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erfahrungsmäßig am Meisten beliebte Verschlußvorrichtung | schnell zn habe»», da seit einigen Wochen am hiesigen der sogenannten Reisekörbe keinen genügenden Schutz Bahnhof sich wieder ein Arzt niedergelassen hat.

gegen Diebstähle bietet. Die in den meisten Fällen an­gewandte Verschlußvorrichtung gestattet nämlich ohne Mühe und Zeitaufwand das Hochbiegen der Deck.l, auch wenn die Verschlußösen durch Vorlegeschlösse»: genügend gesichert erscheinen. Diesem Mangel läßt sich abhelfen durch kreuzweise feste Umschnürung, die übrigens nur ge­ringe Kosten verursacht. Diese Vorsichtsmaßregel sollte niemals außer Acht gelassen werden, zumal erfahrungs- mäßig die Untersuchung etwaiger Unregelmäßigkeiten in den seltensten Fällen einen Anhalt für die Annahme einer während des Bahntransports ausgeführten Beraubung bietet und seitens der Eisenbahnverwaltung die Abweisung der Entschädigungsforderung erfolgt, wenn nicht bewiesen werden kann, daß der Schaden seit der Auflieferung zur Bahn bis zur Ablieferung an den Empfänger entstanden ist.

* Das sogen, rauchlose Pulver ist noch nicht in den Handel gebracht worden. Um es für den Jagdge- brauch den Jägern zugänglich zu machen, liefern die Fabriken seit Kurzem fertige Patronen, welche mit diesem Pulver hergestellt sind. Bei der außerordentlich großen Ausdehnungskraft, welche das neue Schießmittel besitzt, muß das Volumen des angewandten Pulvers dem alten gegenüber natürlich ein viel kleineres sein. Gleichwohl ist die Verwendung von Patronen mit rauchlosem Pulver durchaus nicht harmlos. Dem badischen Oberförster H., welcher dieser Tage rasch hintereinander beide Läufe, welche solche Patronen enthielten, abschoß, schlug die Ladung theilweise zu den Schloßtheilen heraus, riß den Verschluß auf und verbog einzelne Theile, ohne den Schützen selbst zu verletzen. Es ist dies ein Beweis dafür, daß die bisher im Gebrauch gewesenen Jagdge­wehre keine genügende Widerstandsfähigkeit für die Wiikung des neuen Pulvers haben, und es sollten Alle, die zu diesem Überzugehen gedenken, sich mit einer neuen Waffe versehen, jedenfalls aber nicht versäumen, ihre in Gebrauch befindlichen Gewehre von sachkundiger Seite untersuchen zu lassen.

Aus dem Spessart wird geschrieben: Leider muß die Mittheilung gemacht werden, daß die Hoffnungen, welche sich auf eine gute Heidelbeerernte begründet haben, sehr gedrückt wurden. Die Hälfte der Blüthen und angesetzten Früchte ist vernichtet. Unter diesen Uniständen dürfte der Beginn der jüngst gegründeten Heidelbeerverwerthungs- genossenschaft ungünstig beeinflußt werden. Auch beginnen die Unterkäufer ihre gegen das Unternehmen gerichteten Schritte in bemerkenswercher Weise. Es wird angenommen, daß hinter di sen Leuten eine große Handelsfirma steht, welche schon mehrmals sich durch ihren schädigenden Ein­fluß auf die Preise der Heidelbeeren bemerkbar gemacht hat. Es gilt nunmehr für die Genossenschaft, sich wo möglich direkt mit einem für Heidelbeeren maßgebend er­scheinenden Haupthandelsplatze ungesäumt in Verbindung zu setzen, um so ein für die armen Sammler gutes Resultat erzielen zu können.

Fulda. Die sowohl in hiesigen als auch in allen landwirthschaftlichen Kreisen mit Freude vernommene Kunde von der Gewährung einer, mit unseren Pferde- märkten zu verbindenden Verloosung haben wir bereits kurz gebracht. Nach dem ausgestellten Lotterieplan müssen 65 pCt. der Loos-Einnahme zum Ankauf von Gewinnen verwendet werden; diese haben aus 8 Pferden, darunter ein Fohlen, und verschiedenen Ackerbaugeräth- schaftcn zu bestehen. Die Gewinne werden von der Pferdemarkt-Kommission mit Sorgfalt unter Erwägung ihrer Zweckmäßigkeit gewählt und namentlich wird auf deren Preiswürdigkeit großes Gewicht gelegt, damit die Gewinner zu einem positiven Werth gelangen. Die zur Verloosung kommenden Pferde werden sämmtlich auf dem nächsten hiesigen Pferdemarkt und zwar möglichst direkt aus den Händen der Landwirthe selbst angekauft; darin dürfe ein Sporn für unsere Pferdezüchter liegen, sie zu einer starken Beschickung des Mcrrktes anzuregen; denn eine solche kann den Fuldaer Pferdemärkten mit der Zeit jene Bedeutung verschaffen, nach welcher das Streben unserer Stadt und des landwirthschaftlichen Kreisvereins gerichtet ist. Einen ähnlichen Zweck verfolgt unser Kreisausschuß mit der Bewilligung von Summen zur Prämiirung, der schönsten Exemplare auf den hiesigen Bullenmärkten die bis jetzt auch nicht recht ziehen wollten. Mit den für den nächsten Bullenmarkl am 22. Juni ds. Js. zur Verteilung gelangenden 800 Mark sollen ungefähr 20 schöne Thiere prämiirt werden. Der schönste Bulle soll 50 Mark Prämie erhalten.

