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Rückganges der Getreidepreise die Bäcker die Brodpreise bedeutend herabgesetzt haben. In Grünstadt wurden wurden sie um 6 Pfennig per ein Sechspfünder ermäßigt.

Ausland

Pest, 3. Februar. In der Weiber-Strafanstalt in Agram sind sämmtliche 20 Sträflinge eines Saales in Folge der Grippe in eine Art Delirium verfallen. Sie geberden sich wie irrsinnig und haben Gesichte und Hallucinationen. Zu ihrer Bewältigung mußte Gewalt angewendet werden, doch dauert die Krankheit fort.

Frankreich. Zwei deutsche Soldaten der französischen Fremdenlegion, Ködert und Schwarz, wurden wegen Fahnenflucht und Straßenraub in Geryville in Frankreich hingerichtet. Sie betraten singend das Schaffot und ihr Lied verstummte erst, als der eine unter das Fallbeil gebracht war.

Wie sehr in Frankreich die Bevölkerung abnimmt, ersieht man daraus, das die Zahl der Rekruten, die sich in diesem Jahre zum Militärdienste stellen, einen wesentlichen Rückgang aufweist. Die Wahrnehmung ist in Paris und anderwärts gemacht worden; aber einzig in seiner Art ist der Fall, der aus der Sciue- Jnferieure gemeldet wird. Dort haben 11 Gemeinden überhaupt keinen Rekruten zu stellen und 11 andere Gemeinden nur je einen.

Aus PariS kommt die Nachricht, doß die Klagen über die Vertheuerung der Lebensmittel wegen des neuen Zolltarifs sich fortwährend mehren. Wenn das unter dem alten Tarif eingeführte Schlachtvieh erst aufgezehrt ist, so prophezeien die Vorstandsmitglieder des Fleischersyndikats erst recht ein Anwachsen her­ber Theuerung. Mit dem Wein ist's dieselbe Geschichte und es wird den Weinwirthen nichts Anderes übrig bleiben, als den Wein noch stärker, als vorher, zu taufen.

England. Sir Morell Mackenzie, der vielgenannte Spezialist für Hals- und Kehlkopfkrankheiten unseligen Angedenkens, ist, wie aus London gemeint wird, dort am Mittwoch Abend um 10 Uhr der Influenza erlegen. In Deutschland hat man keine Veranlassung, diesem Mann, der ein geschickter Arzt gewesen sein mag, ein Wort des Beileids nachzurufen, denn jene tieftraurige Zeit der Krankheit unseres unglücklichen Kaisers Friedrich ist durch MackenzieS Dazwischentreten politisch zu einer der erregtesten und häßlichsten der ganzen neueren deutschen Geschichte geworden. Er ist nur 55 Jahre alt geworden.

Lokale- uud Provinzielles.

* Schlächtern, 9. Febr.

* Das Sinken der Getreidepreise hat während des ganzen Monats Januar angehalten. Weizen, der am 16, November 234, Ende Dezember 230 notirte, ist bis zum 1. Februar auf 202 gesunken, eine ähnlich rückgängige Tendenz hat Roggen beibehalten.

* Das Interesse für den Obstbau hat sich in den letzten Jahren in fast allen Gegenden Deutschlands ungemein gehoben und die Neuanlage von Okstbanm- stücken und die Pflege derselben wird mit regem Eifer betrieben. Wie indessen der letzte Herbst gezeigt hat. deckt die Obstproduktion Deutschlands noch lange nicht den eigenen Bedarf, und es mußten noch ungeheure Obstmassen aus Oesterreich-Ungarn importirt werden. Zur Bewältigung des Obsttrw Sportes verkehrten während der Obsternte zwischen Augsburg und Ulm täglich 6 Sonderzüge. Das eingeführte Obst wurde in Süd- und Mittel-Deutschland zur ApfUweinfabrikation ver­wendet. Man sieht hieraus, daß der Obstbau dem Landwirth für unabsehbare Zeit eine gute Einnahme­quelle bildet, darum:Auf jeden Raum pflanz' einen Baum und pflege sein, er bringt Dir's ein!"

