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Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. „Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf
Mittwoch, den 27. Januar
Ne»fk»kil,NM^ °uf die „Schlüchterner Zeitung" SPt^lUllityLU werden noch fortwährend von allen ---------- ' Postanstalten und Landbriefträgern s-wie von der Expedition entgegen genommen.
Kaisers Kcöurtstag.
Zur Festesfreude, zum Jubeltag
Laßt uns're Herzen erheben, Zum Thron des Herrschers mit warmen Schlag In der Hütte sowohl als im Prunkgemach Und rufen: »Der Kaiser soll leben!
„Es lebe der Kaiser! so tön' es fort, In jedem festlichen Kreise.
Ein Schirmherr der Arbeit, ein Friedenshort, Erschalle noch lange sein Kaiserwort Nach wackerer Zollernweise.;
Der Zollern Weise war treu und wahr, Seitdem vom Fels bis zum Meere Den Flug gelenket der Deutsche Aar Durch Schlachtgetümmel und Kriegsgefahr; Sie gaben stets Gott seine Ehre.
„Gott war mit uns und ihm sei die Ehr!" Die Losung soll stets uns geleiten, Rufst Tu zum Kriege Dein tapf'res Heer, Zum Schutz der Marken des Landes Wehr In drohenden schweren Zeiten.
Die Zeiten sind ernst und der Erbfeind droh't.
Es dürfen die Waffen nicht rosten!
Des Sängers Auge sieht Krieg und Tod.
Es leuchtet der Himmel so blutig roth Im Westen sowohl als im Osten.
Im Osten und Westen der Wölfe Heer — Sie heulen und fletschen die Zähne, Drum halte geladen Dein Jagdgewehr! Germania! suche Dein Rüstzeug her Und schüttle die goldene Mähne!
Die Mähne schütt'le und schürz, Dein Kleid Und mache Dich klar zum Gefechte!
Des Landes Söhne, sie sind bereit, Will man Dicy zwingen zum Kampf und Streit! Doch zur Abwehr nur hebe die Rechte!
Zur Abwehr nur halte hoch den Schild Und stehe im Drang der Wellen, Ob die Brandung wild um's Gestade brüllt, Ein Fels im Meere, ein Eisenbild, An dem die Wogen zerschellen.
Die Woge» zerschellen und prallen ab, Und heulen die Wölfe sich heiser, Es wartet ihrer ein sich'res Grab Auf heil'gem Boden, den Gott uns gab. Hurrah! es lebe der Kaiser.
Fritz Becker in Thalhof.
Kaisers Geburtstag.
Königs und Kaisers Geburtstag ist von jeher ein Freudenfest für das ganze preußische und deutsche Volk gewesen: ein Volk, welches seinen Monarchen liebt und ehrt, welches in ihm den obersten Hüter seines Wohls, den Beschützer seines Rechts und den Förderer seiner edelsten Interessen erblickt, gedenkt natürlich mit Theilnahme und Dankbarkeit dessen, was die hohe Person des Monarchen anbetrifft, und wie es alle Handlungen und Kundgebungen, alle Ereignisse in dem Leben seines Kaisers mit dem Gefühl begleitet, daß die engsten Wechselbeziehungen zwischen Fürst und Volk bestehen, so giebt es sich auch den Empfindungen herzlicher Freude an dem Tage hin, der seinem Kaiser das Leben gegeben hat. In die freudigen Glückwünsche, die dem Monarchen aus seiner Familie und aus seiner engsten Umgebung entgegentönen, stimmt das ganze preußische und deutsche Volk mit Aufrichtigkeit ein, indem es zugleich seine warmen Gebete für die Gesundheit und das Leben des Kaisers zum Himmel emporsendet.
Ja, Gott möge ihn auch ferner uns erhalten unb, ihm Kraft verleihen, daß er seines hohen verantwortungsvollen Amtes zum Besten des Vaterlandes walte und die hohen Ziele, die er sich gesteckt hat, erreiche. Mit welcher Hingebung er sich diesen Zielen widmet, davon hat unser Kaiser in dem nunmehr zurückgelegten Lebens
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Januar. Der Geburtstag des Kaisers wird am Mittwoch am Berliner Hofe in Gegenwart zahlreicher Fürsten in gewohnter Weise festlich begangen werden. Bei den Chefs der Reichs- und preußischen Behörden finden die üblichen Diners statt.
* — Die Verhandlungen mit den ehemals reichunmittelbaren Familien wegen der Entschädigung für ihre bisherige Steuerfreiheit sollen, wie es jetzt heißt, ntch gescheitert sein, sondern sich nur verzögert haben. Er in den letzten Tagen seien bestimmte Vorschläge zu einem Abkommen gemacht werden.
* — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erklärt die Meldung, daß in der Reichsdruckerei an der Herstellung neuer deutscher Postwertzeichen gearbeitet werde, für unzutreffend. Es fänden wohl fortgesetzt Versuche betreffs besserer Methoden rc. statt, von der Absicht einer generellen Aenderung des Bestehenden sei indessen zur Zeit keine Rede.
— Vor dem Berliner Schwurgericht wurde gegen die Frau des Dr. jur. Präger und ihren Bruder, den Handlungsgehilfen Max Schweitzer verhandelt, wegen versuchten Mordes bezw. Anstiftung dazu. Frau Präger, eine etwas leichtlebige Frau, soll ihren Bruder zur Ermordung ihres Mannes, der ihr mit Ehescheidung gedroht, veranlaßt haben. Beide Angeklagte bestritten die Schuld; die Geschworenen sprachen Schweizer des versuchten Todtschlags, Frau Präger der Anstiftung dazu schuldig. Das Urtheil des Gerichtshof lautete gegen den Ersteren auf 4 Jahre, gegen Frau Präger auf 6 Jahre Zuchthaus.
— 23. Januar. Heute wurde vor dem hiesigen Schöffengericht gegen den Redakteur des „Kladderadatsch", Trojan, sowie gegen einen Zeichner und einen Maschinenmeister dieses Blattes wegen Verspottung von Gebräuchen der katholischen Kirche verhandelt. Die Beleidigung sollte durch eine über die Ausstellung des Trierer Rockes gebrachte Zeichnung geschehen sein. Der Gerichtshof sprach jedoch sämmtliche Angeklagte frei.
* — In einer großen von 4000 Personen besuchten Volksversammlung sprach Bebel am Donnerstag Abend über die Lehren aus dem Buchdruckerstrike. Er erklärte
jahre wieder mannigfache unzweideutige Beweise gegeben. Aus allen seinen Kundgebungen leuchtet der eine große Gedanke als Leitstern hervor: Mein Leben gehört dem Vaterlande! Dem Vaterlande, der Nation ist sein ganzes Denken geweiht.
Große Reformen, zu denen der Kaiser selbst den Anstoß gegeben, sind im verflossenen Jahre bereits unter Dach und Fach gebracht: das Arbeiterschutzgesetz, die Steuerreformgesetze, die Landgemeindeordnung, die Handelsverträge. Ueberall mögen einzelne Interessen zu Opfern genöthigt worden sein; aber ihre Vertreter sollen nicht klagen, denn „wenn das Ganze gedeihen soll, müssen im Einzelnen Opfer gebracht werden." Insbesondere die hohe Stellung der Krone darf sich nicht durch Rücksichtnahme auf Einzelintcressen bestimmen lassen, sie muß den Blick auf das Ganze gerichtet halten. Diese hohe Auffassung von den Pflichten des Trägers der Krone ist es, die alle Kundgebungen unseres Kaisers durchzieht.
Kaiser Wilhelm hat im letzten Jahre auch das Friedenswerk in hohem Maße gefördert. Die Verlängerung des Dreibundes, der Abschluß der Handelsverträge, die persönlichen Besuche in Holland, England und Oesterreich weisen mit beredter Sprache hierauf hin. Ein wie aufrichtiger Freund und Förderer des Friedenswerks der Kaiser aber ist, davon legte er in den schönen Worten Zeugniß ab, die er am 4. Mai bei dem Provinzialfest in Düsseldorf sprach: „Ich wollte nur, der europäische Friede läge in Meiner Hand; Ich würde jedenfalls dafür sorgen, daß er nie mehr gestört werde; .... jedenfalls werde ich nichts unversucht lassen, und was an mir liegt, dafür sorgen, daß er nicht gestört wird."
Mit wärmerem, treuerem Herzen kann kein Monarch auf das Wohl seines Volkes bedacht sein. Unserem Kaiser hierfür dankbar zu sein, ist nicht nur Pflicht, sondern auch Bedürfniß des Volkes, und dieses Gefühl läßt sich an seinem Geburtstage nicht besser zum Ausdruck bringen, als in dem aufrichtigen Wunsch: Gott segne, Gott erhalte unseren Kaiser und gebe ihm eine lange, gesegnete Regierungszeit!
sich entschieden bei der gegenwärtigen und voraussichtlich noch lange andauernden Geschäftslage gegen jeden weiteren Strike und empfahl dagegen Anschluß an die gewerkschaftliche Bewegung und an die Sozraldemokratie, deren Endziel die Aufhebung des Klassenstaates sei. Dabei erfuhr man, daß die sozialdemokratische Parteileitung thatsächlich den streikenden Buchdruckern 20,000 Mark bewilligt hatte.
