Schwalheimer Höfen verendete ein etwa 15jähriges Pferd, bei dessen Secirung Herr Kreisveterinärarzt Schmidt Steingebilde von nahezu 20 Pfund Gewicht im Dickdarm fand. Einer dieser Steine, von der Größe, genau regelmäßigen Rundung und Glätte einer Billardkugel, konnte gerade in den leeren Raum von drei andern Steinen eingefügt werden, welche zusammengesetzt die Größe und Form einer Kegelkugel darstellten. Augenscheinlich bildeten die letzteren früher einen einzigen Stein, welcher den kleineren , wie die Schale einen Kern, umschloß. Der Fall dürfte einzig in seiner Art dastehen und ist für Sachverständige von höchstem Jnterresse. Die Ursache dieser reichlichen Steinbildung wird dem Umstände zugeschrieben, daß die Pferde auf deu Schwalheimer Höfen mit Sauerwasser getränkt werden.
Offenbach, 23. Oktober. Mit Rücksicht auf die hohen Lebensmittelpreise und die Aussicht, daß die Preise für Kartoffeln im Laufe des Winters voraussichtlich noch erheblich steigen werden, hat die hiesige Stadtverordnetenversammlung zwei ihrer Mitglieder beauftragt, mit der Bürgermeisterei über den Ankauf von Kartoffeln seitens der Smdt zu berathen. Die anzu- kaufenden Kartoffeln sollen nicht blos an die Armenpfleglinge, sondern zur Winterszeit auch an andere Einwohner käuflich abgegeben werden.
Ausland»
Frankreich. Außer dem Erzbischof von Aix sollen weitere sieben Bischöfe wegen Anmaßung gegenüber der Regierung belangt werden. Es handelt sich um ihr schon erwähntes Auftreten bei Gelegenheit der Note, welche die Regierung in Sachen der römischen Pilgerschaft an sie richtete. Die Anklage gegen den Erzbischof von Aix betrifft die Stellen seines Briefes, in welchem er das Rundschreiben des Cultnsmiuisters einen „traurigen und abscheulichen Widersinn" nennt und den Schlußsatz: „Der Frieden ist bisweilen aus Ihren Lippen, aber stets ergibt sich Haß und Verfolgung aus Ihren Thaten." Einen Präcedenzfall der jetzigen Anklage bildet die 1881 gegen Cotton, Bischof von Valence, gerichtete. Das Vorgehen der Regierung wird Seitens der Republikaner fast allgemein gebilligt. Die Anklage stützt sich auch auf Artikel 222 des Strafgesetzes (Beleidigung eines Beamten in Ausübung seines Berufes wird bestraft mit Gefängniß von 14 Tagen bis zu 2 Jahren); das zuständige Gericht ist der Pariser Appelhof. Die Voruntersuchung führt der Staatsanwalt von Aix.
In den Gemeinden der Gegend von Cuhors in Frankreich hat ein Massenübertritt zum Protestaniismus staltgefunden, weil der Bischof die Abhaltung einer zweiten Sonntagsmesse in den Gemeindekirchen verboten hatte.
Rußland. In den deutschen Kolonien des Wolgagebietes sind über 100,000 Menschen, die nichts zu essen haben und bettelnd von Ort zu Ort ziehen; viele sind dem Hungertode nahe. Das Elend ist geradezu entsetzlich und es bricht sich immer mehr die Erkenntniß Bahn, daß die vom Staate und der Privathilfe veran- stalteten Maßregeln auch nicht entfernt genügen werden, dem furchtbaren Verhängniß zu steuern. — Russische nach Westpreußen kommende Flößer geben laut Meldung der „K. Ztg." grausige Schilderungen von dem in Rußland herrschenden Nothstände. In dem oberem Stromgebiet des Don, der Wolga, Wetlnga, Wjatka und Sura seien Tausende dem Hungertyphus erlegen. In großen Zügen sollen die Nothleidenden nach anderen Gegenden ausziehen und zum Theil auf dem Wege dorthin umkommen. Die südrussischen Gouvernements Kasan und Astrachan seien infolge dessen übervölkert; man flüchte bis in den Kaukasus. Die Truppen würden theilweise aus- den nothleidenden Gegenden zurückgezogen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 27. Oktober.
* — Die Abhaltung der Schweinemärkte zu Hersfeld am 28. Oktober, zu Hilders am 2. November und zu Tann am 19. November ist wegen der großen Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche im Kreise Gers- seld untersagt worden und findet am 28. d. zu Gersfeld nur Krammarkt statt.