* Ueber die F age, ob es gestattet sei, die Wirth­schaftswässer in die Straßenrinnsteine (Gossen) abzuleiten, hat kürzlich das Oberverwaltungsgericht eine bemerkens- werthe Entscheidung getroffen, mit welcher die au manchen Orten bestehenden Zustände nicht über einstimmen. Nach dieser Entscheidung sind die auf öffentlichen Straßen be­stehenden Rinnsteine der Regel nach dazu bestimmt, die Abflüsse des Tage- und Regenwassers von der Straße aufzunehmen und weiter zu führen, sie dienen aber nicht zur Beschaffung von Vorfluth für die angrenzend.n Grund­stücke und Gebäude bezw. als Ausgußort für die Abwässer derselben. Eine allgemeine Berechtigung der Besitzer der anliegenden Grundstücke, auch die Spül- und sonstigen Abwässer in den vorüberführenden Rinnstein ausgießen zu lassen, besteht mcht. Auch durch Octsherkommen und stillschweigende Duldung Seitens der Polizeibehörde kann ein solches Recht nicht begründet werden, vielmehr ist auch in diesem Falle die Ortspolizeibehörde jederzeit berechtigt, im gesundheitspolizeilichen Interesse das Ausgießen ^er Abwässer in die Rmnsteme zu untersagen, sobald sich daraus eine Belästigung der Nachbarschaft oder gar eine Gefährdung von Leben und Gesu-dheit infolge der durch zurückbleibende Senkstoffe verursachten üblen Aus­dünstung ergiebt.

H. Salmünster, 7. Felr. Vergangene Woche wurde von einem hiesigen Metzger bei Herrn Oekonom Ptuns in Wahlert ein zweijähriges Schwein geschlachtet, welches $9« seltene Gewicht von 625 Pfund erreicht hatte.

R. Rümsthal, 2. Febr. Die heutige Sitzung des Landwirtschaftlichen Vereins" war wie gewöhnlich von Vereinsmitglieden und auswärtigen Gästen sehr zahlreich besucht. Der erste Punkt der TagesordnungBe­schaffung von Saatkartoffeln, künstliche Düngmittel rc. durch den Vereinsvorstand", war rasch erledigt. Hieran schloß sich eine Mittheilung des Vereinsmitgliedes Herrn Domänenpächter Fjscher-Udenhain über die in jüngster Zeit erfolgtet Neugründung Raiffersen'scher Genossen­schaften in nächster Nähe, namentlich in Neicheubach und Neuschmitten. Diesen sehr interessanten Mittheil­ungen schloß sich das Vereinsmitglied, Herr Justizrath Scheuch-Ahl an mit einem eingehenden geschichtlichen Vortrag über unsere der Landwirthschaft dienlichen Kassen und Finanzinstitute früherer Zeit bis zu den dreißiger Jahren, die Wendung zum Besseren seit Gründung der Landescreditkasse, die weiteren so vor theilhaften Entwickelungen der Städtischen-, Kreis und Commuunlständischcn Spar- und Leihkassen, sowie end­lich der aus Selbsthilfe beruhenden so segensreich wirkenden Schulze-Delitzsch- und später auch der Raiffeisen'schen Productiv- und Consum-Genossenschaften. Der Vor­schlag einer weiteren Besprechung über Gründung einer sog. Raiffeisen'schen Darlehnskasse auch für den Kreis unseres Vereins fand lebhafte Aufnahme und wurde deshalb auf .Sonntag, den 14. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, eine Vercinssitzung nach Romsthal in die Carl Noll'sche Wirthschaft anberaumt, zu welcher die Vercius- mitglieder sowie auch Gäste eingeladen sind.

Fulda 4. Februar. In der Nacht vom 30. auf den 31. v. Mts. sind in Großenlüder mehrere Ein- bruchSdiebstähle verübt bezw. geplant worden. Zunächst war es das Amtsgerichts^ebäudc und dann die Apotheke, in welche die Diebe durch Zerschneiden der Fenster­scheiben mit einem Glaserdiamanten eindrangen; sie mußten jedoch ohne die erhoffte Beute wieder abziehcu. Im Amtsgericht widerstand der Kassenschrank den Spreng- versuchen hartnäckig und in der Apotheke mußten sich die Diebe mit dem unbedeutenden Inhalt der Tages­kasse begnügen. Zuletzt handelte es sich um einen Einbruch in die Post, wo es aber nur zum Versuch kam, weil die Thäter rechtzeitig verscheucht wurden.

