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trichinenfrei befunden worden, bei der Nachuntersuchung fand man aber zahlreiche eingekapselte Trichinen.

Elberfeld, 30. Oktober. Die Strafkammer verur- theilte einen Simulanten, einen Fabrikarbeiter, wegen Betrugs zum Nachtheile der Berufsgenossenschaft zu 1 * Jahr Gefängniß und 5jährigem Ehrverlust. Der Fabrikarbeiter kam vor einigen Jahren in einer Fabrik zu Fall und spiegelte seitdem völlige Lähmung und Er­werbsunfähigkeit vor. Bon mehreren Personen wurde er in den Gerichtssaal hineingetragen, wo unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit gegen ihn verhandelt wurde. Es waren vier Aerzte, darunter zwei Professoren von Bonn, als Sachverständige geladen und diese erklärten den Angeklagten für arbeitsfähig und gesund.

Weidenau, 25. Oktober. Die näheren Nachrichten . über den von der Ehefrau Frisch verübten Mord haben eine tiefgehende Bewegung in unserer Gemeinde hervor­gerufen. Gestern wurde die Leiche des dreijährigen Mädchens ausgegraben. Die Untersuchung ergab, daß es im Wasser seinen Tod gefunden, wie auch die Mörderin bereits zugab. Sie äußerte, das Kind habe sich aus dem nicht sehr tiefen Wasser retten wollen und mehrmals Mama!" geschrieen, sie habe es aber mit dem Fuße wieder zurückgestoßen. Nach der Verhaftung der Mutter hat der siebenjährige Sohn die Mittheilung gemacht, daß die Mutter in der vorigen Woche des Abends auf dem Heimwege vom Markte versucht habe, ihn in einen Graben zu werfen. Er habe aber ihre Kleider so fest gepackt, daß sie die That nicht ausführen konnte, sie habe ihm jedoch gedroht, sie würde ihn todtschlagen, falls er dem Vater etwas verriethe, darum habe er bis jetzt geschwiegen. Ein drittes, vor 8 bis 9 Wochen verstorbenes Kind im Alter von 18 Monaten soll die Frau im Bette erstickt haben. Nachdem sie die That verübt, habe sie ruhig ihren Kaffee getrunken, beim Nachsehen aber gefunden, daß das Kind noch nicht todt sei, und ihr grausiges Werk zu Ende geführt. Auch die Leiche dieses Kindes wird ausgegraben. Noch ein anderes der Kinder der Mörderin soll schon früher ihrer Mordlust zum Opfer gefallen sein. Es handelt sich um einen Säugling, dessen Tod sie durch festes Einschnüren herbeigeführt haben soll. Die Mörderin leidet aller­dings an Fallsucht und bekam auch einen Anfall, als sie an den Thatort geführt wurde; doch lassen einige bei dieser Gelegenheit gemachte Wahrnehmungen ver­muthen, daß dabei Verstellung mitspielt.

Düsseldorf, 30. Okt. Die erste Sendung amerikani scheu Speckes, mehrere Hundert Seiten, kam hier mit dem Atteste an, daß alle auf Trichinen untersucht seien. Trotzdem fand hier gestern in der Schlachthalle eine neue Untersuchung statt und in sechs Seiten wurden Trichinen gefunden.

Koblenz, 2. Nov. In den letzten drei Wochen war! in Lützel-Koblenz fünfmal Großfeuer, welches stets zur Nachtzeit ausbrach.' Der Thäter blieb unbekannt. Staat und Regierung setzten vorgestern eine Belohnung von tausend Mark auf die Entdeckung des Thäters. In der vergangenen Nacht um zwölf Uhr erfolgte als Antwort des unheimlichen Brandstifters eine gewaltige Feuers­brunst. Das ausgedehnte Holzlager der Firma Douquet und das Haus des Bahnmeisters Vanderheid wurden eingeäschert. Hier herrscht unbeschreibliche Auf­regung.

Metz, 27. Oktober. In dem benachbarten Stäbchen Diedenhofen hat sich gestern der Unteroffizier Bondrio von der 8. Komp. des 135. Jnf.-Regts. im Militärge­richtslokal erschossen. B. war wegen Mißhandlung eines Soldaten zu 4 Wochen Mittelarrest verurtheilt worden und sollte seine Strafe sofort autreten. Statt nun die Treppe hinunter zum Aufseher zu gehen ging er die Treppe hinauf, legte zuerst auf den ihm nacheilenden Vicefeld- webel an, welchen er fehlte und erschoß dann sich selbst mit einem Armee-Revolver, welchen er als Schießunter- offizier sich vorher zu verschaffen Gelegenheit hatte.

