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Sattler beansprucht den Fund als sein Eigentum, da ers würde: 2 500 000 Meter-Centner Getreide, 1200 000 Meter-Centner frisches Fleisch, 150000 Meter-Centner Salz, 3 000 000 Meter-Centner Kartoffeln, 350 000 Meter-Centner Gemüse, 3 000 000 Hektoliter Wein, 300 000 Hektoliter Milch, 600 000 Halbklafter Holz und 1000 000 Tonnen Steinkohlen. Der Futterbedarf be­trägt für dieselbe Zeit 7 000 000 Meter-Centner Stroh und 600 000 Meter-Centner Hafer. Zum Ankauf dieser Borräthe würden 500 Millionen Francs erforderlich sein.

das Sopha gekauft habe, wie es steht und liegt, während den Rentier natürlich anderer Ansicht ist und den ver­borgenen Schatz für sich in Anspruch nimmt.

Aus dem Coburgischen, schreibt man derDorf- Zeitung": August Trümpelmann:Was hat der Land­mann von der Sozialdemokratie zu erwarten?" Preis 25 Pfg. Die Sozialdemokratie hat auf dem Lande bis jetzt nur wenig Erfolg gehabt. Sie versucht es neuerdings mit Schriften und hat in letzter Zeit ein Flugblatt: Für Wahrheit, Freiheit und Recht" massenweise unter dem Landvolke zur Verteilung gebracht. Diese Agitation ist gefährlich und ihr muß enerisch entgegengetreten werden. Dies geschieht aber am besten durch Massenverbreitung obiger Broschüre. Es wäre zu wünschen, daß dieselbe in jedes Bauernhaus gelangte. Der Titel besagt schon, daß der Verfasser sich nicht mit der tiefernsten religiösen und und moralischen Frage befaßt, sondern nur mit der ökonomischen. Und in der That, der Verfasser hat es verstanden, auf dieser Basis in ganz einfacher Weise in klaren Worten dem Landmann einen Beweisthurm auszm bauen für die Wahrheit:Bauer und Sozialdemokratie paßt wie Feuer und Wasser."

Oldenburg. Pastor Müller aus Goldenstedt, ein Mann von 44 Jahren, der insbesondere noch an Universitätsschulden laborirte, und dem ein unbegreiflicher VerschwendungStrieb eigen, wurde wegen 47 Urkunden­fälschungen, 31 Unterschlagungen und mehreren Betrügs- fällen zu 14 Jahren Zuchthaus und zu 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte 15 Jahre Zuchthaus beantragt. Da der Angeklagte in allen Fällen geständig war, bot die Verhandlung kein weiteres Interesse. Wie noch von anderer Seite gemeldet wird, zeigte Müller vor Gericht ein gleichgiltiges Benehmen.

Aus Rhcinhesseu, 19. April. Die jüngsten Nacht­fröste haben nach den allerorts eingelaufenen Mittheil­ungen empfindlichen Schaden angerichtet. In einer Reihe von Gemeinden ist das Frühobst vernichtet. Die Kirschbäume, welche in voller Blüthenpracht standen, haben sehr gelitten, die Blüthen sind schwarz bezw. er­froren, ebenso erging es den meisten Pfirsich- und Aprikosen-Bäumen. Auch die Spargeln haben durch die Fröste gelitten, die Spitzen der Spargeln sind vielfach erfroren.

Die Wintercampagne in der königlichen Conservenfabrik zu Mainz, welche im October vorigen Jahres ihren An­fang genommen hat, wird am Schluß dieses Monats zu Ende gehen und werden bis dahin nicht weniger als 5000 Stück Ochsen zu Conservezwecke verwendet worden sein. Nach Abzug der Hant, des Kopfes, der Eingeweide rc. kommen in der kgl. Conservenfabrik täglich 250 Ctr. reines Fleisch zum größten Theil zu Erbswurst, dann als Bratenfleisch, als Bouillon rc zur Verarbeitung. Während der Herbstmanöver wird alljährlich ein großer Theil der Konserven dieser Fabrik consumirt, auch für die kaiserliche Marine werden die Konserven verwendet.

Bei Gießen kam auf schreckliche Weise der Bahnwärter Loth um's Leben. Derselbe wollte bei der Ankunft des Zuges von Friedberg die Barriere schließen, blieb mit dem Rock dabei hängen, stürzte zu Boden und der Zug sauste über den pflichtgetreuen Beamten hinweg. Der Körper wurde total zermalmt.

Ausland.

