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SchWernerMtung

Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. ^JUustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Jf 80. Mittwoch, den 7. Oktober ' 1891.

ISoltflhuin»«f Me -Schlücht-mir gdtung" werden noch fortwährend von allen

-....... ! Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat wegen der schönen Witterung seinen Aufenthalt in Ostpreußen auf Jagdschloß Rominten noch um 2 bis 3 Tage verlängert. Wahrscheinlich reist der Kaiser von Rominten aus direkt zu einem Jagd- ausfluge nach Hubertusstock in der Schorfheide und wird dort einen etwa achttägigen Aufenthalt nehmen. Auch die Kaiserin wird sich dorthin begeben.

* Der preußische Landwirthschafts - Minister von Heyden sagte dieser Tage im Centralverein für Lithaueu und Masuren, die Landwirthschaft müsse sich selbst helfen, dieser Weg führe sicherer zum Ziel, als die Hoffnung auf ungemessene Staatshilfe.

* Die Beschäftigung als Stenograph scheint eine recht gut bezahlte zu sein, denn die stenographische Praktikerversammlung, welche im Anschluß an den 4. Internationalen Stenographentag am 2. Oktober Abends im Reichstagsgebäude tagte, hat folgende Thesen angenommen: 1) Als Grundlage für angemessene Ho- norirung stenographischer Arbeiten (Aufnahme von Vor- trägen und Verhandlungen nebst alsbaldiger Ueber- tragung in gewöhnliche Schrift) ist der Satz von 40 M. für die Stunde anzusehen. 2) Bei besonders schwierigen Arbeiten (z. B. Aufnahme von Gerichtsverhandlungen u. dergl., Hinzuziehung mehrerer Stenographen zu einer Arbeit oder besonders schnelle Uebertragung) ist dieser Satz bis zu 60 M. für die Stunde und in Ausnahme­fällen noch mehr zu erhöhen. 3) Bei besonders leichten Arbeiten (z. B. langsamen Reden, längeren Pausen bei Verhandlungen, viel Zeit für die Uebertragung) ist der Satz bis zu 30 M. zu ermäßigen. 4) Als Pausch- quantum bei längeren Verhandlungen von durchschnitt­licher Schwierigkeit ist als angemessener Satz für eine voraussichtliche Dauer von ungefähr vier Verhandlungs- stunden für den Tag ein Preis von 150 M. anzusehen."

* Die Klagen des Kleingewerbestandes über die erdrückende Konkurrenz des auf immer mehr Kategorien von Waaren sich erstreckenden Hausierhandels haben zur wiederholten Erwägung der Frage geführt, ob und in welcher Weise auf eine über das gegenwärtige Maß hinausgehende Beschränkung des Gewerbebetriebes im Umherziehen Bedacht zu nehmen sei. Es sind daher von der preußischen Regierung Erhebungen angeordnet worden, die höchst wahrscheinlich eine NenregUung des Hausier- gcschäfts auf gesetzlichem Weg zur Folge haben werden. Der Hausierhandel hat sich, das ist nicht zu leugnen, nach der quantitativen wie nach der qualitativen Seite in einer Weise entwickelt, welche zu ernstlichen wirtschaftlichen und selbst sittlichen Bedenken Anlaß geben muß. Selbst­verständlich kann nicht allen Klagen abgeholfen werden; der Hausierhandel hat innerhalb legitimer Betriebsgrenzen genau denselben Anspruch auf Schutz und Anerkennung, wie jedes andere Gewerbe. Nur um Beseitigung wirk­licher und allgemein als solcher empfundenen Schäden kann es sich handeln, hiermit aber zur rechten Zeit und am rechten Ort vorzugehen, erscheint die Regierung ebenso berechtigt als verpflichtet.

* Im ganzen preußischen Staatsgebiete findet in Folge der sich innerhalb des Deuschen Reiches voll­ziehenden Wanderungen mehr und mehr eine Vermischung der Evangelischen und Katholiken statt, wodurch die Mischehen im steten Zunehmen begriffen sind. Unter 1000 im preußischen Staate geschlossenen Ehen befanden sich solche zwischen evangelischen und katholischen Per­sonen im Durchschnitt der Jahre 1876 bis 1880 68,0, im Jahre 1889 dagegen 78,3. Die Zahl der christlich­jüdischen Mischehen ist seit einer Reihe von Jahren im Großen und Ganzen unverändert geblieben. Im Jahre 1889 gab es deren unter 1000 geschlossenen Ehen 1,3.

Ein wahrhaft klägliches Resultat haben die in diesen Tagen stattgehabten öffentlichen Prüfungen der Aspiranten für den einjährig - freiwilligen Militärdienst in Westfalen gehabt. Während in Minden von 10 Prüf­lingen ganze 3 bestanden, kam in Münster von 13 sage und schreibe einer durch. Außer diesem wurde einem Tischlergesellen aus Velen auf Grund seiner tüchtigen Fachkenntnisse die Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zugesprochen.

