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SchlüchtemerMtung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jlluflrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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^ fS. Mittwoch, den 2. März 1892.

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Eine Rede des Kaisers.

DerDeutsche Reichs- und preußische Staats­anzeiger" berichtet: Bei dem am Mittwoch abgehaltenen Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-Landtogs im Kaiserhost an dem der Kaiser Theil genommen hat, hat derselbe nachstehende Ansprache gehalten:

Sie haben in althergebrachter Weise, zu Ihrer Arbeit zusammengekommen, als gute Brandenburger Ihren Markgrafen nicht vergessen. Dafür sei Ihnen mein Herz icher Dank gesagt. Mir bereitet es stets be­sondere Freude, wenn ich mit Märkern zusammen sein kann. Umsomehr ist dies der Fall, wenn das gesammte Land Brandenburg, in so würdiger Weise vertreten, sich hier zusammensindet. Die Worte, die soeben gesprochen worden sind, und welche Ihre treuen Gesinnungen mir von neuem offenbaren, haben mir sehr wohl gethan. Es ist mir in meiner schweren Arbeit doppelt angenehm und auch zu gleicher Zeit anregend, wenn in so warmer Weise meine Bestrebungen für das Wohl meines Volkes dankbare Anerkennung finden. Es ist ja leider jetzt Sitte geworden, an allem, was seitens der Regierung geschieht, Herumzunörgeln und Hcrumzumäkeln. Unter den nichtigsten Gründen wird den Leuten ihre Ruhe gestört und ihre Freude um ihr Dasein und am Leben und Gedeihen unseres gesaminten großen deutschen Vaterlandes vergällt. Aus diesem Nörgeln und dieser Verhetzung eutstcht schließlich der Gedanke bei manchen Leuten, als sei unser Land das unglücklichste und schlechtest regierte in der Welt, und sei es eine Qual, in demselben zu leben. Daß dem nicht so ist, wissen wir Alle selbstverständlich besser. Doch wäre es dann nicht besser, daß die mißvergnügten Nörgler lieber den deutschen Staub von ihren Pantoffeln schüttelten und sich unseren elenden und jammervollen Zuständen aus das schleunigste entzögen? Ihnen wäre ja dann ge­holfen und uns thäten sie einen großen Gefallen damit. Wir leben in einem Uebergangsstadium! Deutschland wächst allmählich aus den Kinderschuhen heraus, um in das Jünglingsalter einzutreten; da wäre es wohl an der Zeit, daß wir uns von unseren Kinderkrankheiten freimachten. Wir gehen durch bewegte und anregende Tage hindurch, in denen das Urtheil der großen Menge der Menschen der Objektivität leider zu sehr entbehrt. Ihnen werden ruhigere Tage folgen, insofern unser Volk sich ernstlich zusammennimmt, in sich geht und unbeirrt von fremden Stimmen auf Gott baut und die ehrliche fürsorgende Arbeit seines angestammten Herr­schers. Ich möchte dieses Uebergangsstadium mit einer kleinen Geschichte vergleichend beleuchten, welche ich einmal gehört habe. Der berühmte englische Admiral Sir Francis Drake war in Zentral Amerika gelandet nach schwerer, stürmisch bewegter Reise; er suchte und forschte nach dem anderen großen Ocean, von dem er überzeugt war, daß er vorhanden sei, den die meisten seiner Begleiter jedoch als nicht existierend annahmen. Der Häuptling eines Stammes, dem das eindringliche Fragen und Forschen des Admirals aufgefallen, von der Macht seines Wesens eingenommen, sagte ihm:Du suchst das große Wasser; folge mir, ich werde es Dir zeigen". Und nun stiegen die Beiden trotz warnenden Zurufs der übrigen Begleiter einen gewaltigen Berg hinan. Nach furchtbaren Beschwerden an der Spitze angelangt, wies der Häuptling auf die Wasserfläche hinter ihnen und Drake sah die wildbewegten Wogen des zuletzt von ihm durchschifften Meeres vor sich. Da­rauf drehte sich der Häuptling um, führte den Admiral um einen kleinen Felsvorsprung herum und plötzlich that sich vor seinem entzückten Blick der vom Gold der auf­gehenden Sonne bestrahlte Wasserspiegel des in majestä­tischer Ruhe sich ausbreitenden Stillen Oceans auf. So sei es auch mit uns! Das feste Bewußtsein Ihrer, meine Arbeit treu begleitenden Sympathie flößt mir stets neue Kraft ein, bei der Arbeit zu beharren und auf dem Wege vorwärts zu schreiten, der mir vom Himmel gewiesen ist. Dazu kommt das Gefühl der Verantwortung unserm obersten Herrn dort oben gegen­über und meine felsenfeste Ueberzeugung, datz unser alter Alliierter von Roßbach und Denuewitz mich dabei nicht im Stiche lassen wird. Er hat sich solche unend­liche Mühe mit unserer alten Mark und unserem Hause gegeben, daß wir nicht annehmen können, daß er dies für nichts gethan hat. Nein, im Gegentheck, Brandenburger, zu Großem sind wir noch bestimmt und

