ZchlWemerMtung
Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatl
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* u. „Jllustrirtem Familienfreund" vicrteljährl. 1 Mk. —
Samstag, den 5. März
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Trübe Erfahrungen haben in dieser Beziehung leider wenig Belehrung gebracht und deshalb möge das Vorstehende zur Beherzigung dienen denen, die es angeht.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Februar. Kaiser Wilhelm wird auch in diesem Jahre eine Reise nach Nordland und Finnmarken unternehmen. An mehreren Stellen längs der norwegischen Küste hat man mit vorbereitenden Veranstaltungen zur Abhaltung von Adlerjagden und Walfang begonnen, namentlich auf der Walerstation auf Skjäroö.
* — Von den zur Zeichnung aufgelegten 160Millionen Mark Reichsanleihe sind, wie die „Post" erfährt, bis jetzt 156 Millionen und von den 180 Millionen Mark preußische Konsols 175 Millionen bar abgenommen worden. Es bleiben also im Ganzen noch 4 Millionen Mark Reichsanleihe und 5 Millionen Mark Konsols abzunchmen, welche voraussichtlich in den nächsten Tagen ebenfalls zur Annahme gelangen werden, sodaß die ganze Finanzoperation des Reiches und Preußens in einem Zeitraum von etwa 3 Wochen vollkommen erledigt ist.
— 29. Febr. Seit Sonnabend ist die Ruhe nicht mehr gestört worden. Trotzdem wird der permanente Dienst, in den die ganze Berliner Polizei gestellt worden ist, noch aufrecht erhalten. In der Nacht zum Sonntag ließ man Vorsichts halber sämmtliche Gaslaternen brennen, während sonst um Mitternacht ein Theil ausgelöscht zu weiden pflegt. Außerdem war der Thiergarten stark besetzt. Nach einer heute Vormittag angeftedten amtlichen Ermittelung sollen sich in den Krankenhäusern mehr als 20 Verwundete mit Schädelverwundungen, Arm- und Beinbrüchen be- nnTcil‘. Am schwersten verletzt ist ein I7jähriger Arbeitsbursche aus Charlottenburg, der sich am Freitag Abend in die Charits bringen ließ. Hierbei wurde festgestellt, daß der Bursche einen mit Fleisch völlig gefüllten Sack bei sich führte. Beim Magistrat sind bis jetzt Schadenersatzansprüche in der Höhe von 30,000 Mari angemeldet. " Man erwartet, daß sie bis auf 50,000 steigen werden.
* — 3. März. Die Polizei verhaftete gestern Abend einen Arbeiter mit rother Fahne und stellte fest^ daß eine große Menge rother Fahnen in den letzten Tagen angefertigt und zur Benutzung bei den Unruhen gebraucht morben sind. Umfangreiche Vorsichtsmaßregeln werden getroffen, da der kommende 18. März für anarchistische Kundgebung vorgesehen ist. — Ueber neue Preistreibereien auf dem Roggenmarkte bringt die „Staatsbürger Ztg." fachmännische Mittheilungen. Der Fachmann schreibt: ©in Konsortium von Spekulanten hat es fertig gebracht, Unsummen von Roggeumengen aufzukaufen und auch das größte Quantum des Hamburger Transitlagers an sich zu bringen. So wird es diesen Börsenleuten möglich, den Preis für Brodfrucht bis zur neuen Ernte bestimmen zu können. Diese edcldenkcndcn Menschen werden also die schlechte Zeit, die schwache Ernte und die Zollpolitik ausnutzen, um in den trostlosen Verhältnissen das Brot zu vcrtheuern. Mehrere Berliner Commissionshäuscr sollen durch Aufkäufe diesem Ringe Vorschub leisten.
— Strafgesetz-Novelle gegen die Unsittlichkeit. Dem Reichstage ist die Strafgesetz-Novelle anläßlich des Falles Heinze zugegangen. Darin sind wesentliche Strasver- schärfungen für Kuppelei und die Zuhälter vorgesehen. Letztere sollen Nicht unter einem Monat bestraft werden, und wenn sie em Mädchen zur Prostitution zwingen, nicht unter einem Jahre. Auch ist für die Ausstellung und Verbreitung von Bildern Strafe vorgesehen, welche ohne unzüchtig zu sein, durch gröbliche Verletzung des Schamgefühls Aergerniß zu erregen im Stande sind. Die Berichterstattung über die Gerichtsverhandlungen soll weiter eingeschränkt werden. Im Falle besonderer Rohheit und Sittenlosigkeit kann die Strafe in den ersten sechs Wochen verschärft werden durch harte Lagerstätte und durch Beschränkung der Nahrung auf Wasser und Brod. Auch ist Zwangsarbeit und die Ueber- weisung an Arbeitshäuser zulässig, dagegen soll das Vermiethen von Wohnungen an Dirnen straflos bleiben, wenn die polizeilichen Vorschriften dabei beobachtet werden.
Ostpreußen. Ein weites Gebiet der niedrigen Lande- reien am Kurischen Hass ist überschwemmt. Die Land-
Ausländische Werthe.
