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Ein zweiter Sohn, der beim städtischen Nachtwächtercorps in Königsberg dient, war ebenfalls zur diamantenen Hochzeit erschienen. Das Jubelpaar wurde zum dritten Male kirchlich eingesegnet und empfing in seiner Behau­sung die Glückwünsche der ganzen Stadt Lyck.

Osterburg, 6. Januar. Ein alter Kuhhirte im be­nachbarten Dorf Behrend hat in Ermangelung von Ver­wandten sein erspartes Vermögen von etwa 4500 Mark seinem Brotherrn vermacht.

Aus Sachsen. In sächsischen Armenhäusern gelangt die Prügelstrafe noch zur Anwendung. In dem vor einigen Tagen herausgegebenenJahresbericht des Landcs-Medizinal-Kollegiums über das Medizinalwesen im Königreich Sachsen" wird hierüber gesagt: Be­strafungen durch körperliche Züchtigungen kommen zu­weilen vor, doch neuerdings auffallend weniger oft als früher; sie haben stets einen unverkennbar guten, oft sehr nachhaltigen Eindruck auf widerspänstige, zur Auf­lehnung geneigte, einer Besserung kaum fähig scheinende Subjekte gehabt. Sie finden stets nur nach ärztlicher Untersuchung der zu Bestrafenden durch den Bczirksarzt und in dessen Beisein statt." (Hiebe auf ärztliche Verordnung?)

Meseritz, 5. Januar. Einem Ehepaar in unserem Kreise wurden im verflossenen Jahre fünf Kinder ge­boren. Die Frau des Schmiedemeisters Häusler in Kainscht gebar nämlich am 19. Januar v. I. Zwillinge und am 31. Dezember Drillinge.

Großes Mißgeschick hat die Polizeiverwaltung in Erfurt mit einem als Polizeisoldat engagirten Berliner Militäranwärter gehabt. Das neueSicherheitsorgan" hat sich gleich nach seiner Ankunft eine Reihe so arger Schwindeleien zu Schulden kommen lassen, daß sich schon am ersten Tag seiner Dienstzeit seine Verhaftung nötig gemacht hat. Der Frhr. v. Meyer in Ketschendorf bei Coburg hat unlängst, wie bereits mitgeteilt, für die Gemeinde Ketschendorf ein Geldgeschenk von 1000 Mk. überwiesen. Die Summe ist nun dem Vernehmen nach von der Ortsbehörde nach der Steuer verteilt worden uud zwar haben die Höchstbesteuerten je 21 Mk., die minderbesteuerte Mittelklasse je 14 Mk. und die Unter­klasse (die wirklich Armen, für die das Geschenk doch wohl eigentlich bestimmt war) je 7 Mk. erhalten. Diese Art der Verteilung ist jedenfalls sehr schlau, billig wird sie aber Niemand nennen können.

Eistnach, 8. Januar. Zwei hiesige Knaben, der eine 13, der andere 8 Jahre alt, besamen von ihrer Mutter den Auftrag, vor Beginn der Schule ein Packet auf die Post zu tragen, das an die in Mühlhausen wohnende Schwester der Jungen adressiert war und ein Geburtstagsgeschenk für dieselbe enthielt. Ob ihnen nun das Porto von 25 Pfg zu hoch gewesen oder ob die Wanderlust der alten Deutschen über sie gekommen ist, kurz, sie schwenkten rechts, ließen Schule Schule, Post Post sein und traten mit ihrem kleinen Schlitten, auf dem sie das Packet beförderten, die Reise nach Mühl- Hausen an, um das Geburtstagsgeschenk eigenhändig zu überreichen. Am Nachmittag lief bei der Mutter, die sich natürlich über das Ausbleiben ihrer Buben ängstigte, ein Telegramm ein, daß die Knaben mit dem Packet wohlbehalten in Mühlhausen angekommen seien. Ein hiesiger Metzger, der auch dorthin fuhr, hatte sie unter­wegs aufgegriffen und brächte sie am anderen Tag un­versehrt wieder. Die Entfernung zwischen Eisenach und Mühlhausen beträgt über 6 Stunden. Und da sage einer noch, die heutige Jugend sei verweichlicht und habe keinen Muth!

Ein Fabrikmädchen in Sterkrabe erhielt vor vier Wochen aus einer Erbschaft 1000 Mark. Sofort gab die Leichtsinnige, derDuisb. Volksztg." zufolge ihre Arbeit auf und lebte herrlich und in Freuden, wodurch dieselbe es fertig gebracht, in vier Wochen die ganze Summe auszugeben.

