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Westerwälder Bauer aus dem Lande geschienen" heißt! ein Sprichwort ist der Umstand Ursache an der^ schlechten Kartoffelernte, daß man immer noch die alten Sorten anbaut, die einmal nichts mehr taugen, weil sie ihre frühere Widerstandsfähigkeit verloren haben. Nur hier und da haben einzelne Leute geeignetere Sorten eingeführt und bessere Erträge zu verzeichnen. Da die Kartoffel eines der wichtigsten Nahrungsmittel des Westerwälders bildet, sieht manche arme Familie nicht ohne Besorgniß dem kommenden Winter entgegen, zumal alle übrigen Lebensmittel theuer und der Verdienst, den ein großer Theil der männlichen Bevölkerung auswärts suchen muß, Heuer bei Weitem nicht so hoch war, als z. B. im Vorjahre. Aber auch die besser situirten Bauersleute trifft der Ausfall an Kartoffeln recht fühl­bar, da diese die hier stark betriebene Viehmast ein­schränken und froh sein müssen, wenn sie ihre eigene Schlacht", d. h. Fleisch für den Hausbedarf erzielen können. Allerdings stehen die Schweinepreise gegen­wärtig sehr niedrig. Treiber, die sonst Hunderte von jungen Schweinen auf unsere Märkte bracht n, lassen sich kaum mehr sehen, weil sie nur schlechte Geschäfte hier machen würden. Zum Glück ist die Ernte an Ge­treide (Gerste und Hafer, auch Sommerkorn) ganz vor­züglich ausgefallen, auch haben die Wiesen, auf denen der Frost des letzten Nachwinters keinen Schaden ange­richtet hatte, gute Erträge geliefert. Obst Hat's hier nur wenig gegeben. Die Wurzelgewächse stehen noch sämmtlich draußen,sie wachsen noch" und werden auch vor November nicht unter Dach kommen, da die be­treffenden Aecker nicht mehr bestellt werden. Durch diese alle Jahre so spät erfolgende Ernte der Kohlraben und Dickwurz ist es schon wiederholt vorgekommen, daß diese Wochen lang unter Schnee draußen standen oder aus der gefro.enen Erde ausgebrochen werden mußten. In Bezug hierauf ist man durch Schaden noch nicht klug geworden.

Doch der Bauer hörte nicht mehr, er hatte den Hut von der Wand gerissen und war hinausgestürmt, um draußen seinem Grimm und Aerger ungestört Luft machen zu können. Grethe aber war zur Mutter hingeeilt, und ihren Kopf in deren Schoß bergend, weinte sie herzbrechend, während die alte, etwas kränkliche Frau ihr sanft den Scheitel -streichelte und ihr Trost zusprach.Das wird sich schon allmülig geben mit dem Zorn vorn Vater," meinte sie,aber vor der Hand läßt sich nichts machen, Du darfst Dich jetzt nicht mehr um den Bernhard kümmern, sonst besteht der Vater noch hartnäckiger auf seinen Willen."

Das war nur ein schlechter Trost für die Grethe, aber sie mußte deu Rath der Mutter schon befolgen, denn der Vater beobachtete sie in der nächsten Zeit sehr scharf und ließ sie nur wenig vom Hause fort. So hatte sie kaum Gelegenheit gefunden, ihrem Bernhard in aller Eile, als sie sich am folgenden Sonntag bei der Kirche trafen, mitzutheilen, wie die Sachen standen, und daß sie ihn vorläufig meiden müsse. Das war für den armen Barschen eine betrübende Nachricht, aber es ließ sich nichts dagegen machen, das sah er ein, und treu blieb ihm ja sein herziges Mädchen, das wußte er bestimmt. Er mußte sich also darin finden, aber die Freude wich aus seinem sonst so fröhlichen Gemüth, träumerisch hing er seinen Gedanken nach, wenn er am Schmiedfeuer stand, und zergrübelte seinen armen Kopf, wie die Sache zu ändern wäre. Ohne Lust und Freude verrichtete er seine tägliche Arbeit, und nur, wenn der Grothofbauer an der Schmiede vorbeiging, schlug er grimmiger auf das Eisen, daß die strahlenden Funken umherflogen.

Mittlerweile war die Erntezeit Heraugekommen, und die Tage und Wochen schlichen unter der harten Arbeit langsam dahin. Der Grothofbauer schmunzelte im Ge­heimen über den Erfolg seines Machtspruches, seine Tochter ging still und ruhig ihren häuslichen Geschäften nach, den Bernhard hatte sie nicht wiedergeschen, ja sie sie mied sogar die Straße, in der die Schmiede lag, und die Bäuerin sprach auch kein Wort mehr über die Geschichte, und so schien denn auf dem Grothofe wieder Ruhe und Frieden eingekehrt zu sein.

