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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt* u. ^JÜustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
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Jf 13. Samstag, den 13. Februar 1892.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Febr. Die Kaiserin ist an einem leichten Jnfluenznanfall erkrankt und daher für die nächsten Tage an das Zimmer gefesselt. Der Ball im Schlosse am 11. d. M. wird dennoch stattfinden. Der Kaiser wohnte an: Mittwoch Vormittag mit den königlichen Prinzen, den Fürstlichkeiten, den Ministern, dem diplomatischen Korps, zahlreichen Militärs und vielen anderen hochgestellten Persönlichkeiten der Trauerfeier für den verstorbenen italienischen Botschafter Grafen Launay in der Hedwigskirche bei. Nach beendeter Trauerfeierlichkeit legte Seine Majestät am Sarge einen prachtvollen Lorbeerkranz mit Schleife nieder.
— Die nene dreiprozentige deutsche Reichs- und prenß. Staatsanleihe von 314 Millionen, welche am Dienstag zur Subskription aufgelegt war, ist dreimal überzeichnet worden. Die Zeichnungen sollen meist fest und die Spekulation wenig betheiligt sein.
— DaS Verfahren vor dem Disziplinar-Gerichtshof in Berlin gegen den bisherigen Gesandten z. D. und konservativen Abgeordneten Grafen Limburg Stirum, der in einem Artikel der „Kreuzztg." die Handelsverträge und im Zusammenhang mit denselben die vom deutschen auswärtigen Amt verfolgte Politik einer abfälligen Kritik unterzogen hatte, hat am Sonnabend stattgcfuuden. Das Unheil lautet auf Dienstentlassung d. h. Graf Limburg verliert den Titel eines preußischen Gesandten und die Pension. Gegen dieses sehr harte Unheil gedenkt Graf Limburg Berufung beim Staatsministerium einzulegen.
* — Wie der „Magd. Ztg." aus Rom gemeldet wird, wird der Papst im nächsten Konsistorium dem Breslauer Fürstbischof Kopp den Kardinalshut verleihen.
* — Die neuen Mäntel aus grauem Tuch, • jetzt bei einer Reihe von Truppentheilen probeweise getragen werden, kosten nach dem „Hannoverschen Courier" mehr als das Doppelte, wie die bisherigen Mäntel. Dieselben schmutzen auch leicht. Dagegen sollen sie sich in Bezug auf das Abhalten der Nässe gut bewährt haben. Eine Entscheidung über die Einführung der Mäntel wird erst nach Jahren getroffen werden.
* _ Das System der Dienstalters-Zulagen wird vom 1. April 1892 ab nach einer Verfügung des Landwirth- schafts-Ministers auch auf die bei der Forstverwaltung etatsmäßig angestellten Förster einschließlich der Revierförster, soweit es sich um deren Förstergehalt handelt, und die Dorf-, Wiesen-, Wege-, Fluß- 2c Meister der forstlichen Nebenbetriebsanstalten Anwendung finden, während die Wald- 2C. Wärter, deren Gehälter je nach dem Umfange ihrer Dienstgeschäfte bemessen werden, davon ausgenommen sind. Um das Uebergangsverhältniß nicht unnöthig zu verlängern, sollen die königlichen Regierungen Besoldungszulagen au Förster und an Meister der forstlichen Nebenbetriebsanstalten nach dem bisherigen System schon von jetzt ab nicht mehr gewähren.
* — Die Regulirung der Gehälter für Unterbcamten soll vom 1. April 1 892 ab derart stattfinden, daß das Minimalgehalt sich erhöht um bestimmte Alterszulagen nach Maßgabe der Dienstzeit seit der etatsmäßigen An- stellung. Die Alterszulagen werden gewährt von drei zu drei Jahren und betragen je nach den verschiedenen Beamtenkategorien 60, 80 und 100 Mark. Für die Mehrzahl der Beamtenkategorien sind sieben Alterszulagen vorgesehen, so daß das Höchstgehalt nach 21 Jahren erreicht wird. Bei einzelnen Kategorien aber wird das Höchstgehalt schon nach 15 bis 18 Jahren erreicht. Der Gesammtaufwand an Gehältern für Unterbeamte wird nach völliger Durchführung des Systems nicht größer sein als gegenwärtig. Vorab aber treten vielfach Mehrausgaben ein. Bei einer Beförderung soll der Beamte keinesfalls einen Gehaltsabzug erleiden, sondern in diejenige Altersklasse des neuen Amts eintreten, der sein bisheriges Einkommen entspricht. Bei der Eisenbahvverwaltung bestand diese Einrichtung bekanntlich schon. Dort wird an derselben, sofern einzelne abweichende Bestimmungen Maßgebend waren, vorläufig nichts geändert.