* Als ein ungünstiges Ergebniß muß es be­zeichnet werden, daß von 50 Schmiedegesellen, welche die Prüfung für Hufbeschlag in München mitmachten, nur 7 bestanden.

Die berühmte Hainburger Cigarrenfabrik ist mit all ihren ungeheuren Vorräthen an Tabak und Cigarren am 20. Okt. abgebrannt. Die werthvollen Maschinen gingen zu Grunde.

Arnstorf (Bayern), 28. Oktober. Folgenden entsetz­lichen Vorfall berichtet derRotth. Anz.": Soeben erfahre ich aus sicherer Quelle, daß die schon längere Zeit an Geistesstörung leidende Ehefrau des X, Förster in Gründen, ihr dreiviertel Jahre altes Kind in der Bratpfanne ge­braten und Mittags den Leuten zum Schrecken Aller zum Essen vorsetzte.

Aus Z., einem Dorfe Württembergs, schreibt man: Bei einer in hiesiger Gegend abgehaltenen größeren Treibjagd, an der sich neben einem Troß von Treibern etwa 20 Schützen betheiligt haben sollen, kamen zur Strecke: zwei Hunde, eine Rehgeis, vier Füchse, etliche Hasen und ein arglos in die Schützenkette gelangter Handwerksbursche. Doch letztererstreckte" sich frei­willig, indem er sich aus Angst vor den schrecklichen Nimroden platt auf den Boden legte und um Schonung flehte, die ihm denn auch großmüthig gewährt wurde.

Aus Schlesien. Das Auftreten der Influenza in der gesammten Provinz Schlesien ist besorgnißerregend.

Das Steinauer Lehrerseminar wurde geschlossen. Die Krankheit grasstrt, wie aus Ratibor telegraphirt wird, in dortiger Stadt und im Kreise Neisse und tritt in sehr bösartigem Charakter auf. Complieationen der In­fluenza haben demOberschl. Anz." zufolge bereits mehrfache Todesfälle herbeigeführt.

Ausland.

Prag, 27. Oktober. Der Begehr des Auslandes, namentlich Deutschlands, für böhmische Kartoffeln wird täglich größer. In Südböhmen, welches eine große Kartoffelernte erzielt hat, weilen zahlreiche Einkäufer, so erschienen am heutigen Beneschauer Markte Käufer aus Westfalen. In hiesigen Blättern erscheinen Anoncen, in welchen bestimmte Quantitäten für Leipzig rc. zu kaufen gesucht werden. In allen Stationen der Franz Josefsbahn stehen mit Kartoffeln beladene Wagen, was früher nicht gekannt wurde. Selbst nach Korfu und Egypten sind weitere Versendungen gemacht worden. Bezahlt werden für rothe Kartoffeln 1,551,60 Fl., für weiße 2,202,30 Fl. pro Meterzentner.

Frankreich. Der amtliche Ausweis über die Be­wegung der Bevölkerung Frankreichs 1890 ist für die Franzosen nicht erinnthigend. Es wurden gezählt: 269,342 (1884: 289,555) Heirathen; 5457 (1885: 4277) Scheidungen; 838,059 (1881: 937,057) Ge­burten ; 876,505 (1881: 828,828) Todesfälle. Während letztere seit zehn Jahren nur zufälligen Schwankungen unterworfen sind, sind die Geburten um volle 100,000 oder ein Neuntel zurückgegangen. Eine Steigerung ist nicht zu hoffen, da die Zahl der Heirathen seit 1884 jährlich um ein Hundertstel abnimmt. Selbst wenn die Zahl der Todesfälle geringer sein wird als in dem außergewöhnlich ungünstigen Jahre 1890, ist kaum an eine natürliche Mehrung zu denken. Dabei wird seit 15 Jahren fortwährend von Behörden, Vereinen, Ge­lehrten, Volkswirthen, Aerzten u. s. w. geredet und ge­schrieben, wie der geringen Volksvermehrung abzuhelfen sei. Nur 27 Departements haben 1890 einen Ueber» schuß der Geburten, zusammen 39,059; dagegen zeigen 60 Departemens einen 77,505 betragenden Ueberschuß der Todesfälle. Ein solcher Rückgang der Volksmehrung ist noch unter keiner Regierung vorgekommen, wie unter der Republik, welche außerdem eine mehr als dreifache Mehrung der jugendlichen Verbrecher aufweist. Die sittlichen Zustände verschlimmern sich ausfallend. Die politischen Erfolge, die große Zunahme des Reichthums entschädigen dafür nur wenig.

