Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „$Quft rirte m Familienfreund" vierteljährl. 1 Wit. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
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Mittwoch, den 13. April
Posn, 8. April. Der Dekan Poninski von Kos- cielec ist bei Juvwrazlaw von vier verkleideten Männern meuchlerisch Überfällen und durch Revolverschüsse lebensgefährlich verwundet worden. Die Attentäter wurden verfolgt, wobei zwischen ihnen und ihren Verfolgern ein harter Kampf stattgc'unden hat. Zwei der Attentäter sind gefallen, die beiden anderen haben sich selbst erschossen. Nach der „Posener Zeitung" sind bei den Männern rothe Zettel gefunden worden mit der Aufschrift: Exekutious-Konntee der polnischen Anarchisten.
Dirschau 9. April. In dem Geldschrank der „Dir- schauer Creditgesellschaft" haben sich 5 Pfennig baar und verschiedene Wechsel vorgefunden. Die finanzielle Lage des Unternehm ns ist im Einzelnen zur Zeit noch nicht übersehbar.
Breslau. Von dem Verleger der Breslauer Morgen- zeitung hatte vor dem Buchdruckerausstand ein bei dieser Zeitung beschäftigter Schriftsetzer mit einem Revolver in der Hand eine Anweisung von 300 Mk. erpreßt. Als die benachrichtigten Bureaubcamten jetzt die Zahlung weigerten, verwundete Schottke den Buchhalter Mayer und den Geschäftsführer Masnr und tödtete sich selbst.
N ch Meldungen aus Schlesien hat dort die Sachsen- gängerei bereits ihren Anfang genommen und scheint in diesem Jahr einen großen Umfang annehmen zu woll n. Alles, hauptsächlich aber junge Mädchen laufen den umherreisenden Agenten geradezu in die Hände, -um sich anwerben zu lassen. Die „Neisser Presse" bemerkt dazu: Das „bleibe im Lande und nähre dich redlich" scheinen die Leute erst im späteren Alter beherzigen zu wollen, wo sie allerdings zu Hause bleiben, um hier die Mildthätigkeit in Anspruch zu nehmen, nachdem sie ihre Ar- beitsk äste in der Fremde verbraucht haben. Das Merkwürdige ist, daß selbst in Gegenden, in denen die Arbeiter guten Lohn finden, wie z. B. im Neustädter Kreis, nichts im Stande ist, den Trieb in die Ferne zu zügeln.
Münster, (Wests.), 5. April. Des Vatermordes angeklagt, stand heute der 26jährige Eisenbahnarbeiter Heinrich Schötteler aus Großreken vor dem hiesigen Schwurgerichte. Am letzten Neujahrstage war Schötteler, nachdem er den ganzen Nachmittag mit Kameraden gezecht hatte, in der Wohnung seines Vaters mit dem ihm verfeindeten Bräutigam seiner Schwester, dem Müller Gerbert, zusammen. Es kam zum Wortwechsel und zum Handgemenge. Als der alte Schötteler schlichtend hinzusprang, ergriff der Sohn ein an der Wand hängendes großes Schlächtermesser und stieß es dem 60jährigen Vater bis ans Heft in die Brust. Der alte Mann sank sogleich todt nieder. Schötteler floh auf Drängen seiner Mutter über die nahe holländische Grenze und wollte eben in Rotterdam ein Schiffsbillet nach Newyork lösen, als die Polizei ihn faßte. Die That wurde von den Geschworenen als im Jähzorn ohne Ueberlegung begangen aufgefaßt. Das Urtheil lautete auf 6 Jahre Zuchthaus und Ehrenverlust von gleicher Dauer. Bei dem zahlreichen, der Verhandlung beiwohnenden Publikum machte es großen Eindruck, als durch Zeugen die Thatsache festgestellt wurde, daß der jetzt erschlagene alte Schötteler in der Jugend selbst das Messer gegen den eigenen Vater gezückt hatte.
auf die „Schlüchterner Zeitung" S’llU HuhU^ U werden noch fortwährend von allen
— -^ Postanstalten undLandbriefträgern
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin Der Kaiser wohnte am Sonnabend der Grundsteinlegung für die der Leibschwadron irr Gardes du Corps best mmten Kaserne bei. Der Kaiser richtete an das Regiment eine Ansprache, in welcher er an die bewährten Grundsätze des Gehorsams und der Treue erinnerte und auf das Wort zu der Zeit Friedrichs des Großen Hinwies: „Es ist nie eine Schlacht verloren zu geben, in der nicht das Regiment der Gardes du Corps attakirt hat." Hierauf vollzog der Kaiser die drei Hammerschlüge. Alsdann fand Parademarsch des Regiments statt. Nach Beendigung der Feier begab sich der Kaiser zur Theilnahme am Diner nach dem Offiziers- Kasino.
