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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.JUustrirtem Familienfreund" viertcljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Mittwoch, den 13. Januar

RoH^!il»»lNS11 °uf dieSchlüchterner Zeitung"

JllUllllyS-lt werden noch fortwährend von allen -----------------" "- Postanstalten und Landbriefträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

Selbsthilfe der Arbeitgeber in England.

Das Verhältniß zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern in England hat unter dem Druck des maßlosen Terrorismus der Trade-Unions allmählig eine Gestaltung angenommen, welche die Führer der sozialrevolutionären Propaganda vor eine ihnen völlig unerwartete Situation stellt. Es ist das Berdienst der Trade-Unions (Gewerk- vereine), wenn auch schwerlich das gewallte, den Arbeit­gebern nach schweren Kämpfen und Opfern die Erkennt­niß beigebracht zu haben, daß das einzige Mittel, sich und ihr gutes wirthschaftliches Recht gegen rohe Ver­gewaltigung zu behaupten, die Koalition in großen, kapitalkräftigen Juteressenverbänden ist. Bis vor nicht gar langer Zeit galt es als ein Hauptaxiom aller sozialrevolutionären Agitatoren, daß das Koalitionsrecht nur den Arbeitern, nicht den Arbeitgebern praktischen Nutzen bringe, weil letztere viel zu egoistisch und konkurrenzneidisch seien, um einander mit dem Maße von Selbstwilligkeit und Opferwilligkeit unter die Arme zu greifen, wie es bei den Arbeitern geschehe. Darauf ruhte die Taktik der englischen Trade-Unions, eins der Gewerbe nach dem andern zum Objekt ihrer wirthschaft- lichen Kriegsoperation zu machen, indem man sich syste­matisch erst die schwächsten Firmen aussuchte, diese unterwarf" und dann zu den nächstschwachen überqing. Anfangs bewährte sich der Kalkül; es kam vor, daß die stärkeren Konkurrenten dem Ruin ihrer schwächeren Nebenbuhler mit einer Art Schadenfreude zusahen bis sie die Erfahrung machten, daß ihnen daraus kein Nutzen, wohl aber der ganzen Branche empfindlicher, dauernder Schaden erwuchs und zwar dadurch, daß der Absatz sich ganz oder doch nahezu ganz von dem exponirten einheimischen Industriezweige weg- und ausländischen Konkurrenten zuwandte. Der Versuch mit Schiedsge­richten mißlang vollständig, da es sich regelmäßig her- ausstetlle, daß Schiedssprüche von den Trades-Unionisten nur anerkannt wurden, wenn sie ihnen günstig lauteten. Wo nicht, so blieb der status quo bestehen, d. h. es wurde weiter gestreikt. Heute ist das Schiedsgericht in der englischen Industrie ein definitiv überwundener Standpunkt. Die so im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen bewirkten einen totalen Umschwung in den Anschauungen der englischen Arbeitgeber. Die Vereinig­ungen derselben zu Schutz und Trutz schössen wie die Pilze aus der Erde; boykottirle oder sonstwie von dem Terrorismus der Trade-Unions bedrohte Firmen erhielten von ihr n Konkurrenten am selben Orte so ausgiebige Unterstützung, daß sie uachgewiesenermaßen in solchen Zeiten der Bedrängniß oft besser dastanden, als unter normalen Verhältnissen. Die Selbsthilfe der Arbeitgeber zeigte den umstürzlerischen Machenschaften der Sozial- demokratie den Meister. Die entscheidende Wendung de» KampfeS zwischen Kapital und Arbeit brächte die Frage derblacklegs (Schwarzbeine-Streikbrecher). Indem die Arbeitgeber sich zu Vorkämpfern des Rechts der freien Selbstbestimmung erklärten und die von den Trade-Unions für vogelfrei erklärten Blacklegs nach­drücklichst in Schutz nahmen, war der Versuch jener Arbeitervereinigungen, das Recht auf Arbeit zu mono- Polisiren, im Prinzip besiegt, und die Anzeichen mehren sich, daß immer mehr Arbeiter zur Besinnung kommen, And damit zur Vernunft und zu ihrer Pflicht gegenüber der Familie, der Gesellschaft, dem Staate zurückkehren.

