Jossa nach Großenlüder und der Lehrer Schmidt von Hütten nach Guxhagen. Provisorisch angestellt wurden die Lehrergehilfen Kreß in Hollstein an die Schule in Oberkalbach und B e t t e n h a u s e n in Ahlersbach an die Schule in Hönebach, Kreis Rotenburg.
* — Wegen der am letzten Samstag im Gasthaus „Zum Stern" dahier stattgehabten Kreistagssitzung verweisen wir unsere Leser auf den amtlichen Bericht in dem der heutigen Nummer beiliegenden Kreisblott Nr. 41.
* — Kurhessische Prämienscheine. Wir machen darauf aufmerksam, daß Seitens des Amtsgerichts zu Kassel die kurhessischen Prämienscheine Serie 6478 Nr. 161,930, Abth. I über 20 Thaler, und Serie 6379 Nr. 159,429, Abth. I über 20 Thaler für nicht mehr gültig erklärt sind.
* — Nach dem Beschlusse der zuständigen Behörden des Landes müssen, wie die „Franks. Ztg." meldet, von nun an die Bestimmungen des Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsgesetzes einen Platz in dem Lehrplane der Fortbildungsschulen finden. Ferner wird gewünscht, daß die Lehrstunden während des Winters mindestens die Zahl 70 erreichen; auch soll, wo es möglich ist, die Schulzeit statt auf den Abend, auf den Nachmittag (?) verlegt werden. Endlich sind nicht alle Schüler, die höhere Lehranstalten besucht haben, von der Fortbildungsschule zu dispensiren, sondern nur solche, welche die höheren Klassen mit Erfolg absolvirt haben.
* — Die Bestcllbeamten der Postanstalten wurden von den kaiserlichen Postdirektionen angewiesen, darauf zu achten, daß die Empfänger von Einschreibebriefen u. s. w. die zu leistenden Unterschriften recht deutlich und leserlich geben; sind die Namen durch sogen, „kaufmännische Handschrift" oder Schnörkel im Namenszuge verstümmelt, so sind seitens der Briefträger die Unterschriften nicht anzuerkennen und müssen noch einmal geleistet werden. Sollte sich der Adressat zu einer deutlichen Unterschrift nicht verstehen wollen, so ist demselben die Sendung nicht auszuhändigen.
* — Roggensaat. Man hat mit derselben nicht mehr zu zögern; wird der Roggen zu spät untergebracht, kann er sich gegen den Winter nicht mehr gehörig bestocken und wintert deswegen leicht aus. Später Roggen ist immer unsicher und steht immer gegen den rechtzeitig bestellten zurück. Gewöhnlich gibt der Spätroggeu nur etwa drei Viertel Ertrag. Auch muß man um so mehr Saatkorn aufwenden, je später man säet. Lieber, als zu spät Roggen zu säM, lasse man das Land zu einer Sommerfrucht liegen.
Fulda. Kartoffeln wurden in den letzten Tagen mit 3,40 und 3,50 M. bezahlt. In Schweinfurt kostete am 5. der Centner nur 2,50—3 M. Man darf daher wohl bestimmt auf billigere Kartoffelpreise rechnen.
Abgehrannt sind am Donnerstag Nacht in Ober- leichtersbach bei Brückenau drei Wohnhäuser und zwei gefüllte Scheunen.
Gersfeld, 6. Oktober. Die Frankfurter elektrotechnische Ausstellung scheint auch in unseren Kreis ihre Strahlen werfen zu wollen: in Eckweisbach wird demnächst das erste elektrische Licht im Kreise Gersfeld erblühen. Der Mühlenbesitzer Johannes Völker daselbst will nämlich durch eine mit Wasserkraft betriebene Dynamomaschine seine Mühle elektrisch beleuchten und wird nach einem mit der Gemeinde Eckweisbach getroffenen Abkommen gegen mäßige Entschädigung auch 3 Glühlampen an der Dorfstraße nach dem Bahnhöfe zu aufstellen und speisen.
Fulda, 6. Oktober. Graf Görtz zu Schlitz hat am 25. vor. Mts. die Militär-Musikschule in Fulda besucht und dort die Leistungen der Schüler auf's sorgfältigste geprüft. Graf Görtz war vollkommen befriedigt und erklärte, das Protektorat über die Anstalt gern übernehmen zu wollen. Die Musikschule wird daher von jetzt ab Gräfl. Görtz'sche Militär-Musikschule heißen. Die Schüler erhalten rothe Aufschläge und Kragen, weiße Achselklappen mit dem Namenszug des Grafen, Pickelhaube und Seitengewehre.
