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SchUichternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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M 41.

Samstag, den 21. Mai

1892.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Herr Handelsminister hatte bekanntlich im Juni vorigen Jahres eine Anzahl von Handelskammern aufgefordert, ihm behufs Gewinnung einer laufenden Uebersicht über die Lage des einheimischen Getreide­marktes allwöchentlich eingehenden Bericht über die Preisbewegungen für Roggen und Weizen zu erstatten. Nunmehr theilt der Minister diesen Handelskammern mit, daß, da infolge der großen Einfuhr von Getreide die Befürchtung ausgeschlossen erscheine, daß die Volks­ernährung bis zur neuen Ernte auf Schwierigkeiten stoßen könnte, diese Nachweisung nicht mehr erforderlich sei.

16. Ma'. In der verflossenen Nacht hat ein dreizehnjähriges Mädchen, Clara Wernecke, seinen sieben Jahre alten Stiefbruder, Herrmann Büge, von der Kottbuser Brücke herab in den Canal geworfen. Hülfe war nicht zur Stelle und der Knabe ertrank. Das Mädchen behauptet, seine That nicht vorsätzlich ausgeführt zu haben; doch steht diese Aussage im Widerspruch mit den Angaben anderer Kinder. Die Leiche des Knaben ist heute vor dem Hause Koltbuserufer 3 aus dem Wasser gezogen worden. Sie zeigt an der Stirn noch eine Wunde, die von-einem Faustschlag herzurühren scheint. Die rechte Wange ist in der Länge von etwa 5 Cemi-, Meter aufgerissen. Ob l-tztere Verletzung dem Knaben durch die Thäterin beigebracht worden ist, dürfte frag­lich sein.

Ein lehrreicher Erpresfungs-Prozeß, der schon das Reichsgericht beschäftigt hat, wurde vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II verhandelt. Der Restaurateur Otto Zimmermann war von seinem Dienstmädchen Vertha Nogath bestohlen worden. Als er den Diebstahl entdeckte, erklärte er, daß er keine Anzeige erstatten wolle, falls er sein Geld wieder erhalte. Das Mädchen führte ihn zu der Schwägerin Anna Nogath und diese erklärte sich bereit, die entwendete Summe in] Raten zurückzuzahlen, um dadurch die Schande von ihrer Familie abzuwenden. Da sie jedoch die späteren Raten nicht zahlte, brächte Zimmermann den Diebstahl zur Anzeige. Nun erhielt er se.bst eine Anklage wegen Erpressung zugestellt und die dritte Strafkammer vom Landgericht l verurtheilte ihn zu 1 Monat Gefängniß, dem gesetzlichen Strafminimum, weil er gegen die Anna Nogath keine Forderung hatte und sich deshalb durch die Drohung, er werde den Diebstahl anzeigen, einen rechtswidrigen Vermögensvortheil verschafft habe. Gegen dieses Urtheil legte der Angeklagte Rev sion ein und das Reichsgericht verwies die Sache aus formellen Gründen an das Landgericht II zurück. Der Angeklagte erzielte kein besseres Resultat, als in der ersten Instanz, denn der Gerichtshof hielt ihn für schuldig. Die Er­klärung, im Falle der Rückzahlung keine Anzeige er­statten zu wollen, enthalte die Drohung einer Anzeige, falls keine Zahlung erfolge. Das Urtheil lautete aber­mals auf ein Monat Gefängniß. Das Ergebniß ist also, daß die Diebin straflos bleibt, der Bestohlene aber zu seinem Verlust noch mit hartem Gefängniß bestraft wird

Lübeck, 12. Mai. An der Bahnstrecke Hamburg- Lübeck liegt der freundliche Ort Reinfeld inmitten einer reichen Gegend, über die ein schweres Geschick hereingc- brochen ist. Brände über Brände beunruhigen die Be­völkerung aufs Höchste. Seit Februar sind im Amte Reinfeld. einige 20 Feuersbrünste zu verzeichnen. In fast allen Fällen liegt Brandstiftung vor. Auf den Höfen und Bauerndörfern haben die Flammen theil- weise entsetzlich gewüthet, große mit Erntevorräthen ge­füllte Scheunen, Viehställe mit Heerdcn prächtiger Kühe sind zum Opfer gefallen. Endlich glaubte man einen Reinfelder Einwohner als den Brandstifter gefaßt zu haben, aber die Hoffnung war nichtig, es brannte weiter. Auch nach der Festnahme einer Fischerfrau, die vor der Altonaer Staatsanwaltschaft cingcstand, ihr Haus ange­zündet zu haben, ist es nicht besser geworden. Am letzten Montag gingen wieder ein Haus, am Dienstag zwei Scheunen in Flammen auf. In Reinfeld sind alle möglichen Maßregeln getroffen. Die Zahl der Nachtwächter wurde vermehrt und die Bürger stellen aus ihren Kreisen abwechselnd Brandwachen. Die größer» Besitzer lassen Nachts ihr Gehöfte durch bezahlte Wächter beaufsichtigen. Am besten wird die Lage durch eine Weisung des Amtsvorstehers an die Landleute ge­kennzeichnet, das Vieh auf die Weide zu treiben, damit es bei neuen Brandstiftungen nicht gefährdet ist.