* — Die Budgetkommission des Reichstags nahm heute den Gesetzentwurf über die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einbcrufeucn Mannschaften in folgender F.ssnng an: § 1. Die Familien der aus der Reserve, Landwehr oder Seewehr zuFriedens Übungen Einberufenen Mannschaften erhalten auf Verlangen aus Reichsmitteln Unterstützungen. Den Familien der Mannschaften ails der Ersatzreserve werden dieselben Unterstützungen für die zweite und dritte Uebung gewährt. Der Anspruch auf Unterstützung erlischt, wenn das Verlangen binnen 4 Wochen nach Beendigung der Uebung bei der Gemeindebehörde nicht angebracht wird. Die Gewährung der Unterstützung richtet" sich, soweit nachfolgend nicht Besonderes bestimmt ist, nach den Vorschriften des Gesetzes, betr. die Unterstützung von FamiKen in den Dienst eingetretener Mannschaften vom 28. Febr. 1888. — § 2. Die täglichen Unterstützungen sollen betragen : a) für die Ehefrau 30% des ortsüblichen Tagelohns, b) für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen 10% des Betrages des ortsüblichen Tagelohns mit der Maßgabe, daß der Gesammtbetrag der Unterstützung 60% nicht übersteigt. — Der § 3, welcher besagte, daß die bewilligten Unterstützungsbeträge in wöchentl. Raten vorauszuzahlen wären, wurde gestrichen. — § 4, der in der 1. Lesung ebenfalls gestrichen, erhielt folgende Fassung: Die gezahlten Unterstützungen werden aus Reichsmitteln erstattet. Die Erstattung hat vor Ablauf des Etatsjahres zu erfolgen, in welchem die Zahlung stattgefunden hat. — § 5, welcher besagt, daß das Gesetz am 1. April 1892 in Kraft tritt, wurde vorläufig angenommen. —Ein neuer § 6 endlich lautet: Unterstützungen nach Maßgabe dusts Gesetzes werden auch rücksichtlich solcher Friedensübungen gewährt, welche ganz oder theilweise in der Zeit vom 1. April 1892 bis zum 1. Juli 1892 stattgefunden haben. Ist die Friedensübung vor dem Inkrafttreten des Gesetzes beendigt, so beginnt die vierwöchige Frist für die Anbringung des Unterstützungsanspruches mit dem 1. Juli 1892.
— Ueber Verminderung der Schnellzüge auf den preußischen Staatsbahnen bringen Berliner Zeitungen folgende aufsehenerregende Mittheilung: Das unbefriedigende Ergebniß der preußischen Staatsbahnen im letzten Jahre und der Umstand, daß für das folgende Jahr infolge Darniederlegens eines Theils der deutschen Industrie ein besseres Resultat nicht zu erwarten ist, haben an maßgebender Stelle zu Erwägungen zwecks Verminderung der Betriebskosten geführt. Wie verlautet, wird die Zahl der auf einigen Linien kursierenden Schnellzüge, da deren Kosten nicht im Einklang mit der Benutzung stehen, eine Verminderung erfahren. Wenn auch für den vom 1. Mai an gültigen Sommerfahr- Plan eine Aenderung noch nicht Platz greifen dürfte, so ist eine solche umso sicherer vom I.Oklob r ab zu erwarten.
* — Der sozialdemokratische „Vorwärts" giebt bekannt, daß der Verfasser der bei Cäsar Schmidt in Zürich erschienenen Broschüre über Kaspar Häuser der ehemalige deutsche Offizier a. D. Herr von Ehrenberg ist. Rühren von diesem „Ehrenmann" vielleicht auch die zu erwartenden „Enthüllungen" über den Welfen- fonds her? (In Schlüchtern steht der Herr v. Ehrenberg noch in Andenken als der Herausgeber und Redakteur des „Kinzigboten" in den Jahren 1880/81, der nach dem Eingehen dieses Blattes verschwand, seinen Stein- h.uch am Hohenzeller Berg den Gläubigern überlassend.)