Reich, wie fast seit Menschengedenken nicht, war in diesem Jahr der Erntesegen, die Scheunen konnten die Massen nicht fassen, und als die Weizenernte Angebracht war hatte der Grothof keinen Platz mehr für den Hafer, der noch in seltener Pracht auf dem Halme stand. Dieses erwog auch der Grothofbauer, als er eines Sonntag- Nachmittags mit seiner Frau auf der Bank vor seinem Hause saß; und indem sie Beide über das schimmernde Haferfeld, das sich unterhalb des Gartens hinzog, blickten, berathschlagten sie eifrig, wie und wo die nothwendigen Getreideschober anzulegen seien, da morgen mit der Hafer­mahd begonnen werden sollte.

Und hab ich erst den Hafer heim," schloß Klas seine Bemerkungen,dann kann die Sache mit Peter Steffen näher festgesetzt werden."

Die Frau seuizte in Gedanken an ihren Liebling tief auf, doch ehe sie antworten konnte, erschollen verworrene Rufe von der Dorfgasse herauf und als die beiden neu­gierig an den Zaun traten, zu sehen, was da los sei, gewahrten sie eine Gruppe Dorfbewohner, meist der Schul­jugend ungehörig, die heftig gestikulirend und schwatzend nach oben blickten auf einen dunklen Körper, der, im blauen Aether dahinschwimmend, langsam sich näherte und dabei immer größer wurde. Die verschiedensten Vermuthungen über diese sonderbare Erscheinung wurden laut, immer mehr Leute kamen aus ihren Häusern und sahen empor zu dem eigenthümlichen Gebilde, das Achnlichkeit mit der Gestalt eines übergroßen Menschen hatte und immer größer erschien. Bald verstummte das Gerede und athemlose Spannung ergriff die Zuschauer, die sich das Räthsel nicht erklären konnten, bis plötzlich ein leichter Windstoß den fliegenden Gegenstand in regere Bewegung setzte und ihn umdrehte. Ein allgemeiner Schrei des Entsetzens durch­schnitt die Lnft und mit bem Rufe:De Düwel, de Düwel," stob die Schaar der Gaffer in alle Winde auseinander. Und in der That, es war die schreckliche Gestalt des Teufels, der durch die Lüfte daher gefahren kam, fürchterlich rollten die Augen in dem mit einem riesigen Hörnerpaar verzierten Kopfe, blutigroth hing die Zunge aus dem gräßlichen Maule des Fürchterlichen, der jetzt, mit langein Schweif und Krallenhänden versehen, auf das Dorf herabgrinzte.

Angst und Schrecken ergriff den Grothofbauern und seine Frau, und als derselbe sich dem Grothofe näherte, flüsterte die zitternde Bäuerin unter fortwährendem Be- krenzigen ihrem Manne zu:Klas, Klas, er hat Deinen sündigen Schwur gehört, er will Dich holen."

(Schluß folgt.)

Eine Teufelserscheinung.

Der Wirklichkeit nacherzählt von L. S t.

Und ich sage Dir, er kriegt die Grethe nicht," fuhr der Grothofbauer seine Frau an,das könnt mir gern passen, mein einzig Kind, die Erbin des Grothofs, als Frau des Schmieds im Dorf. Ja freilich, schlechten Ge­schmack hat er nicht, die Greth und den Grothof mit seinen 3000 Morgen Land dazu möcht' noch manch Anderer, aber daraus wird nichts und damit basta."

Nun, nun," begütigte die Frau,so schlimm wäre es doch am End' nicht, der Bernhard ist der bravste Junge im Dorf und seine Schmiederei bringt doch auch ein gutes Stück Geld ein, er hat

Ach was, red' nicht," unterbrach sie der Alte barsch, die Zwei passen nicht zusammen, ein Schmied und eine Großbauerntochter, und deshalb hat all Dein Gerede keinen Zweck. Ich will Dir noch sagen," fuhr er etwas ruhiger fort,neulich hat unser Nachbar, der alte Andres Steffen, mit mir gesprochen, sein Peter kommt zum Herbst vom Militär zurück, und was meinst, wenn der die Greth freite, das gab' was Ordentliches, der Nachbarhof und innerer zusammen. Der Andres meint, sein Peter hätt' schon lange ein Auge auf unser schmuckes Dirn geworfen und ich wär's zufrieden, denn die Beiden passen zusammen."

