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SchlüchtemerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. »Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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^ 32. Mittwoch, den 20. April 1892.

Deutsches Reich.

Berlin. Seine Nordlandrere wird der Kaiser nach den bisherigen Bestimmungen in diesem Jahre am 9. Juli antreten und am 6, August beendigen.

Der Bundesrath hat in seiner letzten Sitzung den Entwurf einer neuen EisenbahmBcrkehrsordnuug ge nehmigt. Die Beschlußfassung über den Einführungs­termin wurde Vorbehalten. Durch die Beikehrsordnung erfährt das Frachtbrief Formular Aenderungen. Für das neue Frachtbrief-Formular ist die Verwendung von weißem Schreibpapier, bei Eilgut mit rothen Streifen, vorgeschrieben. Für regelmäßig wiederkehrende Trans­porte zwischen bestimmten Orten sollen vereinfachte For­mulare zugelassen werden.

Eine bemerkenswerthe Statistik der Betheiligung der verschiedenen preußischen Landestheile an dem Lotterie- spiel finden wir imHann. Cour.". Danach kommen auf je 10,000 Kopf der Einwohnerzahl, mit der höchsten Zahl angcfangen, in Berlin 264 Loose, Rheinprovinz 63, Pommern 59, Sachsen 58, Schlesien 52, Westpreußen 48, Brandenburg 44, Westfalen 43, Hessen-Nassau 41, Ostpreußen 38, Posen 33, Hannover 22, Schleswig- Holstein 21. Die Mittelzahl für die gesummte Monarchie ergibt auf 10,000 Einwohner 57 Loose. Interessant ist eine statistische Zusammenstellung des Verhältnisses des Spielkapitals zu der Einwohnerzahl. Letzteres be­trägt für ein volles Jahr rund 55 Millionen Mk. in Preußen, 36 Millionen im Königreich Sachsen, 21 Millionen in Braunschweig, 10 Millionen in Mecklen­burg, 20 Millionen in Hamburg; auf den Kopf der Bevölkerung entfallen in derselben Reihenfolge 1,94, 10,36, 52,15, 17,27, 31,67. Das würde an Spielgeld auf jede Person kommen, wenn die Loose der betreffenden Staatslotterien lediglich innerhalb des einzelnen Staates abgcsctzt würden. Daß das aber keineswegs geschieht, ist ja bekannt, und geht deutlich hervor aus den ge­gebenen Zahlen. Die auffallend geringen Ziffern für Hannover und Schleswig-Holstein finden wohl in der dort stärkeren Betheiligung an der Braunschweigischen und Hamburger Lotterie ihre Erklärung, denn daß in Hamburg jeder Einwohner Kinder eingerechnet jährlich 31.67, in Braunschweig aber gar 52,15 Mark für Lotteriegeld ausgeben sollte, ist undenkbar.

Schlitz, 14. April. Se. Maj. der Kaiser wird am 25. April zu einem Besuche der Gräflichen Herrschaften hier eintreffen, um in den Gräfl. Forsten kurze Zeit der Auerhahnjagd obzuliegen.

München. Eine Uhr, aus Papier gefertigt, ist gegen­wärtig bei dem Uhrmacher C. Heyne ausgestellt und dürfte wohl in ihrer Art ein Unikum genannt werden. Gestell, Pendel, das ganze höchst sinnreich und einfach konstruirte Räderwerk (Grahamanker) alles ist aus Papier gefertigt. Trotzdem funktionirt das Werk präcis und kann von einer Abnutzung der einzelnen Theile die Uhr läuft schon seit 10 Jahren kaum ge­sprochen werden. Das Kuriosum wiegt etwa 150200 Gramm. Zwei Schwesteruhren befinden sich in einem Wiener Museum und in Castan's Ponoptikum in Berlin; die hier ausgestellte Uhr ist die älteste.

