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Erscheint Mittwoch n. Samstag Preis mitKreisblatt" u.Jllustrirtem Familienfreund" vierteljührl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, den 17. Oktober

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I^IMhtürttW »"f dieSchlüchterner Zeitung" laUuiälji werden noch fortwährend von allen ........ - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

DentsckeS Reich.

Berlin. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin werden dem Vernehmen nach am Sonnabend im Laufe des Nachmittags von Jagdschloß Hnbertnsstock wieder nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurückkehren.

* DieHamb. Nachr." führen in einem Leitartikel aus: In den leitenden russischen Kreisen herrsche die Ueberzeugung, daß, so lange der jetzige Zar regiere und Herr von Giers Minster des Aeußern sei, kein Krieg gegen Deutschland entstehen könne. Der Zar werde die jetzige Stellung Rußlands nicht auf's Spiel setzen, um für Frankreich die Kastanien aus dem Feuer zu holen.

* Am 1. Oktober, d. Js. hat sich die Zahl der preußischen Städte um eine vermindert: die Stadt Wilhelmsthal im Kreise Habelschwerdt hat in diesen Tagen die Städteordnung aufgegeben und ist zu den Landgemeinden übergetreten. Wilheimsthal wurde 1581 durch den Kais rlichen Münzmeister v. Oppersdorf begründet und verdankte Entstehung und zeitweilige Blüthe dem Silberbergbau, der in seiner Nähe betrieben wurde. Als der Bergbau nicht mehr lohnte, verfiel auch Wilhelmsthal. Es zählt nur noch etwa 650 Ein wohner, dennoch ist es nicht die kleinste der preußischen Städte gewesen. Von gleicher Größe ungefähr sind Wahrenbrück im Kreise Liebenwerda und Liebenau tm Kreise Fritzlar; Rothenburg a. d. Oder im Kreise Grünberg, Hellingen in Hohenzollern und Rozowo im Kreise Zuin haben wenig ü er 600, Sulan im Kreise Militsch und Teupitz nicht ganz 600, Kupferberg 5 Kreise Schönau in Schlesien und N edenstein im Kreise Fritzlar ungefähr 550, die Kreisstadt Schleideu (Schlieden) in der Rheinprovinz 500 und die kleinste aller preußischen Städte, Lagow im Kreise Ost-Stern­berg, 450 Einwohner. Für alle diese Städte sind die Bestimmungen der Städtcmdnung nicht berechnet; es ist nur zu wünschen, daß die neu: Landgemeinde-Ordnung einen größeren Theil der Zwergstädte es giebt beten noch eine ganze Reihe mit weniger als t 000 Einwohnern bestimmte, sich in Zukunft als Landgemeinden zu betrachten. Ebenw wünschenswerth und zweckmäßig wäre es anderseits, daß die großen Landgemeinden, welche namentl ch in der Nähe Berlins und in den Jndustriebezirken in den letzten Jahrzehnten heran­gewachsen sind, die Städteordnung annähmen. Ein An­fang ist damit gemacht worden, indem das Dorf Meiderich im Kreise Ruhrort, welches nach der letzten Volkszählung 20,200 Einwohner zählt, die Verleihung der Städteordnung beantragt hat. Einige Vororte von Berlin werden bald nachfotgen, zunächst wohl Steglitz, welches sogar von der Regierung dazu aufgefordert worden ist, und Pankow.

Das Landgericht zu Berlin verurtheilte am 11. den vormaligen feneS Dienstes entlassenen Bureau­vorsteher des Kaiserlichen Civilcabinets Hofrath Manche wegen Unterschlagung von 10,000 Mk., begangen durch falsche Vorspiegelungen betreffs Vermittlung von Ordens­und Tirelauszeichnungen und Aneignung der hierfür er­haltenen Beträge zu neun Monaten und den Mitange­klagten Aron Meyer zu vier Monaten Gefängniß.

* Eine n-ue Art, sich die ehe ich: L.ebe zu er­klären, hat ein Berliner Ehepaar ausgefunden.Er" gab nämlich mit dem Revolver einen scharfen Schuß aufSie" ab, alsSie" Geld für den Haushalt ver­langte und dabei vermuthlich einigeIhm" überflüssig dünkende Redensarten nach Weiberart machte. Die Kugel pfiffIhr" am Kopf vorbei und fuhr in die Thür. Darob wurdeEr" wegenMordversuch" in Untersuchungshaft abgeführt. Nun aber, nachdemEr" ca. 14 Tage eingesperrt gewesen, muß man ihn frei lassen, dennSie" erklärte dem Untersuchungsrichter: daß sie sich Beide herzlich gut seien und jene Schicß- affaire nur als ein pikantes Intermezzo zu betrachten wäre, welches die erforderliche Anregung zu lebhafterer Zuneigung in die Ehe bringe." Der schießlustige Eh - wann soll bereit wieder auf freiem Fuße sein. Beniner Leben!