Rom. Die goldene Tugendrose, welche Papst Leo XIII. in diesem Jahre für die Königin Amalia von Portugal bestimmt hat, ist dem heiligen Vater vor einigen Tagen von dem Kardinal-Vikar feierlichst überreicht worden. Die Rose repräsentirt einen Werth von mehr als 50,000 Francs. Der Juwelier, welcher die Rose angefertigt hat, stammt aus einer berühmten Goldschmiedfamilie, die schon vor 300 Jahrenihr Geschäft in der Nähe des Petersdomes in Rom begründet hatte. Er hat für seine Arbeit allein 8000 Francs erhalten; der Stengel der Rose ist aus massivem Golde, der Kelch der Blume ist feinste Massiv- arbeit und besteht aus prachtvollen Edelsteinen; auf den Blättern befinden sich neben dem Namen des Papstes die Titel der Fürstin, für welche die Rose bestimmt ist, die Blätter sind gleichfalls mit kleinen Edelsteinen besät, die sich wie Thautropfen ausnehmen. Das ganze Kunst­werk liegt in einem prachtvollen Futteral aus weißem Atlas, das mit silbernen Rosenkuospen besetzt ist. Zwei Abgesandte des Papstes werden der Gemablin des Königs Don Carlos das kostbare Geschenk überreichem

Einen eigenartigen Schwindel hat in Paris ein ge- Nässer Moritz Guttmann betrieben. Obwohl erst 19 Jahre alt hat er sich schon mehrfach, einige rechnen 36 Mal, taufen lassen, bald bei Katholiken, bald bei Prote­stanten, wie sich eben Gelegenheit bot, sich Personen fanden, denen er unter diesem Vorwande Unterstützungen entlocken konnte. Zusammen soll er dadurch 8 10,000 Francs sich verschafft haben. Als er dieser Tage wiederum im Begriffe stand, sich taufen zu lassen, entlockte er dem betr. Priester 50 Fr., womit er eine Freundin bewirthete, sie aber dann ihrer Schmucksachen beraubte. Das Gericht e:kannte ihm fünf Jahre Zuchthaus zu. Bekanntlich beschäftigt sich das französische Kriegsministerium seit einiger Zeit sehr angelegentlich mit der Frage der Ver- proviantirung von Paris für den Fall einer neuerlichen Belagerung. Festgestellt ist bis jetzt, daß auf die Zeit von sechs Monaten die Pariser Bevölkerung benöthigen

Nach den gemachten Vorschlägen wurden die einzelnen Gemeinden die erforderlichen Vorräthe nach Maßgabe des Bedarfs von der Intendanz zugewiesen erhalten und dieselben an die verschiedenen Geschäftsleute, Fleischer, Bäcker u. s. w. abgebcn, von denen jeder eine Anzahl Häuser zugewiesen erhielte. Jeder Familie würde dann eine Karte verabfolgt, auf welcher die Stunde der Liefe­rung der Lebensmittel verzeichnet sein wird, um den gleichzeitigen Andrang des Publikums zu den Vertheil- ungsstellcn zu verhindern. Sollte die Rattenzüchtcrei in Paris ganz an den Nagel gehängt sein und die Pariser vergessen haben, welch' große Delikatesse ein Rattenbraten 1870,71 war?

Warschau, 20. April. Auf Verfügung des General- gouverneurs Gurko wurden in den letzten 14 Tagen in|ben verschiedenen Gouvernements Polens über 600 Deutsche ausgewiesen. Den Gouverneuren wurde anbefohlen, die Ausweisungen mit aller Strenge fortzusetzen.

Der Gerichtshof in Helfingsors verurtheilte die Gattin des im Februar plötzlich verstorbenen Lec'ors Sainios aus Tavastehnus, welche geständig war, ihrem Manne wiederholt Werthpapiere entwendet, seine Unterschrift ge­fälscht und ihn schließlich mit Strychuin vergiftet zu haben, zum Tode durch Köpfen und Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.

Amerika, das freie! ? Im Staat Mississippi sucht man den Lastern des Trinkens und Rauchens uns gesetz­geberischem Weg entgegenzuwirken. Von beiden Häusern der Legislatur ist ein Gesetz beschlossen worden, welches die Gewerbesteuer der Wirte auf jährlich 1000 bis 1500 Dollars erhöht und den Verkauf von Spiritussen an Kinder und Gewohnheitstrinker mit schweren Strafen bedroht. Der Senat hat ferner eine Vorlage angenommen, der zufolge es ein mit einer hohen Geldbuße oder Haft strafbares Vergehen ist, wenn man Zigaretten oder Zigarren auf den Straßen, in öffentlichen Gebäuden, Eisenbahnstationen, Pferdebahnen u. s. w. verkauft oder raucht. Auch in Deutschland war einst öffentliches Rauchen und noch verschiedenes Andere verboten. Das war aber vor 1848. Als dann dastolle Jahr" kam, mußten die Leute, die das alles abgeschafft wissen wollten, nach Amerika fliehen. Und jetzt geht in Amerika dieselbe Ge­schichte wieder los?

