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vor der Eiche treibt, und da sagt nun die Bauernregel: Treibt die Esche vor der Eiche, hält der Sommer große Bleiche; treibt die Eiche vor der Esche, hält der Sommer große Wäsche." Diesmal also gibt's endlich einmal große Bleiche, nachdem wir einige Jahre hin­durch uns über eine allzu große Wüsche zu beklagen hatten.

* Im Kreise Gelnhausen beginnt man jetzt einen Krieg gegen die Raben, Krähen nnd Dohlen, um bereit übermäßiger Vermehrung und dadurch verursachten Schädigungen der Landwirthschaft Einhalt zu thun. An Schußgeld werden in Hailer, Meerholz, Nieder mittlau pro Stück 10 Pfg. für alte und 6 Pfg. für junge Raben gezahlt. Andere Gemeinden werden diesem Beispiele folgen.

Neuhof, 26. äpril. Bei Gelegenheit der zur Zeit oberhalb des Sulzhofes stattfindenden Forstkultur-Arbeiten fand Herr Förster Viel aus Dorfborn vorgestern Nachmittag einen noch etwas behaarten Schädel, welcher derjenige des im Oktober vorigen Jahres vom Sulzhofe verschwundenen zweijährigen Knäbleins fein dürfte. Der Vater des Kindes glaubt in der Farbe der Haare ein Erkennungs­zeichen zu sehen. Anzeige über den Fund ist sofort erstattet worden, und hofft man, auf Grund desselben Licht in das grauenvolle Dunkel dieser Angelegenheit bringen zu können. Von den übrigen Körpertheilen, sowie von den Kleidungstücken hat man trotz eifrigem Suchen bis jetzt nichts auffinben können.

Von der Rhüil, 21. April, wird derN. W. Ztg." geschrieben: Der reiche Buchenbestand unserer Forsten, welcher, so lange wir einer Eisenbahn entbehrten, unbe­achtet blieb, weil die hohen Fuhrlöhne von vornherein jede Konkurrenzfähigkeit ausgeschlossen, fängt an, die er.- giebige Ausbeute von Interessenten zu werden. Bedeutende Aufkäufe werden von der Firma Schenk in Landau ge­macht, welche das Holz zu Eisenbahnschwellen Herrichten läßt und dann nach den entferntesten Gauen Deutschlands exportirt.

Fulda, 24. April. Das auf dem Gipfel der großen Wasserkuppe", dem höchsten Berge der Rhön, gelegene, vom Röhnklub errichtete, zur Winterszeit ver­lassene Schutzhaus war im Laufe des letzten Winters von Dieben heimgesucht worden, welche sich mittelst Einbruchs Wein und andere Lebensmittel zum Nachtheile des in Poppenhausen wohnhaften Gastwirths angeeignet hatten. Mangels der fDtöglidjfeit anderen Schutzes, hatte nun der Wirth mehrere sogenannte Legbüchsen, welche sich bei der geringsten Berührung nach rückwärts entladen, und gleichzeitig eine entsprechende Warnung am Schutzhause angebracht. Kürzlich sind nun zwei Burschen aus Reulbach mit diesen Legbüchsen in Be­rührung gekommen und durch deren Entladung der eine von ihnen schwer, der andere leichter verletzt worden. Der eine Schuß ist für den vom Selbstgeschosse ge­troffenen M. Wehner, Soh i wohlhabender Eltern, leider sehr verhängnißvoll geworden. Der Schuß hatte das rechte Bein des Genannten so schwer verletzt, daß derselbe unter qualvollen Schmerzen verstorben ist. Herrn Sorg trifft keine Schuld, da der verunglückte Wehner, trotz der angebrachten Warnungstafel, das Innere des ver­schlossenen Gebäudes betreten hatte. Dieser traurige Fall möge Jedermann zur Warnung dienen, Grundstücke oder Gebäude, welche mit Selbstgeschossen belegt und durch Anschreiben gekennzeichnet sind, zu betreten.

Fulda. Der heute dahier abgehaltene Bichmarkt war mit 527 Stück Rindvieh und 2 Pferden befahren. Der Handel in Fettvieh gestaltete sich lebhaft. Für gute Ochsen wurden 700900 Mk., für Stiere guter Qualität 600700 Mk. für Milchkühe 300350 Mk. bezahlt. Der nächste Viehmarkt findet am 19. kom­menden Monats statt.

