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WuchtemerZeüung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u.JÜustrirtem Familienfreund" viertcljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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Samstag, den 12. Dezember

1891.

resse aller Schank- und Gastwirthe sowie aller Haus­väter liegen, wenn dieselben die Verwendung solcher Hähne mit der größten Vorsicht vermeiden.

* Kinderkomödien. Die Regierung zu Schleswig hat eine Verfügung erlassen, worin es heißt:Es ist all­gemein bekannt, daß mit Kindern, namentlich zur Weih­nachtszeit, in öffentlichen Lokalen Kinderkomödien aufgeführt worden sind, oder zu anderer Zeit theatralische Vorstellungen in öffentlichen Lokalen unter Betheiligung von Schulkindern, sei es mit oder ohne Zustimmung der Eltern und Lehrer, stattgefunden haben. Solche Verwendung schulpflichtiger Kinder muß als ein in moralischer und pädagogischer Beziehung verderblicher Mißbrauch betrachtet werden und ist daher ferner nicht zu dulden." Diese Maßnahme verdient Anerkennung, denn Kinder haben bei derartigen Aufführungen nichts zu suchen.

In Zeitlofs spucki's ganz gewaltig mit der Trichinose. Vor Kurzem schlachtete der Wirth Johannes Richter in Zeitlofs ein Schwein, dessen Fleisch stark mit Trichinen behaftet war. Bei mehreren Personen, die aus diesem Fleische bereitete Bratwürste genossen, treten nun schon Erscheinungen von Trichinosis zu Tage. Auch wurde ein von dem Gastwirthe Friedrich Hartmann in Zeitlofs unterm 25. v. Mls. geschlachtetes Schwein von Herrn Apotheker Thomas dortselbst als im hohen Grade trichinös befunden. Das betreffende Schwein soll vollständig ner= wurstelt und zum Theil auch schon dem Verkaufe unterstellt worden sein, so daß Gefahr besteht, daß eine größere Anzahl Menschen von der schrecklichen Krankheit der Trichinosis befallen wird.

Gelnhausen, 7. Dezember. Zu dem bereits von uns gemeldete i großen Brandunglück der Fabrik der Electriciteits-Maatfchappy, System de Khotinsky, am 3. d Mts., wird uns aus Gelnhausen berichtet, daß das Feuer um 7 Uhr 25 Min. Abends in dem Dach­raum des Hauptgebäudes ausbrach und da dasselbe durchaus aus Holzfachmerk bestand und in den oberen Räumen sich die Schreinerwerkstätte, auch Cartons und sonstiges, leicht brennbares Material befanden, so verbreitete sich das Feuer mit solcher Schnelligkeit, daß inneihalb einer halben Stunde das ganze Dachwerk in Flammen stand. Das verheerende Element, genährt durch alle Arten chemischer Flüssigkeiten und Präparate, fiel durch Verbindungsschachte in die unteren Räume und entzündete dieselben ebenfalls, so daß das ganze weite Gebäude bald einem einzigen Feuermeere glich, welches den Himmel meilenweit röthete. Von einer Rettung des Gebäudes konnte hier keine Rede sein und mußte sich die Thätigkeit der Feuerwehren darauf be­schränken die umliegenden Fabrikräume, Gashaus, Lager­häuser und möglichenfalls das Maschinen- und Kesselhaus zu schützen, was auch fast vollständig gelang. Auch die Bücher, Werthsachen und Kasse, sowie das werthvolle Mobiliar des erst seit 2 Monaten in der Fabrik wohnenden Direktors wurden geborgen. Die Fabrik liegt aus dem sogenannten Bahnhofsterrain der benachbarten Gemeinde Altenhaßlau und zwar so ungünstig für letztere, daß der Entfernung halber die Feuerwehr derselben mit ihrer Spritze erst ziemlich spät auf dem Brandplatz an­kommen konnte. Die Stadt Gelnhausen sandte sofort ihren sehr umfangreichen Löschpark nach dem Brand­platze und betheiligte sich in hervorragender Weise durch ihre freiwillige Feuerwehr an dem Rettungswerk. Un­willkürlich kommt man bei diesem Anlaß zu der Betrachtung, wie wenig die Gemeinde Altenhaßlau geeignet ist, diesen Theil ihrer Gemarkung zu verwalten uud was daraus werden wird, wenn die Stadt Gelnhausen für die Folge weniger Bereitwilligkeit zeigen sollte, ihre öffentlichen Einrichtungen der Nachbargemeinde in ihrem vollen Um­fange zu gut kommen zu lassen. (H. Ztg.)