Deutschrs Reich.

Berlin. Der Kaiser wird am 20. d. M. in Kiel der Vereidigung der Marinerekruten und dem Stapellauf einer Panzerkorvette beiwohnen. Der Kaiser beabsichtigt, in diesem Jahre mit seiner Familie und dein gesammten Hofhalt einen längeren Aufenthalt auf Schloß Wilhelms- Höhe bei Kassel zu nehmen. Der König und die Königin von Württemberg werden, so viel bekannt, am 24. oder 25. zum Besuche am Berliner Hofe eintreffen und sich an der Feier des Geburtstages des Kaisers betheiligen.

- -- Der Säbel soll nunmehr bei der deutschen Kavallerie «nd reitenden Artillerie endgiltig abgeschafft gerben. An den Lanzen soll eine Vorrichtung getroffen

werden, welche es ermöglicht, den Revolver an demselben mittels einer Einbiegung der Lanze zu befestigen. Auch spricht man vom Ankauf von 3 Millionen Stück Feld­flaschen aus Aluminium zum Preise von a 5 Mark.

Das neue Gesetz, betreffend den Lotterielooshaniel beginnt bereits seine Wirkung dahin zu äußern, als die königlichen Lotteriekollekteure selbst die Loose nicht alle verkaufen zu können scheinen. Wie diesbezügliche An­zeigen in vielen Provinzialzeitungen ergeben, sind an Zahl- reechen Orten noch ganz bedeutende Posten an Loosen zu haben, für welche nunmehr die Käufer fehlen.

Verstaatlichung der Apotheke». Der Gesetzentwurf, welcher die Uebernahme der Verwaltung und des Eigen­thums der Apotheken durch das Reich herbeiführen soll, wird in der sozialdemokratischen Presse damit begründet, dieser Uebergang sei die nothwendige Consequenz der Gesetze über die Kranken-, Unfall- und Jnvaliditäts- Versicherung. Das Reich soll dabei kein fiskalisches Interesse verfolgen, sondern die Medikamente zum Selbst­kostenpreise verabfolgen. Zweifellos ist durch die Ent­wickelung der staatlichen Arbeiter-Versicherung die Apo- thekenfrage ein gutes Stück acuter geworden. Dies beweist schon die Thatsache, daß größere Krankenkassen- Verbände mit Gesuchen hervorgetreten sind, eigene Apo­theken errichten zu dürfen. Dazu kommt, daß infolge der von den Zwangskassen in natura gewährten Arzneien der Arznei-Consum in Arbeiterkreisen ganz bedeutend zugenommen hat. Die Ausgabe für Arzneien hat seit der Einführung der obligatorischen Kranken-Versicherung pro Jahr und Kopf in der Arbeiterwelt sich nahezu versiebenfacht. Wie die Sozialdemokraten die Durch­führung ihres Antrages im Einzelnen sich denken, .ist nicht klar. Es ist zweifelhaft, ob mit der Verstaatlich ung der direkte zentralische Staatsbetrieb oder die Ueber­nahme durch Gemeinde oder Kreisverwaltung gemeint ist. Die Frage hat die Reichsregierung wie den Reichs­tag wiederholt beschäftigt. Die verbündeten Regierungen haben wiederholt versucht, durch ein Reichsapothekengesetz die unzweifelhaft herrschenden Mißstünde im Apotheken- Gewerbe zu beseitigen. Der Versuch ist indessen stets im Sande verlaufen. Von anderer Seite wird dagegen die vollständige Freigabe des Apotheker-Gewerbes befür­wortet. In denjenigen Ländern, in welchen es frei ist, z. B. in Frankreich, ist zwar die Zahl der Apotheken größer als bei uns, trotzdem klagt das Publikum nach wie vor über hohe Arzneipreise. Eine Neuregulirung würde voraussichtlich airch den Apothekergehülfen zu Gute kommen. Gegenwärtig haben dieselben nur alle 14 Tage einen freien Tag, eine tägliche Arbeitszeit von 14 bis 16 Stunden und ein Jahresgehalt von 1000 bis 1200 Mark, das bei examinirten Apothekergehülfen auf 1500 bis 1800 Mark steigt.

