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WüchternerMung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt- u. ^Quftrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

^ 17« Samstag den 27. Februar 1892.

Deutsche- Reich.

"ftiht. Mittwoch Vormittag gratulirte der Kaiser dem Reichskanzler zu dessen Geburtstag. Nachmittags nahm der Kaiser an dem Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-Landtages im Kaiserhof Theil.

DieKreuzztg." erfährt von angeblich gut unter­richteter Seite, daß das neue deutsche Spionengesetz durch das neue Vorgehen Rußlands veranlaßt worden ist, welches in geradezu unerhörter Weise seine Kundschafter in Trupps über die Grenze nach Deutschland sendet und längs der ganzm Grenze überall Anknüpfungspunkte für den Kriegsfall sucht. Der Krieg hat nach derselben Quelle nach menschlichem Ermessen unmittelbar vor der Thür gestanden, und nur der Nothstand und die Hungers­noth im heiligen russischen Reich haben seinen Ausbruch verhindert.

Eine dem Gutsbesitzer Schulz in Gataw bei Berlin gehörige Kuh holländischer Rasse soll täglich nicht weniger als 36 Liter Milch (?) liefern. Das wäre allerdings eine große Seltenheit und der Besitzer des WunderthiereS um dasselbe zu beneiden.

In Zittau hat der Gutsbesitzer, Getreidehändler und Bankier" Richter wieder eine Menge Leute glücklich ge­macht. Er machte einen betrügerischen Bankerott und ging mit 500,000 M. Schulden flüchtig. Er gehörte zu denen, die recht fromm und scheinheilig thun, dadurch natürlich nur bei den Dummen Vertrauen erwecken und diese dann unter dem Deckmantel der Frömmigkeit nach Noten beschwindeln und ausbeuteln. Dieser fromme Ehrenmann hat außerdem noch um 100,000 M. Wechsel gefälscht. Richter, ein allgemein als sehr reich angesehener Mann, hat das Vertrauen vieler begüterter Landwirthe der Löbauer und Ranstädter Gegend auf die schmählichst. Weise getäuscht, ihnen Kapitalien abgelockt, die er nach Art der Dachauer Bank mit 6 bis 7 Prozent verzinste, und mit dem Gelde spekulierte. Ein Gutsbesitzer in der Umgebung von Zittau hat Kapitalien mit 4 Prozent ge­borgt und sie dem Richter übergeben, nur um das Mehr von 2 Prozent Zinsen zu schlucken. Von Leuten, die an Richter Zahlungen zu machen hatten, nahm er kein baares Geld, sondern ließ sich einfach Bank Wechsel unterschreiben, die er mit beli bigen Beträgen ausfüllte, ganz nach dem Beispiel jenes sauberen Brüderpaares, das vor einer Reihe von Jahren in der Mühlhäuser Gegend (in Thüringen) Vichhandel trieb, eine Menge Leute auf diese Weise prellte, vor der Entdeckung der Betrügereien aber verduftet war. Richter hat sich in Dresden entleibt. Man sollte kaum glauben, daß in unserer Zeit, die so reich ist an warnenden Beispielen, sich noch Leute finden, die ihr Geld ohne jede Sicherheit in blindem Vertrauen hingeben und so schließlich ihrer Leichtgläubigkeit und Einfalt zum Opfer fallen.

Ein Grubenarbeiter in Zabrze wurde zu einem Monat Gefängniß verurtheilt, weil er das Dach eines kleinen Hauses in die Höhe gehoben und dabei zwei Mauern zum Einsturz gebracht hatte.

Konstanz, 24. Febr. Der bekannte Maler Professor Koppay aus Berlin ward wegen der mehrfach erwähnten Affaire (rechtswidrige Aneignung zweier Engelsstatuetten aus der Wallfahrtskirche Altzirnau) von der Strafkammer zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt. Gegen das Urtheil des Schöffengerichts, von welchem auf 8 Tage erkannt war, hatte der Staatsanwalt wie der Verurtheilte Be­rufung eingelegt.

Einem Bergmann in Dudwetler wurden dieser Tage vier Kinder (Mädchen) geboren. Eines derselben starb nach Empfang der Nothtaufe, die anderen drei leben noch.

Kreuznach, 16. Febr. In dem benachbarten Turkis- mühle gelang es vorgestern einer Zigeunerin, aus der Postkasse 140 M. in Gold zu entwenden. L,e hatte sich mit der Bitte, ihr ein 20 Markstück zu wechseln, Zutritt ius Postbureau verschafft und in einem unbe­wachten Augenblick das Geld an sich genommen. Erst nach ihrem Weggang wurde der Diebstahl bemerkt und die Verfolgung unternommen.' Die Diebm wurde bei der Bande aufgefunden, unter die das geraubte^ Geld bereits brüderlich getheilt war. Diebin und Hehler wurden verhaftet. .. .

c>n Siegen wurde eine Frau, die auf dem Kirch­hofe von einem Grabe Topfpflanzen entwendet hatte, zu sechs Jahren Gefängniß verurtheilt.

