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rscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ..QQuftrirtem Familiensrnivd" vnrteljüdrl. I Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf

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J# 89. Samstag, den 7. November 1891.

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Deutsche- Reich.

Berlin, 4. Nov. Se. Majestät der Kaiser arbeitete mit den: Kriegsminister und dann mit dem Chef des Militär-Kabinets Morgen Vormittag wird der Kaiser vom Entenfang bet Potsdam uns mit mehreren geladenen Gästen eine Hühnerjagd abhalten.

* In amtlichen Berliner Kreisen hält man daran fest, daß der Reichstag am 17. November wieder zu­sammentreten und die Berathung über die Handelso r- träge gegen Ende November ersahen wird.

* Zu den Nothstands - Anträgen der Sozial- demokraten in der Berliner Stadwerordneten-Versamm- lung theilt dieVossische Zeitung" u. Ä. mit, daß für die städtischen Kanalisationen selbst bei einem Angebot von Tagelöhaen bis zu 4 Mark die für die Arbeiten auf den Rieselfeldern außerhalb der Stadt erforderlichen Mannschaften bis in die neueste Zeit nur sehr schwer, oft gar nicht zu erlangen gewesen sind. Hier hat der Nothstand mehr auf Seilen des Arbeitsgebers gelegen.

* Das bekannte Bankhaus Hirschfeld und Wolff in Berlin und Posen hat mit Passiven, die auf 6 bis 8 Millionen geschätzt werden, seine Zahlungen eingestellt.

* (Titel der Forstbcamten.) Gleich den übrigen technischen Mitgliedern der Bezirksregierungen, welche bekanntlich den Titel Regierungs- und Schulrath, Re- gierungs- und Baurath, Re sierungs- und Medicuralrath, Regierungs- und Gewerberarh führen, werden dem Hann. Konr." zufolge Hin ort auch die diesen Behörden angehörigen Forstmeister den TitelRegierungs- und Forstrath" erhalten, während den Ober-Forstmeistern und Mitgliedern der Finanzabtheilung gleich den der Domänen- und Forst btheilnng des laudwirthschastlichen Ministeriums angehörigen Ober-Landforstmeister bezw. Landforstmeistcr der bisherige Titel verbleibt. Der TitelForstmeister wird aber damit nicht verschwinden, sondern Oberförste-n höheren Dienstalters verliehen werden. Die Oberförster-Kandidaten sind bekanntlich schon in Forstassessoren, die Fmstelcven in Forstreferendare um gewandelt worden.

* Die Versuche, Maisbrod, das ziemlich billig kommen würde, in großem Maßstabe zur Versorgung der Bevölkerung herzustellen, sollen angeblich in Berlin in Angriff genommen werden. Schlägt der Versuch ein Und würde eventuell der bestehende Maiszoll aufge­hoben, dann brauchten wir uns künftig so gut wie gar Nicht mehr um russische Ausfuhrverbote zu bekümmern. Mit Hilie des Mais würde dann die Deutsche Land- wirthschaft den heimischen Bedarf decken können.

Köln, 5. Nov. Wegen schweren Vergehe: s gegen seinen Vorgesetzten wurde gestern hierselbst ein Marine- Soldat standrechtlich erschossen.

Mainz, 3. November. Dem Stiefsohn eines hiesigen Fuhrunternehmers war weaen fortgesetzter Miß­handlung der ihm anvertrauten Pferde der sog. Fahr­schein entzogen worden: da der Bursche nun trotzdem sein Fuhrwerk weiter treibt, so wurde er gestern vom Schöffengericht zu 120 Mark Geldbuße verurtheilt. Aus der Verhandlung ging hervor, daß der Bursche seit dem Bestehen der kreisamtlichen Verfügung wegen Ueber tretung derselben zu 4000 Mark Geldbuße verur- theilt worden ist.