Eschwege, L Oktober. Die Lehrlinge eines hiesigen Schneidermeisters trachteten ihrem Meister nach dem Leben, indem sie ihn zu vergiften suchten. Sie lösten eine größere Anzahl Schwefelholzköpfe in Salmiak auf und gössen dieses gefährliche Gift in den Bierkrug. Dem einen dieser Früchtchen erwachte im Augenblicke, als der Meister den Krug zum Trinken an den Mund setzte, das Gewissen und er verrieth in der letzten Minute das teuflische Vorhaben. Die jugendlichen Giftmischer wurden sofort hinter Schloß und Riegel gebracht. — Ein Bäuerlein wollte heute Morgen auf ganz pfiffige Weise bei einem hiesigen Getreidehändler seine Rechnung bezahlen. Als der Bauer das betreffende Geschäftshaus betritt, begegnet ihm der Kaufmann, der einen Herrn, welcher soeben ein Conto von 35 Mk. beglichen hatte, in zuvorkommender Weise bis zur Thür begleitet. Der Kaufmann bleibt noch einen Augenblick bei dem Herrn stehen, während er den Bauer nöthigt, nach oben zu gehen. Als nach einer kurzen Weile der Geschäftsmann sein Comptoir betritt, hat der Bauer bereits eine größere Summe Geldes aufgezählt. Der Kaufmann, welcher genau weiß, daß der Landmann nur 14 Mk. zu bezahlen hat, wundert sich über die weit größere Summe und macht den Bauer darauf aufmerk- gm, worauf der biedere Landmann dreist erwidert, er
wolle auch gleich die Rechnung seines Schwagers bezahlen. Als die Quittungen ausgestellt, der Bauer längst fortgegangen ist, fällt es erst dem Kaufmann ein, daß er in einer momentanen Vergeßlichkeit ja gar nicht die ersteren 35 Mk. von dem Zahlbrett eingestrichen habe, daß vielmehr der Bauer das liegengebliebene Geld als sein eigen in Zahlung gegeben hatte. Selbstverständlich eilte der Kaufmann sofort zur Polizei, mit deren Hilfe es ihm noch gelang, den Bauer in der Stadt anzuhalten und ihm das listig erworbene Geld abzunchmen. Dem Bäuerlein kann aber bei dem gerichtlichen Nachspiel, welches der Vorgang noch haben wird, der „Spaß" theuer zu sieben kommen.
Kassel, 7. Oktober. Allgemeine Heiterkeit erregte gestern früh auf dem Fleischmarkt das Schild an der Verkaufsbude des Metzgers Schlott aus Homberg; auf dem Schild war zu lesen:
Ochsen, Kälber, Hämmel, Schweine Haben Köpfe und auch Beine, Darum muß beim Fleschvei wiegen Jeder ein Stück Knochen kriegen.
Hofgeismar, 5. Oktober. Heute Vormittag 10 Uhr wurde das evangelische Prediger-Seminar dahier seiner Bestimmung feierlich übergeben.
Homberg. Heute hatten wir hier das eigenartige Schauspiel, in unseren Mauern einen Kamerun-Neger von reinster Farbe sehen zu können. Bimba Ekwe, der Sohn eines Kameruner Kaufmanns, ist 21 Jahre alt, von gedrungener Gestalt und lebhaftem Wesen. Vor etwa 4 Monaten wurde er dem Lehrer Kurz in Nenters- hausen zur Erziehung gegeben uno hat diese Zeit so ergiebig ausgenutzt, daß er ziemlich geläufig „deutsch" spricht und auch schreibt. Er macht gegenwärtig mit seinem Mentor eine Reise durch Hessen und interessirt sich für alles Schöne und Sehenswerthe; besonderes Vergnügen findet er am Militär, hat aber selbst wenig Lust, in den bunten Rock gesteckt zu werden. — Der Ofen ist ihm „ein gutes Ding für Deutschland", Bier trinkt und Cigarren raucht er mit Vorliebe.