Fulda. Dem Vorstände des Centralvereins bei Bienenzüchter an der Rhön zu Fulda hat der Herr Ober­präsident die Genehmigung ertheilt, gelegentlich seine» diesjährigen Hauptversammlung am 17. Juli d. Js. eine Verloosung von Gegenständen der Bienenzucht im Gc fammtwerthe von mindestens 75 Prozent des Loosertrags zu veranstaltcn, jedoch unter der Bedingung, daß nicht mehr als 20u0 Loose zu 40 Pfg. ausgegeben werden und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Kreise Fulda, Gersfeld, Schlüchtern, Geluhaujen, Hünfeld und Reisfeld beschränkt bleiben muß.

Schentiengsfeld, 29. Mai. Seit einigen Tagen herrscht Hrer das Scharlachfieber unter den Kindern epidemisch in solchem Umfang, daß die Schulen geschlossen i werden mußten. Glücklicher Weise ist ärztliche Hilfe'

mehrerer Kinder hatte sich eines derselben, ein etwa 4jähriger Knabe, einer Axt bemächtigt. Scherzend forderte ein üjähriges Mädchen den Knaben auf, einmal zu hauen, während es ben Zeigefinger der linken Hand auf den dastehenden Hauklotz legte. Der unverständige Knabe that den verhängnißvolleu Hieb und der Zeige­finger des unglücklichen Kindes fiel abgehauen zu Boden.

Marburg, 24. Mai. Eine unglaublich rohe That ist an der Straße zwischen Marburg und Cappel in der Nacht zum Montag von ruchlosen Händen verübt worden. An dieser Straße sind nämlich nicht weniger denn 130 Obstbäume, Akazienbäume rc. mit einem Messer der Reihe nach stark beschädigt worden. Schon wiederholt sind die Bäume dieser Straße in ähnlicher Weise beschädigt worden, ohne daß die Ermittelung des Thäters gelang. Der Oberbürgermeister hat diesmal darauf eine Belohnung auszesetzt.

Frankershausen, 25. Mai. Bei einem gemein­schaftlichen Spaziergang der Schulkinder mehrerer be­nachbarten Ortschaften mußte ein Mädchen von 12 Jahren heute hier wegen starker Kopfschmerzen, zu benen sich noch sonstiges Unwohlsein gesellte, zurückbleiben. Bei starker Erhitzung soll dasselbe kaltes Wasser aus einem Brunnen getrunken haben. Ob in Folge des Trunkes überhaupt, oder ob ein Sonnenstich an dein heutigen heißen Tage vorausgegaugen, mag vorläufig dahinge­stellt bleiben; das Kind, aus Dudenrode gebürtig, liegt hier bei 43° Hitze schwer krank darnieder. Dieser Vor­fall mahnt wieder zur Vorsicht, in der heißen Jahreszeit im Freien, namentlich bei großer Hitze, den Hinterkop" zu bedecken und kaltes Trinken ju meiden.

In Wolfhagen wurde kürzlich einer im ersten Stock mit einer Tochter wohnenden Wittwe ein seltsamer Be­such eines Vormittags zu Theil. Als nach zweimaligem Anklopfen und Hereinrufen Niemand erschien, machte beim drittmaligen Anklopfen die Tochter die Thür auf und erschien vor derselben zum Erstaunen ihr alte Gaus, welche mit ihrem Schnabel das Anklopfen bewirkt hatte. Sie trat sofort ein und begab sich zu ihrer am Ofen sitzenden Herrin, drückte in ihrer Gänsesprache den Dank aus für die sorgsame Pflege während ihrer vierwöchigen Brut und für das ihr gemachte warme gute Bett, in welchem sie aus jedem der ihr untergelegten 12 Eier ein gesundes Küchlein ausgebrütet hatte. Nachdem sie gehörig regalirt, wurde ihr die Thür wieder geöffnet und waschelte sie die 12 Treppenstufen und die vor der Thür befindliche»» 6 steinernen Stufen hinab zu ihren 12 Küchlein, welche während der Zeit von dem Herrn Gänserich bewacht worden wäre-'. Dieses nicht genug, wenn die Herrin aus dem Felde zurückkehrt und der Gans in einiger Entfernung sichtbar wird, fliegt sie jedesmal ihr entgegen und begleitet sie bis zum Hause. Ist dieses Instinkt oder Verstand? und kann man in allen Fällen noch sagen, du bist so dumm wie eine Gans?