Saarbrücken, 28. Oktober. Das hiesige Schwur­gericht hat heute nach 12stündiger Berathung den 24jährigen Grubenarbeiter Heinrich Lux aus Gaislautern zum Tode verurtheilt. Der Aneklagte, ein gutmüthig, aber stupid aussehender Mensch, erzählt bis in die kleinsten Einzelheiten, wie er am 5. September d J. seine 14jährige Stiefschwester Franzisca Lux mit einem Rasirmesser ermordet habe. Mit der linken Hand habe er seine Schwester um die Stirn gefaßt und den Kopf zurückgebogen, darauf ihr die Kehle durchschnitten. Als sie stöhnend zusammengesunken sei, habe er sie durch einen zweiten Schnitt vollends gerödtet. Die That habe er begangen, um 12 Mark, die das Mädchen nach einer Mühle bringen sollte, zu rauben. Weder während der Verhuidlung, noch bei der Verkündigung des Urtheils ließ sich der Raubmörder aus seiner Ruhe bringen und zeigte nicht die geringste Seme jung.

Aschaßenburg, 5. Nov. Hier wurde ein Raubmörder verhaftet, welcher aus dem Wege zwischen Boxthal und Nassig bei Tauberbischossheim und Wertheim den Vieh­händler Dümig aus Boxthai ermordet und seine Baar­schaft von etwa 25 Mk. geraubt hatte.

Stligrnstadt, 2. November. Der neue Gefängnißbau hahm dieser Tage den ersten Insassen in der Person

eines wegen Betielns verhafteten Hmidwelksburschen aus Württemberg auf. Der Häftling brach in bittere Thränen aus, weil er nicht dem Neubau zu Gevatter stehen mochte. Der Volkswitz belegte jetzt das Gefängniß mit dem Titel Württemberger Hof." Das alte Haftlokal führte die BezeichnungWeiskirchen."

Aus Franken, 2. Novbr Der landwirthschaftliche Per. in Schweinfurt hatte im Frühjahr 15 Gentner grue, aber auch theuere Saatkartoffeln im Interesse seiner Mitglieder bezogen und angebaut. Trotz des schlechten Jahres wurden über 300 Gentner geerntet, dabei fast gar keine kranken, reichlich dreimal so viel, als sonst der laudwirthschastlichen Lage entspricht. So wurde praktisch vom Verein der Beweis geliefert, was durch Beziehung neuer guter Saatkartoffeln erzielt werden kann. Jed m seiner Mitglieder (über 700) wird ^ Centner zur Ver­fügung gestellt, damit jeder um billiges Geld von der gelungenen Einführung Nutzen ziehen kann. Gerade in diesem ungünstigen Jahr ist der Versuch doppelt lehrreich.

Die Untersuchung gegen einen Mädchenlehrer in HeidenheiM (Württemberg) nimmt größere Ausdehnung an. Einheimische und auswärtige Mädchen, sogar solche, welche schon vor Jahren aus der Schule entlassen wurden, sind von der Staatsanwaltschaft vernommen worden.

Weimar. DieWeimarische Zeitung" theilt eine interessante Aeußerung Prof. Mommscus über den Buch- drucke:strike mit. Die Skimarifche Hofbuchdruckerei, in welcher zwei von Th. Mommsen herausgegebene Bände derMonumenta Germaniae" im Druck be findlich sind, hatte ihn benachrichtigt, daß voraussichtlich der Druck durch den Strike unterbrochen werden müsse. Mommsen antwortete:In der Krisis, dir das deutsche Verlagsgeschäft und solgeweise die gesammte literarische Thätigkeit unserer Nation bedroht, können wir leider nichts weiter thun, als den zunächst Betroffenen Muth und Erfolg wünschen. Die von den Setzern cmgestrcbte Vertheuerung des Druckes würde ohne Zweifel eine so wesentliche Beschränkung der Druckarbeiten herbei­führen, daß alle Betheiligten, von dem Schriftsteller abwärts bis zum letzten Laufburschen, dadurch auf das Schwerste geschädigt werden würden Aber man kann es Niemand wehren, den Ast abzusägen, auf dem er sitzt, wenn es ihm beliebt." Kürzer und treffen der, bemerkt das Blatt, als in diesem letzten Satze, läßt sich die jetzige Bewegung nicht charakterisiren.

