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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. .Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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Jf 38. Mittwoch, den 11. Mai 1892.

Die Verwüstungen des Großkapitals im Kleinhandel.

Die soziale Frage ist ein Komplex von sozialen Mißständen, die zum großen Theile in der schranken­losen Uebermacht des Kapitels ihre Wurzel haben. Keiner dieser sozialen Mißstände ist so unbedeutend, daß seine Beseitigung nicht ein Gebot für die Gesundung unseres kränkelnden Gesellschafts-Körpers wäre. Wenn wir uns heute mit den Verwüstungen beschäftigen, welche das Großkapital im Kleinhandel anrichtet, so wird die Erfahrung wohl der meisten Leser mir darin Recht geben, daß unsere Besprechung einen sehr wunden Punkt trifft. Jeder Einzelne würde wohl noch weitere Er­fahrungen und weiteren Stoff für unser Thema bringen können, doch mögen einige Angaben, die mir Kaufleute und Kleinhändler gemacht haben, genügen, um zu »^igen, mit welcher furchtbaren Schnelligkeit hier das Großkapital einen guten und soliden Theil des Mittel standes verschlingt. Und doch werden wohl noch viele Leser, die es vielleicht an sich selbst erfahren haben, am Ende sagen, daß hier eher zu wenig als zu viel gesagt ist.

In einer der größten Städte Deutschlands hat ein und dieselbe Firma (Namen anzuführen ist bei einer sachlichen Ausführung weder thunlich noch förderlich) 3 große Ladengeschäfte der Kurz-, Schnitt- und Posa- menteriewaaren Branche, und zwar in den besten Lagen der Stadt. Diese drei einem Besitzer gehörenden Ge­schäfte haben einen geradezu unerhörten Zulauf, welcher durch das Drücken der Preise erzielt wird. Meistens sind es aber nur einzelne Artikel, mit denen solche Ge­schäfte ihre Kunden locken, die entweder mit dieser Ab­sicht unter dem Einkaufspreise verschleudert werden, oder aus einem nur dem Großkapitalisten möglichen Maffen- Ankaufe stammen. Ich habe mich persönlich davon überzeugt und habe gefunden, daß das Gros der Ver- kaufs-Artikel in jedem anderen Geschäfte im Preise nicht höher steht. Aber die in der Auslage liegenden Artikel, welchen die Schleuderpreise an die Stirne geschrieben sind, machen den riesigen Zulauf. Es ist selbstverständlich, daß die sämmtlichen Geschäfte dieser Branche eine solche Konkurrenz bedeutend spüren müssen. So sagte mir der Inhaber eines renommirten alten Geschäftes:Seit N. N. seinen Laden offen hat, geht es rückwärts bei mir. Ich habe in einem Jahre die Hälfte meines Um- satzes eingebüßt." Und so sind alle Kaufleute dieser Branche voll des Jammers über ihre Schädigung durch diese Konkurrenz. Alte Geschäfte halten sie aus, jung gegründete können nicht mehr aufkommen und ähnlich wird es den alten Geschäften gehen, wenn der Besitz wechselt. Das ist ein gewaltiges Stück Proletarisirung des Mittelstandes. Nun hat aber dieses Geschäft, wie mir ein Angestellter desselben sagte und wie ich von Konkurrenten hörte, in 26 deutschen Städten Nieder­lagen und richtet überall den gleichen Schaden an. Es bleibt auch nicht bei Artikeln seiner Branche, es kauft en masse morgen 1,000,000 Strohhüte oder Schuhe und schleudert sie auf den Markt. Der kleine Geschäfts­mann kauft nicht so billig und arbeitet nicht mit so geringen Spesen wie der kapitalkräftige Großhändler. Er ist ohnmächtig gegen diese Konkurrenz.

Aehnliche Riesengeschäfte, die sich über alle größeren Städte ausbreiten, gibt es ferner noch in der Damen- und Herren-Konfektions-Branche, in der Schuh- und Hutwaaren-Branche rc. rc., also in solchen Geschäfts­zweigen, in denen noch Hunderttausende von selbststän- digen kleinen Geschäftsleuten ihr Brod suchen. Viele von ihnen sind bereits unter den Umarmungen des Großkapitals erstickt, andere sind im Begriffe, die Armee des dem Kapital bedingungslos dienenden Arbeiter- Materials zu vermehren. Hier muß bald etwas ge­schehen, ' wenn nicht in absehbarer Zeit zwei Drittel unseres Mittelstandes ausgehungert sein sollen.