* In verschiedenen deutschen Städten hat man den Versuch gemacht, durch Besteuerung der öffentlichen Lustbarkeiten der Vergnügungssucht entgegenzutreten und die Sittlichkeit zu heben. In Cöl» hat diese Ver­gnügungssteuer im letzten Etatsjahre der Armenkasse über 50,000 M. eingebracht. Das blieb auch das einzige erfreuliche Ergebniß der Verordnung. Die Ver­gnügungssucht hat keineswegs abgenommen und von einer Entlastung der Sittlichkeitspolizei ist nichts bekannt geworden. Dagegen hat das betreffende Ortsstatut mit seiner hohen Belastung unter den Wirthen große Un­zufriedenheit erzeugt. In Magdeburg hatte das Polizei­präsidium wiederholt den Magistrat ersucht, eine Be­steuerung der öffentlichen .Lustbarkeiten in weitestem Umfange zu beschließen, da dadurcheine wohlthätige Einwirkung auf die sittlichen und volkswirthschaftlichen Interessen der einzelnen Gesellschaftsklassen ausgeübt und zur Verminderung der Vergnügungssucht wesentlich beitragen würde." Der Magistrat hatte schließlich dem Drängen des Polizeipräsidiums nachgcgcben und ein Ortsstatut zur Besteuerung von Lustbarkeiten den Stadt­verordneten vorgelegt. Dieselben haben es aber in einer der letzten Sitzungen einstimmig abgelehnt. Es wurde bei den Verhandlungen hervorgehoben, daß auf dem Gewerbe der Wirthe bereits eine Gewerbesteuer und für die Zukunft auch eine Betriebssteuer ruhe. Eine Vergnügungssteuer sei deshalb als eine Ungerechtigkeit zu betrachten. Es sei den Wirthen unmöglich, diese Steuer etwa auf die Gäste abzuwälzen. Es sei auch entschieden zu bestreiken, daß durch eine derartige Steuer die Sittlichkeit gehoben würde.

* Die Verbrüderung der streikenden Buchdrucker mit der Sozialdemokratie ist in Berlin in vier Ver­sammlungen zum Ausdruck gekommen. Die Einladungen sind ergangen vomgeschäftsführenden Ausschuß der Berliner Streikkontrollkommissien", d. h also dem sozial­demokratischem Generalstab für alle Streikenden. Der Vorwärts" konstatirt denn auch in einem besonderen Aufruf, daß die ausständigen Buchdruckergehilfenfrei vor aller Welt ihren AMchluß an die moderne Arbeiter­bewegung, d. h. an die Sozialdemokralic erklärt haben." Lächerlicherweise heißt es in dem Aufruf, daß die Streikenden zu einem schweren Kampfe vom Kapitalis­mus gezwungen worden sind. Bekanntlich haben die Gehilfen frivalerweise die Tarifvereinbarung zwei Monate vor Ablauf derselben gebrochen. Die Sache der Buchdrucker, so schließt der Aufruf, seiAngelegen­heit des ganzen Proletariats." Dann wird also die klägliche Niederlage, der die streikenden Buchdrucker entgegengehen, auch zugleich eine Niederlage des sozial­demokratischenProletariats" sein.