Ein für das Publikum sehr erfreulicher Konkmreuz kampf findet gegenwärtig in Sömmerda statt. Mehrere dortige Bäcker schlachten seit Kurzem ihre Schweine selbst und verkaufen Fleisch und Wurst für 60 Pfg. das Pfund. In Folge dessen sind einige Fleischer m t dem Preis Herunlergegaugen, aber znr Vergeltung für die ihnen von den Bäckern bereitete Konkurrenz verkaufen jetzt auch verschiedene Fleischer zu billigeren Preisen als jene Brot, das sie von Auswärts beziehen.

In Suhl hat dieser Tage eine cause c616be, deren s. Z- auch in der DZ. Erwähnung gethan worden ist, vor Gericht ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Dem Besitzer der neuenOttilienquelle", Herrn Emil Menz, war von den Inhabern eines älteren Konkurrenzunter­nehmens , des Chlorcalcium - Solbades, in Zeitungs- inseraten Und Prospekten öffentlich nachgesagt worden, er verfälsche seine Quelle durch Hineinschütten von In­gredienzen aller Art. In Ausführung eines Gerichts­beschlusses untersuchte der kürzlich verstorbene Professor der Chemie, Dr. Reichardt in Jena, das Wasser, doch fand sich nichts, was die gegen Herrn Menz erhobene schwere Beschuldigung zu rechtfertigen vermocht- hätte. In Folge dessen gab das Gericht dem Antrag des Herrn Menz auf Bestrafung der Konkurrenten mit je 150 M. event. 14 Tagen Gefängniß statt, und legte denselben wegen der dem Kläger ^gefügten Geschüftsschädigunq eine Buße von 2000 M. auf. Das Urtheil ist in allen Zeitungen zu veröffentlichen, in welchen die Nachricht von der behaupteten Verfälschung der Ottilienquelle ge­standen hat.

Meißen, 2. November. Die Summe welche der verhaftete Kasfirer des hiesigen Kreditvereins, Otto Fischer, mittelst Nachschlüssels aus dem Kassenschrank allmählich entwendet hat, beziffert sich auf 286 000 Mark. Ferner hat Fischer über Gelder, welche bei dem Kredit­verein angelegt werden sollten, nur mit feinem Namen quittirt und kadurch muthmaßlich 500 000 Mark un- kundigeu und zum großen Theile dem kleinen und Mittelstände angehörigen Leuten entwendet.

London, 3. November. In Bezug auf das furcht­bare Erdbeben in Japan liegt heute eine weitere Meldung desNeuterspen Bureaus" aus Wokohay vor. Dieselbe besagt: Es ist bisher völlig unmöglich, den Umfang des Erdbeceus fcstzustcllcn. Von Seiten der Behörden schätzt man die Zahl der Todten auf 4000, die der Verwundete» auf 6000; 50 000 Häuser fallen zerstört sein. Europäer scheinen nicht umgekommen zu sein. Keinerlei Warnung scheint dem Erdbeben voraiigegangen zu sein. Der Stoß erfolgte von Osten nach Wegen und wurde auf der ganzen Insel gespürt. Die unglück­lichen Menschen hatten keine Zeit zu entfli.hen und Tausende wurden sofort gelobtet; blühende Gemeinwesen liegen in Ruinen. Die Panik war so all erneut, daß , Hunderte verletzter Menschen in den zerstörten Orten sich selbst über äffen blieben. Viele Derjenigen, welche 'sich beim Erdbeben gerettet haben, sind später in Folge von Entbehrungen gestorben. Man schützt jetzt die Zahl der Todten auf 24000. Die Hilfsmittel sind völlig unge ügenb und zum Unglück ist auch die Eisenbahn ailt einer Strecke von 100 Kilometern zerstört worden. Die Stadt Kano an der Küste empfand die volle Wirlung des Stoßes, der ganze Ort wurde weggeschwemnu. Das Wasser kochte wie in einem Kessel und überschwemmte die Nieder mg. Nur wenige Einwohner sind entkommen. D e Stadt Okuka hat furchtbar gelitten und Kasamatsu ist ein Haufen Ruinen.

