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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ^sluflrirtem Familienfreund" vierteljührl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

^ 100.

Mittwoch, den 16. Dezeniber

1891.

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Schlächtern, im Dezember 1891. Der Herausgeber.

Friedensklänge.

Es blinken fünf freundliche Sterne in's Dm kel der Kriegsfurcht hinein. Diese fünf Sterne sind: Ribot, Rudini, Salisbury, Kalnoky und Caprivi. In den verschiedensten Tonarten haben diese 5 Herren vom Frieden gesprochen.

Herr Ribot, der französische Minister des Aeußeru, sagte am 26. Oktober:Niemand zweifelt, daß die Annäherung Frankreichs an Rußland eine neue Friedeus- Garantie ist. Es herrscht der Eindruck, daß der Friede in diesem Augenblicke besser denn je gesichert ist."

Herr Rudini, der italienische Ministerpräsident, er­klärte am 9. November:Ich hoffe, daß Gott nicht zugeben wird, daß ein Krieg über Europa hereinbricht. Ich glaube fest und übernebme sogar die Bürgschaft, daß die Herrscher vom Geiste großer Mäßigung und Weisheit geleitet sind."

Herr Salisbury, der englische Premier-Minister, erklärte am 9. November:Gegenwärtig ist nicht das kleinste Wölkchen am Horizont zu entdecken, das irgend etwas dem Frieden Schädliches enthielte."

Herr Kalnoky, der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern, erklärte am 14. November:Es ist mir keine einzige politische Frage bekannt, welche zu einer direkten Befürchtung Anlaß geben könnte, daß die lange Friedens-Epoche jetzt eine Unterbrechung erfahren könne."

Und Herr v. Caprivi erklärte in der Rrichstags- Sitzung vom 27. November:Ich bin davon überzeugt, daß die persönlichen Intentionen Sr. Maj. des Kaisers von Rußland die friedlichsten von der Welt sind; ich bin ebenso überzeugt, daß keine Regierung heutzutage wünschen kann, einen Krieg zu provoziren; ich glaube auch nicht, daß in dem gesteigerten Selbstgefühl der Franzosen eine Gefahr für uns liegt."

Innerhalb eines Monats haben sich also die ersten Minister von fünf Staaten in höchst friedlicher Weise geäußert. Hoffen wir, daß sie sämmtlich Recht be­halten. Handel und Wandel und die ehrliche Arbeit wünschen den Frieden und können nur im Frieden gedeihen.

DeutsckeS Reich.

Berlin Der Kaiser ist nach Mecklenburg gereist, um auf Schloß Replin den Hochzeitsfeierlichkeiten des Prinzen Albert von Sachsen-Altenburg und der Prin­zessin Helene von Mecklenburg-Strelitz beizuwohnen.

* Im bayerischen Landtage wurde eine Forde­rung von 20 Millionen zu Umbauten von Bahnhöfen, sowie 16 Millionen für neue Lokalbahnen eingebracht.

* -- Eine große Menge Getreide lagert gegenwärtig unverzollt in deutschen Transitlagern, um nach Er­mäßigung der Zollsätze infolge der neuen Handelsverträge am 1. Februar zu den ermäßigten Beträgen verzollt zu werden. Wie dieFreisinnige Zeitung" von zuverlässiger Seite erfährt, werden die ermäßigten Beträge auf alles Getreide dieser Art, also auch auf russisches und rumänisches, Anwendung finden. Ein besonderes Gesetz wird zu diesem Zweck erlassen werden.

* Zur Stiefelfrage in der Armee wird in der Kölnischen Zeitung" militärischerseits dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß bei den Fußtruppen die Stiefel ganz abgeschafft und nur noch starke lederne Schnürschuhe mit Gamaschen getragen würden. Das zweite Paar, welches im Tornister unterzubringen wäre, könnte ohne Beschlag und anstatt von Leser, wie jetzt, von Segelleinen mit ledernem Besatz gefertigt werden.