Bei diesen Worten wandte er sich zur Seite, da seine Tochter, die unbemerkt in's Zimmer getreten war und seine letzten Worte noch gehört hatte auf ihn zutrat. Mit ihren prächtigen, blauen Augen, in denen Thränen glänzten, sah sie ihn bittend an, und indem sie seine Hand faßte, sagte sie treuherzig:Gelt Vater, das ist nicht Dein Ernst mit dem Peter, ich mag ihn nicht, den garstigen Menschen, der mit allen Mädchen schön thut."

Papperlapapp, brauste der Bauer auf, fang Du nicht auch noch au mit solchem Geschwätz, ist der Peter nicht ein schmucker Bursch, es hat Mancher mit den Mädchen schön gethan und ist nachher doch ein rechtschaffener Ehe­mann geworden. Er ist Deinesgleichen, und ihr paßt zusammen, den Schmied Bernhard schlag Dir aus dem Sinn, den bekommst Du nimmer."

Aber wir sind uns gut, und einen andern nehm ich nicht," sagte die Grethe ruhig, indem sie den Kopf mit den schweren, blonden Flechten hoch aufrichtete. In dem braunen Gesicht des Vaters zuckte es ingrimmig auf, und dann wetterte er los:

Was, ist es schon so weit, ihr seid euch gut und einen Andern nimmst Du nicht, Du hast dich also richtig dem Hans Habenichts an den Hals geworfen? Willst Du mir trotzen? So lange ich, Dein Vater auf dem Grothofe bin, habe ich zu befehlen nnd Niemand sonst. Euch will ich die Mucken schon austreiben, mit dem Nachbar spreche ich nun erst recht über die Sache, und zum Winter heirathest Du den Peter, so wahr ich Klas heiße."

Ich heirathe ihn nicht, und ich laß den Bernhard nicht," schluchzte Grethe.

Du läßt den Bernhard nicht, das wollen wir sehen" schrie der Alte kirschbraun vor Zorn, und schlug mit der geballten Faust auf den Tisch, daß eS dröhnte,den Bernhard bekommst Du nicht, ich schwöre Dir's, eh' soll mich der Teufel holen.

Klas, Klas," rief seine Frau jetzt mahnend, indem sie sich bekreuzigte,versündige Dich nicht und führe nicht solch gottes­lästerliche Reden, der Böse könnte Dich beim Wort nehmen."

Vermischtes.

Beim Kohlfurter Eisenbahnunglück hat sich eine kleine Episode ereignet, welche trotz des Ernstes der Situation komisch wirken mußte. An dem Koupecfenster des verunglückten Breslau- Berliner Kurierzuges erschien etwa eine halbe Stunde nach dem- furchtbaren Zusammen stoß das höchst verwundert dreinschauende Gesicht eines Passagiers, welcher die naive Frage an die Nächststehenden richtete:Was ist denn eigentlich los?" Der Mann wäre vor Schreck fast umgefallen, als er hörte, was passiert sei und in welcher Gefahr er geschwebt habe. Er hatte

geschlafen, und zwar so fest, daß er von dem Zusammen­stoß und all dem folgenden Lärm absolut nichts ver­spürt hatte.

Aus Paris, 20, d. M., wird gemeldet:Der Chemiker Berthelot zeigte gestern seinen Kollegen in der Akademie der Wissenschaften etne Reihe schöner Muster eines neuen Silbers, welches man für Gold halten könnte. Dieses gelbe Silber wurde von Carrs durch die Behandlung von Silbersalzen mit Eisennitrat erreicht. Man verspricht sich davon viel für ein neuesVergoldungs­verfahren". Ferner erklärt sich daraus, wie Berthelot in einem Vertrage entwickelte, wie gewisse Alchymisten behaupteten, sie könnten Silber in Gold verwandeln."