In Spanien nimmt die Ueberschwemmung zu, die Bahnverbindungen zwischen den baskischen Provinzen und Katalonien sind unterbrochen. Das ganze Ebro- thal ist überschwemmt. Zahlreiche Dörfer und Ort­schaften sind zerstört, andere vollständig abgeschnitten. Der Ebro ist mit Trümmern und Viehleichen bedeckt.

Für die Stimmung, welche in Rußland gegen die Deutschen herrscht, ist es bezeichnend, daß dieMosk. Wjed." die russische Regierung auffordert, energisch da­für zu sorgen, daß sämmtliche Deutschen sobald als möglich aus Rußland entfernt werden, da die deutschen Ansiedler den Russen feindlich gesinnt seien.

London. Im englischen Auswärtigen Amte glaubt man, daß die von Chile an die Vereinigten Staaten gesandte Antwort, in der bekanntlich jede Verantwortlich­keit wegen des jüngsten Angriffs auf die Matrosen des amerikanischen KriegsschiffesBaltimore" abgelehnt wurde, die Bombardierung Valparaisos zur Folge haben wird.

Japan. Die LondonerWestern Morning News" empfingen folgendes Telegramm ausHiogo: Nachdem am Mittwoch die telegraphische Meldung gekommen war, daß Osaka vom Erdbeben zerstört worden, treffen jetzt weitere Nachrichten ein, aus denen der große Umfang der durch das Erdbeben angerichteten Verwüstung hervorgeht. Nagoya, eine Stadt von 200,000 Einwohnern, ist gleich­falls zerstört worden und auch die größeren Städte Gifa und Ogaki haben stark gelitten. Sämmtliche öffentlichen Gebäude sind zerstört, ganze Straßenlinien stürzten ein und begruben unter den Haustrümmern eine große Anzahl von Bewohnern. Der Verlust an Menschenleben wird von amtlicher Seite auf mehr als 3000 Personen ge­schätzt. Auf den Seen gerieth das Wasser in stürmische Bewegung, viele der kleineren Schiffe, welche den Lokal­verkehr besorgen, wurden beschädigt.

Lokale- «ud Provinzielles. Schlüchtern, 3. November.

* Der bisherige erste Seminarlehrer Herr Dr. Renisch zu Neuruppin ist zum kommissarischen Direktor des Schullehrer-Seminars dahier bestellt worden. Derselbe tritt sein neues Amt am 15. November er. an.

* In der zweiten Hälfte dieses Monats hält der hiesige Turnverein ein Schauturnen ab, auf welches wir die Freunde der Turnsache schon jetzt aufmerksam machen. Das Schauturnen verspricht insofern interessant zu werden, als sich dabei zeigen wird, ob die turnerischen Leistungen der aktiven Turner unter der neuen Leitung ein höheres Maaß des Könnens erreicht haben oder nicht. Ueber den Tag, an welchem das Schauturnen stattfindet, ist noch keine bestimmte Abmachung getroffen, doch werden wir s. Z. auf die betr. Inserate aufmerk­sam machen.

* Unsere Landleute prophezeien dieses Jahr einen strengen Winter. Sie wollen nämlich beobachtet haben, daß die Mäuse in diesem Jahre ihre Winter­wohnungen tief in der Erde eingerichtet haben. Während dieselben sich in früheren Jahren oft nur einen Fuß tief in der Erde befanden, sind sie in diesem Jahre einen halben Meter tief. So tief bringt der Frost allerdings nicht in die Erde und die schädlichen Nage- thiere können es, wenn der harte Winter kommt, wohl hier aushalten.