* Zum Buchdruckerstreik. Den Berliner Buch­druckereibesitzern, welche die Forderungen der Gehilfen bewilligt haben, wird dies jetzt schlecht gedankt. In der Versammlung der Streikenden wurde folgende Resolution beschlossen:In Anbetracht, daß fast in sämmtlichen Druckereien, die bewilligt haben, Arbeiten aus vom Aus­stande betroffenen Drunereien hergestellt werden, beschließt

die heutige allgemeine Buchdruckerversammlung: Alle Ar­beiten, die für Druckereien hergestellt werden, welche die Forderungen der Gehilfenschaft nicht bewilligt haben, sind seitens der Personale ganz entschieden abzulehnen und derartige angefangene Arbeiten nicht zu vollenden; ebenso sind alle Ueberstunden, die nicht durch periodische Arbeiten, welche an einen bestimmten Termin gebunden sind (täglich erscheinende Zeitungen, Reichstagsberichte, Adreßbuch) be­dingt werden, sowohl von Setzern wie von Druckern und Maschinenmeistern unter allen Umständen zu verweigern." Diese Resolution, bezw. Zumuthung an die Prinzipale läßt an frecher Unverschämtheit nichts zu wünschen übrig. Haben die Prinzipale aus Schwäche oder der Noth ge­horchend einmal nachgegeben, so, meinen die Herren Streiter, müßten sie immer nach geben .und sich jede be­liebige Vorschrift über den Betrieb ihrer Druckereien von den Gehilfer machen lassen. So tritt es immer klarer und handgreiflicher hervor, daß es sich bei dem gegen­wärtigen Streik um mehr als ein Mehr oder Weniger an Lohn und Arbeitszeit handelt. Der Streik entscheidet in Wirklichkeit darüber, ob die Setzer oder die Prinzipale in Zukunft Herr im Hause und maßgebend im Betrieb des Geschäftes sein werden. Der sozialdemokratische Staat der Zukunft versucht sich zu etabliren vorerst in den Geschäftslokalen den Buchdrucker. Gelingt dieser Versuch, dann folgt der weitere in allen Geschäften und Gewerben

Vom Gewerbegericht in München wurden 2 Maschinen­meister und 7 Setzer der Mayer'schen Hofbuchdruckerei wegen Contraktbruch, erstere zu je 96, letztere zu je 32 Mk Schadenersatz verurtheilt, weil sie, nachdem sie als engagirt Reisegeld erhalten hatten, kaum hier angekommen, sich am Streik betheiligt hatten. Schadenersatz ist für die Katz'! Womitersetzen" sie denn dem Prinzipal und wie kann der überhaupt zu seinem Geld kommen, wenn es den Wort- und contraktbrüchigen Herrschaften beliebt, zu verduften! Ein paar Wochen eingesperrt wäre praktischer und vernünftiger. Die Weisheit des Urtheils wurde noch weiter damit ergänzt, daß Kläger mit seiner Forderung auf Zurückvergütung des Reisegeldes abgewiesen wurde. Es gibt Urtheile, denen gegenüber man am Besten die Feder weglegt. Aber die Nutz­anwendung ziehe der Arbeitgeber daraus, daß gegebenen Falles eine energische und rücksichtslose Selbsthilfe solchen Subjekten gegenüber am Platz ist. An das Geschimpfe darüber seitens guter Freunde der Betreffenden und vom Humanitätsdusel angekränkelter Schwachtopfe kehre man sich einfach nicht.

Aus Stuttgart, 8. Dezember wird gemeldet: Letzte Nacht stürmte ein heftiger Föhn durch das ganze Land. Mannigfacher Schaden wurde angerichlet. In Kornwest heim bei Ludwigsburg stürzte die neugebaute Kirche sammt Gerüst zusammen.

TonÄern, 9. Dezember. Ein großer Schwindel ist hier seitens eines Parisers, der sich Ruelle nennt, ausge- führt worden. Dem Großschlächter E. Sönnichsen im benachbarten Hoher ging aus Paris die Vorfrage von einemEiusalzer" Ruelle zu, ob er sich zur Lieferung geschlachteter Schafe zum Preise 250 Francs per 100 Kilogramm regen baare Zahlung verpflichten wolle; dafür solle Sönnichsen sämmtliche Kosten für Fracht, Verpackung 2c übernehmen. Da die Pariser Firma bei der Kredit­bank in Toudern eine genügende Summe in Aktien hinter­legte, schloß S den Vertrag ab; er hat bereits zwei größere Sendungen im Werthe von mehreren tausend Mark nach Paris abgehen lassen Wie sich jetzt herausstellt, sind die hinterlegten Aktien vollständig werthlos.

Wismar, n. Dezember. Das Jahr 1903 rückt immer näher, in welchem die Stadt Wismar nach einem völlig gesetzlichen Dokument vom Jahre 1803 an Schweden zurückfallen soll, sofern die Schweden die Summe bezahlen, gegen welche die Stadt einst verpfändet wurde. Dw Ver- pfändungSsumme belief sich auf 5 625 000 M.; mit Zins und Zinseszins ist dieselbe auf 108 Millionen M. gestiegen.