Rinteln, 28. Mai. Auf Veranlassung des Geh. Rats Krö^er hat die königliche Regierung zu Kassel für Durchsuchung des alten Universitätsgartens nach den bei Aufhebuig der Universität Rinteln verschwundenen wissen­schaftlich bedeutenden und interessanten Akten 500 Mk. bewilligt. Der Baurat Linker ist mit bei Leitung dieser Nachgrabungen beauftragt worden. Aeltere Einwohner unserer Stadt vertreten noch heute das Gerücht, die Akten seien in den» sog.Kränzchen" von den letzten Studenten heimlich vergraben worden.

Bergen bei Hanau, 25. Mai. DerKl. Presse" wird geschrieben:Gesten» Abend kurz vor 10 Uhr ertönte plötzlich der Ruf der Feuerglocke. Die meisten Bewohner waren eben zu Bett gegangen und der Schrecken daher kein kleiner. Männer, Frauen und Kinder stürzten hastig nach dem Rathhaus, wo ihnen die Mittheilung wurde, daß es gar nicht brenne, sondern daß des Amtmanns Sohn, der in Fechenheim die katholische Schule besucht, nicht nach Hause gekommen fei! Man habe ihn zuletzt itn Walde bei Eukheim gesehen. Seinem Aufsuchen gelte das Zusammenrufen der Bürgerschaft durch die Sturmglocke. War man auch auf der andern Seite froh, daß es sich nicht um ben Ausbruch eines Brandes handelte, so herrschte doch nur eine Stimme des Unwillens über eine derartige merkwürdige Alarmirunz mehrerer tausend Einwohner. Der Junge wurde übrigens gleich nachher im Garten des Amtshauses ruhig auf einer Bank schlafend aufgefunden.

K. Aus HgchstM bei Hanau wird uns unterm 29. Mai geschrieben: Es ist ein mühevoller schwerer Be­ruf in Ortschaften Kassenarzt zu sein, welcher ver­antwortlichen Aufgabe sich unser mehrjähriger Kassenarzt, Der nunmehr von uns scheidende Herr Dr. med. Gott­schalk von Hanau (wohnhaft zu Wachenbuchen) mit bei grössten Gewissenhaftigkeit unterzöge»» hat. Sein Scheiden aus hiesiger Gegend ruft allseitiges Bedauern hervor, Denn er war ein Mediziner, wie wir ihn auf dem Lande haben müssen. Jhin stand neben anerkannt großer Tüchtigkeit sein liebenswürdiges gefühlvolles Auftreten bei seinen Kranken, mögen solche dein wohlhabenden oder dem unbemittelten Stande angehört haben, zur Seite, die wirklich armen Patienten verlieren in ihm einen auf- opfernbtn Arzt und einen großen Wohlthäter. Der scheidende Arzt hat sich hier und in dem benachbarten

Bahnhof sich wieder ein Arzt niedergelassen hat.

Gemünden a. d. Wohra, 26. Mai. Beim Spielen

Wachenbuchen einen großen Freundeskreis erworben, der hiermit Herrn Dr. Goltschalk ein herzliches Lebewohl zu- ruft, begleitet von den besten Wünschm für fein ferneres Wohlergehen. Sein neuer Wirkungskreis wird Dom 1. Juni an Steinan sein._____________

Eine Erinnerung an die Franzosenzeit in Schlüchtern.

Wie unsere Leser sich erinnern werden, theilten wir vor Kurzein mit, daß man beim Ausheben einer Bau­grube in der Stadt die Ueberreste eines an den bei- liegendenUniformknöpfen als solchen kenntlichen französischen Solvaten gefunden habe. Da man auch in früheren Jahren hier und da in Hausgärten dergleichen fand und noch mancherlei mündliche Ueberlieferungen an Schlüchlerns Schreckenstage in Anno 1813 umgehen, so dürfte es die Leser wohl intereffiren, von dem hinter­lassenen schriftlichen Bericht eines Augenzeuge»» Kennt­niß zu erhalten. Ein Freund unserer Zeitung theilt uns nämlich einen an einen Freund in Bieder gerichteten Brief des damaligen Bürgermeisters von Schlüchtern, Lampert, mit, ben derselbe kurze Zeit nach dem Durch­marsch der in der Schlacht bei Leipzig geschlagenen und dann retirirenden französischen Armee geschrieben hat. Derselbe schildert die Drangsale jener Tage auf das Anschaulichste und giebt Kunde davon, wie den Ein­wohner»» Schlüchterns und wohl überhaupt aller an der Heerstraße gelegenen Orte von den flüchtenden Franzosen mitgespielt wurde.*) Er lautet:

Schlüchtern, den 10. Dezember 1813, Sehr Werlhgeschätzter Herr Director!

