Hand; höre auf zu glauben, so verlierst du den Geist; höre auf Jesu uachzufvlgeu, so verlierst du den rechtschaffenen Wandel. Und was du dann auch thust, dir selbst und den Menschen zu gefallen, es wird dir doch alles zu deiner Seelen Seligkeit nichts nutzen. Und du wirst keinen Segen davon haben für Herz und Leben, denn du wirst Gott nicht gefallen. H.
Gesnndhettslehre.
Schlaf. Die Erfahrung lehrt uns, daß auch der gesunde Mensch nicht über 10—11 Stunden durchschnittlich am Tage arbeiten soll, sei es körperlich oder geistig. Das beste Aus- ruhen geschieht im Schlaf. Was eigentlich der Schlaf ist, ist noch ein Geheimniß. Jedenfalls gehen Veränderungen des Blutes vor. Denn wir können durch künstliche Einwirkung auf das Blut vermittelst des Opiums, Alkohols rc. Schlaf erzeugen. Schlaf ist dem Menschen nothwendiger als Essen. Der Säugling braucht ihn fast den ganzen Tag, Kinder bis zum 7. Jahr immer noch 12 Stunden. Ein junger Mensch 8—9, je nach seiner körperlichen Anlage, ein Erwachsener 7 Stunden.
Fürs Haus.
Butter. Erwärmt man aus Margarine bereitete Butter in einem Glase, so zeigt sich die geschmolzene Margarine stark trübe, während das Buttersett klar geschmolzen ist. Der Geruch erwärmter Margarine ist von demjenigen der erwärmten Butter sehr verschieden. Man hat es demnach in der Hand, den verdächtigen Charakter der Butter zu erkennen. Bei geringen Prozenten Margarinzusatz ist die Prüfung allerdings schwieriger und kann sicher nur von einem Chemiker gemacht werden.
Kindererziehung.
Manche Mütter haben die Gewohnheit, ihre Kinder überall michtnzunehmen. Giebt es eine Leiche zu sehen oder ist ein Unglück passürt, flugs drängen sich viele Frauen mit ihren Kindern herzu, um den traurigen Anblick zu haben und leider auch ihren Kindern zu zeigen. DaS ist eine müßige, häßliche Neugierde. Wer nichts an der Stätte eines Unglücks oder traurigen Anblicks zu thun hat, soll sich ferne halten, insbesondere Kinder müssen wegbleiben. Furcht, Ekel oder gar Lust am Schrecklichen wird in den zarten Kindergemüthern durch den Anblick eines solchen Schauspiels geweckt und der Schaden, welcher den Nerven oder dem Gemüth eines Kindes durch das gedankenlose Handeln der Mütter verursacht wird, kann unberechenbar groß sein. Bor der Zeit ein Kinderherz mit schaurigen Bildern und peinigenden Vorstellungen nuszu- füllen, ist eine Versündigung am Kindesgemüth.
Fragekasten.
H. B. in P. 1. Die Unfallentschädigung beträgt bei voller Erwerbsunfähigkeit, welche durch den Unfall veranlaßt ist, zwei Drittel des bisherigen Verdienstes. Wenn Sie also bisher monatlich 19 Thlr. als Eisenbahnrangierer bezogen haben, so würde die volle Unfallrente 38 Mk. betragen." Ihnen sind nun aber bloß 34 Mk. 30 Pf. zugebilligt. Das macht also 3 Mk. 70 Pf. weniger. Dieser Unterschied erklärt sich vielleicht daraus, daß in Jhrcni früheren Einkommen von 19 Thlr. zufällige Rebeneinuahmen enthalte» waren, die bei der Berechnung der Unfallrente nicht mit berücksichtigt werden, oder daß man Sie, obgleich Ihnen beide Beine abgefahren sind, für noch theilweise erwerbsfähig hielt. Aus dem Ihnen zugegangenen Bescheide über Festsetzung der Rente muß ja das alles herdorgehen. 2. Die Höhe der Komniunalabgaben ist in den einzelnen Gemeinden verschieden. In Preußen beginnt die Kommunalsteuerpflicht mit einem Einkommen von jährlich 420 Mk. Wenn Ihre Mutter, die monatlich 40 Mk., also jährlich 480 Mk. bezieht, in dem Dorfe, in dem sie früher wohnte, nicht zur Steuer herangezogen ist, so mag sie ja davon schweigen, sonst muß sie noch die Steuern der letzten vier Jahre nachbezahlen.