herrlichen Tagen führe ich euch noch entgegen. Lassen Sie sich nur durch keine Nörgeleien und durch miß- vergnügliches Partcigerede Ihren Blick in die Zukunft verdunkeln oder Ihre Freude au der Mitarbeit ver­kürzen. Mit Schlagwörtern allein ist es nicht gethan, und den ewigen mißvergnüglichen Anspielungen über den neuen Kurs und seine Männer erwidere ich ruhig und bestimmt:Mein Kurs ist der richtige und er wird weiter gesteuert"; daß meine brave märkische Mannschaft mir dabei helfe, das hoffe ich bestimmt. Daher trinke ich auf das Wohl Brandenburgs und seiner Männer mein Glas."

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Februar. Die kaiserlichen Majestäten begingen heute die Feier ihres l1. Vermählungstages. Aus diesem Anlässe statteten die Kaiserin Friedrich und andere Mitglieder der königlichen Familie ihren Gratulations­besuch ab. Am Abend fand zur Feier des Tages bei den kaiserlichen Majestäten ein Diner statt.

Der Bundesrath hat den Ausschußberichten über den Antrag Preußens wegen Abänderung von Bestimm­ungen des Strafgesetzbuchs, des Gerichtsverfassungsgesetzes und des Gesetzes über die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen zugestimmt. Der Antrag wird jetzt vom Bundesrath an den Reichs­tag gelangen und zu den Gegenständen gehören, die in der jetzigen Tagung des Reichstages zur Verabschiedung gelangen werden.

* Einer Meldung desFränk. Kurier" zufolge ordnet eine Verfügung des Finanzministers an, daß bei Abgabe fiskalischen Holzes an ärmere Leute eine Er­mäßigung des Preises um 25 Prozent stattfinde.

* Zur Besoldungsverbesserung der Lehrer an höheren Lehranstalten soll nach der dem Abgeordnetenhause zugegangenen Denkschrift der Staat 1,400,000 M. bei­tragen ; der Rcstbeitrag von 1,500,000 M. soll durch Erhöhung des Schulgeldes beschafft werden. Bei den Vollanstalten (Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschnlen) soll das Schulgeld von 100 auf 120 M. erhöht werden, bei den Proxymnasieu auf 100 M., bei den höheren Bürgerschulen auf 80 M. und für die Schüler der letzteren, welche an einem besonders eingerichteten lateinischen Unter, richt in Sexta bis Quarta theilnehmen, auf 120 M.