* Die Invalidenrente. Immer näher rückt der Termin heran, von welchem an die Ansprüche auf In­validenrente erhoben werden können. Nach dem Gesetze ist die Geltendmachung dieser Ansprüche während 5 mal 47 Wochen, der Uebergangszeit, nach dem 1. Januar 1891 von der Voraussetzung abhängig, daß mindestens für die Dauer eines Bcitragsjahres oder 47 Wochen auf Grund der Versicherungspflicht die ge­setzlichen Beiträge entrichtet worden sind. Es waren nun Zweifel darüber aufgestiegen, ob auf die hiernach erforderliche Zeit eines Beitragsjahres auch Krankheiten und Zeiten militärischer Dienstleistungen anzurechnen seien, wie es im Allgemeinen im Gesetze vorgeschrieben ist. Diese Zweifel sind durch eine Entscheidung des Reichsversicherungsamts beseitigt, in welcher die streitige Frage bejaht wird. Personen also, welche, nachdem sie nicht lediglich vorübergehend in ein die Versicherungs­pflicht begründendes Arbeits- oder Dienst Verhältniß eingetreten waren, wegen bescheinigter, mit Erwerbs- Unfähigkeit verbundener Arbeit für die Dauer von sieben oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen verhindert ge­wesen sind, dieses Verhältniß fortzusetzen, oder behufs Erfüllung der Wehrpflicht zum Heere oder zur Marine eingezogen gewesen sind, werden diese Zeiten als Bei­tragszeiten auch auf das erste Beitragsjahr in Anrech­nung gebracht werden.

* Unteroffiziere und Mannschaften der Landwehr 2. Aufgebots ziehen sich immer noch militärische Strafen dadurch zu, daß sie eine gewisse Bestimmung des neuen Wehrgesetzes nicht beachten. Wenngleich diese Mann­schaften an den Kontrolversammlungen nicht mehr theil- nehmen, sind sie doch nach wie vor verpflichtet, jeden Umzug aus einem Ort in den andern, Veränderungen in ihrem Familienstände durch Geburt und Tod bis zum 39. Jahre jedesmal dem zuständigen Bezsiksfeld- webel zu melden.

* Gegen schädliche Jusekten. Blättermeldnngcn zufolge hat der Kultusminister angeordnet, daß der naturtundliche Unterricht in den Volksschulen fortan mehr Gewicht auf die Kenntniß der dem Obstbau und der Landwirthschaft schädlichen Thiere, namentlich der Insekten, wie des Apfelwicklers, Frost panners re. legen soll.

* Zur Statistik ber Concurse in Deutschland. Obgleich die Concursstatistik des Deutschen Reiches im Vergleich zu derjenigen anderer Länder, wie England und Amerika, noch zahlreiche Lücken aufweist, gibt sie doch immerhin schon einen werthvollen Ueberblick über die wirihschaftliche Lage. Nach den neuesten Mit­theilungen sind in ganz Deutschland an Coneursoerfahren

durchschnittlich

anhängig

in den Jahren

geworden

eröffnet

1881-85

5770

4752

1886

5912

4789

1887

5963

4897

1888

6357

5216

1889

6490

5263

Diese Zahlen geben ein wenig erfreuliches Bild, denn sie zeigen eine fortwährende Zunahme. Der Unterschied zwischen der Zahl der anhängig gewordenen und der er­öffneten Verfahren rührt zum größten Theil davon her, daß dem Antrag auf Eröffnung nicht Folge gegeben wurde, weil nach dem Ermessen des Gerichts eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Concursmasse nicht vorhanden war. Die Menge der Zahlungseinstellungen ist aber noch eine weit größere, als die der Concurs- verfahren, da Zahlungsunvermögen keinen Concurs zur Folge hat, wenn von keiner Seile ein diesbezüglicher Antrag gestellt wird, sei es, daß die Gläubiger gesonnen sind, zu warten, bis die Verhältnisse des Schuldners sich bessern, oder daß ohne Dazwischentreten der Gerichte ein privater Vergleich zwischen den Gläubigern und dem Schuldner abgeschlossen wird.

* Zu dem am 3. November beginnenden Kursus der Landwirthschaftlichen Winterschule in Fulda sind bis 31 Schüler angemeldet worden. Im vorigen Jahre wurde die Schule mit einer Schülerzahl von 19 eröffnet.

Hünfeld, 28. Oktober. Der kgl. Landrath, Herr v. Dalwigk, macht bezüglich des Kirchweihfestes folgendes bekannt: Die Herren Bürgermeister ermächtige ich, denjenigen Wirthen, welche am diesjährigen Kirchweih- feste den 8., 9. und 10. November Tanzmusik abhalten wollen, die Gestaltung nach Ermessen für alle drei Tage und zwar nur bis Nachts 12 Uhr zu ertheilen. Von jeder ertheilten Bestattung ist vor Beginn der Tanz­musik dem zuständigen Gendarmen Anzeige zu machen. Zugleich mache ich es den Herren Bürgermeistern zur Pflicht, strengstens auf Aufrechthaltung von Ordnung und Anstand zu achten. Insbesondere dürfen keine be­trunkene Personen und schulpflichtige Kinder in den Tanz- und Schanklokalen geduldet werden. Um 12 Uhr