Kombach (Kreis Biekenkopf), 2. Oktober Vor einigen Tagen wurde ein hiesiger Landmann Namens P. durch den Besuch eines fein gekleideten Herrn und einer eleganten Dame überrascht. Der erstere stellte sich als Sohn eines vor Jahren nach Amerika ausgewanderten Bruders P's. vor und die Dame als seine Frau. P. war hierüber hocherfreut und bewirthete den vornehmen Neffen auf's Beste. Am Morgen des nächsten Tages erklärte der Besuch, nach Köln reisen zu wollen, um dort einen Wechsel zu erheben, da ihnen das Reisegeld ausgegangen sei. Der Onkel möge einstweilen 40 Mk. vorstrecken, sie würden am nächsten Tag zurückkommen und dann im Besitze bedeutender Geldmittel sein. Nachdem auch noch bei anderen „Verwandten" Pumpversuche gemacht worden — mit welchem Erfolge, erfährt man nicht recht — verabschiedete sich das Pärchen und ist seitdem spurlos verschwunden. Es ist um so rätselhafter, wer die Fremden gewesen, als dieselben mit den Verhältnissen der Familie P. und des hiesigen Ortes genau bekannt waren. Man vermuthet, die „Dame" sei ein in Frauenkleidung gestecktes männliches Individuum gewesen. Da das saubere Paar auch anderwärts seine „Verwandten" aufsuchen könnte, so sei hiermit auf die Hochstapler aufmerksam gemacht.
In der Wetterau verendeten einem Oekonomen neulich acht fette Schweine ohne erkennbare Ursache. Der Kreisveterinärarzt Herr Schmidt in Nidda erkannte nach eingehender Untersuchung Kupfer-Vergiftung. Es stellte sich dann nach angestcllten Nachforschungen heraus, daß eine Dienstmagd die Mölke, welche — wie es häufig geschieht — zur besseren Reinigung des Kupfergeschirrs verwandt worden war, den Schweinen zur Tränke gegeben hatte. — Auch in Nidda verendeten vor etlichen Jahren einem Oekonomen zwei Schweine, deren Todesursache damals nicht sicher erkannt wurde, vielleicht aber auf ähnliche Ursachen zurückzuführen ist. Darum Vorsicht!
Frankfurt a. M. Der Besuch der elektrischen Ausstellung ist fortgesetzt ein äußerst lebhafter und ist die Zahl von einer Million zahlender Besucher dieser Tage erreicht worden. Die Ausstellung wird nur noch kurze Zeit geöffnet sein; der Schluß derselben erfolgt bestimmt am 19. Oktober Abends 11 Uhr. Seit einiger Zeit ist der Eintrittspreis in die Ausstellung wesentlich verbilligt worden, indem Eintrittskarten zum Preise von 50 Pfennig von den Verkäufern auf der Straße abgegeben werden. Dieser ermäßigte Preis wird bis zum Schluß unverändert bleiben.
Das zweite Hestcht.
Roman von H u g h C o n w a y (I. F. Fargus). Ausschließlich deutsche Bearbeitung von L. Wechsler.
(Schluß)
Barriston schien mit größter Bestimmtheit den Gang der Ereignisse vorausgesehen zu haben. Denn in dem Bündel, welches er mit sich gebracht, befanden sich ein warmer Damenmantel .und ein bequemer Reisehut. Er versah seine schöne Freundin mit diesen Utensilien und wir bestiegen den Wagen ohne uns weiter um das edle Gaunerpaar zu bekümmern. Der Doktor und ich saßen
auf dem Bocke, Barriston und seine schöne Dame auf dem inneren Sitze.
Wir langten in C. gerade recht an, um den letzten Zug zu benutzen und da ich sicher war, am nächsten Tage von einer Menge von Fragen bestürmt zu werden, hielt ich es für das Angezeigteste, mit den drei Herrschaften nach London zu gehen. Als wir also durch Midcombe fuhren, stieg ich ab, beglich meine Rechnung und verfügte, daß mir mein Gepäck nachgeschickt werde.
Am nächsten Tage befanden wir uns um sechs Uhr Morgens in London.
Epilog gesprochen von Dr. Brand.
Als ich Dick Fenton ersuchte, sein Abenteuer selbst zu berichten, hatte ich nicht voraussehen können, daß er das mit solcher Umständlichkeit thun werde. Doch da es einmal geschehen, kann ich es nicht mehr ändern.
Ich will nun das Uebrige berichten.
Als Madeline außer sich vor Angst und Schmerz vor jenem Bette niedersank, auf welchem sie ihren Verlobten zu erblicken meinte und als sie hörte, daß die Thür hinter ihr geschlossen wurde, wußte sie im Moment, daß sie einem schmählichen Betrüge zum Opfer gefallen. Da sie aber keine Kenntniß von der hohen Stellung hatte, welche ihr Verlobter in der Gesellschaft einnahm, konnte sie nicht begreifen, weshalb man sie in einen Hinterhalt lockte und zur Gefangenen machte.
