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Erscheint Mittwoch u. Samstag Preis mitKreisblatt" u. .Jüustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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Mittwoch, den 30. September

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1891.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1891 (Oktober, November, December) der

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bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder die Boten gefl. aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bald, da Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung bis Ende d. Mts. gratis. Die Redaktion.

Deutsche- Reich.

Berlin, 26. September. Der Kaiser wird am 2 oder 3. Oktober hier zurückerwartet; die Kaiserin, welche heute in Homburg der Kaiserin Friedrich einen Besuch abstattete, trifft einen Tag früher in Potsdam ein.

* Es war nicht vorauszusehen, daß der Zar durch den Trauerfall in seiner Familie genöthigt sein würde, seinen Aufenthalt in Kopenhagen abzukürzen und so rasch als möglich nach Rußland heimzukehren. Immerhin der Zar ist in Berlin gewesen; er hat sogar die Gastfreundschaft des deutschen Kaise-Hofes angenommen, nicht, wie es in Ruß- land Sitte, durch Entgegennahme von Salz und Brod, sondern vielmehr eines wohlzubereiteten Soupers. Der Aufenthalt des Zaren in der deutschen Reichshauptstadt währte genau eine Stunde. Er traf am Freitag Abend 9 Uhr 38 Min. über Warnemünde-Rostock auf dem Stettiner Bahnhöfe in Berlin ein und setzte eine Stunde später seine Reise über Bromberg und Warschau fort. Es fand naturgemäß kein großer Empfang statt, der Zar hatte sich solchen in einer Depesche an das Berliner Auswärtige Amt noch besonders verbeten. Im Übrigen wird schwer­lich Jemand daran denken, dem kurzen Aufenthalte des Zaren in Berlin eine politische Bedeutung beizulegen, war ja doch auch der Reichskanzler zum Empfange nicht anwesend.

< ' * Das Ereignis des Tages auf dem Finanz­markt und zugleich auf politischem Gebut ist die an der Berliner Börse verbreitete Nachricht, daß die neue, in Paris abgeschlossen^ russische Anleihe auch in Berlin auf gelegt werden soll, und zwar mit Zustimmung der deutschen Regierung. DieNational-Zeitung" bemerkt dazu: Wir wollen eine Stellungnahme der deutschen auswärtigen Politik, deren spezielle Beweggründe uns unbekannt sind, nicht kritisieren; dem Anschein nach hat ein Meinungsaus­tausch über die internationale Lage stattgesunden, auf dessen Inhalt vielleicht die sehr entgegenkommende Be­urteilung der Aufhebung des elsaß-lothringischen Paß­zwangs in dem hochoffiziösenJournal de St. Petersburg" ein Streiflicht warf. Aber wenn wir uns des Wider­spruchs gegen eine Maßnahme der auswärtigen Politik enthalten, welche jedenfalls den Zweck hat, bei dem Versuch der Milderung internationaler Gegensätze mitzuhelfen, so kann sich dadurch an unserer Beurteilung der Frage einer Beteiligung des deutschen Kapitals an der Aufbringung der neuen russischen Anleihe nichts ändern. Anch wenn die Eröffnung einer Subskription in Berlin erfolgt, werden deutsche Kapitalisten allein richtig handeln, indem sie jede Beteiligung an der neuen russischen Anleihe ablehnen.

Bor wenigen Monaten erst hat der Papst eine

/ sozialistische Encyklica erlassen, in der er auf die Irr­lehren der Sozialdemokraten hinweist und deren Be kämpfung empfiehlt. Das ist sehr schön; was soll man aber von einem solchen Erlaß des unfehlbaren Papstes halten, wenn das hervorragendste Organ der deutschen Katholiken, dieGermania", den Sieg der Sozial- demoklaten bei den Landtagswahlen in Mannheim mit hoher Genugthuung begrüßt.

* Unweit der deutsch-russischen Grenze bei Golaczow in Polen fand ein Zusammenstoß zweier Personenzüge statt. Vom Zugpersonal sind vier getödtet, fünf schwer verwundet, von Passagieren sieben getödtet und etwa zwanzig schwer verwundet. Beide Lokomotiven und acht Waggons sind vollständig zertrümmert, sechs andere Waggons, die Feuer fingen, bräunten nieder. Das Unglück soll durch Betrunkenheit eines Lokomotivführers herbeigeführt sein.