G. M. in H. Nach dem Gesetze ist die in der Brauerei mit Zimmerputzen beschäftigte Frau nicht verpflichtet, zur Krauken- Versicherung zu gehöre», wohl aber muß sie für Alters- und Invalidenversicherung Beiträge zahlen, beziehungsweise für voriges Jahr nachzahlen.
Räthsel.
Zweisilbig.
Mein Geschlecht ist nicht zu zählen, Und man kaun in ihm auch wählen Klein und groß;
Und es wohnt in manchem Schloß, Sitzt in mancher Wand Und auf jeder Hand;
Wird gezogen, wird geschlagen, Wer wird mir die Lösung sagen? W.
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: Spiegelbild.
Umschau.
Unser Kaiser hat bei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-Landtages im Kaiserhofe zu Berlin wieder eine Ansprache gehalten. Diese wendet sich gegen den Mißmuth, welcher der inneren Kraft des Reiches zu wenig vertraut, nach den Einrichtungen fremder Staaten umher- späht, diese viel schöner findet und trübe in die deutsche Zukunft blickt. Dagegen giebt es nur einen Kurs, das ist der kaiserliche. Die Zeitungen haben an der Rede herum- genörgelt. Sie haben an das verfassungsmäßige Recht, frei seine Meinung zu äußern, ferner an die Beschwerden dieser und jener Partei gegen diese oder jene Regierungsmaßregel erinnert, als hätte der Kaiser eine blinde Unterwerfung unter seinen Willen verlangt. Der Kaiser betonte das hehre Bewußtsein, das in ihm lebt, den hohen Beruf, sein Volk zu höheren Zielen zu führen, dem er sich mit unermüdlichem Fleiße und hingebender sorge widmet. Dafür darf er das vollste Vertrauen beanspruchen. Wir haben keinen Grund, in eine kleinlich mäkelnde Stimmung zu verfallen und uns die Freude am Reich verderben zu lassen.
Wie in Rom, Wien, Danzig, Memel und anderen Städten, so haben die Arbeitslosen auch in Berlin sich von den socialdemokratischen Verführern verleiten lassen, Straßenunfug zu verüben. Scharen zogen vor das Rathhaus und das Königliche Schloß, unter ihnen viele Ruhestörer, welche in mehreren Straßen Läden plünderten. Leider herrscht im Geschäftsleben eine gewisse Flauheit und damit auch vielfache Arbeitslosigkeit. Diesem Nothstände abzuhelfen, wird das Bestreben der Behörde sein müssen.
Dem Reichstage sind Gesetzentwürfe gegen Verrath militärischer Geheimnisse und über den Belagerungszustand in Elsaß-Lothringen zugegangen. Im Reichstage wurde der socialdemokratische Antrag, alle Lebensmittelzölle auf- zuheben, verworfen. Berathen wird ein Telegraphengesetz.
Die Volksschulkommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich über die wichtigsten Bestimmungen bereits im sinne des Entwurfs schlüssig gemacht, sodaß die sehr große Anzahl noch vorzunehmender Paragraphen wohl in nicht allzu ferner Zeit zur Annahme gelangt.
Der ungarische Reichstag ist mit einer Thronrede eröffnet worden, nach welcher die friedlichen Beziehungen unter den Staaten fortdauern.
In Frankreich ist das Ministerium Freycinet anläßlich der Berathung eines Genossenschaftsgesetzes zu Falle gekommen. Die Radikalen und Konservativen stürzten das Ministerium, welches den ersteren nicht behagte, weil es nicht die Kirche vom Staate trennen wollte, und den anderen nicht gefiel, weil es in einem Genossenschafts- gesetzentwurfe den kirchlichen Orden scharf entgegentrat.
Die englisHe Regierung hat dem Unterhaufe eine Vorlage über die irische Lokalverwaltung gemacht, welche unter den Jrländern viel böses Blut macht, obgleich dadurch der Erwerb kleiner Pachtgüter erleichtert wird. In erster Lesung ist der Entwurf angenommen.