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Samstag, den 26. März
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„8ck»küc^terner Zeitung" '^E
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Schlächtern, im März 1892. Der Herausgeber.
Deutsche- Reich.
Berlin. Das „Bcrl. Tagebl." erfährt aus angeblich durchaus zuverlässiger Quelle, der Kaiser leide an einem leichten Lungeuemphyses, welchen er sich während eines Ausflug- nach dem Grunewald zugezogen habe. Die Erkrankung habe zeitweilig leichte asthmatische Anfälle im GefolW. Die Aerzte schrieben das Verweilen in dünnerer Luft auf der Schorfhaide vor. Bei der geringen Intensität des Uebels glauben die Aerzte, eine kürzere Abwesenheit von Berlin werde schnelle Heilung erzielen.
— Die Ernennung des Oherpräsidenten Grafen Eulenburg zum Minister-Präsidenten ohne Portefeuille ist unmittelbar bevorstehend. Graf Eulenburg dürfte späterhin Mmister des Innern werden. Wegen des neuen Kultusministers ist Graf Caprivi zumKaiser nach Hubertusstock gefahren. Graf Caprivi hat dem Kaiser in Hubertusstock vorgeschlagen, den Oberpräsidenten von Hessen-Nassau, Grafen zu Eulenburg, auch zum Reichskanzler zu ernennen. Graf Eulenburg gelte als zu einflußreich, um neben Caprivi Ministerpräsident zu sein.
— 24. März. Staatssecretär Dr. Bosse übernimmt definitiv das Cultusministerium. Es verlautet, Graf Zedlitz übernehme in nicht allzuferner Zeit das Oberpräsidium Schlesiens.
— Wie die „National-Ztg." mittheilt, hat der Justiz- minister die Staatsanwälte angewiesen, Anklagen wegen Majestütsbeleidi^ung gegen Zeitungen nur nach Genehmigung des Ministers zu erheben. — Der „Börsen-Kurier" meldet, die Regierung beabsichtige, den Reichstag am 31. ds. Mts. zu schließen.
— Es scheint, daß das Ergebniß der Einkommen- steuer-Reform in Preußen doch ein höheres sein wird, als vor Kurzem angenommen wurde. Ein endgiltiges Resultat liegt auch jetzt noch nicht vor, aber man schätzt den Mehrertrag jetzt auf etwa 40 Mist. Mark. Durch einen solchen würde die Reform der Gemeindebesteuerung unter erheblicher Ueberweisung von Realsteuern an die Kommunen ermöglicht werden.
In der Umgegend von gelingen brachen am Samstag und Sonntag 11 Waldbrände aus, wodurch weite Strecken städtischer Aufforstungen vernichtet wurden.
Revigcs (Rheinpr.), 23. März. Auf dem hiesigen Erzbergwerk „Glückauf" ist die ganze Wäsche abgebrannt. Alle Maschinen sind vernichtet, der unterirdische Betrieb ist unmöglich. Die Grube wird in wenigen Tagen ersoffen sein.
Seit der Eifkl. Die wegen ihrer angeblichen Unfruchtbarkeit so viel geschmähte Eifel birgt einen kostbaren Schatz, der neuerdings hervorragende Aufmerksamkeit erregt hat. ES befindet sich in dem Gebirge eine gewaltige Marmorgrube, die früher im Besitze der Klosters Steinfeld gewesen und später verschüttet, jetzt aber wieder aufgedeckt worden ist. Die in der letzten General-Versamm- lung der Ortstruppe Köln des Eifel-VereinS ausgelegten Proben riefen Erstaunen über ihre Schönheit hervor. Aus diesem Material sind die prächtigen Altäre und der Taufstein in der Klosterkirche zu Steinfeld Hcrg-stellt und höchst wahrscheinlich ist dieser Marmor auch von Friedrich dem Großen zum Bau des „Neuen Palais" verwendet worden, waS man daraus zu schließen glaubt, daß die Struktur des Eifeler Marmors und des Potsdamer Marmor» genau übereinstimmt. Der Eifeler Marmor ist ein ganz vorzügliches Material und viel besser, als der in Deutschland meist eingeführte belgische Marmor.