Barchfeld, 3. Februar. Daß auch in hiesiger Gegend der finstere Aberglaube noch seine Blüthen treibt, zeigt ein Vorkommniß aus neuerer Zeit. Einem Bauer war vor 3 Jahren ein Stück Vieh verendet. In dem Glauben, daß an dem Tod des Thieres eine Hexe schuld sei, wandte er sich an einen Wahrsager in Mark- suhl, der dem Bäuerlein den guten Rath gab, sich einen schwarzen Hahn ohne Schwanz anzuschaffen, der das Werk der Hexe stören würde, was natürlich alsbald geschah. Trotz Zaubermittel und Wahrsagekunst wollte es jedoch der Zufall, daß im darauffolgenden Jahre das Schicksal den Stall des Bauern wieder Heimsuchte und ihm ein zweites Stück verenden ließ. Wieder den Wahrsager aufsuchend, erklärte dieser, es müsse nun die Hexe ausfindig gemacht werden, was auf folgende Weise geschehen könne: Man solle Lunge und Leber des abgestochenen Thieres vorsichtig ausschneiden, beileibe mit dem Ausgeschnittenen der Boden nicht berühren und das sog. Gehäng in den Schlot bringen und räuchern. Wie alsdann die genannten Weichtheile des Thieres im Schlot zusammenschrumpfen, würde auch die Hexe versiegen. .Gesagt, gethan; aber die Hexe versiegte nicht, was ein dritter Fall eines Thieres bewies. In dieser Lage klagte der Bauer sein Schicksal einem Bekannten, der dem Hexeuglauben abhold war. Dieser verlachte die Naivität des Bauern und hat zum Exempel für Andere das Vorkommniß veröffentlicht. Etwas Gutes soll der Vorfall nun doch gehabt haben: der Bauer ist ein eifriges Mitglied der hiesigen Viehkäss? geworden.

Schmalkalden, 4. Februar. In der Stadlkämmerei, so wird demThür. Hausfr." erzählt, erschien vorgestern eine einfache Frau vom Lande, die anscheinend gefüllte Kotze" aus dem Rücken.Ist hier die Kämmerei?" fragte sie einige der nächststehenden Personen, die die Frage bejahten. Nachdem sie die Einrichtung des Bureaus be­trachtet, wiederholt sie nach kurzer Z-it die Frage, und wird hierauf an den Stadtkämmerer gewiesen. Sie geht auf denselben zu, deutet auf die inzwischen niedergesetzte Kötze und spricht:Hier hab' ich Ihnen die Wolle zum Kämmen gebracht!' Tableau u. allgemeine Heiterkeit.

Kleinschmalkalden, 4. Februar. Der vom Dienste suspendirte Lehrer Kreis hat unseren Ort unter Zurück- lassung von Frau und Kind bis auf Weiteres verlassen.

Kassel, 2. Februar. Man schreibt derH. P." Vor einigen Tagen hatten die Postschaffner des Halle- Kasseler Personenzuges ein Kuriosum ersten Ranges zu bestehen. Mit dem Zuge wurde in einem Käfig ein Affe b,fördert. Die Briefe waren b.reits ordnungs­mäßig sortirt und in den dazu bestimmten Fächern untergebracht. Da mochte es cem Affen mit einem Male zu enge in seinem Käfig werden, denn er benutzte einen Augenblick, als Niemand im Postwagen anwesend war, um aus dem Käfig zu kommen. Das Aefflein sprang nun in die Fächer und warf alle Briefe auf die Erde und nachdem die Postwagenthür geöffnet, versuchte der Waldmensch ins Freie zu gelangen, wurde aber an einem Bein erfaßt, zurückgezogen und in seine Gefangen­schaft zurückgeführt. Die angestellte Verwüstung war jebo$ nicht so leicht zu beseitigen.

Kassel. Seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitet hat gestern Mittag der im hiesigen Landgerichts- Gefängniß befindliche Schreinermeister Köhler von Mcl- sangen. Köhler hat, wie wir seiner Zeit meldeten, im Streite seine Ehefrau, mit der er in Unfrieden lebte, erschlagen.

Hanau, 26. Januar. Der seit Jahren bemerkbare Rückgang unserer Industrie und unseres Handels hat die Handelskammer und die Stadtbehörde bewogen, eifrig für die Wetterführung der Maincanalisation bis Hanau einzutreten. Da die Kanalisation bis Offenbach in kurzer Zeit durchgeführt sein wird, ist die Fortsetzung bis Hanau für uns geradezu eine Frage der Wettbewerbs­fähigkeit und der Weiterexistenz als Handels- und Fabrik- stadl geworden. Die Stadtverwaltung und die Handels­kammer haben daher den Stadt- und Handelskammer- fecretär R. Bödicker mit der Abfassung einer Denkschrift überdie Wetterführung der Eanalisirung des Mains von Frankfurt a. M. bezw. Offenbach bis Hanau, ihre Vortheileund ihre Nothwendigkeit" beauftragt. In diesem Werke, das jetzt erschienen ist, erhält nicht nur der Orts­kundige, sondern auch der Fernstehende ein umfassendes Bild der Verhältnisse und der hohen Bedeutung der Eanalisirung des Mainflusses für Hanau und dessen nähere und weitere Umgegend. Für die eigentlichen Canalisirungs- arbeiten würden nach der Denkschrift dem Staate etwa 2tz- Millionen Mark Kosten erwachsen, während die Kosten für Hafenbauten, das Lagerhaus und die sonstigen örtlichen Anlagen im Betrage von 21 /* Millionen nach einstimmigen Beschluß der städtischen Behörden von der Stadt aufgebracht werden sollen.