Lokales urrd ProsinzieAeS.

Schlächtern, 6. November.

* Gestern Abend brachten die Schüler des hiesigen Schullehrerseminars sowie der Präparaudenschule ihrem mit heute von hier scheidendes Direktor, Herrn Wieacker, einen sich, schönen Fackelzug.

* Versetzt: der Vollziehungsbeamte Schutz in Schlüchtern vom 1. November d. J. ab an die König­liche Steuerkasse Dorstfeld in Dortmund und der Voll­ziehungsbeamte Staab von Spangenberg nach Schlüchtern.

* Verliehen: dem Förster Müller in Alten- gronau das goldene Ehrenportepee.

* Die Berge der Rhön haben bereits ihr Winter­kleid angelegt. Sämmtliche Höhen sind mit Schnee bedeckt.

* Kohlenpreise. Der Winter ist über Nacht ge­kommen und damit eine Frage zurbrennenden" ge­macht, welche für die große Masse der kleinen Leute bisher weniger in's Gewicht fiel, nämlich die Frage her Kohlenpreise. Zu geringer Arbeitsgelegenheit und theuern L.'bcnsmittclpreisen nun auch noch die theuern Kohlen­preise und die Aussicht eines langen Winters. Da kann man sich nicht wundern, wenn die Nothstandsklagen bald in verstä kter Auflage wiederkehren werden. Für die hohen Gelre.depreise hat man doch wenigstens eine Erklärung in dem schlechten Ernte-Ausfall. Aber mit welchen Einwänden will man der Klage über die Höhe der Kohlenpreise begegnen. Die Gruben liefern so viel, als man gebrancht, und von einer Nothlage der Berg- werksbesitzer robb man Angesichts der hohen Dividenden, welche die größeren Gesellschaften zahlen, doch im Ernst nicht sprechen können. Dem Reichsboten liegen von zehn solcher Gesellschaften die Geschäftsergebniffe für das vorige Jahr vor. Diese Gesellschaften repräsentiern zusammen ein Aklien-Kapital von 1345 Millionen Mark und konnten eine durchschnittliche Dividende, mithin Reingewinn, von 26 pGt. gewähren. Darunter hatte die höchste Dividende Arenberg mit 80 pGt., die niedrigste Gelsenkirchen mit 12 pGt.; es folgen in der Abstufung von oben der Essener Bergwerks-Verein König Wilhelm mit Dividenden von 2530 pSt., die Magdeburger Bergwerks-Aklieu-Gesellschast mit 25'5, Pluto mit 25, Consolidalion 21, Kölner Bergwerks Verein und Harpener mit 20 pGt. u. s. w. Bei so enormen Gewinnen muß man sich doch fragen: darf der Staat den Kohlen-Ring ungestört fortwirken lassen, ober muß er nach Mitteln und Wegen suchen, um einer so ungerechtfertigten Hoch- Haltung der Preise ein Ende zu machen? Die Frage ist in der vorigen Session im Abgeordnetenhause ange« regt worden, bisher jedoch nichts in bufer Richtung ge­schehen. Die gegenwärtigen Verhältnisse machen es aber doppelt nothwendig, auf Abhülfc zu sinnen, zumal auch die Monopolisirung des Kopleuhandels gerade jetzt wieder bedeutende Fortschritte gemacht hat.

* Dir berechtigte Aufmerksamkeit aller Klassen Hex