Muhlhei« am Rhein, 7. Jan. In einem Hause an der Christophstraße hatte sich gestern Abend um 10 Uhr die etwa 30jährige Frau eines Webers zu Bett begeben, als ein Mann und eine Frau mit geschwärzten Gesichtern in das Zimmer traten, der Frau mit einem Tuche den Mund verstopften und ihr dann mit einem Seile Beine und Arme banden, baffetbe straff anzogen und es ihr dann um den Hals legten, sodaß die Fran, wenn sie sich zu bewegen suchte, sich selbst fast würgte. Sie warfen der so Gefesselten eine Bettdecke über den Kopf, daß sie beinahe erstickte, stöberten alle Sachen im Zimmer durch, nahmen eine goldene Broche, erbrachen ein kleines Kästchen, in dem sich etwas Geld befand, er­griffen aber die Flucht, als eine Thür im Hause knarrte. Als der Mann gegen Mitternacht nach Hause kam fand er seine Frau im bewußtlosen Zustande, dem Erstickungs­tode nahe. Dieselbe liegt krank darnieder. Von den Thätern fehlt jede Spur.

Der Gemeinderath von Metz hat einen aus seiner Mitte hervorgegangenen Antrag, sich geschlossen an dem Festmahle zur Feier des Geburtstags des Kaisers zu beteiligen, einstimmig angenommen. Für die Erstarkung des Deutschthums in Metz und Loth ringen ist dieser Be Äuß ein Hocherfreulichcs und bedeutungsvolles An- ,vu <m, zumal wenn man berücksichtigt, daß der jetzige Ge neinderath in Metz etwa zu zwei Drittel ans All- knetzer und französisch sprechenden Bürgern besteht.

Heidelberg, 6. Januar. Unser Leichenverbrennungs- Apparat ist nun in Betrieb genommen worden und haben bereits einige Verbrennungen stattgefunden. Die Satzungen für die Verbrennung sind sehr mannigfach. Unter Anderem wird bestimmt, daß die Leichen von Personen unter 18 Jahren und Willensunsähigen nur auf Wunsch der Bestattungspflichtigen verbrannt werden können; von auswärts Verstorbenen ist eine Beurkundung der zu­ständigen Polizei Behörde erforderlich. Die Kosten stellen sich verhältnißmäßig sehr niedrig; Verbrennung mit allen dazu erforderlichen Vorrichtungen bis zur Ab­lieferung und einschließlich der Beendigung der Aschen- reste, welche in Holz-, Blech- oder Thongefäße den Angehörigen übergeben werden, kostet nur 25 Mark, wozu dann noch die üblichen Friedhofskosten kommen.

Aus dem Großherzogthum Reffen, 8. Januar. Die N. H. L." schreiben: Wohl aus Anlaß der traurigen Vorkommnisse in Gießen sollen an den Gymnasien und Real-Gymnasien des Landes strenge Untersuchungen stattfinden, ob Schülerverbindungen an diesen Anstalten bestehen. In Darmstadt hat die Untersuchung durch Herrn Oberschulrath Soldau bereits begonnen. Die Eltern, welche Söhne auf höheren Lehranstalten haben, können nicht oft und dringend genug gemahnt werden, den Lebenswandel ihrer Söhne streng zu überwachen, denn welche traurigen Folgen eine Lässigkeit in dieser Beziehung nach sich ziehen kann, zeigen eben die bc- klagenswerthen Gießener Ereignisse. Die dort ermittelten Hauptschuldigen, Söhne aus den besten Familien, werden demnächst von der Strafkammer zu Gießen abgeurtheilt werden und voraussichtlich nicht unbedeutende Gefängniß- strafen erhalten, so daß sie für ihr ganzes Leben mit einem Makel behaftet sind. Mit ihrem Studium ist es natürlich vorbei und ebenso mit der Berechtigung zum Einjahrig-Freiwilligen.

Ausland.

In dem amtlichen Sanitätsbericht der Stadt Brüssel heißt es, daß die Influenza-Epidemie zur Zeit in Belgien mehr Opfer fordere, als die letzte Cholera-Epidemie. Antwerpen hat täglich 80, Gent 70, Mons 25 Todes­fälle zu verzeichnen.

Paris, 5. Jan. Von einem Dr. Richtt, der vor einigen Tagen an einer Lungenentzündung starb, wird erzählt, daß er während seiner Krankheit selbst noch alle Symptome beobachtete und dem ihn behandelnden Arzt von jeder Einzelheit genau unterrichtete. In dem Maße als die Hepatisation fortschritt, hielt er darüber Vortrag. Am letzten Tage, mitten in der schwersten Athemnoth, sagte er noch:Wenn die Erscheinung diesen Grad erreicht, so ist jede Aussicht auf Rettung verloren und der Tod nahe. Sehen Sie nur, ich muß sterben .... ich sterbe" und er starb wie ein Weiser.