Mannheim, 10. April. Gestern früh fand im Hofe des Amtsgerichtsgefängnisses die Hinrichtung des Raub­mörders Michael Reitter von Angkofen in Bayern statt. Reitter hatte am 8. November v. Js. in dem Walde zwischen Boxihal und Nassig bei Wertheim den Wirth und Metzger Eugen Dümig von Boxthal ermordet und beraubt, und war deshalb vom hiesigen Schwurgericht am 20. Januar d. I. zum Tode verurtheilt worden. Reitter ließ bim Großherzog ein Begnadigungsgesuch unterbreiten, das jedoch abschlägig beschieden wurde. Am Donnerstag Abend theilte der Erste Staatsanwalt Dietz dem Reitter diese Thatsache mit. Reitter nahm die Mittheilung ruhig entgegen, war aber nach derselben vollständig erschüttert und gebrochen. Er legte sofort ein reumüthiges Geständniß dahin ab, daß er den Wirth Dümig erschossen und beraubt habe.

In Mainz befand sich unter den Leuten, die sich diesmal zur Frühjahrs-Controlversammlung einfanden, auch ein junger Kapuziner in vollem Ornate, der erst kürzlich in den Orden ausgenommen worden ist. Er konnte deshalb auch nicht mehr von dem Besuche der Controlversammlung entbunden werden.

In SoßernhktM wurde beim Auswerfen eines Kellers title einen sitzenden Löwen darstellende Figur gefunden,

die man für eine gußeiserne hielt. Dieselbe ging in den Besitz eines Juweliers für 30 Mark über. Dieser fand bald, daß der Löwe aus Silber hergestellt ist und einen Werth von ca. 4000 Mk. hat "

Die vomTaunus Club" in's Leben gerufene Korb flechtschule zu Gtävcnwicsbach, welche vom Staate unter­stützt wird, ist ein wahrer Segen für die dortige Um­gebung. Es sei beispielsweise erwähnt, daß im verflossenen Jahre für über 13,000 Mk. Waaren verkauft wurden. Außerdem erhielt die Anstalt einen Staatszuschuß von 5000 Mk. Die Schule besteht jetzt scho i im zehnten Jahre. Da die vorhandenen Räumlichkeiten sich als zu klein erwiesen haben, soll in nächster Zeit zum Neubau geschritten werden. Die nöthigen Mittel sollen durch eine Lotterie aufgebracht werden.

Nardhausen. 6. April. Zur Warnung theilen wir folgenden hier vorgekommenen Fall mit: Kürzlich hatte eine hiesige junge Dame auf einem Spaz-eraang durch den nahen Wald des Kohnsteines einen Blütenzweig des Seidelbastes oder Kellerhalses (Daphne Mezereum) ge­pflückt und denselben schließlich auch in den Mund ge­nommen, ohne daran zu denken, daß die schönduftende Blume giftig ist. Zu Hause angekommen, verspürte die junge Dame bereits die Wirkungen des Giftes. Wenn es auch durch schn lle Anwendung eines Brechmittels ge­lungen ist, das Gift und feine schlimmen Wirkungen zu beseitigen, so ist doch immer noch eine bedenkliche An­schwellung der Lippen zurückgeblieben.

Halle. Einen schrecklichen Tod fand vor einigen Tagen die Wittwe Quandt in DübeN. Sie wurde in ihrer Wohnung von einem Schlaganfalle getroffen und sich mit dem Oberkörper auf ein brennendes Licht; die Kleider gerieten in Brand und die unglückliche Frau verbrannte, da sie sich nicht bewegen konnte.

Ausland

Madrid, 14. April. Die wegen des Attentats auf die Kammer verhafteten Arnachisten haben erklärt, sie hätten alle Kirchen mit Bomben in die Luft sprengen wollen.