Die Zahl der auf gewaltsame Weise aus dem Leben geschiedenen in Berlin ist in diesem Monate, trotz­dem kaum zwei Wochen verstrichen sind, bereits eine außer­

gewöhnlich hohe. Am letzten Sonnabend allein sind acht Leichen dem polizeilichen Schauhanse zugeführt, von welchen die zuletzt öffentlich ausgestellte die Nummer 28 trug

Stuttgart, 10. Oktober. Der König kündigt einen Amnestieakt an, besonders berechnet für ärmere Leute, die aus Noth Vergehen verübten. In einem Tages­befehl au die Armee spricht der König die Erwartung aus, diese werde die ersten Soldatentugenden: Treue, Muth, Ausdauer, Manneszucht unb Gehorsam, bewahren und sie, falls der Schutz des Vaterlandes es erfordert, bethätigen und in die Fußstapfen der Vorgänger treten. Der König widmet dem verstorbenen Könige ehrende Worte und weist auf die zwei Feldzüge hin, die er an der Seite des Armeekorps mitkämpfte; er fordert das Armeekorps auf, seinem Namen als Glied des großen gemeinsamen deutschen Heeres Ehre zu machen. An­läßlich der Betheiligung des Kaisers an der Beisetzung des verstorbenen Königs schreibt derStaatsanzeiger für Württemberg":Im ganzen württembergischen Volke erweckt dieser Entschluß ein Gefühl größter Rührung und Freude über den hochherzigen Beweis deutscher Fürstentreue. Man konnte allenthalben und in allen Schichten der Bevölkerung Worte dankbarster Gesinnung vernehmen. Das Volk hat auf's Neue sein gutes edles Herz kennen gelernt. Kein braver Württem- berger wird dem Kaiser diesen Liebesdienst vergessen.

ZweibrülktN, 12. Oktober. Fabrikant Lehmann Hier erschoß gestern Abend nach 6 Uhr auf offener Straße seine von einem Spaziergang zurückkehrende Frau und entleibte sich darauf selbst. Motiv: Concurs- ausbruch und drohende Ehescheidung. Die Ehe wurde erst int Januar geschlossen.

Aus ThüriUAcn. Das Höchstgebot für die Pachtung der Bahnhofswirtschaft in Eisen ach hat der Bahnhofs­wirt in Gräfenroda mit 18,500 M gethan, der Bahn­hofswirt im Gerstungen hat 16,000 M. geboten. Die b-SH rige Pachtsmmne hat 6000 M. jährlich betragen. Viel besprochen wird in Gera die Thatsache, daß ein mit 3600 M. jährlich angestellter Beamter sein drittes Kind wenige Wochen nach der Geburt gegen Entschädigung von 6000 M. an andere Leute abgegeben, also sozusagen verkaufen hat. Die Eltern entschuldigen dies damit, daß sie bei ihrem Einkommen drei Kinder nicht ernähren könnten! Kaum hat die Kartoffelernte in der Erfurter Gegend begonnen, so ist auch ein ganzes Heer von Auf- käufern da, um die in diesem Jahr vorzüglich geratenen Knollenfrüchte an sich zu ziehen. Ein einziger der zahl­reichen Zwischenhändler hat in der Gegend von Vieselbach 2000 Zentner aufgekauft. Die Aufkäufer zahlen durch­schnittlich pro Zentner 3 Mark, transportieren die Kartoffeln nach Westfalen und erhalten dort je nach Qualität der Waare bis zu 6 Mark pro Zentner.

In Pferdsdarf bei Kreuzburg hatten sich drei Ge­schwister, Mädchen im Alter von 6, 8 und 10 Jahren, an der Futterschneidmaschine zu schaffen gemacht. Das eine der Mädchen dreht an der Maschine, das andere will dem Futter, welches stockt, nachhelfen, greift mit der rechten Hand vorn zur Futterbank herein und kommt unter das Messer, welches die Hand vollständig ab» schneidet. Eltern und Kinder mögen sich aus diesem Unglücksfall eine ernste Leh e ziehen.

Halle, 6. Oktober. Vor hiesiger Strafkammer kam jetzt nochmals die Anklage gegen den Lauchstädter Bade­arzt Dr. Büttge nieten fahrlässiger Körperverletzung bezw. fahrlässiger Tödtung zur Verhandlung. Es handelte sich um Ausbruch und Verbreitung einer Typhus-Epidemie, die vom Dezember 1889 bis Herbst 1890 in dein Bade Lauchstädt geherrscht und 51 Er­krankungen , sowie 6 Todesfälle verursacht hatte. Dr. Bättge sollte mehrere Erkrankungsfälle nicht angezeigt haben, um die Badesaison nicht zu beeinträchtigen. Er war deshalb schon in einer früheren Verhandlung wegen Uebertretung der Kabinetsordre vom 18. März 1835 (zu 12 Mk. Geldstrafe) verurtheilt worden, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Jetzt beantragw die Staatsanwaltschaft wegen des als e. wiesen anzunehmenden schweren Vergehens (fahrlässige Körperverletzung rc., § 327. des Str.-G.-B.) 1 Jahr Gefängniß Der Gerichtshof erkannte indeß nur auf 30 Mk. Geldstrafe, das köchste, für Uebertretung der Kabinetsordre vom 18. August 1835 zulässige Straf maß. Es wurde festgestellt, daß Dr. B- eine schwere moralische Verantwortyng auf sich genommen.