* __ Sozialdemokratie und Kriegervereine. Der Kriegerverein zu Deutsch Wilmersdorf hatte bei dem Landrathsamt die Bewilligung einer Fahne beantragt, worauf ihm mitgelheilt wurde, daß dem Gesuche nur dann gewillfahrt werden würde, wenn der Verein seine Statuten ändern und gewisse angeblich der sozial-demo
kratischen Partei angchörige Mitglieder ansschließ-n würde. Auf Grund dieses Bescheides erfolgte nun eine Statutenänderung, wie auch durch Vorstandsbeschluß die bezeichneten Mitglieder wegen Verdachts der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie ausgeschlossen wurden, worauf dieselben aber gegen den Verein Klage auf Aufhebung des betreffenden Beschlusses und Anerkennung ihrer Zugehörigkeit erhoben. Das Kammergericht erkannte in der Revisionsinstanz dahin, daß die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei einen Ausschließungsgrund bilde, und daß Klägern deßhalb ein Eid dahin aufznerlcgen sei, daß sie nicht Mitglieder der sozial- demokratischen Partei seien, namentlich niemals als Mitglieder dieser Partei Verhandlungen derselben besucht, an Aufzügen derselben Theil genommen oder Abzeichen derselben getragen haben. Leisten die Kläger diesen Eid, so wird der betreffende Vorstandsbeschluß aufgehoben, falls nicht, so erfolgt Abweisung der Klage.
*Fünfviertel Millionen Mark hat ein bekannter Berliner Marmorwaarenfabrikannt und Sportsmaun in einer einzigen Nacht verspielt. Daß die Millionen nun doch alle geworden sind und die ganze Geschichte zu- sammenkrachte, kann darnach nicht Wunder nehmen.
* — 11. Febr. In der Mordsache der Krollschen Eheleute in Weißensee ergab das gestrige Verhör der beiden Söhne, daß die Tochter vom Vater unter Mitwissen der Flitter getödtet worden sei.
Ein Telegramm aus Königsberg übermittelt dem Berliner Tageblatt die sensationelle Meldung, daß eS am gestrigen Sonntag, genau in derselben Weise wie vor acht Tagen, versucht worden sei, das königliche Schloß daselbst in Brand zu stecken, daß die Freve'lthat aber ebenfalls noch rechtzeitig wahrgenommen und das Feuer gelöscht worden sei. Diesmal wurde die Brandstiftung im Schloßaufgang zum Konsistorium versucht, acht Tage vorher war das Feuer bekanntlich im Schloßthurm mige= [egt, dessen Gebälk vorher mit Petroleum bestrichen worden war- Vou dem Thäter fehlt auch diesmal jede Spur.
Drei Kaiser als Pathen. Einem Schmiedemeister in Brielow ist der zehnte Junge geboren. Beim siebenten war Kaiser Wilhelm I. Pathe, beim achten Kaiser Friedrich, beim neunten Kaiser Wilhelm 11. Nun handelt es sich um den zehnten.
Der langen Reihe von Vereinen aller Art, die in Erfurt bestehen, hat sich als Glied der „Stöpselverein" würdig angeschloffen. Die Mitglieder sind verpflichtet, stets einen vergoldeten Champaguerflaschen-Propfen bei sich zu führen. Begegnet ein Stöpselvereinsmitglied, sei es wo es wolle, einem anderen Stöpselvereinler und ist dieser auf den Anruf: „Stöpsel raus!" nicht im Stande, der Aufforderung zu genügen, so muß er blechen. Der Stöpselverein verfolgt den edlen Zweck, die Strafgelder zum Besten armer Konfirmanden anzu- sammeln. Die Wahl des Vereinszeichen läßt aber daraus schließen, daß der Verein auch noch eine andere „Wohlthätigkeit" pflegt.
In einem Restaurant zu Köstritz wollte dieser Tag^ ein junger Mann seine Zeche von 2 Mk. 90 Pfg. mit einem Tausendmarkschein bezahlen. Er hatte seit einigen Tagen im Restaurant „Chaussechaus" bei Reich- Hardtsdors Wohnung genommen und vorgegeben, er sei ein reicher Gutsbesitzerssohn aus der Umgegend von Königsstein, der in der Waldluft Erholung suchen wolle. Da der Tausendmarkschein sich als falsch erwies, so wurde der verdächtige „Winterfrischler" in eine bekannte Heilanstalt d. h. hinter Schloß und Riegel gebracht.
Nordhausen, 6. Febr. Der Mühlenbesitzer Karl Ludwig von hier war im Jahr 1889 von der hiesigen Strafkammer wegen gewerbmäßigen Wuchers zu 1 Jahr- Gefängnis, 2000 Mk. Geldstrafe und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Das Reichsgericht hob auf ergaugene Revision das Urteil auf, die zweite Verhandlung führte jedoch zu demselben Resultat. Wiederum erkannte das Reichsgericht auf Aufhebung des Urteils und verwies nunmehr die Sache an das Landgericht Halle a. S. Doch auch die Halle'sche Strafkammer kam zu einer gleichen Entscheidung. Ludwig legte zum dritten Mal die Revision beim Reichsgericht ein und zum dritten Mal wurde dieselbe für begründet erachtet und das Urteil aufgehoben! Endlich in der vierten Hauptverhandlung, welche am 26. Januar zu Halle angestanden hat, ist Ludwig auf Antrag der königlichen Staatsanwaltschaft freigesprochen worden.