Kassel, 23. April. Der Landrath von Altenbockum zu Rotenburg ist zum Obcr-Regiernngsrath ernannt worden, und wurde demselben die Leitung der Kirchen- und Schul Abtheilung bei der Regierung übertragen. Dem Landrath Trott zu Solz in Jülich, Regierungsbe­zirk Aachen, ist die kommissarische Verwaltung des Land­rathamts im Kreise Rotenburg, Regierungsbezirk Caffel, übertragen worden.

Meringshausen, 26. April. Wie tief Menschen in Folge des Genusses von Branntwein sinken, das beweist ein Vorfall, der an Cynismus wohl von keinem andern nbertroffeu wird. In einer Kantine bei der Neubau- strecke ArolsenCorbach starb ein seit längerer Zeit kränkelnder Arbeiter. Anstatt die dem Todten gebührende Pietät zu zeigen, bildeten andere Arbeiter einen Kreis und mit der Schnapsflasche in der Hand wurde der Leichnam umtanzt und ninsungen. In dieser nackten Thatsache zeigt sich ein Stück soziales Elend, wie es grosser wohl selten zu Tage tritt.

Zur Maincanalifirung.

Nachdem seit etwa sechs Jahren auf Kosten des preußischen Staats der Main von Mainz bis Frank­furt a. M. caualisirt worden ist, fahren jetzt die größten Rheinschisse vom Niederrhein direct bis nach Frankfurt und können in dem dortigen neuerrichteten städtischer Hafen aus- und einladen. Die belebenden Wirkungen dieser Verkehrsverbesserung auf Handel und Wandel haben in Frankfurt die kühnsten Erwartungen über- trosfen; der Wasserverkehr hat sich mehr als verhundert­

haben Kontusionen erlitten. Der Kellner Lherot, der s. Z. die Festnahme Ravachols veranlaßt hat, ist unverletzt geblieben. Der That verdächtig sind mehrere Individuen, die im Restaurant gespeist hatten und in dem darüber- liegenden Hotel Zimmer mieten wollten, aber nbgewiesen worden waren. lieber das Rachestück der Pariser Anar­chisten wird derVoss. Ztg" noch Folgendes gemeldet: Ravachol ist von seinen Genossen an seinen Angebern gerächt worden; gestern Abend um '/z 10 Uhr wurde Bery's Gasthaus am Boulevard Magenta in die Luft gesprengt. Am Morgen hatte Bery wieder, wie alle die Tage her, einen Drohbrief ei halten, der ihm an- kündigte, daß er vor der Schlußverhandlung in der Strafsache gegen Ravachol noch etwas erleben werde. Er schenkte dem Schreiben keine Beachtung. Das Gast­haus stand unter ständiger Bewachung. Im Augenblicke der Verwüstung ging der dazu befohlene Schutzmann würdevoll auf und ab, er wurde mit großer Gewalt zu Boden geworfen und als er sich wieder aufsetzte, fragte er die Herbeieileuden schüchtern:Was geschehen fei?" Im Gasthaus waren zur Zeit des Anschlags der Wirth Very, seine Frau und Tochter, die an der Kasse saßen, ein Kellner und sieben Gäste, der Held Lherot war in: Hinterladen und sein Abendbrod. Nach überein­stimmenden Aussagen flammte plötzlich ein jähe Lohe auf, gleichzeitig krachte ein furchtbarer Donnerschlag, alle Gasflammen erloschen, und in der Finsterniß wurden durchdringende Hülferufe laut. Als man mit Lichtern herankam, sah man ein gräßliches Schauspiel. Very lag stöhnend unter der umgestürzten Kasse, die ihm das Bein zermalmt hatte. Lherot hob seine ohnmächtig gewordene Schwester, Bery's Gattin, auf und trug sie hinaus. Beide waren kohlrabenschwarz, wie denn auch der ganze Raum mit einem dicken Qualm gefüllt war, der die Wände, die Decke und alle Gegenstände mit einer Ruß­schicht überzog, der Kellner, die kleine Very und einer der Gäste waren von Glasspittern leicht verletzt und ihre Kleider hingen in lockeren Fetzen am Leibe. Das Ge­bäude war nicht beschädigt, aber die Einrichtung des Gasthauses vollkommen verwüstet. Das Schaufenster war auf den Boulevard Hinausgeschlendert, Tische und Stühle hatten unglaubliche Flüge durch die Luft ausgeführt und lagen theils im Saale zu Häuf, theils weit ab auf der Straße; den Boden bedeckten Trümmer von Flaschen, Gläsern und Geschirr. Auf dem Boulevard entstand eine ungeheure Panik. Alles lief zuerst mit tollem Ge­schrei in wilder Flucht davon und erst nach zehn Minuten begann der Andrang der Neugierigen.