* — Von dem Minister des Innern ist eine Anweisung betreffs Ablieferung von Leichen an die anatomischen Institute der Universitäten erlassen worden. Um dem großen Mangel an Leichenmaterial abzuhelfen, ist angeordnet worden, daß die Leichen aller in Gefangenanstalten u. dergl. gestorbenen Sträflinge auf Verlangen der genannten Institute an diese abzuliefern sind und nur die Leichen derjenigen Gefangenen, deren Angehörige Widerspruch erheben und sich zur Uebernahme der Beerdigungskosten bereit erklären, oder solcher Gefangenen, denen etwa zu ihrer Beruhigung in der letzten Krankheit zugesichert worden ist, daß ihre Leiche nicht zu anatomischen Zwecken verwandt werden soll, oder nach Ermessen der Behörde unthunlich erscheint. Die betreffenden Institute haben nach gemachtem Gebrauch für angemssene Beerdigung der Leiche, und zwar nach dem confessionellen Ritus, Sorge zu tragen.
* — Wie schadenbringend das Jahr 1891 für die Hagelversicherungsgesellschaften gewesen ist, geht daraus hervor, daß von den Gegenseitigkeitsgesellschaften an Nachzahlungen erheben müssen: Die Norddeutsche
115 pCt. der Vorprämie, die Borussia 180 pCt., die Leipziger 170 pCt., die Allgemeine Deutsche 113 pCt., die Ceres 95 pCt., Hagelversicherungsbank für Deutschland 52 pCt., die Preußische 55 pCt., die Schwedter 38 pCt., die Hannover-Braunschweigsiche per 100 Mark Versicherungssumme M. 4,60, die Magdeburger gegen Hagel und begleitenden Wetterschaden M. 1,78, die Neubrandenburger M. 1,20 und die Grcvesmühlcncr M. 1,20.
* — Allgemein glaubt man, das Klingelzeichen der Radfahrer sei eine Aufforderung an die Fußgänger, dem Radfahrer auszuweichen. Dies ist aber ein Irrthum. Nach einer Ministerial-Verordnung muß der Radfahrer den ihm begegnenden, wie den von ihm eingeholten Fußgängern ausweichen. Das Klingelzeichen soll nur feite oft recht rasche Annäherung kenntlich machen, keineswegs jedoch den Fußgänger zum Ausweichen auffordern." Diese Mittheilung ist unzutreffend. Eine Ministerial-Verordnung wie die oben angezogene existirt nicht. Dagegen ist nach einem Landgerichts- Erkenntniß das Velociped als Fuhrwerk zu betrachten und demgemäß zu behandeln. Es unterliegt genau den heutigen Bestimmungen der Fuhrwerke, so weit nicht Spezial-Polizeiverordnungen für Radfahrer einzelner Bezirke in Betracht kommen. Auf dem Fahrwege hat jeder Fußgänger einem ihm entgegenkommenden oder cinholenden, vorschriftsmäßig fahrenden Fuhrwerke, bezüglich Fahrrad auszuweichen. Das Klingelzeichen dient beim Radfahrer ebenso wie beim Kutscher dazu, den Fußgänger auf das Herannahen des Fahrzeuges aufmerksam zu machen und zum Ausweichen zu veranlassen. Uebrigens sind bereits mehrere Fälle vorgekommen, in welchem Fußgänger wegen Nichtausweichens vor Fahrrädern bestraft worden sind.
* ■— Nachdem die Altersversicherung zur Durchführung gekommen ist, werden, nach der „Allg. Reichskorr.", nunmehr die Vorbereitungen für die Einführung der Juvaliditäts-Versicherung nach Maßgabe des Reichsge- setzes vom 22. Juni 1889 beginnen.