Ich will als eine Schluß-Betrachtung meine Ge­danken über das: Was kann geschehen? nicht ver­schweigen. Jeder Inhaber mehrere offener Geschäfte am selben Orte oder mehrere Plätze zahlt für jede Filiale, die er außer dem Stamm-Geschäfte hat, eine nach der Größe des Ortes zu bemessende Ladensteuer. Hier dürfte die Steuerschraube schon so angezogen werden, daß das Freibeuterthum des Großkapitals etwas flügellahm würde. Diese Ladensteuer müßte mit der größeren Anzahl progressiv wachsen, d. h. der Inhaber von vier Filialen zahlt mehr pro Filiale, als der In­

haber von drei Filialen. Ein ausgiebiger Schutz für viele Branchen des Handwerks würde in der Einführung des Befähigungs-Nachweises liegen. Se viel ist gewiß, daß das Heer der Besitzlosen sich in den nächsten Jahren erschreckend vermehren wird, wenn nicht endlich etwas geschieht. (F. Ztg.)

der Thäterschaft hat sich auf zwei junge Burschen ge­lenkt, die am Tage der That in dem betreffenden Haus (Gartenstraße 53) durch höhnisches Benehmen gegen die Hausbewohner und eine verdächtige Bemerkung aufge­fallen sind.

In Hamburg feierte man am 5. und 6. Mai den 50. Jahrestag jenes großen, gewaltigen Brandes, der vom 5. bis 8. Mai 1842 den dritten Theil der Stadt in Asche legte. Es verbrannten damals, begünstigt durch einen starken Sturm und vorhergegangene lange Trocken­heit, nicht weniger denn 4219 Gebäude in 75 Straßen, wodurch ein Schaden von ca. 140 Millionen Reichsmark entstand und über 20,000 Menschen obdachlos wurden. Das alte Rathhaus, mehrere Kirchen und sonst viele her­vorragende, öffentliche Gebäude sanken in Schutt und Asche. Aber Dank der Energie der Hamburger ertrug die Stadt den schweren Schlag und heute ist er fast ver­wunden. Zur Erinnerung an diese schwere Heimsuchung ist aber der Jahrestag zu einem öffentlichen Gedenktag erhoben worden, der alljährlich gefeiert werden soll.

Schleswig. Eine seltene Eheschließung ist auf unserm Standesamte vollzogen, indem ein blindes Brautpaar ehelich verbunden worden ist. Der junge Ehemann ist der Korbmacher Jacob Conrad Knopp, die Frau ist die hier gebürtige Caroline Rasmussen. Sie hat im Blinden- institut in Kiel das Bürstenmacher: erlernt und soll es in diesem Fache zu einer besonderen Fertigkeit gebracht haben.

Sprottau, 4. Mai. Eine seltsame Natur-Erscheinung wird gegenwärtig mit regem Interesse in unserem Kreise beobachtet. Im südwestlichen Theile des Kreises geht die Sage, daß bei dem Dorfe Koberbrunn alle 35 Jahre ein großer See entsteht und allmählich wieder ver­schwindet. Die jüngere Generation glaubte längst nicht mehr an die Erzählung der Alten, muß sich jetzt aber durch die Thatsachen eines Besseren belehren lassen. Das Seegebiet, gegenwärtig eng mit junger Kiefern- schonung bestanden, umfaßt eine 4000 Morgen große Thalmulde. Diese Fläche, die früher ganz trocken war, ist jetzt bereits zur Hälfte mit Wasser bedeckt. DaS Wasser füllt das weite Becken mehr und mehr, der Baumwuchs ist dem Untergänge geweiht, und wo vor kurzer Zeit noch Hirsche und Rehe lagerten, breitet sich jetzt eine weite Wasserfläche aus. Der See wurde in alter Zeit Fandensee genannt.

Hagen. Im benachbarten Meinerzerhagen sind in­folge der Selbsteinschützung die Zuschläge zur Gemeinde- Jtener von 355 auf 400 Prozent der Einkommensteuer und von 125 auf 200 Pcozent der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer erhöht worden.

Aus Rache hat ein achtzehnjähriges Mädchen in Herne seinem Dienstherrn die Scheune angezündet und ihn um 1600 Mk. geschädigt. Vor Gericht zeigte das Mädchen keine Spur von Reue. Als die Brandstifterin zu 18 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, nahm sie das Urtheil mit Hohnlachen auf.

Sommerfeld i. Lausitz, 5. Mai. Ein Schulstreik ist dieser Tage in dem nahen Dorfe Brankow ausgebrochen. Der dort seit anderthalb Jahren thätige junge Lehrer L. rief am Morgen des 29. April die Schulkinder mittelst der Dorfglocke wie gewöhnlich zum Unterricht; es erschien aber kein einziges Kind, weil die Eltern wegen vermeint­licher Mißhandlung ihrer Kinder sich verabredet hatten, diese nicht mehr zur Schule zu schicken. Am 30. April sind die Schüler ebenfalls sämmtlich ausgeblieben. Nach­dem der Schulinspektor auf Anzeige des Lehrers die wider­strebenden Familienväter auf die Gesetzwidrigkeit ihrer Handlungsweise hingewiesen, steht zu erwarten, daß bei fortgesetzter Fernhaltung der Kinder vom Schulunterricht Zwangsmaßregeln zur Anwendung kommen werden. Für den Lehrer ß, dürfte eine von diesem längst gewünschte Versetzung das geeignetste Mittel zur Befreiung aus höchst unliebsamer Lage sein, denn derselbe muß sogar die nöthigsten Lebensmittel aus benachbarten Ortschaften durch fremde Leute beziehen, da ihm sämmtliche Familien seines Dorfes den Verkauf von Lebensmitteln und die Bereitung von Speisen verweigern.