* Zu Straßennnruhen und zu größeren Tumulten ist es am Donnerstag um die Mittagszeit in Berlin in verschiedenen Stadttheilen gekommen. Im Laufe des Vormittags hatte in der Brauerei Friedrichshain eine Versammlung von arbeitslosen Bauhandwerkern stattge- funden, nach deren Schluß etwa 1500 Mann in ge­schlossenen Reihen auf dem nächsten Weg über die Neue Königstraße, wo sie, ohne Halt zu machen, unter Gejohle und Hurrahgeschrei nachArbeit" riefen. Der Zug ging die Königstraße weiter hinauf über den Schloßplatz und die Schloßfreiheit, wurde hier aber von der stark aufgebotenen Polizei in Empfang genommen und zurück­gedrängt. In ebenso geschlossenem Zug und unter dem­selben Lärm erfolgte dann auf dem Rückweg der zweite Vorbeimarsch am Rathhaus vorüber, worauf sich die Demonstrierenden zerstreuten. Während des Zuges ertönten mehrfach Rufe:Arbeit! Brot!" Unabhängig von diesem Vorgang scheint ein zweiter Zusammenstoß gewesen zu sein, der gegen 1 Uhr Mittags in der Nähe des Opernhauses zwischen der Polizei und einer aus be­kannten Elementen zusammengesetzten Menschenmenge statt- gefunden hat, welche die aufziehende Wache vom 2. Garde- Regiment von der Friedrichstraße aus begleitet hatte. Diese Menge war am Donnerstag zahlreicher als sonst, ihr Zurückdrängen vor dem Erreichen des Schlosses also auch schwieriger. Wie berichtet wird, ist auch hier, wenn auch vereinzelt, nachArbeit" gerufen worden. Die Polizei sah sich gezwungen, blank zu ziehen. Von Ver­wundungen, von denen Gerüchte sprechen, ist auf der zuständigen Polizeiwache, Bahnhofstraße 1 l, nichts bekannt, es ist dort nur ein verwundeter Verhafteter eingeliefert worden. Am Abend gegen 6 Uhr haben sich die Mittags ausgebrochenen Ruhestörungen in der Frankfurter und der Köpnicker Vorstadt erneuert. Trupps von mehreren hundert Menschen stürmten verschiedene Bäcker- und Schlächterläden, zertrümmerten die Schaufenster und raubten die ausgelegten Waaren. Es ist dabei zu wieder­holten Scharmützeln zwischen der Polizei und den Ruhe­störern gekommen, wobei die Polizei genöthigt war, mit

der flachen Klinge einzuhaue». Gegen 10 Uhr war es der Polizei gelungen, die Ruhestörer zu zerstreuen und die Ruhe wieder herzustellen. Freitag Vormittag 11 Uhr haben Unter den Linden, im Lustgarten und auf der Schloßbrücke neue Ansammlungen stattgefunden. Es wurden vereinzelte Hochs auf die Sozialdemokratie ausgebracht, auch wurde die Marseillaise angeftimmt und den Schutz­leuten mehrfach Widerstand entgegengesetzt. Es mußten zahlreiche Verhaftungen vorgenommen werden; das Ein­greifen der Schutzmannschaft verhinderte jedoch jede ernst­liche Ansschreckung und um 12 Uhr hatten die Straßen wieder ihr gewöhnliches Ansehen. Gegen 1 Uhr fanden dann neue Menschenansammlungen in der Wilhelmstraße und der Börse statt, die durch die Polizei mit der blanken Waffe zerstreut wurden.

* Die Gefängnisse Berlins füllen sich immer mehr und zeigen einen Bestand, wie er bisher noch nie beob­achtet worden ist. Plötzensee mit seiner Rummelsburger Filiale zählt gegenwärtig 2162, das Moabiter Unter- snchungsgcfängniß 1380, die Stadtvogtei mit ihren Filialen 2100 Gefangene.