Einen schändlichen Racheakt übte in Mülhause» im Elf. ein entlassener Arbeiter Namens Jakob Meyer aus. Er drang Nachts in das Innere des Fabrikhofes und öffnete an fünf mit Anilin gefüllten Fässern die Hahnen, so daß sich der Inhalt auf den Boden ergoß. Die Fässer enthielten 20,539 Kilo Anilin, die einen Merth von 47,762 Mk. hatten. Das Landgericht er
kannte auf die höchste zulässige Strafe, nämlich zwei Jahre Gefängniß, sprach aber sein Bedauern aus, daß es nicht in der Lage sei, eine schärfere Strafe zu erlassen.
In der Marienthaler Glashütte bei Schnappach (Pfalz) fiel ein junger Arbeiter, ohne daß es bemerkt wurde, in einen Behälter mit flüssigem Glas. Als Abends der Behälter ausgelaufen war, fand man am Rande eine schwarze Klaffe, die sich als die Ueberreste des Arbeiters herausstellten. Der verkohlte Körper stand aufrecht und mußte aus der Glasmasse hcrausgcmeißclt werden.
Bei einer Hochzeitsfeier in Schmerzow im Kreise Zauch-Belzig war das Lied „In allen meinen Thaten, laß ich den Höchsten rathen" bestellt, aber als die Feier beginnen sollte, ertönte statt dessen das Lied: „Ich will von meiner Missethat mich zu dem Herrn bekehren." Auf Anordnung des Herrn Superintendenten sollte nämlich ein anderes Lied nicht gesungen werden, weil bei dem Brautpaar der Storch voraussichtlich etwas verfrüht eintreffen werde. Der Hochzeitszug machte nun sofort Kehrt, da das Brautpaar sich mit der Civiltrauung begnügen wollte, aber auf Zureden des Superintendenten kam doch die kirchliche Trauung noch zu Stande.
Aus Massren. (Ein Hecht als Todesursache.) Der l 2jährige Knabe des Eigenkäthners R. in Wronken be- gab sich auf den See, um Fische zu angeln. Als nun ein großer Hecyt anbiß und der Knabe ihn anfaßte, um ihn besser durch die kleine Ocffnung der Eisdecke hindurch- zubringen, biß ihm der Hecht die Pulsader durch, so daß das Blut in Strömen rann. Vergebens warteten die Eltern aus die Rückkunft ihres Kindes; als sie sich nach dem See aufmachten, bot sich ihnen dort ein schrecklicher Anblick dar. Der Knabe war noch eine kurze Strecke gegangen, in Folge des Blutverlustes aber bald ohnmächtig geworden und verblutet.
Ausland.
Rußland. Dem „Czas" zufolge forderte die Behörde in Südwestrußland alle Ausländer, welche Beamte der südwestlichen Eisenbahnen sind, ferner die dort ansässigen fremden Industriellen auf, bis zum 1. Juli russische Unterthanen zu werden; anderenfalls erfolge die Entlassung der Beamten bez. die Liquidation der industriellen Unternehmungen. — Bis zu welchem Grade die Betrügereien und Veruntreuungen im Zarenreiche gehen, dafür liefert neuerdings ein Brief aus'Riga sprechenden Beweis; in demselben heißt es: Das Riga'sche Damencomits sammelte für die Nothleidenden im Innern Rußlands eine Anzahl verschiedener Sachen ein und sendete dieselben in großen, werthvollen Ballen an einen lutherischen Pastor in der Nothstandsgegend. Dieser telegraphirte zurück, er habe die Ballen in vollem Gewichte erhalten, dieselben hätten aber nur Stroh, Werg und einige Steine enthalten. Als die Damen in Riga, darüber empört, die Sache veröffentlichen wollten, wies der Censor das Verlangen zurück, indem er erklärte, so was geschehe in Rußland nicht selten, aber es veröffentlichen zu lassen dürfte er nicht wagen, da Rußland in Europa ohnehin nicht in gutem Rufe stehe und darunter schon zu sehr leide. Ferner sendeten die Rigaer Damen neun Waggons gefüllte Säcke mit Korn nach den Nothstandsdistrikten, aber nur zwei kamen unversehrt an, in den Säcken der sieben anderen Waggons befanden sich Kies und Steine in dem angegebenen Gewichte.
Die Behörden des Staates New°Uork ziehen in Erwägung, ob nicht die als äußerst human gepriesene Hinrichtung durch Elektrizität wieder abzuschaffen sei, da sich dieselbe bei den bisher erfolgten Hinrichtungen als eine entsetzliche Schinderei erwiesen hat. — Alle Mann an Bord! d. h. Alle, die Verse machen können. Es gilt 5000 Doll. zu gewinnen, welche von einer Gesellschaft in New Aork als Preis für das beste Ge
dicht zur Eröffnung der Weltausstellung in Chicago (1893) ausgefetzt sind.
