Aus Sturm und Wellen.
Lauter und lauter heulte der Sturm durch die kalte Winternacht; mit wildem Getöse schlugen die Wellen ans felsige Ufer, als ob sie alle Schläfer der um die Meeresbucht zerstreut herumliegenden Fischerhütten aus der Nachtruhe herausrütteln wollten. Jörg, der Fischer, war aufgewacht; aber nicht nur das Toben der entfesselten Elemente war an sein Ohr gedrungen, er vernahm auch — ja, es konnte nichts anderes sein — die Nothsignale eines ohne Zweifel nicht fern von der Küste sich befindlichen Schiffes. Rasch warf er sich in die Kleider und eilte an die Bucht. Wieder vernahm er den Nothruf. Nun kehrte er eilenden Fußes ins Dorf zurück und weckte die Nachbarn, Fischer, wie er selbst. Bald hatte sich eine beträchtliche Menschenmenge am Strande versammelt; den Männern waren Weiber und Kinder auf dem Fuße gefolgt. Die Nothsignale wiederholten sich in rascher Aufeinanderfolge. Auch Raketen wurden von dem schwerbedrohten Schiffe abgefeuert, und es war, als ob jeder am nächtlichen Himmel emporleuchtende Feuerstrahl in seiner stummen Sprache den Klageruf brächte: „Kommt herüber und helft uns!"
Unter Jörgs Anordnung stand das Rettungsboot bald in Bereitschaft. Doch mit bedenklichem Kopfschütteln und ängstlicher Miene schauten die Männer jetzt hinaus auf das ungestüme Meer, welches der Windsturm zu berghohen Wellen aufpeitschte; die Gefahr schien zugroß, das Verderben unvermeidlich. Zaudernd riefen sie: „Es geht nicht — es hieße sich einem gewissen Tode in die Arme werfen; kein Boot ist im stände, gegen eine solche See anzukommen, und kommen wir um, wer sorgt für unsere Weiber und Kinder?"
Wieder flog eine Rakete am Himmel empor mit der Botschast: „Rettet, o rettet uns!"
„Männer, Brüder, wie nun?" rief jetzt Jörg ernst und feierlich, mit ausgestrcckten Armen vor seine zaghaften Freunde hintretend. „Ihr wollt mir nicht folgen? ihr wollt keine Hand anrühren?"
„Nein," tönte es durch die Reihen der rauhen Schar, „es geht nicht." Aber einige traten zu ihm und sagten: „Wir gehen mit; wir nehmen's auf mit dem Sturm. Gott helfe uns!"
Im Augenblick war das Rettungsboot mit der nöthigen Anzahl wackerer Fischer bemannt; es nahm den furchtbaren Kampf mit der Brandung auf und hatte endlich wie durch ein Wunder den gefährlichen Weg bis zum Schiff zurückgelegt. Mit der Behendigkeit eines erfahrenen Seemanns hatte Jörg sich an Bord des gefährdeten Schiffes geschwungen. Bald war die ganze Mannschaft des schwerbeladenen Segelschiffes im Rettungsboot untergebracht, nur Jörg und ein Matrose standen noch auf dem Verdeck des sinkenden Fahrzeugs; da ertönte aus dem bereits über- füllten Boote der Schreckensruf: „Nur für einen noch Raum, sonst sind wir alle verloren!"
Ruhig schaute Jörg dem fremden Matrosen, den er zum ersten und letzten Male sah, ins Antlitz und sagte §elassen, aber mit großer Bestimmtheit: „Rasch, Freund, mein ins Boot, und du bist gerettet! Für mich sei ohne Sorge; auch ich bin wohlgeborgen und werde bald landen. Auf Wiedersehen in der oberen Heimath!"
Das Rettungsboot stieß ab mit seiner kostbaren Fracht. Der auf dem Schiffe einsam zurückgebliebene Mann aber, noch einmal in Wehmuth an Weib und Kinder gedenkend, rief den scheidenden Freunden zu: „Grüßt mir mein Weib und sagt ihr, sie soll getrost sein!" In den kurzen Augenblicken, da Retter und Gerettete ihn noch erblicken konnten, sahen sie ihn mit gefalteten Händen dastehen wie einen, der feierlich seine Seele Gott befiehlt. Dann war das Schiff vor ihren Augen verschwunden.