Leipzig, 16. Mai. Aus eine geradezu romanhafte Weise ist ein hiesiges Dienstmädchen eine reiche Erbin geworden. Dasselbe verdankt sein Dasein einem Ver­hältniß, das ein reicher Graf in seinen jungen Jahren mit ihrer Mutter angeknüpft hatte. Dieser Graf ist nun auf dem Todtenbett mit seiner einstigen Geliebten eine rechtsverbindliche Ehe eingegangen und hat das Mädchen als Universalerbin eingesetzt. Zu diesem Schritt ist er durch das Verhalten seiner Anverwandten, denen er nicht schnell genug hat sterben können, veranlaßt worden. Einem entfernten Verwandten hat er die Mög­lichkeit offen gelassen, sich die Nutznießung des Ver­mögens zu sichern, dadurch, daß er binnen einer be­stimmten Frist die Erbin eheliche.

Chemnitz, 15. Mai Ein Kaufmann» Mai aus Frankenberg wurde vom hiesizeuSchwurgericht zu 15Jahren Zuchthaus verurtheilt, da er in dem genannten Orte, wie er zugestand, elf Brände angelegt hat. Bei zwölf anderen Schadenfeuern konnte ihm die Urheberschaft nicht nachge- wiesen werden. Räthselhaft ist der Beweggrund zu diesen Verbrechen, da Kaufmann Mai nicht den geringsten Nutzen von ihnen haben konnte. Der Geisteszustand des Brandstifters wurde als völlig gesund befunden.

Nürnberg 16. Mai. Hier hat in einem Anfall von Geistesstörung eine Frau ihren Säugling todtgebissen.

Mainz, 16. Mai. Nach einer authentischen Darstellung sind bisher keine Angriffe auf Wachtposten, von denen einige Blätter zu melden wußten, vorgekommen, dagegen sind zweimal verdächtige Einbruchsversuche bei Pulver­magazinen wahrgenommen, weshalb die Wachtposten bei sämmtlichen Pulvermagazinen verstärkt worden sind.

Bochum, 15. Mvi. In dem benachbarten Altenbochum ist gestern Mittag ein alleinstehendes, als reich bekanntes 52jähriges Fräulein, Lina Munscheid, die wegen ihres absonderlichen Wesens allgemein bekannt war, ermordet worden. Das Fräulein hauste mit zwei Hunden ganz allein in ihrem Besitzihum, zu dem kaum je ein Mensch Zutritt gefunden hat. Gestern Mittag hat man sie mit einer tiefen Stirnwunde in ihrem Zimmer todt liegend gefunden. Ihre Hunde sind dem oder den Mördern gleichfalls zum Opfer gefallen, der eine lag todt im Nebenzimmer, der andere war verwundet und lebte noch. Die Ermordete hatte eine größere Summe Geldes im Hause, wovon nur IIOOMk. in Gold auf dem Fußboden liegend vorgefunden wurden. Von dem Thäter fehlt bis jetzt jede Spur.

Ausland

Oesterreich. Der aus demungarischeJusurrectionskriege von 1848/49 bekannte General Georg Klapka ist, laut einer Meldung aus Pest, gestorben. Der Verstorbene, am 7. April 1820 zu Temcsvar geboren, von seinem 18. Jahre an Offieier in der k. k. Armee, war neben Görgey der hervorragendste Führer der ungarischen Jusurrectionsarmee. Die Katastrophe von Vilagos am 13. August 1849 überraschte ihn gerade in dem Augen­blick, als er feine Truppen auf österreichisches Gebiet führen wollte. Allein hielt er sich dann noch, als das ganze übrige Ungarn bereits unterworfen war, bis zum 29. September in Komorn. An diesem Tage aber capitulirte die Festung unter den ehrenvollsten Beding­ungen. Klapka lebte von da an bis 1867 im Auslande. Im Jahre 1866 bildet er in Oberschlesien eine ungarische Legion, der Krieg war aber wie dies Klapka auch im Jahre 1859 widerfuhr zu Ende, ehe er in Thätigkeit treten konnte. Im Jahre 1867 amnestirt, lebte er von da an wieder in Ungarn und wurde in dem genannten Jahre auch in das Abgeordnetenhaus gewählt. Aus seinen Schriften sei hier insbesondereDer Nationalkrieg in Ungarn und Siebenbürgen" hervorgehoben, ein Werk, welches ein klares, übersichtliches Bild der kriegerischen Vorgänge von 1848 und 1849 in Ungarn entrollt.

Aus Amerika werden große Ueberschwemmungen ge­meldet. Der Mississippi hat bis St Louis 400 Quadrat­meilen fruchtbaren Landes überstuthet.

Lokale- und Provinzielles.

Schlüchtern, 19. Mai.

* Gestern Nachmittag um 3 Um fiel in hiesiger Gegend ein heftiger Hagel, dessen Körner oft 2 ein im Durchmesser hatten. Doch verzog sich das Unwetter ebenso schnell, wie es gekommen. Der Schaden an den blühenden Obstbäumen dürfte nicht gering sein; auch

mancher brütende Vogel bezw. die Brut wird zu Grunde gegangen sein.