Vor allen Dingen wünsche ich, daß »nein Schreibe»» Sie und Ihre werthe Familie bei gutem Wohlseil» antressen möge. Mai» hat Ursache, dieses seinen Freunden bei den jetzige»» Zeiten zu wünschen. In unserm Städtchen und der Gegend würgte seit kurzer Zeit der Todesengel eine große Anzahl der unglücklichen Einwohner, so daß, wenn man nach einem fragt, so heißt es gemeinlich er ist todt er ist todt krank. Selbst ich war an der Pforte ins Todes, und würde gewiß nicht bauen gekommen sein, wenn ich nicht so gesch'ckte Aerzte gebraucht, durch deren Sorgfalt ich dieses Mal dem Tode glücklich entrissen worden bin. Die Krankheiten mögen wohl dadurch entstanden sein, daß vor der französische Retraite sechs Wochen lang täglich 2000 Nervenkranke und Blessirte ankamen, welche durch die schlechte Pflege die sie genossen, und da sie nicht alle verbunden wurden die pestilenzialische Luft verbreiteten. Hierzu komme»» noch die vielen Schrecke»» die die Einwohner während der französischen Retraite überstehen mußten. Die meisten flüchteten mit ih-en Weibern und Kindern. Nur wenige blieben zurück. Eltern sah man ihre unerzogenen Kinder, Kinder ihre schwache»», alten Eltern auf dem Rücken in die entfernten Orte tragen Andere hatten ihre Betten, und was sie noch von dem, was ihnen am liebsten schien, aus den Händen der Plünderer entrissen hatten, und flüchtete»» sich durch die wilde»» Horde»» mit Lebensgefahr mitten hindurch. Viele wurden unterwegs mißhandelt, ihnen das gerettete Geld abgenommen, die letzte»» Kleidungsstücke ausgezogen.

Die Armee, die ben ersten Tag ankam, wobei sich Napoleon mit der Kaiserlichen Garde selbst befand, ruinirte die Lebensmitteln und was sie sonst fanden, mmhwillig. Die Kaiserliche Garde machte den Anfang der Plünderung.

Es konnte sich nicht fehlen, daß dadurch schon am Abend des ersten Tages Mangel an Lebensmitteln emtrat, wodurch dann die zurückgebliebenen Einwohner, die bereit schaffen sollten, die größten Mißhandlungen oft Lebensgefahren erdulden mußten. Diese Unglücklichen halten selbst nichts, um zu leben Kartoffel»» war noch das einzige Uebeibleibsel ihrer den Tag zuvor noch hoch angefülllen Scheunen, Kellern und Fruchtböden. Wollten sie sich diese am Feuer braten, nahmen ihnen solche die Franzosen ab. Aus Mangel an Lebensmitteln, welche die erste Armee muthwillig ruinirt hatte, fielen die nach­folgenden über die herumliegenden Leichname von Pferden mit dem größten Heishunger her. Viele griffen die Einwohner auf Leib und Lebe»» an, diese in Verzweifelung wehrten sich und so setzte eS die blutigsten Scenen. Tausende von Soldaten blieben aus Entkräftung und Mangel an Nahrung auf den Straßen liegen und füllten die Lüfte voll pestilenzialischen Ausdünstungen.

In und bei Schlüchtern bivouacquirten jede Nacht zwischen 30- und 60,000 Mann, und durch die vielen Feuer, welche zum Theil auf den Straßen, dicht an und in den Häusern, in den Scheunen und Ställen, ja selbst in den Stuben bräunten, entstand mehrmals Feuersnoth aber durch die Anstrengungen der wenigen zurückgebliebenen Einwohner wurden doch diese Feuer so gedämpft, daß Nur einige Häuser und Scheunen abbrannten. Aus Mangel an Holz wurden mehrere Gebäude niedergerissen.

Diese Noth dauerte beinahe vier Tage lang. Als die geflüchteten wieder zurückkamen, sie hier einen nackten tobten Menschen, dort ein crepirtes Pferd fanden die Straßen mit dem eckelhaftesten

Siehe auch die Aufzeichnungen des Dr. Lotichius in Herolz» Aus der stranzosenzeit" im Jahrgang 1887, &. R.