DaS Schuldenmachen der Staaten hat ebenso be< denkliche Seiten, wie das der Privatpersonen. Seinen Grund hat es hier wie dort häufig in dem Bestreb, n, über die gegebenen Verhältnisse hinaus zu „leben". Was bei der Privatperson die Großmannssucht ist. das ist bei den Staaten die Großmachtssucht; beide treten meistens da auf, wo sie am wenigsten am Platze sind.
Argentinien, Portugal, Griechenland und neuerdings Serbien haben zu viel Gold geschluckt und leiden nun an der Papierlrankheit; eigentlich nicht sie selber, sondern ihre gutherzigen Gläubiger, die mit it)ten bunten Papieren zu Hause sitz n und des Hexenmeisters Wort vergessen haben, das aus diesen Papicren wieder Gold machen kann.
Das kleine Publikum insbesondere, das über wenige Hundert oder Tausend Mark verfügt und dasselbe der Heckanstalt Börse übergibt oder übergab, hat die Er- fahrung erneuern müssen, daß es nur zwei Arten von Werthpapieren gibt: hochverzinsliche, gleich faule, und niedrige Zinsen bringende oder gute. Die hochverzinslichen sind die „exotischen Werthe"; man gibt bei ihnen sein schönes Geld weit weg ins Ausland, bekommt vielleicht auch ein od r zwei Jahre den Koupon bezahlt, dann aber werden die Papiere oft „nothleidend" und besonders kundige Thebaner kaufen sie einem dann glücklichsten Falls mit einem starken Verlust ab.
Die herrlichen Prospekte, mit denen die Emissionen aufgelegt werden, sind eine kaufmännische Reklame so gut wie jede andere. Die emittierenden Bankhäuser haben wohl eine gewisse moralische Verantwortung für diejenigen Papiere. die sie auf den Markt werfen, aber irgendwelche Garantie zu leisten sind sie nicht verpflichtet und leisten sie auch nicht; die Banken wollen verdienen und preisen darum ihre Waaren ebenso gut an, wie der Schnorrer, der mit Band oder alten Hosen handelt.
So mancher kleine Mann sagt sich: ich möchte es auf einen Versuch ankommen lassen. Das ist aber ein gefährliches Lotter cspiel, bei dem gar zu häufig die ganze bürgerliche Existenz als Einsatz herhalten muß. Die Aussicht, hinuntergehende Papiere an der Börse wieder los zu werden, ist keineswegs immer sicher. Es ist also nicht stets mit einem kleinem oder größeren Verlust abgethan, sondern häufig genug geht der ganze Einsatz verloren. So waren beispielsweise sämmtliche serbischen Papiere auf dem Kurszettel der Berliner Börse vom letzten Mit woch mit dem ominösen Ge dankenstrich versehen. Das betreffende Bankhaus, das früher die Emissionen der betreffenden Papiere bewirkt hatte, und doch Bescheid wissen mußte, erklärte einfach, von serbischen Papieren einstweilen nichts aufnehmen zu wollen.
Den spanischen Werthen droht gleichfallss ein Krach. Die Unterbrechung der spanischen Handelsbeziehungen zu Frankreich kann das arme Land nicht lange ertragen; die Großmachtssucht, die gern eine große Kriegsflotte haben möchte, kostet Geld — ein Artikel, den Spanien bisher zwar immer auf dem Anleihewege besorgt hat, aber den zukünftig auf gleichem Wege zu besorgen, ihm sehr schwer fallen dürste.
Das Bibelwort „Bleibe im Lande und nähre dich redlich" sollte auch auf das Spargeld der minder Bemittelten angewendet werden; im Lande kommt es der Allgemeinheit zu gute, hier wirbt es und gibt Anlaß zu Unternehmungen, die fleißige Hände beschäftigen und unter wackerer Leitung auch ihren Zins abwerfen. Hier kann es gemeinnützige, gut fundierte Gesellschaften unterstützen und damit sein bescheidenes Theil zur sozial- reformatorischen Wirksamkeit beitragen.
Wer sein Geld im Lande läßt, der hat jederzeit eine gewisse Kontrolle über die Verwendung; die Gei-tze stehen ihm zur Seite und sorgen nach Möglichkeit für den Schutz. Wer dagegen sein Geld in exotische Werthe steckt, der begibt sich der Kontrole darüber gärizirch. Jetzt soll eine Schutzgesellschaft für d e im Auslande steckenden deutschen Kapitalien gegründet werden; davon hat aber naturgemäß nur das Großkapital Vor theil, den Kleinen beißen nach wie vor die Hunde.
Es ist eine traurige Thatsache, daß das Ausland auf die „Gutmüthigkeit" der Deutschen spekuliert. Es ist ferner sehr bedauerlich, daß die Sucht, schmu reich zu werden, auch Kreise angesteckt hat, die früher den Strumpf als die sicherste Kapitalsanlage betrachteten.
Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
1892.
w irthe verlieren dadurch zum dritten Male die Winter saaten und werden das Brodgetreide wieder kaufen müssen.