Ein Metzger in Wttzlnr hatte beim Wiegen eines getauften Schweines zwischen Zunge und Wagebatken ein kleines Steinchen gezwängt und dadurch das Gewicht .^

Schweines um 30 Pfund verringert. In jüngster Straf­kammer-Sitzung wurde er wegen Betruges zu 300 Mark Geldbuße bezw. 60 Tagen Gefängniß verurtheilt.

Ausland.

Pest, 22. Febr. Die Hungersnoth im ArvaeriKomitat nimmt eine furchtbare Ausdehnung an. 7000 Menschen sollen sich lediglich von Brod aus gemahlener Baumrinde ernähren. Heute ist ein Aufruf erschienen, worin die Bevölkernng Ungarns zu baldiger Unterstützung aufge­fordert wird, damit dem AnSbruch des Hungertyphus vorgebeugt werde.

Amerika. Die bevorstehende Ausstellung in Chicago scheint bei einzelnen dortigen Journalisten eine Art lokalpatriotischen Größenwahnes erzeugt zu haben. Einer dieser Federhelden schreibt nämlich die denk­würdigen Worte:Chicago hat zwei Vorstädte: Newyork und San-Francisco".....

Lokale- und Provinzielle-.

Schlüchter», 26. Febr.

* Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 22. Febr. Ein Frauenimmer aus Salmünster, bereits mehrmals wegen Diebstahls vorbestraft und auch gegenwärtig im Gefängniß zur Verbüßung einer gegen sie erkannten Gefängnißstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten, hatte eine Bekannte gegen ein Ver­sprechen von 80 Mark, verleitet, an ihrer Stelle eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten abzubüßen. Die Bekannte war auch, mit den Legitimationspapieren der Verurteilten ausgestattet, in Eberbach erschienen und bat deren Strafe richtig abgesessen. Später jedoch kam Jie Sache an den Tag und wurde heute die erstgenannte Angeklagte wegen Urkundenfälschung mit 5 Monaten Zuchthaus, die andere wegen Hehlerei und Begünstigung mit 6 Wochen Gefängniß bestraft. Letztere hat aber auch nicht einmal den gewiß sauer verdienten Sünden- lohn von 80 Mk. erhalten, sondern nur ein Paar Stiefel.

* (Posteleven.) Nach einer Verfügung des Staatssecretärs von Stephan sind in Zukunft nur noch Abiturienten eines Gymnasiums oder Realgymnasiums oder einer Oberrealschule als Posteleven zuzulassen.

* Von den Behörden werden gegenwärtig der Tgl. Rundsch." zu Folge, Erhebungen angestellt über die Benutzung der Schulknaben beimKegelaufsetzen." Es soll angeblich die Absicht bestehen, durch Verbot oder Polizei­verordnung diese Beschäftigung der Knaben zu verhindern.

Auf eine vomLandes-Oekonomie-KoUegium" ergangene Anregung hat der Minister für Landwirth- schaft, Domänen und Forsten rc. die sämmtlichen land- wirthschaftlichen Vereine aufgefordert, eine verstärkte Vereinsthätigkeit herbeizuführen und zwar in folgenden Punkten, wie aus der an den Casseler Centralverein ergangenen Verfügung ersichtlich ist: 1) Der gemein­same Bezug von Düngerstoffen, sowie eine bessere Kon trolle dieser Stoffe; 2) Verbreitung und Erprobung besseren Saatgutes, speziell Beobachtung der Winter- festigkeit neuer Getreidesorten; 3) Verbreitung besserer Karloffelsorten. Auffindung von Mergellagern und sonstige Bodenuntersuchung; 4) Förderung der Drainage, Wegräumung der Hindernisse der Vorfluth, wie sie stellenweise durch Wege- und Eisenbahnbauten geschaffen sind; 5) Einführung besserer Ackergeräthe, speziell Pflüge, auf dem Wege besonderer Konkurrenzen, gemeinschaftliche Beschaffung von Maschinen und Gerüchen; 6; Ver- mehrte Aufmerksamkeit auf die Vertilgung von Pflanzen­schädlingen; 7) Förderung der Moorkultur; 8) Förde­rung der Grundstückszusammenlegung; 9) Förderung der Hagelversicherung; 10) Behandlung der Frage, ob eine mehr extensive Wirthschaft angezeigt sei; 11) Förderung des Anbaues von Handels- und Fabrik­pflanzen: 12) Wiederherstellung eines besseren Verhält- nisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sowie Verhülung des Kontraktbruches; 13) Erprobung von Futterpflanzen, welche sich für geringeren Boden eigenen; 14) Förderung der Privatwaldwirthschast und Auf­forstung von Oedländereien; 15) Auf dem Gebiete der Viehzucht ist Seitens der Centralvereine mehr ms bis­her die theoretische Seite dieses höchst wichtigen Ge­bietes der Landwirthschaft zu fördern a) durch Be­lehrung Seitens hierzu geeigneter Kräfte in d.n Einzel­vereinen, b) durch demonstrative Vorführung auf dm Schauen ; 161 Behandlung der Frage, ob die landwirth-

schafllichen Interessen Seitens der verschiedenen in Ver­bindung mit der Landwirthschaft stehenden Industrie­zweige überall in gebührender Weise berücksichtigt werden.