* In einem Vortrag von der Akademie der Medizin in Paris theilte Dr. Proust mit, daß die Influenza von 1889,90 in Frankreich 40,000 Personen Jjingerafft habe, mehr als eine Cholera-Epidemie. Hier­zu'"müsse man noch eine Verminderung von 27,000 Geburten rechnen, die im Herbst von 1890 festgcstellt worden.

Chicago, 4. April. Im Westen und im Süden der Republik haben die Elemente in den letzten Tagen recht grausig gehaust. Die vorige Woche brächte den ersten großen Wirbelsturm der Saison, hier Cyelone ge­nannt. Er brauste über eine ganze Anzahl Staaten hin, brauste aber am schlimmsten im Prairiestaate Kansas, der Natu ereiguissen dieser Art häufig ausgesetzt ist. Ein Städtchen wurde vom Erdboden rein wegze- wischt, Häuser wurden 2300 Meter weit weggetragen, dann mit furchtbarer Gewalt zu Boden geschleudert und ihre Bewohner zerquetscht und in Fetzen zerrissen. Bis jetzt wurden in der am schlimmsten betroffenen Gegend 5>0 Leichen gefunden, viele Peisonen sind verletzt. Auch unsere Welt Ausstellungsstadt wurde von dem Sturme gestreift und dadurch ein schreckliches Unglück angerichtet. Ein bis zum Dache gediehenes. im Bau begriffenes großes Ziegelhaus, das eine Fabrik werden sollte, wurde vom Sturme umgeweht und eine Lawine von Ziegeln begrub sofort mehrere benachbarte bewohnte Holzhäuser. Neun Personen wurden zerquetscht, mehrere Dutzend mehr oder minder schwer verwundet.

Lokale- und Provinzielles.

Schlächtern, 29. April.

* Wir machen die Väter, Vormünder und Arbeit­geber nochmals darauf aufmerksam, daß jeder in ein Arbeitsvcrhültniß tretende Knabe oder Mädchen ein Arbeitsbuch haben muß, welches von der Behörde un­entgeltlich ausgefertigt wird.

* Die hiesige Kreisphysikusstelle ist im Amtsblatt zur Neubesetzung ausgeschrieben. Das Gehalt beträgt 900 Mk. Meldungen sind an die Regierung in Kassel zu richten.

* Die fortwährenden Ermahnungen der Tages­blätter und Fachzeitschriften, der Obstbaumpflcge mehr Interesse znzuwenden, führen neuerdings zu erfreulichen Erfolgen. Noch in keinem Jahre konnte man allent­halben ein so gründliches Ausputzen der Obstbäume und so häufige Aufpfropfungen beobachten, wie gerade heuer. Die Mistelzweige aber müßten als Herberge unserer schädlichen Jnscktenarten unbedingt verbrannt werden mib dürften nicht, wie es noch vielfach geschieht, auf dem Felde unter den Bäumen liegen bleiben.

* - Wenn eine bekannte Wetterregel zutrifft, haben wir einen trockenen Sommer zu gewärtigen. Man kann nämlich in diesem Frühjahr beobachten, daß die Esche