In Hanau hat das Gesuch der Lehrer um Thener- ungszulage von Seiten der Stadtbehörde einen ablehnenden Bescheid erhalten. Die Nothlage der Lehrer wird in dem Antwortschreiben zwar stillschweigend zugestanden, aber aus prinzipiellen Gründen sieht sich die Stadtbehörde nicht in der Lae, den Lehrern eine Theuerungszulage zu gewähren." Welcher Art dieprinzipiellen Gründe" sind verschweigt das Schreiben.

Hanau, 5. Dezember. Der Diamantschleifereibesitzer Kohn in Antwerpen hat seinen hiesigen streikenden Diamantschleifern dieser Tage telegraphisch mitgetheilt, daß er die brieflich an ihn gestellten Forderungen unter keinen Umständen erfüllen könne, die Ausständigen aber

Deutsche» Reich. j

Berlin. Der Kaiser beabsichtigt, sich am nächstens Sonntag nach Schwerin zum Besuche der Großherzogin-' Mutter Alexandrine von Mecklenburg, der Schwester weiland Kaiser Wilhelm I, zu begeben.

* Dem Reichstag sind nicht weniger als 632 Bitt­schriften mit 12 204 Unterschriften aus allen Theilen Deutschlands zugegangen, in denen um die Einführung der fakultativen Feuerbestattung gebeten wird.

* DerReichsanzeiger" schreibt im nichtamtlichen Theile: Durch die Vorgänge der letzten Wochen auf dem Gebiet der Effekten-Börse sind gerade die solidesten Kapitalist it lebhaft beunruhigt worden. Wir halten uns für verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß außer der Reichsbank auch die kgl. preußische Seehandlung, die als Staatsinstitut auch dem vorsichtigsten Deponenten ge­nügende Sicherheit bieten wird, Effekten in Verwahrung nimmt, und zwar, wie wir hören, unter billigen Bedingungen

* Seit Anfang vorigen Jahres haben in Berlin 62 Selbstmorde von Kindern stattaefunden Darunter befanden sich 46 Knaben und 16 Mädchen; 24 hatten das fünfzehnte Lebensjahr erreicht, 14 das vierzehnte 9 das dreizehnte, 7 waren zwölf Jahre und 1 noch nicht sieben Jahre alt.

* Ein entsetzlicher Giftmord ist am Donnerstag früh in Berlin an einem unschuldigen Kinde, das in dem zarten Alter von kaum drei Monaten stand, verübt worden, und zwar von einem zwanzigjährigen Dienstmädchen, dessen Obhut und Pflege das ermordete Kind anveriraut war. DieGiftmischcrin ist verhaftet worden Dieselbe hat dabei das folgende Geständniß abgelegt: da sie selbst ein Kind habe, so sei es ihre Absicht gewesen, sich um das Leben zu bringen. Am Donnerstag habe sie die Giftlösung ge­funden und alsbald den Entschluß gefaßt, eins der Kinder zu vergiften, um an ihm die, Wirkung auszuprobiren. Dem Entschlüsse sei die That gefolgt.