Zu dem Morde der Amalie Kroll wird aus Weißensee gemeldet.Vor der hiesigen Amtsbehörde hat ein Zimmergeselle zu Protokoll gegeben, daß ihm zwei Tage vor dem Morde die kleine Amalie erzählt habe, sie und ihre Geschwister würden häufig von den Eltern geschlagen und die Mutter mische den Kindern bisweilen Mittagsweißes Pulver" in die Suppe. Als der Zimmermann frug, weshalb die Mutter dies thue, ant­wortete das Mädchen:Na, ich denke, wir sollen wohl sterben!" Daraufhin fand eine neue Haussuchung statt. In der Krollschen Wohnung fand man nichts, wohl aber im Hofe im Cirkuswagen des Kroll eine Düte enthaltend 20 Gramm weißes Pulver, das in der nahen Apotheke als Arsenik erklärt wurde. Man hegt nun den Verdacht, daß die Krollschen Eheleute nicht nur ihre Tochter Ama­lie gewaltsam zetödtet, sondern bereits früher drei ihrer Kinder, deren letztes im Oktober v. I. starb, mit Arsenik vergiftet zu haben. Die drei kleinen Leichen sollen nun ausgegraben werden, um durch chemische Unter­suchung die Todesursache festzustellen.

* Von einem schweren Schneesturm ist in der Nacht zum Mittwoch Norddeutschland heimgesucht worden. In Hamburg sind die meisten telephonischen Verbindungen in der S:adt, wie nach Auswärts gestört. An vielen Stellen hängen zerrissene Drahte von den Häusern herab. Der Schaden ist bedeutend. In der Provinz Schleswig-Holstein sind die meisten Züge wegen Schnee­verwehung stecken geblieben. Der Berliner Zug traf am Mittwoch mit zwei Stunden Verspätung in Kiel ein. Auch in den russischen Nothstandsgebieten lobte ein furchtbarer Schneesturm. Da die Verkehrswege eingeschneit sind, wird das Elend geradezu entsetzlich. Das Unwetter am Mittwoch hat in der Nordsee stark gehaust. Bon allen Seiten kommen Hiobsposten.

Danzig, 7. Januar. Die letzten orkanartigen Stürme haben das Kurische Haffwasser zurückgestaut, infolgedessen wurden die Dörfer Nemonien, Juwendt, Tawe, Agilla, Gilge, sowie ein großer Theil der Labiauer Gegend überschwemmt: das Treibeis des Haffs ist in die Uferdörfer eingedrungen und hat großen Schaden angerichtet.

Ueber die Neujahrsleistung eines Briefträgers sind in Elbing interessante Feststellungen ermittelt worden, über welche die Altpreuß. Ztg. Folgendes mittheilt: Herr Uhr­macher Z. in Elbing hatte dem Briefträger eines Reviers der inneren Stadt der Wissenschaft wegen einenSchritt­zähler" zur Benutzung während der letzten Tage gegeben. Mit absoluter Sicherheit markirt so ein Ding jeden Schritt, welchen sein Träger macht. Danach hatte der betreffende Briefträger in seinem Hin und Her, Trepp auf, Trepp ab, in der Zeit vom 31. Dezember früh bis zum 2. Januar, Vormittags 10 Uhr, genau 158,900 Schritte gemacht, das sind, in Meilen um^eredjnet, Bkeile 9500 Schritte, rund 17 deutsche Meilen.

Lyck, Ostpr. Mit 100 Jahren noch flott zu tanzen ein solcher Fall steht wohl einzig da. Am 30. v. M. feierte hier das Glasermeister Preuß'sche Ehepaar die diamantene Hochzeit. Der Ehegatte, welcher im 102. Lebensjahr steht, ist zwar hinfällig, indeß geistig noch ziemlich frisch. Die Gattin aber erfreut sich noch der testen körperlichen Rüstigkeit und Lebenslust. Sie be- theiligte sich wiederholt am Hochzeitstanz, wobei ihr 60 Jahre alter Sohn meistens der Tänzer der Bkutter war-