Wen, 3. Oktober. Bor wenigen Tagen rühmte j

sich in einer hiesigen Wirthschaft der frühere Uhrmacher G. aus Hevea seiner Schlauheit und p-ahlte, was er doch für ein großer Pfiffikus sei. Während seiner Ruhmrede fragte ihn einer der Gäste, ob er nicht ein­mal wegen Brandstiftung augeklagt gewesen sei und sich glücklich aus der Sache durch seine Schlauheit zu ziehen gewußt habe. Dieses gab der Gefragte nicht nur zu, sondern er beschuldigte sich selbst öffentlich der Brand­stiftung, indem er ausführte,jetzt könne er dasselbe ja ruhig sagen, da man ihm, weil die Sache längst verjährt sei, doch nichts mehr machen könne". Diese Aussage wurde dem Staatsanwalt zu Hagen mitgetheilt, und erfolgte nun die Verhaftung des G. Der betreffende Brand hatte sich im Jahre 1886 zu Heven zugetragen; G. war damals der Brandstiftung angeklagt, aber wegen mangelnden Beweises auf freien Fuß gesetzt worden.

Oberhausen, 3. Oktober. Aus der Menagerie Weidauer, die hier am Neumarkt aufgestellt ist, ent­sprang in der verflossenen Nacht ein Tiger. Die Gen­darmen, die Feuerwehr und Schützen unternahmen eine Streife. An der Mülheimer Chaussee wurde der Tiger heute Morgen um 6 Uhr durch den Gendarm Simaun erschossen. Der Gendarm Kalla erhielt von der Bestie einen Biß in den Oberschenkel. Ein Feuerwehrmann wurde durch den Schuß eines unvorsichtigen Schützen schwer verwundet.

DerHeilige Rock" in Trier wird nicht wieder einge- maucrt werden, da man sich davon überzeugt hat, daß die Feuchtigkeit der Mauern der Reliquie ungeniein schadet. Es ist deshalb bei der Firma Epple & Ege in Stuttgart ein kostbarer Schränk bestellt worden, der zur ferneren Aufbewahrung des Rockes dienen soll.

Strehlen, 30. September. Eine furchtbare Mäuse- Plage herrscht im hiesigen Kreise. Daß man in einem Neste 20 Junge und mehr findet, gehört nicht zu den Ausnahmen. Auf den Dominien Prauß, Rauchwitz und Mallschau sind beim Umackern von 36 Hektar Weizen­stoppel von den Leuten in 10 Tagen 12747 Mäuse getödtet worden.

Auf Rittergut Lauchröden bei Eisenach sind 83 tragende Mutterschafe, die von einem Knecht nach der Rückkehr von der Weide in einen viel zu kleinen Stall gebracht waren, erstickt.

Aus der Borderrhan, 1. Oktober. Ein Müller­bursche der Reißmühle, zwischen Oechsen und Gehans gelegen, hat wegen verschmähter Liebe aus die 17jährige Tochter seines Herrn geschossen und dieselbe so schwer verwundet, daß die Unglückliche heute Morgen gestorben ist. Der Unhold hatte außerdem sein Opfer mit Fuß­tritten maltraitiert und dem Mädchen auch dadurch schwere Verätzungen beigebracht. Die Mutter des Mädchens, auf welche der Bursche ebenfalls schießen wollte, hatte sich noch rechtzeitig in der Stube, welche sie verschloß, in Sicherheit bringen können. Der Mörder, welcher alsbald nach der That die Flucht ergriffen hatte, ist heute Morgen in der Nähe im Wald erhängt auf­gefunden worden.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Ein Bubenstück ist in der Nacht zum Donnerstag auf der Strecke, welche der Kaiserliche Hofzug am Donnerstag zu passiren hatte, verübt worden. Bei der Bahnübersetzung in Rosenthal bei Reichenberg wurden nämlich an den beiderseitigen Widerlagern durch Sprengschüsse Oeffnungen von einem Meter Breite und einem halben Meter Tiefe ausgespreugt. Seitens der Bahnorgane wurde dies sofort bemerkt und die Beschädigung alsbald ausgebessert. Der WienerNeuen Freien Treffe" zufolge handele es sich dabei um einen Streich, welcher Nichts mit der Politik zu thun hatte. Die Oeffnungen seien durch eine Explosion zweier kleiner Bomben hcrbei- geführt, und die Detonation derselben in der Umgebung gehört worden, wodurch der Stativusvorstand aufmerk­sam gemacht, eine sofortige Ausbesserung der Beschädigung veranlaßte. Die Thäter sind noch unbekannt.