Ein interessante Wette ist neulich in Berlin zum Austrage gebracht worden. Ein Ingenieur hatte die Behauptung aufgestellt, daß hinsichtlich der Ertheilung von Schankkonzessionen die sogenannte Bedürfnißfrage durch die Handhabung der einschlägigen Bestimmungen in manchen Stadtgegenden völlig illusorisch geworden sei. Das wurde bestricken und es kam zu einer Wette, welche er für den Fall gewinnen sollte, daß er in einer Straße ebensoviele Schankstätten wie Häuser nachweisen könne. Man trat nun einen gemeinschaftlichen Spaztergang durch die Fried­richstraße an, und eS ergab sich zum Erstaunen aller Be- theiligten, daß dieser Slraßenzug sechs Wirthshäuser mehr zäl/ck, als er Häuser hat. Das genügt!

Posen, 22. Febr. Im Dorfe Dcinbicz bei Schroda starb ein Gastwirth an Trichinosis. Seine Familie liegt krank darnieder. Der Alaun hatte statt des Fleisches eines selbstgeschlachteten Schweines Fleisch, das er in der Stadt gekauft, dem Trichinenbeschauer zur Unter­suchung gegeben.

Stettin, 25. Febr. Für 15jährige treue Dienste in einer Familie hatte ein Mädchen ein Ehrendiplom der Stadt Leipzig erhalten. Seit dem 1. Oktober 1890 stand das Mädchen hier bei dem auch in Kassel be­kannten Theaterdirektor Giuth in Dienst, der aber mit derPrämiirten" jetzt sehr trübe Erfahrungen machte. Das Mädchen erhielt regelmäßig Geld zur Bestreitung der laufenden Wirthschaftsausgaben, entnahm aber die Waaren auf Credit und unterschlug auf diese Weise an 400 M. Schließlich wurden die Gläubiger nugeduldig und sandten an die Herrschaft Mahnbriefe; diese wurden von dem Mädchen aufgefangen, ebenso später bei den angestrengten Klagen die Vorladungen, ZwangSvoll- streckungsbefehle :c. Vorgestern erschien der Gerichts­vollzieher, pfändete in Abwesenheit der Herrschaft ein Klavier und anderen Hausrath und schaffte Alles fort. Nun erst stellte sich heraus, weß Geistes Kind die Prämiirte" der Stadt Leipzig war.

Aus Schleswig-Holstein. In Folge der dänischen Agitation sind die meisten jungen Leute aus Nordschleswig ausgewandert, um sich der Militärpflicht zu entziehen. Die Rückkehr ist denselben verschlossen. Die Eltern haben das Bestreben, ihren Söhnen nachzufolgen in die neue Heimath, während die noch hier gebliebenen mittlerzeit alt und arbeitsunfähig werden. Da ein Ersatz vom hiesigen Nachwuchs in genügender Zahl nicht vorhanden und die Einwanderung aus Dänemark verboten ist, so bleibt nicht Anderes übrig, als Käufer aus Deutschland heranzuziehen. Wenngleich bis vor Kurzem die dänisch- gesinnteu Grundbesitzer sich gesträubt haben, an Deutsche zu verkaufen, so sind sie nun bereits zur Ueberzeugung gelangt, daß der Uebergang ihrer Höfe in demsche Hände nicht zu vermeiden ist. Es haben sich viele Besitzer um Vermittelung an den in Rödding gegründeten AnsiedelungS- verein für das westliche Nordschleswig gewandt. Dieser Verein läßt es sich als Ehrensache angelegen sein, zwischen den Verkäufern und den Käufern zu vermitteln und ertheilt insbesondere den mit den hiesigen Verhältnissen nicht bekannten Kaufliebhabern aus dem Süden jede ge­wünschte Auskunft. Es steht ihm eine große Anzahl von Höfen mittlerer Bodenbeschaffenheit von 20 Hektar bis zu 200 Hektar (verbunden zum Theil mit Gastwirth­schaft oder Mühlenbetrieb) zur Verfügung. Deutschen