Hanau, 3. Februar.Rathe mal, wie viel Millionär wir hier in Hanau hawe?" Diese Frage warf ein stadtkundiger Bürger in einer hiesigen Wirthschaft auf und es dauerte nicht lange, daß es zu einer lebhaften Diskussion kam. Der Eine meinte 10, der Andere 23 und man einigte sich, daß es deren wohl 18 seien, welche über eine Million verfügen. Wenn's nur auch wahr wäre, bemerkt dazu derHan. Anz."

Frankfurt, 3. Februar. Im März v. I. war durch einen von Frankfurt nach Bebra fahrenden Eisen­bahnzug in Folge Heraussprühens von Funken ein größerer Waldbrand entstanden. Die Fideikommißver- waltunz der Familie von Hütten wurde gegen den Königl. Eisenbahnfiskus auf Schadenersatz von 3146 Mk. beim hiesigen Königl. Landgericht klagbar. Gestern kam es zu einem Vergleich, wonach der Fiskus als Abfindung 2500 Mk. bezahlt.

! IL^L--LWIM«M «N IHWMWW? Der böse Magister.

Erzählung von Ernst Willkomm. (Fortsetzung.)

7.

Magister Gift saß in seinem Zimmer und kramte in Papieren. Ihm gegenüber stand sein Sohn , der eben mit lächelnder Miene eine Erzählung beendigt hatte.

Sehr gut", sprach der Vater, mit klugem Auge den Sohn anblickend.Du fängst an, meine Pläne zu be­greifen, und das freut mich. Es kommt Alles darauf an, daß man Zeit und Umstände stets richtig zu benutzen versteht. Wer es unterläßt, ist ein Narr oder ein Feig­ling. Du weißt, es ist mein Wille. Beirren lasse ich mich nicht, übervortheiten auch nicht, und da ich ohne Erreichung dieses Zieles Zeit meines Lebens aus Kummer und Sorge mich nicht herausarbeiten kaun, muß und soll es geschehen. Was du jetzt etwa noch dagegen einzuwenden haben möchtest, gilt mir gleich. Die Folgezeit wird dich Die Singe richtiger erkennen und schätzen lehren. Darum immer vorwärts! Gcht's mit List, ist es mir lieber, kann diese aber nicht zum Ziele führen, so darfst du auch Gewalt brauchen. Ich will dich nun einmal für immer hier recht warm einsetzen."

Amandus hörte dem Vater aufmerksam zu, dann reichte er ihm die Hand und gelobte unbehindert Ge­horsam. Von dem, was zwischen Vater und Soyn abge» sprochen worden war, erfuhr Niemand etwas. Selbst für Josepha blieb der Inhalt dieses Gespräches ein Ge­heimniß.

Nach Weihnachten trat der Winter, der sich' bisher nur vorübergehend eingestellt hatte, mit großer Strenze auf. Es fi.l ungewöhnlich viel Schnee, und .der starke Frost verwandelte alle Gewässer in starres Eis. Ja Folge dieses Frostes trat Wassermangel ein, so daß bald nur noch auf zwei Gängen in der Mühle gemahlen werden konnte. Täglich mußten die Mühlknappen stundenlang im Eisc arbeiten, um das Werk nur einigermaßen im Gange zu halten. Der Fluß war ungeachtet seines starken Ge- sülles fest zugefroren und konnte überall gefahrlos über­schritten werden. Selbst Frachtwagen passirten die klingende Eisbrücke, ohne sie zu beschädigen. Nur die in ein schmäleres Bett zusammengedrängte Wassermasse des Mühlengrabens fror nirgends ganz fest zu. In unmittel­barer Nähe der Mühle blieb das Wasser, mit Ausschluß der Ränder, sogar ganz eisfrei. Hier war es. auch tief und die Strömung reißend, ein großer Vortheil für den Mühlenbesitzer, der auf diese Weise selbst in sehr strengen und lang dauernden Wintern doch wenigstens für einen Gang immer hinreichendes Wasser behielt, während manche andere Mühle in solcher Zeit ganz feiern mußte,