Lokales nah Provinzielles.

Schlüchtern, 22. April.

* Im Laufe des ersten Vierteljahres d. Js. wurden den nachstehenden Personen des Kreises Schlüchtcrn auf Grund des Gesetzes vom 22. Juni 1889, betr. die Jnvaliditäts- und Altersversicherung, folgende Alters­renten verwilligt: 1. Dem Tagelöhner Johann Heinrich Löffler zu Mahlert 106 Mk. 80 Pfg., 2. dem Dienst­knecht Johann Georg Schüßler zu Sannerz 135 Mk. 3. dem Ortsdiener Johann Melchior Ruppert zu Jossa 106 Mk. 80 Pfg., 4. dem Ortsdiener Johannes Krack zu Mottgers 106 Mk. 80 Pfg., 5. dem Färber­gesellen Johann Georg Müller zu Schlüchtern 191 Mk. 40 Pfg.

* Versetzt wurde d^r Ober-Postassistent Leib rock von Wannfried nach Schlüchtern und der Postassistent Casper von Schlüchtern nach Coblenz.

* Aus Ho mb erg schreibt man: Der Rektor der hiesigen lateinischen Schule, jperr cand. tlleol Ritter, hat einen Ruf an das zu DUtte t. Js. eröffnet werdende Neben-Seminar zu Schlüchtern erhalten und angenommen. Für unsere Schule ist dieser Wechsel nicht besonders angenehm, da Herr Ritter ein vorzüglicher Leiter der Schule und Lehrer ist.

* Am Abend des Gründonnerstag fand die Prü­fung der Schüler der hiesigen Fartbildungsschule für Lehrlinge statt. Geprüft wurde in Deutsch und im Rechnen. Die am Schluß der Prüfung vertheilten Prämien an fleißige und aufmerksame Schüler bestanden in Reißzeugen, Büchern rc. Es erhielt den ersten Preis Schlosserlehrling Langheine; weitere Preise er­hielten Schmiedelehrling Lambert, Schreinerlehrling Kreß, Glaserlehrling Engelhaupt, Schuhmacherlehriing Scheuring, Schreinerlehrling Zinkand, Färberlehrling Killmer, Buchdruckerlehrling Sachs, Wagnerlehrling Pauli, Schueiderlehrlmg Zörner, Spenglerlehrling Hilde- vrand, Schneiderlehrling Kling, Schneiderlehrling Walther, Metzgerlehrling Mann, Spenglehrling Zipf. Mit einer kurzen Ansprache des Herrn Bürgermeisters wurde die Prüfung beendet.

* Zur Warnung für alle Gewerbetreibenden, welche Gesellen und Lehrlinge beschäftigen, theilen wir Folgendes mit: Ein Nordheimer Bäckermeister beschäftigte drei Wochen lang einen Gesellen und entließ ihn am ersten Weihnachtsse erlag. Eine Anmeldung bei der Ortsgewirbckrankenkasse hatte der Meister versäumt. Der Geselle begab sich auf die Wanderschaft, erkrankte

und wurde in das Krankenhaus zu Halberstadt ausge­nommen, in dem er 34 Tage krank lag. Die Kranken- Hausverwaltung verlangte nun von der Orisgewerbe- krankenkasse zu Nordheim die Kurkosten zurück, zu deren Zahlung die Kasse verpflichtet ist, da der Geselle im Bezirk der Krankenkasse gearbeitet hatte und ihr hätte angehören müssen. Der Vorstand der Kasse hat jetzt den Bäckermeister, welcher die wenigen Pfennige für den Beitrag zur Krankenkasse gespart hat, regreßpflichtig ge­macht: letzterer muß nun 85 Mark Kurkosten bezahlen und die Strafe für die Nichtanmeldung des Gesellen obendrein.