Breslau, 8. Dezember. Die Influenza greift in ganz Schlesien immer mehr um sich. Die K ankheit tritt mit den verschiedenartigsten Nebenkrankheiten auf. Bei einzelnen Kranken stellten sich Nasenblutungen und Mundkrankheiten ein, andere Patienten sind in Tobsucht verfallen.

Schneeberg i. Erzgeb., 5. Dezember. Eine seltene Trauung fand vor einigen Tagen in dem nahen Alberi.au statt. Ein Veteran aus den Freiheitskriegen, Namens Salzer, der jetzt 96 Jahre zählt, ist daselbst nochmals in den Stand der Ehe getreten. Seine auch nicht mehr ganz jugendliche Gattin ist im Iah e 1809 geboren. Salzer betheiligte sich im Juli d. J. an dem Regi- ments-Jubiläum in Grimma als der älteste Soldat des Regiments.

Rudolstadt. Der seltene Fall, d>ß einer Dame das Ehrenbürgerrecht verliehen wird, ist jetzt hier vorgekommen In Folge einstimmigen Beschlusses der städtischen Behörden ist die Stiftsdame des Fürstl. Bemhardinen-Stists allhier, Frl. Jttina von Holleben, wegen ihrer Thätigkeit auf dem Gebiete der Armenpflege und Wohlthätigkeit in angegebener Weise ausgezeichnet worden.

Lokale» uud Provinzielle».

Schlächtern, 11. Dezember.

* Nach dem jetzt endgültig vorliegenden Resultat der letzten Volkszählung hatte Hessen-Nassau 1,664,426 Einwohner. Der Regierungsbezirk Kassel zählt 820,988, davon Evangelische 665,045; Katholische 134,487; Juden 18,468. Wiesbaden: 843,438; davon Evange­lische 491,412; Katholische 320,990; Juden 26,075.

* Wir wollen darauf aufmerksam machen, daß das unberechtigte Holen von Christbäumen aus dem Walde nach dem Forstpolizeigesetz streng geahndet wird und daß die Forstschutzbeamten angewiesen sind, jeden Uebertretungsfall zur Anzeige zu bringen. Auch die Käufer gestohlener Bäumchen sind straffällig.

* Es ist recht selten, daß die Herbstwitterung so lange der Bestellung der geltet so günstig ist, wie in diesem gerbst. Die Korusaat steht vorzüglich, weil die milde feuchte Witterung jedes Saatkorn aufgehen ließ. Es sind daher für nächstes Jahr gute Aussichten.

* Es sollen in letzter Zeit mehrfach Faßhähne, deren Bleigehalt die durch Gesetz vom 25. Juni 1887 festgesetzte Grenze mehr oder weniger überschreitet und die deshalb für die menschliche Gesundheit schädlich sind, beschlagnahmt sein. Es wird daher im eigenen Inte­

unter den feitbmgen Bedingungen wieder beschäftigen wolle. Allein weder diese entschiedene Erklärung, noch die unterdessen erfolgte Verurtheilung der Strikenden zur Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist hat sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bestimmen vermocht. Herr Kohn läßt in Folge dessen die noch vollendete Waare fertigstellen, wozu sich 7 Arbeiter bereit gefunden haben, wird aber alsdann, falls die Ausständigen die Arbeit bis dahin nicht wieder aufnehmen, die Fabrik aus unbestimmte Zeit gär "chließen. An sämmtliche Nebenarbeiter, die übrig. i. yt striken, ist zu dem Ende bereits die Kündigung ergangen.

Hanau, 7. Dezember. Von Mittwoch den 9. d. M. ab werden bis auf Heiteres au jedem Mittwoch und Sonnabend Vormiuago von 9 bis 12 Uhr im Keller des vorderen Rathhausgebäudes die von der Stadt zum Wiederverkauf angeschafften Kartoffeln abgegeben. Die Abgabe erfolgt nur in Quantitäten, welche dem Wochen- bedarf einer Familie entsprechen und zwar bis höchstens 20 Kilo und nur gegen sofortige Zahlung von 8 Pfg. pro Kilo.