Die Unendlichkeit des Welt-aumes. In an­schaulicher Weise sucht der bekannte französische Astronom C. Flammarion in seiner ZeitschriftL'Astronomie" dem Leser wenigstens eine annähernde Vorstellung von der Unendlichkeit des Weltraumes zu verschaffen. Machen wir, heißt es dort, einen Versuch zur Ergründung der Tiefe des Weltraumes. Wir fl egen von der Erde aus in gerader Linie nach irgend einem Punkte des Himmels mit der Geschwindigkeit des Lichts, d. h. von 300,000 Kilometer in der Sekunde. Der Flug dauert 3'/, Jahr, ehe wir die nächste Sonne erreichen. Doch machen wir hier nicht Halt. Wir eilen weiter u d fliegen 10, 20, 100, 1000 Jahre mit gleicher Geschwindigkeit an zahl­reichen wärmespendenden Sonnen, an unzähligen Planeten­gruppen vorbei, welche von Wesen all.r Art bewohnt sind. Wir fliegen immer weiter noch fernere 1000 Jahre; wir rasen durch Sternenhaufen, schimmernde Nebelsterne, durch die Milchstraße hindurch, welche sich in ungezählte Welt n auflöft; wir wohnen dem Ent­stehen und Vergehen zahlloser Welten bei; es regnet um uns Sterne. Wir rasten aber nicht und fliegen immer weiter, 10,000, 100,000 Jahre, in gerader Linie, mit unverminderter Geschwindigkeit, vielleicht eine Million Jahre. Wir wähnen, endlich an's Ziel gelangt zu sein. Doch nein. Es thun sich immer weitere unendliche Räume vor uns auf, eS funkeln immer neue Sonnen. Eine zweite Million Jahre, neue Entdeckungen, neue Welten, neue Menschheiten! Was! kein Ende, kein geschlossener Horizont, kein Gewölbe, kein Himmel, der uns Halt gebietet! Immer der Welt­raum, immer die Leere? Wo sind wir? Welchen Weg haben mir zurückgelegt? Wir sind an's Ziel gelangt, wo? An die Vorhalle der Unendlichkeit! Thatsächlich sind wir um keinen Schritt weiter gekommen. Wir be­finden uns der Grenze nicht näher, als hätten wir still­gestanden; wir könnten die g'eiche Reise von unserem Standpunkte aus wieder antreten, ungezählte Jahr­hunderte ohne Rast weiter eilen; wir könnten nach irgend einem Punkte des Weltraumes fliegen. Und hielten wir endlich nach Jahrtausenden des schwindel­erregenden Laufes inne, so würden wir gewahr werden, daß wir mit unserem Flug auch nicht den winzigsten Theil des Weltraumes durchmessen haben, und daß wir um keinen Schritt weiter gekommen sind. Ueberall Mittelpunkte, nirgends eine Begrenzung. In dieser Un­endlichkeit bilden die Sonnengruppen, welche das für uns sichtbare Weltall ausmachen, gleichsam nur eine Insel in der großen Inselwelt; in der Ewigkeit der Dauer ist das Leben unserer so stolzen Menschheit mit ihrer religiösen und politischen Geschichte, das Leben unserer Planeten nur der Traum eines Augenblicks!

Galant.Wie kommt es, Herr Doktor, daß der liebe Gott zuerst den Adam aus Staub machte und nach­her aus dessen Rippe die Eva, warum nicht umgekehrt?" Sehr einfach, meine Gnädige, hätte der liebe Herrgott zuerst die Eva erschaffen, so würde sich Adam wohl selbst aus dem Staube gemacht haben."_______

Markt und Haudelsnachrichten.

Frankfurt, 26. Oktbr. Der heutige Viehmarkt wet mit 458 Ochsen, 36 Bullen, 458 Kühen, Stieren und Rinder», 251 Kälbern, 686 Hämmeln und 788 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. Mark 6^71, 2. Qual. 62 64, Bullen 1. Qual. 4 t50, 2. Qual. 44 46, Kühe, Rinder und Stiere 1. Qual. 5961, 2. Qual. 4250, Wtk« per 100 Pfund Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 73-78 Pfg., 2. Qual 6368 Pfg, Hämmel 1. Oval. 66- 68 Pfg., 2. Qual. 505 2 Pfg., Schweine 1. Qual. 5860 Pfg., 2. Qual. 55 big 57 Pfg., Alle- per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Frankfurt a. M., 26. Oktbr. Hiesiger Wetten 23,25 1(4 23,50, Russischer 24,2524,75, Hiesiger Roggen,--, , Russischer,---,-, Pfälter,-----, , Hiesige »erste 17,50 18,75, Pfälzer,-----,, Hafer je nach Dualität hiesiger,---, Mark, Alles per 100 Kilo.

Fulda, 26. Oktober. Dem Schweinemarkt vom Samstag waren ca. 35 Läufer und 200 Ferkel zugetriebe«; Läufer 30 M., Ferkel 4 Mk. per Stück.

Verfälschte schwarze Seide.

Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffe-, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage? Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, »er­löscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbraun- lieber Farbe. Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchluß­sätzen" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinter­läßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie sich, die der »erfälschte» nicht. Das Seidenfabrik-Depot von G. Henneberg K. u. K. Hoflief.) Zürich, versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke Porto- und zollfrei in - Hau». Doppelte- Brief- Porto nach der Schweiz.