Rom. In Folge der Taktlosigkeit eines französischen Pilgers ist Rom am Freitag der Schauplatz einer anti klerikalen Demonstration gewesen. Wie derFrankfurter- Zeitung" telegraphisch gemeldet wird, war jener Pilger unverschämt genug, am Grabdenkmal Viktor Emanuels im Pantheon die Worte anzuschreiben:Tod dem Hause Savoyen! Hoch der Papstkönig!" Er wurde sofort erwischt, erhielt eine tüchtige Tracht Prügel und wurde verhaftet. Die Kunde von diesem Vorfall erzeugte in

der Stadt eine unbeschreibliche Erbitterung und schnell war eine Demonstration organisirt, um gegen diesen Dummenjungen-Streich zu protestiren. Die Menge zog unter Vorantragung der Trikolore vor die Gasthöfe, wo die Pilger vorzugsweise einquartiert sind, verlangte unter bedeutendem Lärm gegen das Papstthum und Frankreich die Hiffung der Nationalfahne und zog nicht eher ab, als bis ihrem Wunsche Folge geleistet war. Die Carabinieri beschränkten ihre Thätigkeit darauf, die Demonstranten von Gewaltthaten abzuhalten, sonnten jedoch nicht verhindern, daß ein Seminarist, der dem Zug auf dem Corso begegnete, in roher Weise mit Stockprügeln traktirt wurde. Dann zog man nach dem Bahnhof, um den dort abfahrenden Pilgern eine Katzen­musik zu bringen. Bei Fortsetzung des Umzugs durch die Stadt begegneten die Demonstranten einem Wagen mit zwei französischen Priestern und stürzten sich auf dieselben, in der Absicht, sie zu mißhandeln. Der Kutscher trieb die Pferde an, aber die nach Tausenden zählende Menge holte den Wagen ein und hätte ihre Absicht ausgeführt, wenn nicht die Carabinieri energisch eingeschritten wären. Für Freitag Abend wurden weitere tumultuarische Scenen befürchtet, zumal gerade die Er­innerungsfeier an das römische Plebiscit im Jahr 1870 begangen wurde.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 6. Oktober.

* Ein Revisionsbeamter der Alters- und Ju- validitäts-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau in Kassel ist, wie derTh. Hausf." hört, in Schmalkalden ein* getroffen. Die Betheiliglen mögen daher auch hier und anderwärts ihre Quittungskarten, soweit nöthig, in Ordimilg bringen, damit sie auf eine derartige Revision jederzeit vorbereitet sind.

* Eine interessante Mittheilung über unsere Postkarten und Briefmarken veröffentlicht diePapier- Zeitung":Auf der Vorderseite der deutschen Reichs- Postkarten findet sich in der rechten unteren Ecke stets eine Reihe kleiner Ziffern und Buchstaben, deren Be­deutung nicht vielen bekannt sein dürfte, aber gerade für das Papierfach Interesse bietet. Auf einer uns vorliegenden Postkarte steht z. B-391 g". Das be­deutet : der betreffende Posttättenkarton ist im 3. Monat, also im März des Jahres 91 geliefert worden, und zwar als siebente Lieferung in diesem Monat. Die erste Ziffer bezeichnet somit den Monat, die zweite und dritte das Jahr, der angefügte Buchstabe, seinem Range im Alphabet gemäß, die Kartonlieferung. Da die letztere in der Regel sofort verarbeitet wird, so bieten die Zeichen auch einen Anhalt für die Ausgabezeit der betreffenden Karte. Aber nicht allein Nummer und Zeit der Lieferung, sondern auch der Name des Karton Lieferanten läßt sich für den Eingeweihten aus jeder Postkarte ersehen. Hierzu dient ein durchaus unauffälliges Merkmal in der für Straße und Hausnummer bestimmten Punkt­linie. In dieser Linie fehlt nämlich stets irgendwo ein Punkt, und je nachdem die Lücke sich an der linken oder rechten Seite befindet, sowie je nach der Zahl der abgetrennt stehenden Punkte kann der eingewcihte Be­amte der Postverwaltung oder der Reichsdruckerei sofort die liefernde Firma erkennen. Diese Maßregel ist haupt­sächlich deshalb getroffen worden, um stets die Bezugs­quelle feststellen zu können, wenn sich am Karton Mängel, insbesondere ungenügende Leimfestigkeit, zeigen. Die neueren Reichspostmarken besitzen ein untrügliches Kenn­zeichen, welches Gelegenheit bietet, ihre Echtheit sofort festzustellen. Dasselbe ist in weiteren Kreisen noch völlig unbekannt und besteht darin, daß sich beim Be­feuchten der Marke mit konzentrirtem Ammoniak blaßrothe Queistreifen zeigen, welche sehr bald wieder verschwinden, die Marke also nicht dauernd entstellen. Die chemisch« Lösung, welche in der beschriebenen Weise reagirt, wird bei der Gummirung aufgetragen. Postkarten mit auf­gedruckter Marke zeigen diese Streifen daher nicht."

Orb. Wie anderwärts, so haben auch hier die Aepfel einen recht ansehnlichen Preis. Von hiesigen Händlern wurden gestern Mk. 7.50 und heute Mk. 8. per Malter bezahlt. Gleichzeitig haben auch die Kartoffeln einen ziemlich hohen Preis aufzuweisen und soll in ver­flossener Woche das Maaß mit Mk. 1,50 bezahlt worden sein.

Hattenhof, 28. September. Nachdem die Geburt von Drillingen (2 Mädch n, 1 Knabe) erst vor ändert«