Trier, 24. Sept. Die hiesige Strafkammer sprach heute das Urtheil in einem Prozesse, der schon seit länger als einem Jahre die deutschen Gerichte beschäftigt. Es handelt sich in diesem Prozesse um die Einrichtung einer Privatpost zwischen den beiden Städten Jdar und Oberstein. Diese Städte liegen, etwa 20 Minuten von einander entfernt, im Fürstenthum Birkenfeld. Zwischen beiden war von zwei Boten Namens Schneider und Mildenberger ein regelmäßiger Postdieust eingerichtet Md jahrelang ohne Anstoß betrieben worden. Endlich

erhielt die Oberpostdirektion Trier Kenntniß von der Jdar-Obersteiner Privatpost und stellte Strafantrag. Drei Kaufleuten aus Jdar wurde nachgewiesen, daß sie die Privatpost vielfach benutzt hätten und das Straf­verfahren deshalb auf sie milausgedehnt. Das Schöffengericht zu Oberstein erkannte auf eine Geld­strafe von 3 Mark für jeden Straffall, was für den Höchstbelasteten eine Gesammtbuße von 1800 M. be­deutete. Auf die eingelegte Berufung hin setzte die Strafkammer in Saarbrücken diese Geldbuße bedeutend herab. Dieser letztere Gerichtshof betrachtete nämlich diejenigen Bersandtstücke, welche nur Waaren enthalten hatten, nicht als Briefe. Gegen das Urtheil des Saar- brückener Gerichtshofes legte die Oberpostdirektion in Trier Berufung ein. In dem Revisionsgesnch wurde ausgeführt, daß alle Bersandtstücke, die mit Briefum­schlägen versehen seien, als Briefe betrachtet werden müßten Das Reichsgericht schloß sich dieser Auffassung nicht an, sondern erklärte, als Brief dürfe man nur ein Bersandtstück betrachten, welches weniger als 250 Gramm wiege. Jedes Bersandstück, das mehr als 250 Gramm wiege, sei ein Packet. Das Landgericht Trier wurde, unter Aufhebung des Saarbrückener Urtheils, mit der nochmaligen Verhandlnng des Prozesses beauftragt. Für dir Strafabmessung sollte die reichsgerichtliche Definition von Brief maßgebend sein, dergestalt, daß für jeden Straffall das Bierfache des hinterzogenen Portos als Strafe zu erkennen sei. Die beiden Boten Schneider und Mildenberger wurden heute zu 452, bezw. 182 M. Geldbuße verurtheilt, die drei angcklagtcu Kaufleute zu Geldstrafen von insgesammt 962 Mark.

Bom Schwarzwald, 21. ds., schreibt man:Fällt da demSchwarzen Schreiner" in dem Dorf R. just am Donnerstag Morgen ein, dieMucken" zu ver­treiben, nicht etwa die in seinem Kopfe, sondern die im Stalle bei seinen Rindviechern. Er denkt: das Lichi ist der dunklen Mächte Feind! holt eine alteAmpel" herbei, zündet sie an und mit siegessicheren Tr.tten ging's in den mit Heu und Stroh gut versorgten Stall. Hei! wie da die Mucken- und Schnakenschwürme über der auf- und niederschwingeudcn Ampel zu Schande brennen. Doch im Tode sind diese Dinger noch bos­haft: sie fallen glühend in das dürre Stroh und zünden sich nun ein großes Todtenfeuer an. Die Flammen lo:ern empor bis zum Dachladen und nach 2 Stunden waren die Mucken und Schnaken auf dreizehn Häuser weit alle richtig verbrannt allerdings die Häuser auch mit. Die Feuerwehren aus der Umgegend wurden in aller Eile zu dem Schnaken und Mucken-Autodafe geladen und mit Glockengeläute empfangen. Da Wasser Mangel vorhanden war, wurde eifrig mit Bier und Wein gelöscht. Böse Zungen behaupten, hierdurch seien noch mehrBrände" veranlaßt worden, so daßSchulz" und Feuerwehrobmann sich nicht mehr zu helfen wußten. An Allem aber ist derSchwarze Schreiner" schuld, der die Mucken vertreiben wollte.

Ausland»

Rußland. Aus Petersburg geht der Berliner Kreuz-Zeitung" folgender wenig tröstliche Bericht über die Rüstungen an der Grenze zu: Im hiesigen Kriegs ministerium herrscht fortgesetzt eine fieberhafte Thätigkeit, n an wolle sich daher durch Zeitungsnachrichten, wie die, welche die Truppenansammlungen an der Westgrenze auf Manöverzwecke zurückführt, nicht täuschen lassen. Diese Nachrichten werden von hier aus in die Presse lancirt und haben nur den Zweck, die fortgesetzten Truppenvorschiebuugcn gegen die Westgrenze zu ver­stecken. Es ist eine unbedingte Thatsache, daß neuer­dings größere Kavallerie-Massen gegen die deutsche Grenze vorgeschoben und überall die entsprechenden Kasernements und Ställe gebaut, bezw. gemiethet werden. Nicht nur, daß die bisherigen Kavallerie-Garnisonen an der deutschen Grenze im Durchschnitt verdreifacht werden es erhalten auch viele kleine Orte ganz neue