Denn sie war thatsächlich gefangen.
Nicht nur, daß man die Thür so sorgfältig hinter ihr verschloß, sondern man hatte ihr auch einen Zettel mit folgendem Inhalte auf dem Bett hingelegt:
„Es wird Ihnen keinerlei Unbill widerfahren und seiner Zeit sollen Sie auch freigelassen werden. Stellen Sie keine Frage, machen Sie keine Fluchtversuche — dieselben blieben ohnehin erfolglos — und Sie werden eine gute Behandlung erfahren."
Als Madeline diese Worte las, blickte sie zuerst voll tiefen Dankgefühls zum Himmel empor Sie wußte nun, daß der Unglücksfall, welcher ihrem Verlobten angeblich widerfahren, blos eine böswillige Erfindung war. Er lebt und erfreut sich wahrscheinlich des besten Wohlseins. Und als Madeline diesbezüglich beruhigt war, fühlte sie die Kraft in sich, alle Leiden zu erdulden.
Von dem Augenblicke, da sie in jenes Zimmer trat, bis zu dem Momente, da Barriston sie aus demselben befreite, war Madeline eine Gefangene im wahren Sinne des Wortes gewesen. Sie befand sich unter strenger Bewachung in dein einsamen Farmerhause und schmachtete daselbst in einer Gefangenheit, als hätte sie sich im tiefsten Festungsterker befunden.
Bitten, Drohungen, Versprechen fabelhafter Summen, — nichts verfing. Man behandelte sie mcht schlecht, besser gesagt, man fügte ihr kein Leid zu, Bücher, Handarbeiten und ähnliche Dinge, mit welchen sie sich die Zeit vertreiben konnte, wurden ihr bereitwillig gegeben. Doch während der Zeit sah sie kein lebendes Wesen vor sich, mit Ausnahme jener Frau, die sie mit Lebensmitteln versah und ein- oder zweimal den Mann, von dem Barriston behauptet hat, daß er ihn in seinen wachen Träumen gesehen.
Körperlich und geistig litt Madeline viel in dieser Gefangenschaft; doch erstarb niemals die feste Zuversicht in ihr, daß ihr Verlobter früher oder später sie finden und befreien wird. Sie wußte, daß er lebe und an ihr nicht zweifeln könne.
Ich h'elt es für unnöthig sie zu fragen, weshalb sie hierin so sicher war. Ich wollte dieses Räthsel für mich selbst nicht noch mehr verwickeln, da es mich, offen gestanden, ohnehin schon ungemein quälte. Doch fragte ich sie, daß dieser Mann während ihrer Gefangenschaft einmal seine Hand auf ihren Arm gelegt habe.
Madeline antwortete mir, daß kurze Zeit nach ihrer Gefangenschaft ein Fremder im Hause gewesen und darum ihr Kerkermeister zu ihr hereingekommen sei, ihren Arm ergriffen und sie zu mißhandeln gedroht habe, wenn sie nur ein lautes Wort zu sprechen wagen sollte.
Weiter fragte ich nichts . . .
Kurze Zeit darauf fand die Vermählung zwischen Barriston und Madeline statt und darnach verließ das junge Paar Altengland. Eine Woche nach ihrer Abreise sandte ich Barriston's Wunsche entsprechend das Kouvert, welches wir in der Tasche unseres Gefangenen gefunden, an Ralph Barriston.
Ich fügte ihm einige Zeilen hinzu, in welchem ich ihm mittheilte, unter welchen Umständen dasselbe in unseren Besitz gelangte.
Eine Antwort erhielt ich niemals von ihm — und so bin ich gezwungen, so unsinnig und unwahrscheinlich es auch sein mag, anzunehmen, daß Barriston vollkommen Recht hatte, als er behauptete, daß man Madeline nur entführt und gefangen genommen habe, damit ihr geheimnißvolles Verschwinden von verhängnißvollem Einflüsse auf die krankhaft erregbare Seele des jungen Mannes sei. Und ich bin fest überzeugt, daß, wenn Barriston mit seiner absolut unerklärlichen Gabe nicht unerschütterlich davon durchdrungen gewesen wäre, daß seine Braut am Leben und ihm treu geblieben sei — die List vollkommen geglückt wäre und Charles Barriston sein Leben in einem Irrenhaus beschlossen hätte.
Sir Charles — denn kurze Zeit nach seiner Ver- Heirathung erbte er den Familientitel und das gesammte Vermögen — Sir Charles und Lady Barriston weilen