu scharfe Ränder, welche den L>tghlmantcl des Geschosses beschädigten. Dieser Mangel beseitigt sich zwar von selbst dadurch, daß ein paar Schüsse aus dem Gewehre abgegeben werden. Indeß wurden doch die Gewehre der Fabrik zurück- getiefert und es wurde ausdrücklich angeordnet, daß dem Uebelstand durch Schmirgeln abgeholfen werden sollte. Die Ahlwardt'schen Zeugen haben aus diesem Umstand ungeheuerliches Kapital geschlagen, ebenso aus der anderen Thatsache, daß dergleichen beschädigte Geschosse im Gewehrlauf leichte „Kritzel" veranlaßt haben. Ahlwardt und seine Gewährsmänner haben Sprünge daraus gemacht. Er ist aber, wie gesagt, das alles von gar keiner Bedeutung und nicht geeignet, die Güte der Gewehre irgendwie in Frage zu stellen."
Deutsches Reich.
Potsdam, 22. Juni. Die Kaiserin und die Königin von Italien machten heute Vormittag um 108/4 Uhr, begleitet von dem Gefolge und den zum Ehrendienste Kommandirten, eine Promenadenfahrt von dem Neuen Palais durch die königlichen Gärten und besuchten Sans- souci, Babelsberg, die Orangerie und das Marmorpalais. Nach der Rückkehr zum Neuen Palais nahmen die Herrschaften ihr Dejeuner ein und fuhren dann nach Berlin, wo die Kaiserin und die Königin von Italien die Nationalgalerie, die Ruhmeshalle und andere Sehenswürdigkeiten besichtigten. — Kaiser Wilhelm und König Humbert trafen um 10 Uhr in Jüterbog ein und wurden am Bahnhöfe von dem kommandirenden General von Meerscheidt- Hüllessem empfangen. Die Majestäten be- gaben sich nach dem Schießplätze, wo der Erbprinz von Meiningen, der Erbgroßherzog von Baden und der Kommandeur des Schießplatzes dieselben erwarteten. Um 10'/, Uhr begann das Schießen.
Berlin. Der Reichsauzeiger meldet: Am 20. d. Mts. hat zu Homburg v. d. H. die Verlobung Ihrer König
lichen Hoheit der Prinzessin Margaretha Beatrice Feodora von Preußen, Schwester Seiner Majestät des Kaisers und Königs, mit Seiner Hoheit dem Prinzen Friedrich Carl Ludwig Constantin von Hessen, Sohn Seiner Königlichen Hoheit des verewigten Landgrafen Friedrich von Hessen und Ihrer Königlichen Hoheit der Landgräfin Anna von Hessen, Prinzessin von Preußen, mit Bewilligung Seiner Majestät des Küsters und Königs, sowie unter Zustimmung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich statlgefuudeu. Auf Allerhöchsten Befehl wird dies frohe Ereigniß hierdurch bekaunt gemacht. Berlin, den 21. Juni 1892. Der Minister des Königlichen Hauses: v. Wedell." — Die Braut ist am 22. April 1872, der Bräutigam, der als Lieutenant ä la suite des 1. Garde-Dragoner-Regiments steht, am 1. Mai 1868 geboren.
— Sind die Kinder des Kaisers geimpft? Im Hinblick auf die treuliche Mittheilung in dieser Frage schreibt der Berliner Sanitätsrath Dr. Pissin einem dortigen Blatte: „Als authentisch kann ich Ihnen mittheilen. daß sämmtliche Kinder des Kaisers in den ersten Lebensjahren mit Erfolg geimpft worden sind. Die Lymphe dazu ist aus meinem Institut für animale Vaccination bezogen."
* — Ueber die neue Militärvorlage will nunmehr die „Post" nähere Mittheilungen machen können. Danach soll eine wesentliche Erhöhung des Präsenzstandes und eine wesentliche Vermehrung des AusbildungsPersonals geplant sein. Die Erhöhung der Friedens- präsenzstärke soll sich auf etwa 63,000 Mann belaufen und jährlich ca. 60 Millionen Mark mehr kosten.
— Von Vorgängen in der inneren Politik während der Woche ist wenig zu melden. Der Reichskanzler hat nochmals in einem Schreiben über den Plan einer Berliner Weltausstellung auf die Schädigungen Bezug genommen, die die Agitation für Berlin den Vorarbeiten für die Beschickung der Chicagoer Ausstellung zugefügt hat oder zuzufügen drohte. Er wies darauf hin, daß vor 1896/97 zur Verwirklichung des Berliner Planes nicht die Rede sein könne, da man den Ausstellern die Wiederholung der Opfer, die jede große Ausstellung erfordert, in so kurzer Zeit nicht zumuthen kann. Die öffentliche Meinung hat sich dem fast einstimmig angeschlossen und sich zunächst sür eine ungestörte, möglichst würdige Vertretung der deutschen Schaffenskraft in Chicago ausgesprochen. Die Vorarbeiten für eine Berliner Weltausstellung sind deshalb vertagt worden.
— Eine Interpellation wegen der Verwaltung der Hoftheater von Hannover, Cassel und Wiesbaden wurde am Montag von dem Ministerpräsidenten Grafen zu Eulenburg dahin beantwortet, daß der Staatsregierung von der Absicht, die Zuschüsse der Krone für diese Theater zurückzuziehen, nichts bekannt sei; der Minister des Königlichen Hauses habe Verhandlungen mit den Städten in Aussicht genommen, um die Hoftheater unter Gewährung fester Zuschüsse aus der Krondotation den Stadtverwaltungen zu übertragen.