facht und der Eisenbahnverkehr hat nicht nur keine Ein­buße erlitten, sondern ist ebenfalls gewaltig gestiegen. Im vorigen Jahre haben nun auf Betreiben der Stadt Offenbach die großherzoglich hessischen Staatsbehörden die Weitersührung der Maincnnalisirnng von Frankfurt bis Offenbach beschlossen und dazu die Kosten von rund 1'/« Mill. Mark zur Verfügung gestellt. Eine Folge dieses Schrittes ist es, daß nunmehr auch die am meisten mainauswärts gelegene preußische Grenzstadt Hanau die Fortführung der Canalisiru g bis dahin dringend wünschen muß. In einer auf Veranlassung des Stadtraths und der Handelskammer zu Hanau heraus- gegebeum interessanten und inhaltreichen Denkschrift des Stadt- und Handelskammersekretürs Bödicker werden die Vortheile und die Nothwendigkeit dieser technisch mit keinerlei Schwierigkeiten verknüpften Fortsetzung ein­gehend und klar geschildert. Ein Begleitschreiben des Oberbürgermeisters Westerburg und des Handelskammer- präsidenten Canthal hebt hervor, daß im gegenwärtigen Stadium der Sache die Fortführung der Canalisirung bis Hanau nicht mehr eine Frage des größeren ober geringeren Nutzens, sondern eine Frage der Concurrenz- sähigkeit und der Weiterexistenz der Stadt Hanau als Handels- und Fabrikstadt ist. Die Stadt liegt in günstiger centraler Lage (Hanau, nicht Frankfurt, ist, vom eisenbahn-geographischen Standpunkt aus betrachtet, die Brücke zwischen dem Norden und dem Süden Deutsch­lands) unmittelbar am Wainstrom, ist aber von der Benutzung des Flusses als Wasserstraße wegen der schlechten Beschaffenheit der Floßrinne dermalen that­sächlich völlig ausgeschlossen. Hanau wird durch die Canalisirung erst wieder zur Mainstadt gemacht. Die städtischen Behörden sind bereit, Hafen, Lagerhaus, Verbindungsgeleise nach dem Centralbahnhof u. s. w. auf städtische Kosten mit einem Aufwand von 2'« Btillionen herzustellen. Der fertige Plan ist der Denk­schrift beigegeben. Man erhofft vom Staat die Be­willigung der etwa 2H- Millionen betragenden Bau- kostn für die eigentliche Canalisirung um so mehr, als es sich nur um die nothwendige Ergänzung der ebenfalls vom preußischen Staate bereits mit einem Aufwande von vielen Millionen hergestellten Canalstrecke Mainz- Frankfurt handelt, die, so lange sie nur als Sackgasse bis Frankfurt und jetzt Offenbach reicht, zwar diese Städte aufs Reichste fördert, aber Hanau aufs Erheb­lichste schädigt und geradezu in seiner Existenz bedroht, während die Weiterführung bis Hanau ein vielver­sprechendes, ausgedehntes Hinterland mit dem uner­schöpflichen Holzreichthum des Spessarts und Oden­walds und ergiebigen Erzgruben u. s. w. eröffnet und das nothwendige Mittelglied für die weiter Canali­sirung stromaufwärts bis zum Anschluß an den Donau- Rheincanal bildet. Hanau wird namentlich den natür­lichen Stapelplatz für den Durchgangsverkehr der Stein­kohlen aus den rheinisch-westfälischen Kohlenrevieren nach dem hessischen Odenwald, Württemberg und vor allem Bayern bilden und besonders in dem letztgenannten Lande, das noch theilweise unter der Herrschaft der böhmischen Kohle steht, der Ruhrkohle ein neues, außer­ordentlich ausdehnungsfähiges Absatzgebiet verschaffen.

Das Geheimniß des Schreibers.

Nach ben Aufzeichnungen eines Advokaten von Ludwig Wechsler.

(Fortsetzung.)

Byron war sicherlich der Lieblingsdichler der Be­treffenden, die sich den Vers von irgendwo abgeschrieben hatte. Das Papier war von oben nach unten entzwei­gerissen, so daß blos der Anfang der Verszeilen vorhanden war. Aber auch dies war mehr als genügend. Ich hätte beschwören können, daß die beiden Handschriften von derselben Person herrührten, selbst wenn ich bloß zwei Buchstaben davon gefunden hätte. Die Schwierig­keiten folgten aber jetzt. Wie vermag ich diese Hand­schriften miteinander in Zusammenhang zu bringen? Von welcher Voraussetzung kann ich ausgehen? Der Schlüssel zu dem Geheimniß, welch außerordentlicher Zufall, gerieth mir hier, in meiner Schreibstube, in die Hände, hatte fünf Jahre lang unbeachtet hier gelegen! Und wohin wird er nun, da ich ihn in Händen halte, führen? Ist es möglich, daß Wilson irgendwie an der Sache betheiligt ist? Ich erschauerte bei diesem Gedanken und wies ihn sofort von mir. Ja, im ersten Moment dachte ich sogar ba-an, ihn ohne Umschweife zu befragen, wessen Schrift es ist, die ich auf der Rückseite des von ihm benützten Papierstreifens gefunden? Da ich mir i dessen sagte, daß ich die größte Vorsicht gebrauchen müsse, beschloß ich, ihn nicht zu befragen.

Ich rief mir die Zeit ins Gedächtniß zurück, in welche^ wir das Testament Sir Williams verfaßt hatten. In d meinen alten Büchern blätternd, fand ich, daß wir ge­rade damals sehr dringend zu thun hatten, doch konnte ich mich an nichts weiter erinnern, als daß ich Sir Williams Weisungen entgegennahm und späterhin das Testament von ihm unterschreiben ließ. Ich fühlte, daß ich diesbezüglich im Besitze ausführlicherer Anhaltspunkte sein müsse, bevor ich entscheidende Schritte thun könnte. Ich verwahrte also die beiden Popierstückchen sorgfältig in meinem Notizbuch und ließ Mc, Wilson hineinrufen-