Ein in Bremen in Untersuchungshaft befindlicher Hochstabler, früherer Lehrer, M. Felgentreu, hat sich dadurch des Betruges schuldig gemacht, daß er durch die Möller'sche Gartenbauzeitung und zahlreiche Pro- spccte zur Betheiligung an einer angeblich in der Zeit vom 24. Februar bis 12. März v. J. in Bremen statt- findenden „Internationalen Ausstellung für Hygiene, Sport und Kunstindustrie" aufgefordert und daraufhin dann auch Anmeldungen und Geldbeträge zur Beschaffung von Plätzen entgegengenommen hatte. Eine Anzahl Geschädigter ist bereits ermittelt worden, der größte Theil derselben dürfte aber noch keine Anzeige erstattet haben, weshalb alle etwa betroffenen Personen aufmerksam gemacht seien, sich möglichst bald auf der Polizei in Bremen zu melden.
Das Gut Neufreseuburg bei Oldesloe ist bis aus das.Wohnhaus niedergebrannt. 84 Kühe und 5 Pferde kamen in den Flammen um.
Vom Rhein. Zum Xantener Knabenmord schreibt man dem „Berl. Lokal-Anzeiger": Die Wiederverhaftung des in Neuß — und nicht im Auslande — sich aufhaltenden jüdischen Fleischers Buschhoff dürfte schon in kürzester Frist erfolgen, nach dem sich in der wieder auf- genommenen Untersuchung neue Belastungen wider ihn ergeben haben. Kaiser Wilhelm hat sich übrigens über diese cause c61ebre Vortrag halten lassen. Jedenfalls wird in öffentlicher Verhandlung eine gerichtliche Klarstellung der dunklen Angelegenheit erfolgen. — Auch der „Kanter Bote" hört, daß das Verfahren gegen die Familie Buschhoff wieder ausgenommen sei und die Verhaftung berjelben bevorstehe. Inwieweit die Meldung richtig ist, wird sich wohl bald zeigen.
Die Strafkammer in Saarbrücken verurtheilte einen früheren Steiger, weil derselbe den FiscuS durch falsche Führung der Arbeitslisten betrogen, zu fünf Monaten Gef' nguiß. Bis jetzt sind in Folge ähnlicher Anschuldigungen zwölf Steiger entlassen und gegen 45 schwebt noch die Untersuchung.
München. Hier wurden drei Unterofsiciere des Leib-Regiments wegen übler Behandlung der Soldaten entlassen.
Tübingen. In nachtschlafender Stunde gelangten neulich zwei unternehmende Studenten bei der Glocke eines Arztes an und setzten sie in Thätigkeit. Bald zeigte sich der hilfsbereite Medikus am Fenster und er- hielt den Bescheid, ein schlafloser Unglücklicher bitte um ein Rezept für doppelt-kohlensaures Natron. Wohl bekannt mit solchen Gepflogenheiten, erschien der Berufene auf der Bildfläche, erkannte seinen nächtlichen Patienten, der es vorzog, sich zu empfehlen und überschickte ihm anderen Tages das erbetene Rezept nebst folgender Rechnung: „25 Mark für ärztliche Berathung unter besonderen Umständen, zu bezahlen an die Kasse der Sanitätskolonne." Auf warme „polizeiliche Zusprache" wurde die Forderung beglichen.
Aus dem Reichslande, 4. Febr. Ein eigenartiger Diebstahl wurde in Vic a. d. Seille in dem Hause des früheren Notars Simon ausgeführt. Als Simon Morgens sein Arbeitszimmer betrat, fand er das Schubfach seines Schreibtisches offen stehen und die Schlüssel zu seinem Geldschrank entwendet. In diesem Schränk befand sich das Geld seines Mündels, eines Fräulein- Cäcilie Favier, im Betrag von 17,000 Mark in Gold. Diese reiche Beute hatte der Dieb mitgenommen, während er eine Anzahl Werthpapiere ruhig liegen ließ. Das Das Erstaunen der über den Diebstahl erregten Dorfbewohner stieg aber noch, als heute der „Bestohlene" selbst als der Dieb verhaftet wurde.
Ausland.
Wien, 8. Febr. Professor Adamkiewicz erklärte in der Gesellschaft der Aerzte, er habe das langgesuchte Krebsheilmittel gefunden, und stellte Kranke vor, deren Krebsgeschwüre innerhalb 14 Tagen durch Jnjectionen Heilten. Professor Billroth äußerte seine Zweifel über die Sicherheit des Mittels.
Rußland. Privatnachrichten aus Petersburg lauten verzweifelt über die dortige Finanzlage; Rußland treibe dem Staatsbankrott entgegen. In den von der Hungersnoth heimgesuchten Provinzen herrschten unbeschreibliche Zustände.
Frankreich. Eine alle hysterische Dame hat, um ihre Verwandten und Erben zu ärgern, dem Papst