In Mailand sind die Influenza-Todesfälle von 30 auf 111 täglich gestiegen. Militär wurde zur Bei­hülfe der Todtengräber requirirt.

Rußland. Vor der russischen Grenze wird berichtet, daß unter den dort ausgestellten und dicht zusammenge- pferchten russischen Truppen ein großes Sterben herrscht. Fortwährend treffen Ersatztruppen ein. In den russischen Nothstandsgebieten sind zahlreiche Fälschungen von Lebens­mitteln konstatirt. Gegen die Betrüger soll streng vor- gegangen werden. Alle deutsche Eisenbahnbeamte in den baltischen Provinzen sind in das innere Rußland versetzt. Ueber die Eisenbahnkatastrophe in Borki wird jetzt ganz zuverlässig bekannt, daß sie durch ein nihilistisches Attentat hervorgerufen wurde. Der Urheber war ein als Küchen­junge verkleideter Mhilist, welcher unter der Maske eines Zuckerhutes eine Thomas Uhr in den Zug gebracht hatte. Auf den Stationen der Wladikawkas - Bahn lagern 4 Millionen Pud Getreide. Wagenmangel hindert die Beförderung.

Der Chedive (Vicekönig von Ezhpten, Tewfik Pascha, ist an der Influenza gestorben. Sein Nachfolger ist sein 1874 geborener Sohn, Prinz Abbas Pascha.

Lokale- «ud Provinzielles.

Schlüchter«, 12. Jan.

* Unter den Vögeln herrscht jetzt wieder in Folge des eingetretenen Lchneefalles empfindlicher Nah­rungsmangel. Es sei deshalb die Mahnung in Er­innerung gebracht: Gedenket der hungernden Vögel!

* Die silbernen Zwanzigpfennigstücke werden dem Verkehr entzogen. Die öffentlichen Kassen haben, der T. R." zufolge, Anweisung erhalten, die vereinnahmten Münzen nicht wieder auszugeben, sondern nach Berlin abzusenden.

* Ein noch unerhobener großer Gewinn von 20,000 Mark fiel auf Nr. 17003 der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellungs Lotterie zu Frankfurt a. M. in die Kollekte von Lud. Müller & Co., Nürnberg Hamburg Berlin München. Das Loos ist an einen Unbekannten verkauft, und da man annimmt, daß der Betreffende die Gewinnliste nicht mit der nöthigen Sorgfalt eingesehen hat, so werden alle Besitzer solcher Loose noch darauf aufmerksam gemacht, sich ihre Nummern nochmals genau betrachten zu wollen. Der glückliche Besitzer der Nr. 17053 wolle sich bei ge­nannter Firma behufs E-Hebung seines Gewinnes melden.

* Antipyrin darf seit dem 1. Januar, ebenso wie schon seit längerer Zeit Antifebrin, nur noch auf ärztliche Verordnung in den Apotheken verabreicht werden. Und das ist gut. Denn zu den mancherlei Beweisen, daß das Antipyrin bei freihändigem Verkaufe sehr viel Schaden anzurichten vermag, ist neuerdings ein weiterer getreten. Der Bäckermeister Scharf, Bellealliancestraße in Berlin, erkrankte vor einigen Tagen nnter allen An­zeichen einer schweren Vergiftung, so daß nur schleunige ärzliche Hilfe ihn zu sich zu bringen vermochte. Zu­erst glaubte man an eine Verwechselung in der Apotheke, in der Antipyrin verabreicht worden war. Dagegen hat Scharf seit Wochen täglich vier Antipyrinpulver genommen.

* Für die Einschätzung der Hausbesitzer zur neuen Einkommensteuer hat die Berliner Einschätzungskommis­sion nunmehr unter ausdrücklicher Zustimmung des Finanzministers beschlossen, als Betrag der Abnutzungen für abzugsfäbig zu erklären von der Miethseinnahme ein halbes Prozent des Feuerversicherungswerths der Gebäude. Die Ausführungsanweisung des Finanz­ministers war bekanntlich davon ausgegangen, daß nur ein halbes Prozent der Miethseinnahme für Abnutzung in Rechnung zu stellen sei. Uebrigens ist niemand gehalten, bei der Steuererklärung sich solche Normativ- vorschriften als Richtschnur dienen zu lassen. Es ist Jedermann gestattet, denjenigen Prozentsatz der Abnutz­ung in Ansatz zu bringen, den er als der wirklichen Abnutzung der Gebäude entsprechend nachweisen kann.