München. Ja Aschcndorf bei Oberhollabrünn Hai sich der 67 Jahre alte wohlhabende Bauer Franz Zeinler am Fensterkreuz in seiner Wohnung erhängt. In einem zurückgelassenen Briefe gibt er an, daß er sich das Leben nehme, weil es seinem Sohne beim Militär nicht gefalle und dieser durch den Selbstmord des Vaters freikommen müsse, da er dann der einzige Sohn einer Wittwe sei.
In Coburg ist die Frau des Korbmachers Horn, die ihren Mann im vergangenen Jahr mit Zwillingen beschenkt hatte, jetzt von Drillingen entbunden worden. Sämmtliche Kinder sind gesund.
Aus Thüringen wird geschrieben: Landgerichtsrath Riemann von Gotha, dem die vielumstrittene Stelle am Oberlandesgericht Jena übertragen wurde, hat dieselbe am Montag angetreten. Zu seiner Ernennung mußten
nicht weniger als sieben Fürsten, deren Länder dem OberlandcsgerichtJena unterstehen, ihre Zustimmung geben.
Bei der Pfereemusterung in Wernigerode, so schreiben verschiedene Blätter, wuroe ein dreißig Jahre altes Pferd mit vorgeführt, welches früher bei den Scydlitz- Kürassieren in Halberstadt gedient und den denkwürdigen Tag bei MarS-la-Tour milgemacht hatte; es befindet sich trotz seiner Jahre noch in sehr gutem Zustande. Der anwesende Rittmeister des Seydlitzschen Kürassier- Regiments, Graf Haugwitz, sprach die Absicht aus, das Thier anzukaufen, ihm das Gnadenbrod zu geben und es nach seinem Tode ausstopfen zu lassen.
Ausland.
Wien, 21. Juni. Die Vermählung des Grafen Herbert Bismarck mit der Gräfin Hoyos fand heute Vormittag 11'/, Uhr in der protestantischen Kirche in der Dorotheengasse statt. Der Trauungsfeier wohnten die Mitglieder der Familien Bismarck, Hoyos, Palffy und zahlreiche Vertreter des hohen Adels bei. Den Trauungsakt vollzog Superintendent Schack. Nach dem Wechseln der Ringe küßten der Fürst und die Fürstin Bismarck wiederholt das junge Ehepaar, welches allseitig beglückwünscht wurde. Zum Schluß der Feier wurde der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn aus dem Sommernachtstraum gespielt. Auf der Rückfahrt wurde Fürst Bismarck neuerdings überall von dem zahlreich augesammelten Publikum achtungsvoll begrüßt. An dem Hochzeitsdiner im Palais Palffy nehmen nur die näheren Bekannten der beiden Familien Theil.
Zansibar, 21. Juni. Nach englischen Berichten aus Mombassa hat der Chef in der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Frhr. v. Bülow, nach einem unglückliche'- Gefecht die von ihm befehligte Station am Kilimandjäro aufgegeben. Die Nachricht kommt von Verwundeten, welche in Jnveta angekommen sind. Der Kaiserliche Gouverneur hat birecte Nachrichten vom Schauplatze des Kampfes noch nicht erhalten, hat aber sofort für die Entsendung von Verstärkungen Sorge getragen.
Lokale- und Provinzielle-, Schlichtern, 24. Juni.
* — Der Cultusminister hat eine Verfügung erlassen, nach welcher behufs festerer Organisation derPräparanden- anstalten die Leiter derselben gegen Gewährung eines festen Jahreszuschusses verpflichtet werden sollen, bestimmten im unterrichtlichen Interesse zu stellenden Anforderungen zu entsprechen. Zu den letzteren soll in erster Linie gehören, daß der Unterricht ganz oder in gewissen Hauptfächern in getrennten Surfen ertheilt wird, mindestens ein oder bei hoher Frequenz mehrere Lehrer an der Anstalt hauptamtlich beschäftigt werden, und daß Seminarlehrer, wo ihre Heranziehung zum Unterricht nicht entbehrt werden kann, nicht mehr als vier Unterrichtsstunden an derselben wöchentlich geben. Ferner wird es als zweckmäßig bezeichnet, die Höhe des Schulgeldes entweder im Höchstbetrage vertragsmäßig festzustellen, oder mindestens von der Genehmigung des Provinzial-Schulcollegiums abhängig zu machen. Auch soll darauf Bedacht genommen werben, daß bedürftigen Zöglingen der Unterricht unentgeltlich gewährt, geeigneten Falls ein gewisser Prozentsatz des aufkommenden Schulgeldes für Freischüler bestimmt, und daß die von dem Provinzial-Schulcollegium festzustelleude Maximalzahl der Anstalt ohne Genehmigung der Behörde nicht überschritten werde. Nach diesen Richtungen hin sollen die Provinzial-Schulcollegien die Verträge mit den Leitern der Präparandenanstalten prüfen und eventuell abändern. Der Minister betont dabei ausdrücklich, daß die Begründung neuer Seminar-Präparanoenanstallen seiner Genehmigung bedarf.
* — Ernannt wurde derbisherigeForstaufseher Gute zum Förster in Engelhelms, Oberförsterei Niederkalbach.
* — Der seit gestern Nachmittag heftig wehende Wind, der mitunter zum starken Sturm anwuchs, hat, wie wir vernehmen, mehrfacher Schaden angerichtet, denn mancher Baum wurde in Feld und Wald gebrochen oder seine F lichte entledigt.
* — Die Farben der Provinz Hessen-Nassau hat Der Kaiser wie folgt bestimmt: für die Provinz: „Roth- Weiß-Blau", für den Bezirks-V.rband Kassel: „Roth- Weiß" und für den Bezirks-Lerba..d Wiesbaden: „Blgu-Orange."