Amerika. Auch die Ver Staaten von Nordamerika haben ihre liebe Noth mit Brandstiftern und Anarchisten, wie dieser Tage in Brooklyn vorgenommene Verhaftungen beweisen. Einer der Gefangenen hat einem Newyorker Telegramm desBureau Reuter" zufolge, ein volles Geständniß abgelegt, aus welchem hervorgeht, daß viele Feuerbrünste in letzter Zeit das Werk einer organisirten Brandstifterbande waren, welche ein Gewerbe daraus machte, gegen einen bestimmten Procentsatz von dem Versicherungsbeträge Geschäfts- und Wohnhäuser nieder- zubrennen. Die Mitglieder der Bande waren im Besitz schnell- und sicherwirkender Zündstoffe und eidlich mit einander verbunden. Jeder Verrath wurde nach den Satzungen unverzüglich mit dem Tode bestraft. Das Feuer, welches zur Entdeckung und Verhaftung der Bande führte, brach am 29. März in den Wohnräumen eines Namens John Steinbrenner aus. Das Haus ist eine Miethskaserne in des Wortes vollster Bedeutung, doch wurden die Flammen schnell erstickt, ehe sie noch be­deutenden Schaden anzurichlen vermocht hatten. Bei der darauf vorgenommenen Untersuchung fand der Feuermar­schall in Steinbrenners Zimmer drei mit unbekannten Zündstoffen angefüllte Packete. Diese Entdeckung hatte die Verhaftung Steinbrenner's zur Folge, welcher sodann gestand, daß ein gewisser Hermann Albrecht sich erboten habe, das Haus mit Allem, was darin, für 50 Dollar vom Versicherungsgeld in Brand zu setzen. Nachdeni Albrecht ihm sodann noch zahlreiche Personen genannt, deren Wohnung auf gleichem Wege verbrannt, sei er auf seinen Vorschlag eingegangen und habe ihm Nachschlüssel zu dem Hause gegeben. Am nächsten Tage brach das Feuer aus. Erwähnt sei noch, daß Albrecht und sein Genosse sich für Anarchisten erklärten und Revolver, Dolche und Gift bei sich führten, um für alle Fälle vorbereitet zu sein.

Lokale- und Provinzielles.

Schlüchtern, 19. April.

* Der heutigen Nr. liegt der diesjährige Sommer fahrplan für den Eisenbahn-Directionsbezirk Frankfurt bei.

Aus den Kreisen mit vorwiegend landwirthschaft- licher Bevölkerung mehren sich die Klagen über bin trotz hoher Löhne steigenden Mangel an ländlichen Arbeitern.

So wird aus dem Kreise Schlüchtern berichtet, 1 ., oer

Holzschlagelohn für den Raumive^r Klafterholz, der noch vor 5 Jahren 70 bi "Liebe'nnig betrug, in diesem Winter auf 1,25 bis "ahr gefp. gestiegen ist; selbst für diesen Satz es Ünb, " gelungen,

Hwzschläger zu finden.

3 Klo,^- Star ge^rn hat in den beiden letzten Jahren die e J----------^"4

schlüge in fetien Waldungen wegen man» ^-Mt.a^

fräste unterlassen müssen. Der Lohn von 1,25 Mark für den Raummeter wird aber nicht nur für Klafterholz,

sondern fo jar für Strauchholz und Reisig gefordert und

bezahl', so daß hier der Werth des Holzes fast durch den Schlagelohn verz hrt wird.