-a. Salmünster, 26. Febr. Herr Otto Brückner, Jagdaufseher der Reviere Soden-Romsthal, ist wie wir hören aus seiner Stellung ausgeschieden und wird in einigen Tagen unsere Gegend verlassen. Sein Name ist bereits in weiten Jägei kreisen rühmlichst bekannt ge­worden, wenngleich er es mit seltener Bescheidenheit verschmähte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Re­sultate seiner waidmännischen Thätigkeit, die hier einen Zeitraum von drei Jahren umfaßt, zu lenken. Heute gelangen wir in den Besitz seiner interessanten Raub­zeugliste und veröffentlichen sie nachträglich mit dem Bemerken, daß der Fischotterfang einer amtlichen Con- trole unterlegen hat. Raubzeugliste: 132 Füchse, 46 Fischottern, 23 Dächse, 2 Wildkatzen, 11 Marder, 27 Jltise, 11 Wiesel, (?!) 19 Hunde (wildernde), 53 verwilderte Katzen, 17 Eichkatzen, 39 Raubvögel, 174 Krähen, 34 Eichelhäher, 2 Fischreiher, 24 Wasser­amseln und 16 Eisvögel. Der Sachverständige wird freudigen Auges dieseStrecke" übersehen und gerne anerkennen, daß ein derartiges Ergebniß innerhalb dreier Jahre auf ein ungewöhnliches Maß von An­strengung und Geschick zurückgeführt werden muß.

Bau der Kinzig. Ein seit mehreren Wochen in aller Stille kolportirtes Gerücht von der Vermählung des Erb­prinzen Leopold von Nsenburg-Birstein mit der Tochter des Eisenbahnkönigs Vanderbild in Amerika wird durch eine Wiener Korrespondenz vom 13. Februar in einem bayerischen Blatte bestätigt. Nach derselben Korrespondenz erfahre:' wir weiter, daß die Mitgift der Braut einstweilen die Kleinigkeit von 30 Millionen Dollar, nach deutscher Reichw. etwa 126 Millionen Mark betragen wird. Ge­wiß ein respektables Sümmchen für den Erben deS Fürstenhauses Asenburg. Eine andere Version will wissen, die Braut sei aus einem hohen englischen Hause. Letztere- scheint das Richtigere zu sein.

Aus Hessen, 21. Februar. In Lampertheim hatte Der Gutsbesitzer Herweck einen Ochsen für eine Gemeinde in Wartung und Pflege und wollte in Abwesenheit des Knechts den Ochsen selber füttern. Hierbei beging er allerdings die Unvorsichtigkeit, in den Stand desselben einzutreten, anstatt das Futter von der Seite aus in die Krippe zu legen. Als der Ochse den ihm unge­wohnten Mann in seinen Stand eintreten sah, wurde er zornig, preßte den Gutsbesitzer mit Gewalt gegen die Krippe, spießte ihn mit den Hörnern und schleuderte ihn über die Raufe hinweg. Es war sofort ärztliche Hilfe zur Stelle und wurde Alles aufgeboten den Schwer­verwundeten am Leben zu erhalten, indeß vergebens; vorgestern Abend ist er an den erhaltenen Verletzungen gestorben.

Fulda, 23. Febr. Die hiesige Bürgerschaft hat die Umwandlung des hiesigen RealprogymnasiumS in eine lateinlose Realschule in Anregung gebracht.

Reichensachsen, 22. Febr. Bei Netra will man eine Petroleumpuelle entdeckt haben. Ein mit Feldarbeiten beschäftiger Arbeiter lenkte zuerst die Aufmerksamkeit darauf und als man daS Terrain genauer untersuchte, konnte das Vorhandensein einer ziemlich ergiebigen Petroleumquelle constatirt werden. Brennversuche, die man bereits mit der aus der Erde quellenden Flüssigkeit gemacht hat, sollen ein günstiges Resultat geliefert haben.

Cassel, 22. Febr. Infolge der Ergebnisse der SteuerSelbsteinschätzung toll festgestellt worden sein, daß Cassel nicht weniger 42 Millionäre besitzt.

Rikderkaufunge«, 23. Febr. Gestern früh wurde ein in den 40er Jahren stehender gut gekleideter fremder Reisender, welcher sein Musterpacket neben sich stehen hatte, an einer Ganen-Umzäunung hier erhängt aufge- funden; die Persönlichkeit ist bis jeyi nicht ermittelt.

th. Zum Dolksschulgesetz-

Jn den vorletzten Nummern dieser Zeitung ist die z. Z. die Gemüther tief bewegende Schutfrage berührt worden. Da in dieser Einsendung die Kernfrage, um die es sich in dem zur Verhandlung stehenden Schul­gesetz handelt: ob konfessionelle oder Simultanschule, in einem Sinne beantwortet zu werden scheint, der sich I gegen ersterer richtet, so darf auch die gegenteilige Ansicht an dieser Stelle zu Worte komme», und es