Ein brillantes Geschäft hat ein Metzgermeister von Zlzstadt bei Passau gemacht. Er erstand bei einem Bauern ein mit drei Füßen zur Welt gekommenes, sonst normales Kalb um 27 Mk. Ein anläßlich des Marktes dort anwesender Schaubudenbesitzer kaufte das Thier dem Besitzer um 290 Mk. ab. Das Kalb wird zur Ausstellung gelangen.

Deutsche- Reich.

Berlin. Der Kaiser hat am Freitag die diesjährigen Besichtigungen der Truppen der Berliner Garnison be­gonnen. Montag Nachmittag wird der Kaiser wahr­scheinlich nach Hohenfinow zur Jagd bei dem Landrath des Kreises Oberbarnim von Bethmann-Hollweg fahren. Für die Festschrift, welche die Berliner Gesellschaft für Erdkunde zur 100jährigen Feier der Entdeckung von Amerika Herausgeber: wird, hat der Kaiser 15,000 M. aus dem Dispositionsfonds bewilligt.

* 9. Mai. Im neuen Palais in Potsdam wurde am Freitag der zehnte Geburtstag des Kron­prinzen Wilhelm in festlicher Weise begangen. Um 9 Uhr war die Kaiserliche Familie zu gemeinsamer Frühstückstafel vereint, bei welcher das Musikkorps der Gardejägcr konzertierte. Mittags um 12 Uhr fand die Einreihung des Kronprinzen als Sekoudelieutenant in das erste Garde-Regiment z. F. statt. Der Kaiser führte sodann das Regiment in Parade bei der Kaiserin vorüber. Nachmittag war im Stadtschlosse größere Festtafel; der Kaiser trank auf das Wohl des Kron­prinzen. DasMilitärwochenblatt" veröffentlicht die Ernennung des Kronprinzen zum Sekoudelieutenant im ersten Garderegiment zu Fuß; derselbe ist außerdem bei dem zweiten Garde-Landwehrregiment L la suite zu führen.

* Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Geheimhaltung der Ergebnisse der Ver­anlagung zur Staatseinkommmsteuer zugegangen, welcher bestimmt:Wo die Steuerlisten (Heberollen) über die ganz oder zum Theil nach dem Maßstabe der Staats­einkommensteuer vertheilten Steuern der kommunalen und sonstigen öffentlichen Verbände öffentlich ausgelegt werden, ist das Recht der Einsichtnahme für jeden Betheiligten auf die Befugniß beschränkt, von der eigenen Veran­lagung Kenntniß zu nehmen. In Wahllisten der kommunalen und sonstigen öffentlichen Verbände, welche unter Anderem nach Maßgabe der von den Wählern zu entrichtenden Einkommensteuer aufgestellt und öffentlich ausgelegt werden, darf, was die Angabe der steuerlichen Verhältnisse betrifft, nur der für die betreffende Wahl maßgebende Gesammtbetrag der von jedem Wähler zu entrichtenden Steuern eingetragen werden.

* Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung des Gesetzes über die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen in der Verwaltung der Kommunalverbände mit Militairanwärtern erledigte Freitags den §. 1 der Vorlage. Der Absatz 1 dieses Paragraphen wurde in folgender Fassung angenommen: Die etatsmäßigen Subaltern- und Unterbeamtenstellen in der Verwaltung der Kommunalverbände, jedoch aus­schließlich der Forstverwaltung, und der Landgemeinden und ländlichen Kommunalbezirke mit weniger als 3000 Seelen sind gemäß der nachstehenden Bestimmungen mit Militairanwärt.rn zu besetzen."

In Sachen derJudenflinten" schreibt die Nordd. Allg. Ztg.: Der Hauptmann Klopsch, der Präses des Abnahmekommandos in der Löweschen Gewehrfabrik in Berlin, hat bereits am 24. Dezember 1891, wie jetzt bekannt gegeben wird, ein Schreiben an die Firma Löwe u. Comp. gerichtet, in dem er derselben bescheinigt, daß die von der Firma gelieferten 425,000 Gewehre allen Anforderungen entsprochen haben. Die Meldung, daß in der Löweschen Fabrik im Zusammenhang mit den Ahlwardtschen Beschuldigungen zwei Büchsenmacher verhaftet worden seien, beruht, wie dieNational-Ztg." erklärt, auf Erfindung.

Zu den vielen schrecklichen Raubmorden, die seit einiger Zeit in Berlin vorgekommen sind, ist am Mitt­woch ein neuer getreten. Das unglückliche Opfer ist eine Postschaffnersfrau mit Namens Manzel, der mit einem Feuerhacken der Kopf in gräßlicher Weise zer­schmettert worden ist. Ihr Mann, mit dem sie in glücklicher Ehe gelebt hatte, hat die Arme in jenem schrecklichen Zustand auf dem Bett liegend gefunden und ist vor Schreck ohnmächtig geworden. Der Verdacht