* - Wie mitgetheilt wird, erhält eine große Anzahl von Spezereihändlern von Seite eines Hrn. Otto E. Weber in Dresden ein Circular zugesandl mit der vielversprechenden Ueberschrift:Ich verschaffe Ihnen Kunden!" Es werden damit die Spezereihändler auf» gefordert, die Adressen der ihnen bekannten besseren Familien anfzugcbcn; und zwar wird ausdrücktich be­merkt, daß es sich nicht um den ärmeren Theil der Be­völkerung handle, sondern um jene Famllien, die das wohlhabende Bürgerthum repräsentiren. Wir wollen nicht unterlassen, die betreffenden Spezereihändler darauf aufmerksam zu machen, daß es für sie ein zweischneidiges Schwert ist, eine derartige Liste auszufertigen. Wer weiß, ob diese Listen nicht im Laufe der Zeit in den Besitz irgendwelches Hamburger Kaffeeversandtgeschäfies, welche bekanntlich mitunter einen ganz gewaltigen Annoncen- rc. Schwindel treiben, ober sonstiger Sott» fektions- und Kleiderjuden kommen! Außerdem ist sehr zu fürchten, es können diese Adressen mit Preislisten auch von Colonialwaaren, Cigarren rc. überschwemmt und durch die bekannten Vorspiegelungen in der Kund­schaft der Glaube erweckt werden, sie werde vom ein­heimischen Händler zu theuer gehalten. Wir möchten daher in dieser Sache im Interesse des heimischen Handels Vorsicht empfehlen.

* Kraftversorgung des Kleingewerbes. Ueber dieses wichtige Thema entnehmen wir einem Vortrag des Herrn Ingenieur Dietrich -Hanau unter dem Titel über die Kraftversorgung des Kleingewerbes, Gas-, Druckluft» und Electromotoren" Folgendes: Dem Klernmeister eben­so billig Kraft zu liefern, wie dem Großindustriellen, war eine, allen Technikern gestellte Ausgabe. Bei den Preis- und Betrieostostenverhältmssen der einzelnen Mo­toren zeigt sich, daß Petroleummotoren ihrem Ansqaff- ungswerthe nach die theuersten sind, ebensowie Gasmotoren, die fast durchgängig über doppelt so hohe Preise besitzen, wie die Druckluftmotoren und Electromotoren bei gleichen Leistungen. So stellt sich z. B. der Anschaffungspreis einer 4pftrdigen Anlage für Gas auf 1750 Mk., für Petroleum auf 1800 Mk., für Druckluft auf 780 Mk. und für Electricität auf 1050 M. Anders verhält es sich mit den Betriebskosten für die Dauer eines ganzen Jahres, für 3000 Betriebsstunden. Während sich der Preis für die Pferdekraftstunde bei dem Petroleummotor auf 11,48 Pfg. und beim Gasmotor auf 14,15 Pfg. stellt, steigen die Kosten für dieselbe Leistung auf 17,34 Pfg. bei Druckluft und sogar auf 26,47 Pfg. bei Elec­tricität, für letztere jedoch nur im theuersten Falle. Der Berechnung zu Grunde gelegt war ein 4pferbiger Motor, dessen verschiedene Systeme unter genau gleichen Verhält­nissen arbeiten sollten. Da nun Gas- und Petrolcum- motorcn fast nur in Verbindung mit größeren Trans­missionen betrieben werden können, die bei Druckluft theilweise in Wegfall kommen und bei Electromotoren fast gänzlich zu vermeiden sind, erscheinen trotz der hohen Preise die beiden letzteren Motoren immer noch als die vortheilhaftesten, während die anderen nur da Anwendung finden sollten, wo Druckluft oder electrische Centralen nicht vorhanden sind. Unter günstigen Verhältnissen, z. B. bei Erzeugung der Electricität durch eine Wasserkraft, reducirt sich der Preis für eine Pferdekraftstunde noch sehr wesentlich bis auf 10 Pfg. Da dies jedoch nicht überall möglich ist, kann wohl der vorher angegebene Preis als der normale gelten. Auch das Handwerk, das früher nur Menschenkräfte als Motoren verwendete, hat demnach seine Krafterzeuger, die es wohl, von dieser Seite aus gesehen, dem Großbetrieb concurrenzfähig machen, und nur an dem Industriellen selber liegt es, sich diese Kraft dienstbar zu machen zu seinem eigenen Vortheil und zum Segen seines ganzen Standes,