Kavallerie-Garnisonen, darunter auch solche, die dicht an der Grenze liegen, während es bis dahin auf deutscher, wie russischer Seite internationale Gepflogen­heit war, nicht näher als bis auf etwa 12 Meilen mit Garnisonen an die Grenze heranzugehen. Diese Borschiebungen finden sämmtlich jetzt nach den Manövern sta't. Desgleichen wird die ganze Nieinen-, Bodr- und Narew-Linie von Kowno bis Warschau fortifikatorisch befestigt. Ueber diese Maßnahmen, die je nach Bedarf der Defensive wie auch dem überraschenden Angriff dienen können, vermögen beruhigende Zeitungsartikel nicht hin- wegzutäuschen.

Die Besorgniß vor einem Weizenausfuhrverbot in Rußland giebt den Landwirtheu in den südwestlichen Gouvernements Anlaß, sich ihrer Ernte so rasch als möglich zu entledigen. Nach der D. Pet. Z. wird aus einzelnen Gütern Tag und Nacht mit Maschinen ge­droschen, ja einzelne Gutsbesitzer, die sonst erst im Januar den Rest ihres Getreides dreschen und verkaufen, haben bereits alles bis auf das letzte Korn ausgedroschen, verkauft und per Bahn verladen. Bei der ohnedies ungünstigen Ernte in Kiew, Podolien, Wolhynien rc. ist zu erwarten, daß die Abladungen auf den Bahnen bald auf ein Minimum reduzirt werden. Ueber die neuen Aussaaten von Winterweizen laufen bereits aus den Gouvernements Orel, Charkow, Woronesch, Twer und Moskau Klagen ein. Dürre und Wurmfraß sollen die Saaten geschädigt haben.

Holland. Auch die Niederlande fühlen angesichts der kritischen europäischen Lage das Bedürfniß, ihre Armee in einen möglichst tüchtigen Zustand zu versetzen und mit dem noch bestehenden Stellvertretersystem zu brechen. Nach Meldungen der Amsterdamer Blätter wird der Kriegsminister im Parlament vorläufig die Einführung der 10jährigen Wehrpflicht, und zwar 6 Jahre im stehenden Heere und 4 Jahre in der Reserve beantragen.

China, 25. September. DerHerald" meldet aus Shanghai, die Sachlage werde schlimmer, die Unruhen wüchsen, Jsschang und das Thal des Iang-tse-Kiang seien überall in ausständigem Zustande. Wuchang, Hankow und Khunkiug sollen bereit sein, sich zu empören; in Folge dessen herrsche eine große Aufregung unter den Ausländern, die auswärtigen Kriegsschiffe seien in Shanghai zusammengezogen, welches selbst in Gefahr sei. 3 Kriegsschiffe seien nach Wuchang abgefahren.

Lokale- und Provinzielles.

* Schlächtern, 29. September. Heute kurz vor Mittag rückten, von Fulda kommend, der Regimentsstab und 1'/- Eskadron vom Großherzoglich Hess. Garde- dragoner-Regiment Nr. 24 auf einen Tag hier ins Quartier, insgesammt 245 Mann, 235 Pferde. Morgen und übermorgen treffen dann noch ein: der Stab der 2. Abiheilung Feldartillerie Nr. 25 und 3'/, Batterien desselben Regiments in Stärke von ca. 390 Mann und 190 Pferden.

* Gestern feierte Herr Kantor Anacker, erster Lehrer der hiesigen Stadtschule, sein üOjähriges Dienst­jubiläum. Die beteiligten Behörden, seine Kollegen, seine Angehörigen, seine Schüler und viele Bürger der Stadt, die fast sämmtlich ehemalige Schüler von ihm sind, waren um 11 Uhr Vormittags in der Aula des Seminars versammelt. Der Jubilar wurde in ver­schiedenen Ansprachen gefeiert, wobei seine Verdienste nach allen Seiten hin zur Würdigung kamen. Der Herr Seminar-Direktor war beauftragt, den Adler der Inhaber des Hoheuzoller'schen Hausordens zu über­reichen. Der Herr Bürgermeister überbrachte als Dank der Stadt die Ernennung zum Ehrenbürger und eine künstlerisch ausgeführte silberne Tose. Die ehemaligen Schüler schenkten dem Jubilar eine goldene Uhr mit Kette, die Kollegen das Reformationsbild von Kaulbach, die Seminaristen eine Statue und die Schüler der Stadtschule eine B bel. Nachmittags um 5 Uhr fand die F- ier ihren Abschluß in einem stark besuchten Festessen.