Ausland
— Dynamitarden. In unheimlichster Weise mehren sich die Meldungen von Dynamitanschlägen der Anarchisten. Prüft man die Nachrichten, welche in unmittelbarer Reihenfolge aus Frankreich, Belgien, Spanien, Portugal einlaufen, und erwägt man die Besorgnisse, welche die Regierungen Italiens und der Schweiz vor einem stärkeren Hervortreten der anarchistischen Bewegung hegen, so kommt man zu der Ueberzeugung, daß es sich um einen organisirten, international ausgedachten Plan handelt, worauf auch der Titel des Schriftstückes deutet, das bei den Männern gefunden worden ist, welche in Madrid Königsschloß, Parlament und Präfektur in die Luft sprengen sollten. Der Titel lautet: „Geschäftsordnung für die Thätigkeit des kosmopolitischen Vereins." Die Jnternationalität offenbart sich auch darin, daß Leute aller Herren Länder gemeinsam bald da bald dort austrctcn, ihr schauerliches Zerstörungswerk zu üben. Furchtbarer hätte der Wahnsinn internationalen Verbrecherthums sich nicht offenbaren können, als er in dem nur der Vernichtung alles Bestehenden gewidmeten Streben der Anarchisten zu Tage kommt, ein Streben, dem selbst der letzte mildernde Zug,
der des persönlichen, für das Wollen eintretenden Muthes fehlt. Feige und heimlich schleichen sich diese Verbrecher zn einem Gebäude, legen die Zündstoffe und laufen dann schleunigst davon. Werden sie dann doch entdeckt und gepackt, dann wird Alles frech geleugnet, ein erbärmliches Gesindel, dem gegenüber auch die Sozialdemokratie als „Ordnungspartei" zu erscheinen bestrebt ist. Nachfolgend eine kleine, aber recht bunte Blüthenlese aus den Nachrichten der letzten Tage zum Kapitel Anarchismus und Dynamit. — Die Verhaftungen von Anarchisten in Berlin dauern immer noch fort, haben aber bis jetzt wenig positives Material gefördert. Bei allen Verhafteten wurden zwar Nummern der „Autonomie" gefunden, mehrere sollen jedoch nachgewiesen haben, daß ihnen diese Blätter zugeschickt worden seien ohne ihr Wissen. Der verhaftete Anarchist Adamczck ist wieder entlassen; dagegen ist neu die des Buchbinders Eichhorn verfügt. Aus London wird gemeldet: Die Anarchisten be- riefen auf Sonntag eine Massenversammlung im Hydepark ein, um gegen das Urtheil im Walsall-Dynamitprozeß zu Protestiren. — Ein in Neapel aus Amerika angckomme- ner Bergmann, der ein Quantum Dynamit mitführte, wurde verhaftet. — Bei der Braut des verhafteten So- zialistcn Jaklin in Agram wurden Schriftstücke gefunden, nach denen Jaklin mit Anarchisten in der Schweiz, in Frankreich und England in Verkehr gestanden. — In Kiew wurde eine Anzahl Personen verhaftet, die mit Anarchisten in der Schweiz in Verbindung standen. — In Madrid wurde am Sonntag Vormittag einer der Führer der spanischen Anarchisten verhaftet.
Amerika. In Südamerika scheint es recht bedenklich zu gähren; aus Brasilien, Argentinien und Chile kommen Ankündigungen von Versuchen zu neuen revolutionären Putschen. Am bösesten scheint es in dieser Richtung in Brasilien auszusehen, denn in der Umgebung von Rio de Janeiro haben schon wieder Zusammenstöße stattgefunden, die Tage des Präsidenten scheinen gezählt zu sein.
Lokale- und Provinzielle-.
Schlüchtern, 12. April.
* — Im Hinblick auf die Konfirmation erscheint es nothwendig, darauf aufmerksam zu machen, daß junge Leute, welche ihren Wohnort verlassen, um auswärts in die Lehre oder in ein Arbeitsverhältniß zu treten, sich in der Heimath schon mit dem in der Gewerbeordnung vorgeschriebenen Arbeitsbuch zu versehen haben, da zur Ausstellung desselben die Zustimmung des Vaters bezw. Vormundes erfordert wird. Die Erfahrung hat gelehrt, daß dies in allen Fällen unterlassen wird und dadurch den Eltern oder Vormündern nachträgliche Weiterungen und Unkosten entstehen.
* — Denjenigen Landwirthen rc., welche Saatkartoffeln vom landwirthschaftlchaftlichen Kreisverein dahier empfangen haben, theiten wir mit, daß die ausgegebenen Kartoffeln zu jener Classe gehören, welche die ertragreichsten und besten Sorten umfaßt, jedoch dürfen diese Kartoffeln nicht zu eng gepflanzt werden, vielmehr empfiehlt es sich, die Reihenweite nicht unter 60 Zentimeter und die Entfernung in den Reihen nicht unter 40 Centi- meter zu nehmen.
* — Was ein Dienstknecht sparen kann. Kürzlich veilicß der Dienstknecht Friedrich W. einen Hof, um seinen eigenen Acker zu bewirthschaften. 15 Jahre lang hat er dem Hof treue Dienste geleistet und sich außer der wärmsten Anerkennung seines Dienstherrn auch noch, trotz des für jetzige Verhältnisse bescheidenen Lohnes, die hübsche Summe von 3760 Mk. erworben. Ein belehrendes Beispiel für alle diejenigen, welche den Dienst bei einem Landwirth verschmäht.
* — Die Einführung der von Herrn Seminarhilfslehrer Vollmar in Kassel herausgegebenen deutschen Fibel für das erste Schuljahr in den Volksschulen des Regierungsb zirks Kassel ist' von königlicher Regierung im Einverständnisse mit dem königlichen Provinzialkollegium genehmigt worden.
* — Die Wintersaaten im Regierungsbezirk Kassel sind kräftig aufgegangen und stehen recht gut. Die landwirthschaftlichen Außenarbeiten konnten bei dem milden Wetter meist weit gefördert werden, so daß eine frühzeitige Bestellung ermöglicht werden dürfte. Die Erfahrung des Harten Winters 1890/91 hat übrigens viele Landwirche geneigt gemacht, wieder zum Anbau der einheimischen Ro.gen- und Weizenarten zurückzu-