Aus dem unteren Maingau, 5. Dez. In der Ex­port-Hammelschlächterei zu Bischofsheim herrscht eben ein reges Getriebe. Wöchentlich werden mehrere Tausend Stück Hämmel abgeschlachtet und in eigens zu diesem Zweck eingerichteten Eisenbahnwaggons nach Paris und anderen größeren Städten Frankreichs versandt. Aermere Leute d>.r hiesigen Gegend kaufen das Geraibe einschließlich Kopf in der Schlächterei für 30 Pfg. pro Stück auf und ver­schaffen sich auf diese Weise für wenig Geld eine schmack­hafte und reichliche Mahlzeit. Ein großer Theil des Schlachtviehes wird vom Westerwalde bezogen, wo die Schafzucht in großer Blüthe steht und den Schafbesitzern alljäs h nnen bedeutenden Reingewinn abwirst. L -gen- wärlig erhalten sie für den Centner Schlachtgewicht 60 M.

Frankfurt, 8. Dezember In den Gärtnereien und auf den Aeckern werden allenthalben in großer Zahl Maikäfer, die nur wenig tief im Boden stecken, ausgegraben, was nach jahrelangen Beobachtungen als Zeichen eines milden Winters angesehen wird.

Tann a. d Rhön, 5. Dezember. Durch das Um­werfen einer Petroleumlaterne beim Strohabladen brach heute Abend in einer Scheune in der Nähe der Stadt ein gewaltiges Feuer aus, das auch die anstoßende, Scheune ergriff. Der günstigen Windrichtung und der sofort in umsichtige Thätigkeit tretenden Feuerwehr ist es zu danken, daß das Feuer auf die beiden Scheunen welche jede mehrere gemeinschaftliche Besitzer hatten, be­schränkt blieb. Die darin enthaltenen Vorräthe von Stroh und Heu waren theilts unversichert.

Franktnberg, 9. Dezember. Der Schlosser Hermann Sonneborn, dem die Leitung der städtischen Wasserwerke oblag, ist gestern bei der beabsichtigten Reparatur einer Pumpe am Obersten Markt verunglückt. An einem Tau sollte er vermittelst einer Winde in den Brunnen gelassen werden. Das Tau war morsch und riß, und Sonneborn stürzte in den sehr tiefen Brunnen. Die Schädeldecke war dem Aermsten vollständig zertrümmert. S. hat den Feldzug 1870/71 mitgemacht und hinterläßt Frau und Kinder.

Aus der Welt de» Aberglaubens.

Die herannahende Adventszeit wurde früher und wird noch heute in vielen Gegenden Mitteldeutschlands von furchtsamen Gemütern für eine gefährliche angesehen. Nicht etwa der meist ungesunden Witterung halber, sondern deshalb, weil man glaubte, daß in dieser Zeit die Geisterwelt mehr als sonst den Menschen nahe trete und sichibar werde, und allerlei Unholde und spukhafte Gestalten in . ihr ihr Wesen tweben. Wem wäre nicht die Sage vomAdventsreiter" bekannt, der, auf einem Schimmel ohne Kopf sitzend, den nächtlichen Wanderer erschreckt? Aber mehr noch als der Adventsschimmel waren in früheren Zeiten die Irrwische und feurigen Gestalten, vom Volksaberglauben alsfeurige Männer" bezeichnet, gefürchtet, die in dunklen November- und Dezembernächten ihre weithin sichtbaren Spaziergänge gemacht haben sollen. Noch heutigen Tags erzählt man sich in den Spinnstuben auf dem Lande Schauerge­schichten von jenen feurigen Unholden, die, wenn sie gefoppt oder verspottet wurden, sich an dem Spötter rächten. So befand sich eines Abends eine Spinnstuben- gesellschaft, bestehend aus Burschen und Mädchen, in