Goldap. Eine empfindliche Strafe hat einem Besitzer in unserem Kreise betroffen. Er hatte nämlich vor kurzer Zeit an seinen Gebäuden Reparaturarbeiten ausführen, jedoch die dabei beschäftigten Arbeiter nicht gegen Unfall versichern lassen. Durch den Zu- fammenbrud) des Baugerüstes wurde ein Arbeiter so schwer verletzt, daß der Tov nach kurzer Zeit eintrat. Infolge eines von der Wittwe gestellten StrafantrageS wurde der den Bau leitende Zimmermann wegen fahrlässiger Tödtung zu 4 Wochen Gefängniß und der Besitzer zur Tragung der Kosten und zur Unterhaltung der Frau und ihrer 4 Kinder verurtheilt.
Das Landgericht in Stade als Berufungsinstanz hat den Grundsatz ausgestellt, daß eine Bahuhofscestauration weder als Schanklokal noch Vergnügungsort anzusehen sei, und daß deshalb der §. 362 des St.-G.-B. keine Anwendung finden könne. Somit gilt also für die Restaurationen der Bahnhöfe nicht die Polizeistunde.
Die Licgnitzer Strafkammer verurteilte den Fleischbeschauer Franke aus Mühlrädlitz, durch dessen Fahrlässigkeit sechs Menschen den Tod in Folge Trichinös!- fanden, zu 1 Jahr Gefängniß.
Die Stadt Salzungen, die bisher im Punkt der Straßenbeleuchtung noch nicht über die Oelfunzet hmaus- gekommen ist, soll demnächst elektrische Beleuchtung erhalten. Herr Fabrikbesitzer Jung hat als Energiequelle die Klostermühle für 33 Ouü Mk. erworben, deren Wasserkraft 150 Pferdekräfte repräsentiert, um sie eventuell der Stadt abzutreten.
In Haßfurt ist bet dem Buchbinder Schmitt ein Falschmünzernest aufgehoben worden. Es wurden gefunden: ein fertiges und 16 halbfertige Zehnmarkstücke, Kupfer und Zinkplatten, Stanzeisen, Stempel rc. Die Falsifikate zeigen auf der einen Seite den Reichsadler, auf der anderen das Bildniß des verstorbenen Königs von Württemberg, die Jahreszahl 1874 und das Münz- Zeichen F. Schmitt wurde sofort verhaftet.
Essen. Am vorigen Freitag wurde auf der Krupp'« schen Fabrik mit so schweren Geschützen geschossen, daß, wie berichtet wird, in vielen Häusern des Sergeroth- oiertcls bei jedem Schuß Thüren und Fenster aufschlugen. Bei einem einzigen Häuserbcsitzer in der Freistattstraße sind allein 30 große Scheiben, jede im Werth von 3,50 Mk., zersprungen, und außerdem hat der Lufdruck eine große, theure Spiegelscheibe aus der Umfassung heraus in die Stube geworfen und zertrümmert. Solche Vorkommnisse wiederholen sich immer von Zeit zu Zeit, so daß sich jetzt schon zwei Versicherungsanstalten weigern, mit den dortigen Häuserbesitzern abzuschließen. Noch schlimmer zeigen sich die Folgen des Schießen» an den Häusern auf dem Sergecoth, von denen viele trotz guter Verankerung reißen. Eine erst vor drei Jahren aus dem besten Material und mit der größten Sorgfalt errichtete etwa 35 Meter lange und 2 Meter hohe Umfassungsmauer einer Schule ist jetzt wieder an vier Stellen von mächtigen Rissen durchsetzt.
* — Nachfolgendes Inserat findet man in der „Borbecker Zeitung": „Meine unehrliche Frau Lis Rahe ist mir wieder entkniffen, und hat die nöthigen Möbel, eine halbe Seite Speck und sogar das nöthige Bettzeug mir abgestohlen, so daß ich mich nicht zur Ruhe legen kann. Sogar 7 Mark hat sie seit 14 Tagen verschluckt, ohne mein Wissen, hat Schmucksachen gekauft, wo sie bekannt war. Hat sie sich binnen 24, Stunden nicht ein- gefunden, so sind wir geschiedene Leute, da sie schon vier Mal ausgerückt ist. Ich warne Jeden, der sich so ein Schicksal aufthut. Gute Nacht. Ich suche sofort eine Haushälterin. Gut. Nikolaus Keiderling, Bochold. Sekt. I 127.“ „Drum prüfe wer sich ewig bindet".
Von den im vorigen Jahr in Nürnberg lebend geborenen 5392 Kindern waren, dem ,,F linkischen Kurier" zufolge, 1064, also runb 20 pCt. unehelich. Von den ehelich geborenen Kindern starben runb 22 pCt. im ersten Lebensjahre, von den unehelichen über 37 pCt.
Ausland.
Italien. Der Eigenthümer des Palastes Perotta in Catania hat die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß er seit einigen Tagen ein sonderbar.s Geräusch in den Kellern seines Palastes vernehme. Die bchörd-