Am folgenden Abend, als die Sonne jede Fischerhütte am Strande mit ibren scheidenden Strahlen grüßte und die besänftigten Wellen samt der rauhen Felsenküste in
wundersame Färbungen tauchte, wurde Jörgs Leichnam ans Ufer geschwemmt. Am Grabe des schlichten Helden wählte der Geistliche das Wort: „Daran haben wir erkannt die Liebe, daß Christus sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen." A.
Steuern.
Unter König Friedrich I. von Preußen mußte, wer Gold oder Silber auf seinen Kleidern tragen wollte, einen Thaler jährlich bezahlen. Wer in einem Wagen fahren wollte und eine gepflasterte Straße dazu benutzte, gab jährlich drei Thaler. Wer Kaffee, Thee ooer Chokolade im Hause zu trinken wünschte, hatte die Erlaubniß dazu mit zwei Thalern jährlich zu erkaufen. Es gab eine Strumpf-, Stiefel-, Pantoffel- und Haarsteuer. Am lästigsten war die Kopfsteuer, welche selbst der Hof bezahlte. Der König gab für seinen Kopf 4000 und die Königin für den ihrigen 2000 Thaler. Der gesamte Militärstand hatte einen Monatssold einzuzahlen, jeder Handwerksgeselle einen halben Thaler. Es gab sogar eine Jungfrauensteuer. Jedes Mädchen mußte vom 20. zum 40. Lebensjahre, wenn sie während dieser Zeit nicht unter die Haube kam, einen halben Thaler steuern.
Sktavenjagden.
Die Sklavenjagden werden am Tanganjika-See noch immer in einer Grausamkeit ausgeübt, von der man sich kaum einen Begriff machen kann. Im November v. I. brächte der Häuptling Makutubu von einem Raubzug _ etwa 2000 gefesselte Sklaven nach Kirando, südlich von Karema, die schlimmer als bestialisch behandelt wurden. Wer den bevorstehenden Rückmarsch nicht aushalten zu können schien, alte Frauen und Kinder, wurden im voraus ertränkt; da aber später viele Gefangene vor Entbehrungen und Krankheiten die Mühseligkeiten des Weges nicht überwinden konnten, schlachtete man sie, indem man ihnen die Kehle durchschnitt, oder schlug sie mit Kniitteln tot, täglich 10 bis 50. Trotzdem brächte der Unmensch 2000 der Aermsten nach Kirando. Der in der Nähe befindlichen katholischen Mission gelang es, eine größere Anzahl zu befreien. Selbst den Kindern war durch Krankheit und grausame Behandlung greulich mitgespielt worden; am besten befanden sich noch die, welche an Armen und Schenkeln Brandwunden hatten, die ihnen für leichte Vergehen beigebracht waren. In Kirando selbst herrschte Mangel an Lebensmitteln, sodaß die Unglücklichen nicht so viel erhielten, um den quälendsten Hunger zu stillen. Sie gruben daher Wurzeln aus, die selbst das Vieh nicht genießt. Die von Fieber und Hunger fast Verzehrten wurden dann nachts in Hütten gesperrt, die nicht einmal gegen den Regen genügenden Schutz gewährten. Die Leichname, die an jedem Morgen in diesen Hütten gefunden wurden, warf man den Hyänen vor. Wann werden die Völker Europas den Bann der Sklaverei von ihren schwarzen Brüdern nehmen.
Wer Leibärzte.
Kien-Long, der vorige Kaiser von China, fragte Sir Georg Stanton, wie man die Aerzte in England belohne. Als ihm, nicht ohne Schwierigkeit, begreiflich gemacht worden war, wie gut sie wahrend der Krankheit der Patienten von diesen bezahlt würden, rief er aus: „Ist denn noch jemand, der's Geld zum Kranksein hat, in England gesund? — Nun will ich euch sagen, wie ich meine Aerzte bezahle. Ich habe vier, denen meine Gesundheit anvertraut ist; diesen wird wöchentlich ihre bestimmte Besoldung gegeben; aber von dem Tage an, an welchem ich krank werde, hört ihr Einkommen auf, bis ich wieder genese. Ich brauche euch nicht zu versichern, daß meine Krankheiten so kurz als möglich sind."