Die Wismarer sind zwar gut deutsch und mosten die schwedischen Ansprüche gern aus der Welt schaffen, aber die Landesbehörden erkennen dasEigenthumsrecht" Schwedens offiziell an, wie it. A. nachfolgendes Beispiel beweist: Ende 1887 kaufte das Zollamt von der Stadt ein Gebiet im Preise von 1687 M. 50 Ps, zur Erricht­ung eines AmtsgebäudeS am Hafen. Im Vertrag über diesen Kauf bedang sich das Zollamt ausdrücklich aus, daß die genannte Summe von 1687 M. 50 Pf. zurück­gezahlt würde, im Falle Schweden 1903 wieder in den Besitz Wismars trete. Wird Schweden 1903 die Stadt gegen Zahlung von 108 Millionen Mark zurückfordern? Dies ist eine die Wismarer Bürgerschaft interessirende, brennende Frage. Aber Schwedens Anrecht bleibt auch für den Fall bestehen, daß das Geld am Fälligkeitstermine nicht gezahlt werden sollte. Schweden muß dann ferner 100 Jahre, also bis 2003 warten, hat dann jedoch 20771;2 Millionen Mark zu zahlen.

Elberfeld, 10. Dezember. Eine große Anzahl hiesiger Weber, welche das 70. Lebensjahr überschritten hatten, erhoben zu Anfang d. $. auf Grund des Jn- validitäts- und Altersver'sicherungsgesctzes Anspruch auf Gewährung der Altersrente. Die Mehrzahl der Antrag­steller wurde jedoch abgewiesen.

Nordhausen, 8. Dezember. Gestern verurtheilte das Schwurgericht den bisher hochangesehenen königlichen Rentmeister N. zu fünf Jahren Gefängniß. Er hatte seit 1884, von vieren seiner Brüder angebettelt und be­drängt , diesen nach und nach 14,049 M. aus der ihm anvertrauten staatlichen Kasse gegeben, für sich aber keinen Pfennig verwandt. Die heruntergekommenen Brüder drohten ihm, wenn er nicht Geld gebe, sich zu vergiften, sich vor seiner Thür anfzuhängen, sich und ihre Familien umzubringen; sie schickten dem Bruder ihre Weiber und Kinder auf den Hals, bettelten ihn am Todestage seines einzigen Sohnes frech an und später selbst an des Sohnes Grab. Diese saubern vier Bettelbrüder, gegen welche hier große Entrüstung herrscht, bewiesen nicht die geringste Scham. N- gab ihnen immer Geld, ließ aber seine Frau, die stets das ganze Gehalt erhielt und ihm davon seinen Tagesbedarf gab, nicht das Geringste merken. Den Geschworenen wurden 63 Fragen vorgelegt. Wegen Unterschlagung und unrichtiger Buchung wurde gegen N, dem die Geschworenen mildernde Umstände zubilligten, die genannte Strafe erkannt.

Greiz Ein 20jähriges Mädchen aus Lichtenbrunn, welches dieser Tage in früher Abendstunde von Lobenstein nach ihrem Wohnorte wanderte, glaubte, hinter sich sprechen zu hören, sah aber Niemandem Da dies in der Nähe eines am Wege liegenden Steinbruches war, von dem der leidige Aberglaube meint,es gehe daselbst um", wurde das Mädchen von der schrecklichsten Angst erfaßt und kam fruchtbar erregt und erschöpft bei den Ihrigen an. In Folge des Schreckens und der Aufregung er­krankte das Mädchen an einer Nervenlähmung und starb trotz schnell herbeigerufener ärztlicher Hülfe nach wenigen Tagen.

Grünberg, 11. Dezember. Wie derNiederschles. Anz." berichtet, hat die Regierung die Anfrage, ob es sich nicht empfehle, dem übermäßigen Genuß von nicht unter­suchtem Hundefleisch, dessen Genuß große Gefachen für die menschliche Gesundhe t herbeizuführen geeignet sei, da­durch einzuschränken, daß eine entsprechende Polizeiver­ordnung erlaff n werde, abgelehnt. Die Regierung hat eine solche Maßregel nicht als nöthig erachtet. Die Hundeschlächterei in Grünberg hat einen großen Umfang genommen eine Folge der für die minderbegüterten Bewohner unerschwinglich hohen Fleischpreise.

In Nova ist ein junges Mädchen, das sich beim Waschen die Haut au gerieben hatte, sodaß Neublau in die Wunde gekommen war, au Blutvergiftung gestorben.

Gießen, 11. Dezember. In die Diebstahls-Affaire ist nunmehr auch eine Anzahlhöherer Töchter" verwickelt.