* Weder neue Sommerkarten nach Bade- und Luftkurorten, noch neue Rückfahrkarten mit außerge­wöhnlichen Preis-Ermäßigungen und Sonntagsfahrkarten zu einfachen Preisen für die Hin- und Rückfahrt dürfen ' künftighin, wie dieVossische Zeitung" mittheilt, nach einer Anweisung des jetzigen sparsamen Eisenbahnministers an die kgl. preußischen Eisenbahndirektionen eingeführt werden!

* Eine Einschränkung im Betrieb muß nach der Kreuzzeitung" gegenwärtig in den großen Reparatur- Werkstätten der Staats-Eisenbahnen bewirkt werden. Der gejammte Verkehr, sowohl der Personen- als der Güter­verkehr , hat in ungewöhnlichem Grade abgenommen, so daß eine erheblich geringere Wagenzahl im Betriebe ist, als früher, und in Konsequenz davon auch nur wenige Wagen der Reparatur dedürftigt werden. Eine Ent­lassung von Arbeitern ist vermieden worden, doch werden dieselben bis höchstens 7 Stunden auf den Tag beschäftigt. .

* Wie sind die Geburtstage zu zählen? Ist der Tag, an welchem das Kind ein Jahr alt wird, dessen erster oder zweiter Geburtstag? Das Reichsgericht hat sich hierüber ansgesprochen. Es war gegen ein Schwur- gcrichtsurtheil die Revision eingelegt, weil eine Zeugin, welche am Tage ihrer Vernehmung und Vereidigung 16 Jahr geworden war, noch nicht eidesmündig sei. Das Reichsgericht erklärt, daß die Zeugin mit Beginn des Termintages,ihres 17. Geburtstages", die Eides­mündigkeit erlangt habe. Es ist hiermit also die alte Streitfrage durch höchsten Richterspruch des Reiches dahin erledigt, daß man mit Vollendung des 16. Lebensjahres den 17. Geburtstag begeht, daß also der Tag, an welchem das Kind ein Jahr alt wird, sein zweiter Ge­burtstag ist.

Fulda, 7. Januar. Von unterrichteter Seite wird demF. K." mirgetheilt: In der letzeen Sitzung des Bezirks-Eisenbahnraths zu Frankfurt a. M. ist von einem Mitgliede, das die Unzweckmäßigkeit der gegen« wärtigen Lage der VerkehrSzeiten auf den Rhönbahnen Dom touristischen Standpunkte aus im Einklänge mit anderen Stimmen offen aussprach, der Antrag gestellt, für die beiden von Bebra und Frankfurt Morgens zwischen 8 und 9 Uhr in Fulda eintresfenden Personen- züge bessere Anschlüsse mit den beiden Rhönbahnen zu schaffen, da die von Süden und Norden mit diesen Zügen eintreffenden Reisenden 6 resp. 7 Stunden in Fulda warten müssen, ehe sie in der Richtung nach der Rhön weiter reifen können. Der Herr Direktions­Präsident bemerkte darauf, daß eine Abänderung deS Fahrvlanes der Rhön-Bahnen abgeleh t werden müsse, da dieser Fahrplan den Wünschen der Rhönbewohner entspreche. ES bestehe allerdings in dieser Beziehung in interessirten Touristenkreisen eine Gegenströmung; - ab r es müßte in erster Linie den Interessen bezw. Wünschen der Rhönbewohner Rechnung getragen werden. Es wäre daher der berufenen Seite anheim zu stellen, meint unser Herr Korrespondent, weitere Schritte in der Sache zu thun, eventuell zu ermitteln, ob die Wünsche der Rhönbewohner nicht doch mit den be­rechtigten Wünschen der Touristen in Einklang zu bringen sind.

Hersfeld, 8. Jan. Gestern Morgen wurde der Schuhmacher Früholz auf dem Todtenhofe erhängt vor­gesunden. Seine Frau hatte gleichfalls im vorigen Jahre ihrem Leben ein freiwilliges Ende bereitet. Fr. lebte in geordneten Verhältnissen, weshalb anzunehmen ist, daß er in Geistesstörung gehandelt hat.

Bebra, 6. Januar. Der älteste Eisenbahnarzt im Deutschen Reich, Herr Dr. Neuschäfer hier, hat am 1. Januar seine ersprießliche Thätigkeit eingestellt. Der­selbe hat sein Amt fast volle 50 Jahre hindurch bx»