thatsächliche Angeklagte erschien indeß die Polizeck Verwaltung zu Lauchstädt, resp. deren als Zeuge ver­nommener Vertreter Bürgermeister Fricke, da derselbe im Interesse des Badeverkehrs nicht alle Meldungen, resp, nicht rechtzeitig an das Landrathsamt vermittelt und für die erforderlichen Sicherheitsmaßregeln nicht Sorge getragen hatte. Die Ursache der Krankheit glaubt man in dem schädlichen Wasser eines Brunnens und in der Milch von Kühen des betreffenden Gehöfts gefunden zu haben. Unter Anderem habe auch das Königliche Medicinalcollegium zu Berlin ein Gutachten abzugeb.n gehabt und Geh. Rath Dr. Böhme von demselben wurde neben anderen Sachverständigen als Zeuge vernommen.

Oels, 10. Oktober. Am Halse eines Pfeides er­hängte sich auf freiem Felde der Knecht des Gutsbe­sitzers Gloger in Niehmen, Kreis Oels.

Bochum, 12. Oktober. Heute Morgen verunglückten auf ZecheJulia" bei Herne drei Bergleute, die durch den zu hoch gehenden Förderkorb getödtet wurden. Zur selben Zeit wurde auf Schachtvon der Heydt" ein Bergmann durch herabfallende Kohlenmassen getödtet. Ein Waschmeister auf ZecheDer. Karolinenglück" ge. neth in das Räderwerk der Maschine. Zwar wurde er durch herbeieilende Kameraden aus seiner entsetzlichen Lage befreit, doch war der rechte Arm vollständig zcr. quetscht und mußte der Aermste in das Krankenhaus Bergmannsheil" gebracht werden. Auf der Zeche Friedlicher Nachbar" stürzte beim Abziehen der Förder- wagen einer derselben einem Bergmann auf das linke Bein, wodurch dasselbe zerschmettert wurde. Durch Entzündung schlagender Wetter wurden auf Zeche Dahlbusch" drei Bergleute erheblich verbrannt. Zwei derselben wurden dem Krankenhause in Gelsenkirchen ül^rwiesen.

Am Zollamt in Grsuau sind dieser Tage die ersten 200 Kisten amerikanischen Specks zur Verzollung ge» kommen. Die Waare, welche mit amerikanischem Attest direkt aus Boston via Rotterdam gekommen war, hat sich beim Oeffnen der Kisten als gut erwiesen. Der Preis des amerikanischen Specks hat sich um 20 bis 25°/o niedriger gestellt, als inländischer.

Ausland.

Rußland. Verschiedene Theile des weiten Reiches haben eine ausgezeichnete Ernte gehabt. Dies scheint aber den nothleidenden Distrikten nicht viel nützea zu sollen. LautNowoje Wremja" verfault das aus Gegenden mit reicher Ernte kommende Getreide auf den Bahnhöfen wegen Mangels geeigneter Transportmittel.

Lokales und Provinzielles. Schlüchtern, 16. Oktober.

* Vorigen Dienstag war eine Commission aus dem Kreise Hofgeismar, bestehend aus Herrn Baron von Stockhausen Trendelburg und zwei Kreis-Ausschuß­mitglieder, hier anwesend, um sich über unsere Kreis­einrichtungen und namentlich über die Kreisviehversicherung näher zu informiren, da im Kreise Hofgeismar ei t ähnliches Institut sowie auch eine Kreissparkasse zu gründen beabsichtigt wird. Die Commission hat mit großem Interesse von der Geschäftsführung, dem Kafsen- und Rechnungswesen nebst Resultaten, sowie von den Erläuterungen des Herrn Landraths Kenntniß genommen und sich Statuten, Jnstructionen, Formulare rc. zur Nachachtung erbeten.

* Der Finanzminister hat durch Verfügung vom 3. d. M. bestimmt, daß zum Zwecke der Einkommen­steuerveranlagung für das Jahr 1882/1893 die Steuer- klärungen in Gemäßheit des § 24 Absatz 1 des Ein­kommensteuergesetzes vom 24. Juni b. I. innerhalb der Zeit vom 4. Januar bis einschließlich zum 20. Januar 1892 abzugeben sind.

* Die Maschen des Netzes zur Erstickung des Kleinkaufmannes ziehen sich immer dichter zusammen. Bereits dirigiren jetzt sehr große leistungsfähige Firmen von einem bestimmten Centralsitze aus Hunderte von kleinen Detailgefchäften, die sie vvUstüud g mit Waaren versehen und die von ihnen abhängig sind. Fast in jeder kleineren und größeren Stadt sind Waarenlager gegründet worden, die sehr billig verkaufen, bekannte Artikel unter Preis abgeben und gerade dadurch die Kundschaft he. anziehen. Wir wollen an einem Beispi l diese Verkaufsprinzipien illusteiren. Bestimmte Marken

Alsi Nähseide werden z. B. in allen Geschäften mit l0 Pfg.