In Brasilien sollen infolge des gelben Fiebers bedenkliche Zustände herrschen. Auf mehr als 200 Segelschiffen sin» bereits Krankheitsfälle vorgekommen und den jedes einen brasilianischen Hafen anlaufende Schiff die Epidemie weiterschleppt, so wird vielfach das Einschreiten der Seemächte verlangt. In Rio de Janeiro sollen während der letzten 14 Tage 755 Personen am gelben Fieber gestorben sein.
Lokale- und Provinzielle». Schlüchtern, 24. März.
* — Der Frühling ist diesmal programmgemäß bei uns eingezogen und er hat sich auch bisher so betragen, daß man ihm nur Lob ertheilen kann. Der Himmel erquickt uns mit warmem Sonnenschein, der die letzten Schnecreste schnell verschwinden lassen wird, und schon künden uns die ersten, vorsichtig ihre Köpfe heraussteckenden Knospen das Wiedererwachen der Natur. Leider wird die Herrlichkeit nicht allzu lange dauern. Zeigt auch das Barometer auf „schön" mit einer Hinneigung zu „beständig", so wird doch bereits von jenseits des Ozeans Sturm gemeldet, der voraussichtlich am Donnerstag Europa erreichen und sich auch bald bei uns fühlbar machen wird. Für den 28. d. Mts. sind uns ja, wie bekannt, von Professor Falb, der diesen Tag als den kritischsten Tag des ganzen Jahrhunderts bezeichnet hat, Elementarereignisse von ganz besonderer Abnormität in Aussicht gestellt.
* — Am vorigen Dienstag starb zu Hannover wenige Zeit nach seiner Uebersiedelung von Schlüchtern nach dort der langjährige Kreisphysikus des Kreises Schlüchtern, Herr Sanitätsrath Dr. Spangenberg.
* — Beim Ausschachten einer Baugrube an der Breitenbacher Straße stießen die Arbeiter am Dienstag auf ein noch ziemlich gut erhaltenes Scelett. Dasselbe bildet vermuthlich die Reste eines im Jahre 1813 bei dem Rückzug der Franzosen nach der Schlacht bei Leipzig an dieser Stelle begrabenen französischen Soldaten.
* — Der Unfug unserer Jugend, die Feldraine abzubrennen, nimmt wieder überhand. Wie leicht kann bei lebhafter Luftströmung größerer Schaden entstehen.
* — Die Zeit der Waldbrände hat begonnen. Aus verschiedenen Gegenden werden schon solche gemeldet. Wir wollen deshalb nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß das Wegwerfen von brennenden Cigarrenresten, Streichhölzchen rc. im Walde mit Gefängniß bestraft werden kann.
* -- Wir erinnern daran, daß mit dem 1. April jeder Fabrikinhaber, d. h. derjenige, der über 20 Mann beschäftigt, aus Grund der neuen Gewerbegesetznovelle verpflichtet ist, eine Fabrikordnung zu erlassen.
* — Die Frage, ob eine kaufmännische Faktura eine im Sinne des Gesetzes ist, hat die Strafkammer in Kassel bejahend beantwortet, indem sie einen dortigen Bierbrauereibesitzer wegen Urkundenfälschung zu 3 Monaten Gefängniß und 150 Mark Geldstrafe verur- theilt hat, weil er von einer Faktura die Fußnote abgeschnitten hatte. Und gerade aus diese Fußnote kam es in einem von ihm geführten Prozeß an.
* — Das vielgeübte Verfahren, in Ermangelung einer Postkarte mit Antwort zwei gewöhnliche Postkarten mit einer Stecknadel zusammenzuyestcn und abzusenden, ist nach neueren Bestimmungen der Postbehörden unzulässig. Solche Karten werden in Zukunft nicht befördert.
Klesberg Am 3. März verschied in Detroit Mich., im Alter von 37 Jahren Herr Edmund Herber, gebürtig aus Klesberg, Kreis Schlüchtern. Der Verstor- bene, welcher 1882 nach Amerika kam, war Inhaber des St. Lawrence-Hotels, welches sich unter seiner