Hamburg. Ein Steuerkuriosum kann man die Thaliache nennen, daß eine bisher hier seßhafte Aktien- Gesellschaft, die HoUsten Brauerei, die Verlegung ihrus Wohnsitzes nach dem benachbarten Altona beschlossen hat, um sich unter das preußische Einkommensteuergesetz zu stellen, das für Aktien-Gesellschaften günstiger ist als das Hamburgische, weil in Preußen der steuerpflichtige Reingewinn um den Betrag von 3l/2 Prozent des Aktienkapitals als erste Dividende gekürzt werden kann, was in Hamburg nicht der Fall ist. Die Gesellschaft zahlt in Altona 3900 Mk., in Hamburg öl 1L Mk. und bei der in Aussicht genommen Erhöhung der Hamburgischen Einkommensteuer sogar 6133 Mk.
In Thorn wurde am Freitag früh an der im Octvber v. Js. vom dortigen Schwurgericht zum Tode verurtheilten Ehefrau des Pferdeknechtes Budniewski aus Giercowa durch den Scharfrichter Reindel das Urtheil mittelst des Beiles vollstreckt. Die Budniewski hatte ihren erkrankten Ehemann mit Anwendung von Phosphor vergiftet.
Vor dem Landgericht zu Freiburg i. S- gelangte unlängst nach fünftägiger Verhandlung ein Betrugsprozeß zum Abschlüsse, der allgemeines Aufsehen erregte. Angeklagt war der Briefmarkenhändler Krippner, weil er in mehreren Fällen alte, echte, aber ungestempelte Briefmarken mit nachgeahmten Stempeln abgestempelt und in den Handel gebracht hatte. Ein aus Leipzig herbeigeholter Sachverständiger eiklärte, daß im Briefmarken-Handel ein sehr bedeutendes Gewicht auf den Entwelthungsstempel gelegt werde, der eine Bürgschaft für die Echtheit der Marke barbiete. Der Preis für gebrauchte Marken sei in der Regel weil höher, weil sich aus ihnen das Alter der Marke bestimmt erkennen lasse, denn einzelne Staaten hätten zu Sammel- zweckcn minderwerthige Neudrucke ihrer früheren Post- werthzcichen verunstaltet. Unter Berufung auf die §§ 263, 43, 77 und 74 des Strafgesetzbuches wurde Krippner zu 21/2 Jahren Gefängniß und dreijährigem Ehrenverlust verurtheilt.
Meerane, 21. Jan. Einen „glücklichen Tod" fand hier ein armer Weber, der singend von einem Besuch zurückkehrte. Während er aus dem bekannten Volksliede die Worte: „Was frag' ich viel nach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin!" anstimmte, fiel er vom Schlage getroffen zur Erde. Der Fall erinnert an den eigenthümlichen Tod eines Händlers in dem sächsischen Dörfchen Lausa. Dort gerielh jener Händler im Gasthof mit einem anderen Mann in heftigen Streit über die Fortdauer nach dem Tode. Der Händler leugnete eine derartige Fortdauer „und wenn er auch auf der Stelle sterben müsse". Kaum war ihm das Wort entfahren, sank er vom Schlage getroffen todt zu Boden.
Wie man aus Halle a. S. meldet, haben dort Leute, die sich zum Antritt einer Strafe im Gerichtsgefängniß teilten, hektographir^ Scheine folgende» Wortlautes erhalten: „Dem (Name) wird hierdurch bescheinigt, daß er ich heute zum Strafantritt im hiesigen Gerichtsgefängniß gemeldet hat, wegen Ueberfüllung des Gefängnisses aber vorläufig nicht angenommen und dahin bedeutet worden ist, sich in 3—4 Wochen anderweit zu melden."
Kastei (bei Mainz), 21. Januar. Als ein gefährlicher Hüter behördlichen und privaten Eigenthums hat sich der hiesige Nachtwächter Franz Dorn erwiesen. Sonntag Nacht brach im Polizecamte Feuer aus, das aber durch das rasche Einschreiten der Feuerwehr bald gelöscht wurde. Bei näherer Untersuchung der Brand- 'tätte stellte sich heraus, daß ein Einbruch verübt worden war, daß der Dieb jedoch nichts Wesentliches gefunden und deshalb wohl aus Wuth das Feuer angesteckt habe. Die Polizei entfaltete eine rege Thätigkeit, um des Spitzbuben und Brandstifters habhaft zu werden; aber ergeblich. Gestern nun meldete ein Einwohner der Behörde, daß der Nachtwächter Dorn Sonntag Nacht in einer Wirthschaft ein falsches Drei-Markstück verausgabt hatte. Sofort angestellte Ermittelungen ergaben,