* Die billigste und erfolgreichste Wiesendüngung. Bei der Düngung kommt es, wie sich immer mehr herausstellt, nicht nur auf den Dünger an sich, sondern auch auf die ganze Art des Verfahrens an und gilt dies namentlich auch für die Wiesendüngung. Zu den Thatsachen und Theorien, welche sich auf die Frei- mahung des Stickstoffes aus der Luft zur Ernährung bestimmter Kulturpflanzen beziehen, tritt eine wichtige Entdeckung des Agrikulturchemikers Professor Wagner in Darmstadt. Er kam darauf bei seinen unablässigen Bemühungen, magere Wiesen durch Stickstoffnahrung in üppige umzuwandeln. Zu dieser Skickstoffaufnahme sind nun, wie schon lange bekannt, in erster Reihe die Kleearten geeignet, da sie das Vermögen besitzen, den Stickstoff der Luft zufesseln". Der erste Schritt, den werthvollen Stickstoffgehalt der Luft für magere Wiesen nutzbar zu machen, wäre demnach, das Wachsthum des Klees zu befördern. Dies scheitert aber mit den ge­wöhnlichen Mitteln der Aussaat an der Erfahrung, daß das gewöhnliche Gras überwuchert und den Klee voll­ständig erstickt. Nun ist aber nach den Beobachtungen Professor Wagners in jedem Boden Kleesamen zur Genüge vorhanden, der sich aber nicht zur Pflanze ent­wickeln kann, weil ihm die zur Entwickelung nöthigen Stoffe fehlen. Diese sind aber nach seiner Entdeckung Phosphorsäure, Potasche und Kalk. Er schlägt demnach zur Düngung solcher Wiesen ein Gemenge von 6 Ge­wichttheilen Thomas-Phosphat-Mehl und 4 Gewicht­theilen Kainit oder 1 ha Gewichttheilen Chlorkalium vor, die man im Laufe des Winters den betreffenden Feldern zuzuwenden hat. Das Resultat war nach da­mit angestellten Versuchen ein überraschendes. Magere dürftige Wiesen erhielten ein ganz anderes Aussehen. Zuerst wuchs auf den Wiesen Klee in üppigster Fülle, der nun die Bindung des Stickstoffes der Luft und damit eine ausgezeichnete Düngung des Bodens zur Folge hatte, wodurch er zum üppigsten Wachsthum für stickstoffhaltige Pflanzen geeignet wurde. Die Land­wirthschaft kann aus dieser Entdeckung nur den segens­reichsten Gewinn ziehen, und dürfte dieses Düngerver­fahren auch auf magere Weiden anzuwenden sein.

* Die 19. Versammlung desHessischen Forst­vereins" findet, wie man demFuld. Kibl." mittheilt, in Fulda am 19., 20. und 21. Juni d. Js. in dem landgräflichen Orangeriegebäude statt. An den erstge­nannten Tagen Abends finden gesellige Vereinigungen, am zweiten von Vormittags 8 bis Nachmittags 2 Uhr ist Sitzung in der Orangerie und werden die Theil- nehmer nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen um 3 Uhr daselbst einen Spaziergang auf den Frauen- und Kalverienberg unternehmen. Am 21. Juni machen die Herren vom Forstverein einen Ausflug in die Ober­försterei Salmünster und nach der Rückkehr hierher wird am anderen Tage ein solcher in die Rhön babsichtigt.

* Die Blüthen des Steinobstes sind in der Frank­furter Gemarkung durch die seit 3 Tagen herrschenden Nachtfröste zum größten Theil erfroren.

* Die Influenza im Winter 1889/90 hat nach Angabe derDeutschen Mediz. Wochenschrift" 66,300 Menschen in Deutschland das Leben gekostet und verur­sacht, daß 18,800 Menschen weniger geboren wurden, als normaler Weise zu erwarten war.

* In Brückenau befinden sich seit dem 1 Öfter- tag der Präsident des .Reichstags, Herr von Levetzow und der Herr General Postmeister v. Stephan. Dieselben liegen der Auerhahnjagd in den nahen Waldungen ob.

Die Bürgermeisterstelle in Orb ist erledigt und soll auf weitere 6 Jahre neu besetzt werden. Mit derselben ist ein Jahreseinkommen von 2400 Mk. und freie Wohnung verbunden; doch hat der Bürgermeister die nöthige Schreibhülfe selbst zu stellen. Qualifizirte Be­werber wollen ihre Meldungen unter Beifügung ihrer Zeugnisse bei dem Magistrate in Orb einreichen.

Vom Main, 15. April. In Würzburg sind dieser Tage 10000 Stück junge Aale eingetroffen, die vom unterfränkischen Kreisfischereiverein in den Main gesetzt worden sind. Gleiche Sendungen sind nach Schweinfurt, Haßfurt, Arnstein und Bad Kissingen gegangen, in Summe 60000 Stück Aale. Dieselben stammen aus Italien und sind ein Geschenk des deutschen Fischerei­vereins.

Frankfurt a- M-, 20. April. Der Hauptkassirer des Hauses Rothschild, Jäger, fehlt. Er war 20 Jahre bei Rothschild; sein Vater war ebenfalls Hauptkassirer jenes Hauses. Jäger soll an der Börse speculirt haben; es verlautet, er habeDefraudationen von über 1 Million verübt. Die Kasse des Hauses soll zur Vornahme einer Revision geschlossen worden sein.