Soden Salmünster, 27. Oktober. In diesen Tagen bewegt unsere Bürgerschaft — und erregt sie theilweise nicht mit Unrecht — eine Eingabe unseres Mitbürgers, des Herrn Lackirers Wilhelm, welcher dicht bei seiner Wohnung eine Lackschmelzerei errichten will. Da alle näheren und ferneren Nachbarn die Versuche des Herrn Wilhelm im Lackschmelzen, welches er — mit oder ohne Erlaubniß, sei hier nicht erörtert — bisher in seinem Garten ohne Gebäude ausgeführt, zur Genüge kennen gelernt und gekostet haben, so wünschen sie natürlich n i ch t, daß Herr Wilhelm seine Schmelzerei in nächster Nähe seines Hauses baue. Daß einer unserer Mitbürger, der in Soden gebürtig, solchen Unternehmungsgeist zeigt, kann uns nur mit Freude und stolzer Hoffnung auf das Aufblühen von Soden und Salmünster, dieser sich ergänzenden Zwillingsstädte, erfüllen, und jeder vernünftig Denkende wird unserem Mitbürger den besten Erfolg von Herzen wünschen mit dem gleichzeitigen Wunsche, daß er bei seinem Unter- nehmen auch seine Mitbürger berücksichtigen und das Aufblühen seiner Vaterstadt nicht außer Acht lassen soll, auch wenn nach den für den Augenblick gültigen Gesetzesbestimmungen unter gewissen Bedingungen diese Anlage nicht beanstandet würde. Andererseits aber wenden wir uns — das hier Gesagte ist nicht nur die Meillung eines Einzelnen — an die Stadtvertretung mit der Bitte um ernste Erwägung folgender zwei Punkte:
1. Glauben die Herren, daß Soden sein Aufblühen in der Zukunft einem weiteren Entstehen von Fabrikanlagen verdanken wird und daß speziell die Anlage des Lackirers Wilhelm einen größeren Vortheil nicht allein dem Letzteren, sondern auch ganz Soden bringen wird? Dann mögen sie ruhig die einfachen gesetzlichen Bestimmungen für das Unternehmen gelten lassen.
2, Glauben die Herren aber, daß Soden's bessere Zukunft in einem Aufblühen des Badcunternehmens liege, von dem schließlich jeder Sodener reellen direkten und indirekten Vortheil ziehen kann und wird, so ist es wohl Pflicht der städtischen Vertretung, dahin zu wirken, daß Herrn Wilhelm's Lackschmelzerei so angelegt werde, daß sie dem Aufblühen Soden's als einem auf vorzüglichen Heilquellen basirenden Kurorte nicht schädlich w.rde.
Cassel, 23. Oktober. Eine ebenso großartige als interessante Schenkung ist der Residenzstadt Kassel von dem verstorbenen Apotheker Dr. Georg Gläßner hier- selbst vermacht worden. Derselbe ist am 13. September v. I. jm besten Mannesalter verstorben und hat laut Testament seine vielen werthvollen Sammlungen seiner Vaterstadt Kassel vermacht. Es gehören dazu: die bedeutende Sammlung althessischer Funde, Glas- und Porzellan-Sammlung, die berühmte Steinsammlung ein schließlich der dem Germanischen Museum in Nürnberg leihweise überlassenen Gegenstände, eine große Münzensammlung, die hervorragende Seltenheiten enthält. Diese Sammlungen sollen als untrennbares Ganzes unter dem Namen „Gläßner-Stiftung" zusammenbleiben und der öffentlichen Besichtigung durch das Publikum zugänglich sein. Ferner hat Dr. Gläßner der Stadt Kassel ein Kapital von Mk. 20,000 zu dem Zwecke testamentarisch vermacht, daß von den Zinsen dieses
Kapitals auch Neuanschaffungen, welche dem Charakter der Sammlung entsprechen, gemacht werden können.
Wolfhagen, 23. Okt. Heute Mittag gegen 12 Uhr wurde unsere freiwillige Feuerwehr alarmirt, da in dem ca. 4 Kilometer von hier entfernten Dorfe Nothfelden eine furchtbare Feuersbrunst wüthete. Im Zeitraum von wenigen Stunden waren denn auch schon gegen 12 Gebäude von dem verheerenden Elemente verschlungen und die Hilfeleistung mußte sich auf die Abwehr des Feuers von den noch unversehrten Gebäuden beschränken, was bis zur Stunde — gegen Abend — denn auch gelungen ist. Das Feuer entstand bei dem Landwirth Wagner und zwar durch Funken, die der defekten Lokomobile einer Dampfdreschmaschine entflogen waren. Ob und wie weit die Betroffenen sich durch Mobiliar- versicherung vorgesehen haben, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden.
Ueber den gemeldeten Unglücksfall auf dem Lullus- markte in Hersfeld kann mitgetheilt werden, daß der zweite der durch den Gewehrschuß getroffenen Knaben, der 11jährige Bauernsohn Adam Kropp aus Branders, keine Aussicht auf Wiederherstellung besitzt. Der gleichfalls schwer verwundete Markthändler Franz Bernhard aus Erfurt befindet sich noch im Krankenhause. Die übrigen Verletzungen sind leichterer Natur. Das Gericht hat sich sofort des Falles angenommen.