* Ernannt wurde der Pfarrer Hatten do rf, bisher in Burghaun, zum zweiten Pfarrer in Schlüchtern. Versetzt wurde der Amtsrichter Ros kamp in Schwar­zenfels an das Amtsgericht zu Hoya. Pensionirt wurde der Förster S tro tt in Heubach vom 1. Juli d. Js. ab.

* Wir ersuchen die Abonnenten der Schlüchterner Zeitung, die Nr. 20 desKreisblattes" vom letzten Samstag gut aufzubewahren, wegen der darin enthaltenen neuen Hüteordnung, die alle Landwirthschaft treibenden Leser sehr nahe angeht.

* In neuerer Zeit mehren sich zusehends die An­klagen und Verhandlungen gegen junge Bursche« im Alter zwischen 12 bis 18 Jahren, die theils einzeln, theils auch in Banden cinbrccheu, entsteigen, rauben und stehlen, meist baares Geld, aber auch Lebensmittel, besonders flüssige. Das Geld wird dann mit Kame­raden verjubelt. Das gibt zu der ernsten Mahnung Anlaß, daß doch Eltern und Lehrherren ihre Kinder und jungen Leute mehr zur Einfachheit und Ehrbarkeit erziehen und nach Kräften den jungen Leuten mit ihre» An­sprüchen an eine luxuriöse Lebensweise mit Ernst entgegen« treten möchten, die die jungen Menschen jetzt zu machen pflegen und die zu ihren Erwerbsverhältnissen und ihren Leistungen durchaus in keinem Verhältnis stehen!

* Wie der preußischeStaatsanzeiger" mitthellt, wird zu Ausgang des laufenden Sommer-Semester» auf den ueunftufigen höheren Lehranstalten eine Ab­schluß-Prüfung für Schüler, die sich dem Subaltern- dienst widmen wollen, abgehalten werden. Diö Maß­nahme werde nur einmal und lediglich für Schüler stattsindcn, die in den Subalterndicnst eintreten wollen. Mit Ostern 1893, wo das Bestehen der Abschluß- Prüfung allgemeine Bedingung für Obersekunda der neunflufigen Anstalten wird, werde die Maßnahme überflüssig.

* Zur Warnung für Jäger und Folstaufschek möge folgender Fall dienen, welcher in der letzttn Straf­kammersitzung zu Paderborn zur Verhandlung kam. Ein Privatförster in Bokenförde (Kreis Lippstadt) hatte am 26. November vorigen Jahres mehrere Schulkinder, welche im Forst Holz gesammelt und mitgenommen hatten, dabei ertappt und, als sie vor ihm die Flucht ergriffen, einen Schrotschuß auf sie abgegeben, wodurch mehrere Kinder verletzt worden waren, wenn auch nicht gerade bedeutend. Er kam deshalb wegen vorsätzlicher Mißhandlung unter Anklage. Zwar suchte er die Sache in der Verhandlung anvers darzustellen und das Ab­feuern des Schusses auf einen Zufall zurückzuführen. Die Beweisaufnahme fiel gegen ihn aus, und der Förster erhielt wegen vorsätzlicher Körperverletzung unter An­nahme mildernder Umstände die geringste zulässige Strafe von zwei Monaten Gefängniß.

* Nach einer neueren Entscheidung des Reichs- versicherungsamtes ist ein Organist an der Kirche als Handwerker zu betrachten und unterliegt derselbe mithin als versicherungspflichtig und rentenberechtigt dem Alters- und Jnvaliditätsgesetz. Ob dieseRang­erhöhung" und dieseGehaltsverbesserung" von 2024 Pfennigen pro Woche, als Marke in die Karte zu kleben, die Betreffenden wohl sehr erfreuen wird?

* Ziegenzucht. Herr I. Oswald in Darmstadt schreibt: Endlich ist es mir gelungen, Ziegenliebhabern eine bequemere Bezugsquelle angeben zu können. In Pfungstadt bei Darmstadt besteht ein Ziegenzuchtverein- dessen sämmtliche Stammthiere aus der Schweiz einge^ führt worden sind. Von dorther können, wie ich er- fahren, zwei Monate alte, echte Thiere, männliche und weibliche, für 10-15 Mark per Stück bezogen werden. Bestellungen sind bei Herrn von Kaik dort aufzugeben.

* Hütet die Kleinen! Bei dem so langsamen Uebergange zur wärmeren Jahreszeit mehren sich die Diphtheritis- und Scharlacherkrankungen unter der zarten Kinderwelt. Erkältung infolge zu schnellen AblegenS der wärmeren Körper- und Fußbegleitung sind oft die Ursache. Vor Allem müssen jetzt die Kinder gewarnt werden, sich auf die kalten Steine, den bloßen Erdboden oder Wiesengründe niederzulassen, so lange die starken Nachtfröste anhalten, wenn sie nicht früher oder später oft zum Erstaunen der Eltern vom Rheumatismus geplagt werden sollen.

* Im Bad Brückenau fand am vorigen Sonntage