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Der erste Schnee.

Die Kinder jubeln durch das Haus: O Mutter, Vater, schaut heraus Und seht, was doch in dieser Nacht Gott für ein Wunder hat vollbracht! Rings alles weiß, wohin ich seh; Der erste Schnee, der erste Schnee!"

Der Sommer weilt im Süden weit; Die Erde braucht ein neues Kleid. Die Englein wirkten lange dran Und zogcn's ihr nun heimlich an. Weich sank eS nieder aus der Höh' Der erste Schnee, der erste Schnee.

Die Landwirthschaft.

Die Bedeutung der Landwirthschaft für den Staat hat der Reichskanzler v. Caprivi in seiner großen Reichstagsrede in so eindringlicher Weise hervor­gehoben, daß wir nicht unterlassen können, seine Worte hier loiederzugeben. Der Reichskanzler sagte:

Es liegt in den Bedingungen der Landwirth­schaft begründet, daß unter allen Umständen der Landwirth ein staatserhaltender Mensch sein wird; vollends, wenn der Grund und Boden durch Ge­nerationen in denselben Händen bleibt, erwächst eine Liebe zur Heimath, wie sie kein anderer Stand hat, und welche die erste und sicherste Quelle des Patriotis- inus ist, wie ihn der Staat in ernsten Zeiten braucht. Ich halte weiter dafür, daß eine der wesentlichsten Grundlagen unseres Daseins das Familienleben ist. Die Arbeiter, die in industriellen Betrieben beschäftigt sind, mögen noch so weitgehende Wohlfahrts-Anstalten genießen; im allgemeinen glaube ich mich nicht zu irren, wenn ich annehme, daß das Leben des Arbeiters auf dem Lande eher die Möglichkeit eines gesunden Familienlebens giebt, als das eines Arbeiters in der Stadt."

Ich will danlit nicht sagen, daß die Verhältnisse auf dem Lande überall so lvären; ich weiß sehr gut, wie viel daran noch sehlt, und ich behaupte nur, die Möglichkeit ist auf dein Lande eher gegeben, als in der Stadt, und weil ich das Familienleben für eine Quelle der Kraft und des Gedeihens des Staates in körperlicher und sittlicher Beziehung ansehe, so würde ich allein schon hierin Grund genug finden, es zu beklagen, wenn die Landwirthschaft einer Krisis entgegenginge und geschädigt würde."

Diese Worte enthalten eine Wahrheit, welche von keinem Verständigen bezweiselt wird. Es versteht sich daher von selbst, daß eine jede Re­gierung, die den Staat und gesundes Familienleben im Volke erhalten will, alles thun muß, um die Landwirthschaft zu fördern. Dazu gehört auch die Fürsorge für den ländlichen Arbeiter. Der Reichs­kanzler führte aus, daß es nothwendig sei, den Ar­beiterstand lebensfähig zu erhalten.Wir stehen," sagte er,auf dem Standpunkte der kaiserlichen Bot­schaft, welche den Arbeitern nicht entgegentreten, sondern ihnen entgegenkommen will. Wir wollen dies thun durch billigere Lebensmittel und durch lohnende Arbeit." Und hier hat die Regierung eine große Aufgabe für die Landwirthschaft zu erfüllen. Die größte Unzufriedenheit, die jetzt in der ländlichen Bevölkerung herrscht, namentlich bei dem kleinen länd­lichen Grundbesitz, kommt von dem unerträglichen Mangel an ländlichen Arbeitern. Hier kann und muß die

Regierung der Landwirthschaft helfen. Billige Lebens­mittel und lohnende Arbeit giebt es auf dem Lande die Fülle. Stimmt man die Naturallöhnung an vielen Orten, die Nutzung des Viehes, Holz, Wohnung u. dergl. hinzu, so kommt bei den Löhnen ein höherer Satz heraus, als bei den meisten industriellen Arbeitern. Und doch sehlen auf bem Lande die Arbeiter. Woran liegt das?

Im wesentlichen an dem Hang der Bevölkerung, nach den großen Städten zu kommen, weil sie der Ueberzeugung, der irrigen Ueberzeugung sind, sie können dort leichter viel Geld verdienen, sie leben dort in einer größeren Freiheit das ist vielleicht das allerschlimmfte dabei und endlich der leidige Hang zu Vergnügungen, der ihnen in den Städten leichter zu befriedigen scheint, als auf dem platten Lande.

Es wurde deshalb im Reichstage an die Regierung die Forderung gestellt, das Gesetz über den Unter­stützungswohnsitz zu ändern. In zahlreichen Bitt­gesuchen an den Reichstag ist darauf hingewiesen worden, daß der § 10 des Unterstützungswohnsitzes, wonach man erst im 26. Lebensjahr einen Unter­stützungswohnsitz erwerben kann, für die Gegenden gerade verderblich ist, welche die arbeitende Bevölkerung hervorbringen.

Der herabgesetzte Getreidesoll.

Bekanntlich ist in den neuen Handelsverträgen der Roggen- und Weizenzoll um 1 Mk. 50 Pf. herabgesetzt worden, so daß er für Roggen, sowie für Weizen fort­an nur 3 Mk. 50 Pf. betragen wird. Der Reichskanzler v. Caprivi sagte über diese Herabsetzung im Reichs­tage:Daß eine Störung der Landwirthschaft in Aussicht steht, wenn man den Roggen- und den Weizenzoll um 1 Mk. 50 Pf. heruntersetzt, bestreite ich mit Ent­schiedenheit. Die Landwirtschaft wird imstande sein, diese Zollherabsetzung zu tragen und weiter zu gedeihen. Ich bin insofern verschiedener Ansicht mit vielen Landwirthen, als ich der Meinung bin, es handelt sich nicht darum, daß in dieser Beziehung die Landwirthschaft Opfer bringt, sondern darum, daß für die Landwirthschaft Opfer gebracht werden. Der Staat muß nach meinem Dafürhalten Opfer bringen, und es ist ja ein schweres Opfer für den Staat, welches in den Getreidezöllen liegt; denn es kommt in Betracht nicht bloß die Verzollung des Getreides, welches eingeführt wird, sondern auch die Steigerung des Getreide­preises im Jnlande. Ich verkenne also die Größe dieses Opfers nicht; aber das Opfer muß gebracht werden. Die Regierung ist bereit und will diese Opfer weiter dem Lande auferlegen, weil sie sie für unumgänglich hält; aber sie verkennt immerhin nicht, daß es Opfer sind, die das Land bringt. Die Erhöhung der Zölle auf 5 Mk. war eine Kraftprobe, und ich glaube, diese Kraftprobe ist nicht zu Gunsten des Staates ausgefallen. Man hat den Bogen überspannt. Jede Ueberspannung eines Bogens inbezug auf solche Zölle, die ein unentbehrliches Nahrungsmittel der großen Menge sind, birgt aber für den Staat die große Gefahr in sich, daß daraus ein Agitationsmittel geschmiedet wird, das sich gegen den Staat und die staats- erhaltenden Parteien richtet."

Dom Metter.

Die Adventstürme werden von Obstbaumzüchtern mit Befriedigung begrüßt. Denn eine alte Bauernregel sieht starke Adventstürme als die Vorboten eines guten Obst­jahres an, weildie Bäume dabei sich paaren."