Frankfurt n. M, 24. Oktober. Der Landwirth Arndt von Mörfelden kam gestern mit einer einspännigen Fuhre Kartoffeln nach Frankfurt und fuhr am Abend nach seiner Heimath zurück. Unterwegs jedoch, in der Gegend von Mitteldick, wurde er auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise erstochen und seiner Baarschaft, welche aus circa 100 M. bestand, beraubt. Die Räuber legten hierauf die Leiche auf den Wag n und deckten sie mit Säcken zu. Das Pferd ging ruhig auf der Landstraße weiter und blieb vor dem Hofe seines Herrn stehen. Frau und Kinder kamen zum Empfang heraus und waren erstaun:, den Vater nicht zu sehen, bis sich das Räthsel löste. Die noch warme Leiche hatte 4 Stiche im Kopf, wovon einer absolut tödtlich war, denn er drang durch die linken Schläfe in das Gehirn. Die umfassendsten Nachforschungen wurden polizeilicherseits sofort vorgenommen, doch gelang es bis zur Stunde noch nicht, der Thäter habhaft zu werden. Die Recherchen erstrecken sich nach allen Richtungen. So wird aus Mainz gemeldet, daß dort heute Morgen in allen Wirths- und Logishäusern Nachforschung staltfand; leider bis jetzt ohne Ergebniß. Die That muß unbedingt um 41/a Uhr vorgekommen sein. Arndt war um 4’/< Uhr noch in der Wirthschaft in Mitteldick, bestellte sich dort eine Flasche Bier und eine Cigarre. Nach der Abfahrt bemerkte der Wirth vom Wirthshaus Mitteldick einen anständig gekleideten Mann an seiner Wirthschaft vorübergehen; derselbe wäre ungefähr 23 Jahre alt, untersetzter Statur und hätte den Eindruck gemacht, als ob er ein stellenloser Vagant gewesen wäre. Nach angestellten Recherchen stellte es sich heraus, daß der betreffende Mann an demselben Abende in Mörfelden in einer Wirthschaft gesehen wurde. Kurz nach 6 Uhr Abends kam das Fuhrwerk Ari dt's in Mörfelden im Hof an. 126 M., der Erlös für verkaufte Kartoffeln, sind dem Raubmörder in die Hände gefallen. Arndt hinterläßt seine Frau mit 8 Kindern. Die Staatsanwaltschaft von Darmstadt war an Ort und Stelle. — Während gestern früh ein Bauersmann in einer Wirthschaft an der Hanauer Landstraße frühstückte, wurde ihm sein vor dem Hause haltendes Fuhrwerk mit 10 Säcken Kartoffeln und 8 Säcken Aepfeln entführt. Zum Glück wurde der Bestohlene seinen Verlust bald gewahr. Er machte sich sofort auf die Suche und fand auch bald sein Fuhrwerk in der Obermain-Anlage, geführt von einem jungen Burschen; ein Anderer saß auf dem Wagen. Als die Diebe den Eigenthümer des Fuhrwerks herankommen sahen, ergriffen sie die Flucht und entkamen.
Höchst a. M-, 21. Oktober. Ein Gegenstück, aber im Kleinen, zu den Vorgängen bei dem Millionsten Besucher der Frankfurter Ausstellung, spielte sich vorgestern bei dem Erscheinen des Tausendsten Fremden in der hiesigen Fremden-Herberge ab. Er wurde feierlich bewillkommnet und seitens des Herbergsvaters frei bewirthet und logirt. Da die Herberge erst drei Monate im Betriebe ist, so muß die durch den tausendsten Besucher doeumentirte Frequenz als eine erhebliche bezeichnet werden.
Wiesbaden, 21. Okt. Nach der amtlichen Feststellung hatte bei der letzten Volkszählung unsere Stadt 64,670 Einwohner, von welchen 28,964 männlichen und 35,706 weiblichen Geschlechtes sind. Das weibliche Geschlecht überragt also mit mehr als 6000 das männliche.
Aus dem Kreise Westerburg, 21. Oktober. Die Kartoffelernte ist in dem nördlichen Theile des Kreises noch in vollem Gange und wird vor Ende des Monats kaum beendet sein. Der Ausfall der Ernte an Kartoffeln ist ein sehr betrübender. Nasse Aecker bringen kaum die Setzkartoffeln wieder und lohnt der Ertrag kaum die Arbeit des Ausgrabens. Drei starke Leute gruben gestern von Morgens bis Abends und das Ergebniß Der angestrengten Arbeit waren 2"/a Säcke voll Kartoffeln. Neben dem naßkalten Sommer, der erfahrungsgemäß dem Westerwald mehr Nachtheile bringt, als anderen Gegenden, — denn „die Sonne hat noch keinen