Erscheint Mittwoch u. Samstag — Preis mit „Kreisblatt" u. .Jllustrirtem Familienfreund" vierteljährl. 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
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M 77. Samstag, den 26. September 1891.
Bestellungen auf das 4. Quartal 1891 (Oktober, November, December) der
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Deutsche- Reich.
Berlin, 23. September. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat aus Anlaß eines Spezialfalles sein Befremden darüber ausgesprochen, daß ein Arbeiter, nachdem er in Folge eines Betriebsunfalles erkrankt, nach der Genesung nicht wieder zur Arbeit angenommen, sondern mit feinem desfallsigen Gesuche znrückgewiescn worden war. Wenn hierzu angeführt wird, daß dies aus Mangel an Beschäftigung geschehen sei, so wird ministeriellerseits darauf hingewiesen, daß ein zufolge Betriebsunfalles erkrankter Arbeiter überhaupt so lauge nicht als ausgeschieden anzusehen fei, bis etwa feststehe, daß er in absehbarer Zeit die Arbeit wieder aufzu- nehmen außer Stande sei. Es verstehe sich, daß in einem solchen Falle die Feststellung der Unfall- entschädigung von Amtswegen eingeleitet we.de. Für solche Arbeiter sei daher die bisherige Arbeitsstellung offen zu halten und äußersten Falles sei deren Annahme bei der Strombau -Verwaltung oder in einem anderen gleichartigen Arbeitsbetriebe zu ermitteln.
— Fetter Ex- und Import. Achlundzwanzigtausend frische Schweineschinken hat ein einziger Berliner Schweine - Engros - Schlächtermeister im Laufe des Sommers vom Berliner Schlachthof nach Hamburg geliefert Die Schinken werden bald nach der Schlachtung in edten Eisenbahnwagen, welcher bis auf den Schlachthof geführt ist, gepackt und gehen von hier an eine Hamburger „Salzerei". Von dort finden dieselben dann als Westfälische, Thüringer oder Präger Schinken, je nach ihrer Größe und Zubereitung, ihren Weg nach allen Theilen Deutschlands. Mit den Schinken werden auch viele sogenannte Oberschaalen oder Kluftstücke von hier nach Hamburg gesendet, welche ebenfalls später als Hamburger Rauchfleisch wieder in die Welt gehen. — Eintausend Ochsen hat der bekannte Viehhändler Koch- Mainz in Ungarn zum Import für Deutschland angekauft. Der elfte Transport hiervon war von den Engros- Schlächtermeiftern Elsner und Friedrich in Berlin direkt bezogen, und waren die Thiere im Laufe der vergangenen Woche eingetroffen. Ohne Ausnahme waren es Ochsen erster Qualität, nach allen Beziehungen hin entsprachen die Thiere den weitgehendsten Ansprüchen, die Feinheit des Fleisches war, wie die „Deutsche Flischerzeitunz" konstatirt, dergestalt, wie es unsere Landwirthschaft nur in Ausnahmefällen produzirt. Weitere Transporte werden über acht Tage in Berlin eintreffen.
— Der heilige Rock zu Berlin. Im Märkischen Provinzial Museum zu Berlin, also an ungeweihter Stätte, ruht in einem Glaskasten, welcher meist kirchliche Geräth- schaften und Gebrauchgegenstände alten Datums aufweist, der „Rock der heiligen Anna" aus der Kirche zu Alt- Krüssow (Kr. Ost-Priegnitz), ein zusammengefaltetes Kleidungsstück von grobem Linnen, das namentlich an den Aermeln vom Zahne der Zeit stark benagt ist, sich aber in Anbetracht seines hohen Alters — die heilige Anna war die Mutter der Jungfrau Maria — vorzüglich konservirt hat. Ob dem von der Museumsverwaltung als Nr. IV. 1039, bezeichneten Reliquienstück auch Wunderkraft innewohnt, kann nicht leicht festgestellt werden, da das Berühren der Gegenstände untersagt ist.
Aus Hamburg berichtet ein „Herolds Telegramm": Die Zahl der eintreffenden Korndampfer steigt rapide. Im hiesigen Hasen ankern über 80 derselben. Es fehlt an Löschmannschaften. Die von der deutschen Regierung in Amerika bestellten 112 Schiffsladungen Fichteicholz zu Eisenbahnschwellen werden über Hamburg eingeführt.
Auf Helgoland ist eine für die Insel sehr wichtige Entdeckung gemacht: Der Bauunternehmer Georg Weiß vom Hof St. Georges bei Metz, welcher amtlicher- seirs mit der Ausführung der Beiesrigungsaraerren an- der Im'ri Helgoland beklaut ist, suchte und fand auf ::r 3r< e e Süfwu^rauOr. Tun rx ;^±tit :®:eg die Helreländer 'chon 51. ng er.* barer
Leipzig, 22. Sept. Unser ausgezeichneter Pandekttst
Prof. Windscheid ist anläßlich der Ausstellung des heil. Rockes zu Trier zum Protestantismus übergetreten. Der Glm benswechsel eiregt um so größeres Aufsehen, als Professor Windscheid aus einer sehr streng katholischen rheinischen Familie stammt. Er ist geborener Düsseldorfer.
Buer, 22. Septbr. Ueber eine rohe Ausschreitung von Sozinldemvkraten bringt die hiesige „Volkszeitung" nähere Mittheilungen: Am 20. feierte der Krieger- und Landwehrverein von Erle-Berkhansen sein Stiftungsfest, und als am Abend zehn Mitglieder des Vereins nach Hause gehen wollten, wurden sie von einer Anzahl Menschen Überfällen und mit Messern arg zugerichtet. Zwei Bürger von Buer, Philipp Halbcisen und Joseph Neukirchen, starben unter den Stichen und Schnitten dieser Wütheriche; N. hatte nicht weniger als 22 lebensgefährliche Stiche erhalten und war so fürchterlich entstellt, daß ihn sein eigener Bruder Anfangs nicht zu erkennen vermochte. Drei anderen Bürgern, Wilhelm Ellinghaus, Röcker und Otto Busch, war der ganze Kopf mit Schnitten bedeckt und dazu hatte Jeder eine tiefe Schnittwunde in der Seite erhalten. Herrn Busch war sogar der Unterleib vollständig aufgeschlitzt. So viel man von der Voruntersuchung vernommen hat, ist dieser grausige Ueberfall aus sozialdemokratischem Klassen- Hasse hervorgegangen. Als Anführer der Mörderbande wird der Bergmann Peter Nick genannt, der auch beim großen Streik im Mai 1889 eine hervorragende Rolle gespielt hat. Bis jetzt sind sieben Verhaftungen erfolgt. Die sechs Hauptübelthäter wurden gebunden zu ihren Opfern geführt; die Volksmenge war nahe daran, die Burschen zu lynchen.
Trier, 21. September. Die Ausstellung des heiligen Rockes wird, wie das Domkapitel jetzt bekannt macht, am 3. Oktober geschlossen.
Aus dem Neichslande, 19. September. In Salm bach beachte heute ein Allerer eine im Felde gefundene unversehrte Granate mit nach Hause. Ein bei ihm einquartierter Ulan hämmerte auf der Granate herum, diese platzte und riß den Unglücklichen in Stücken.
Vom Odenwald, 20. September. Ein heiteres Vor kommniß erzählt man sich von einer Fahnenweihe in unserer Gegend. Ein Verein, der das Fest besuchen wollte, hatte die Fahne vergessen, und das Versehen wurde erst auf dem Bahnhöfe bemerkt. Eiligst wurde — so schreibt die Bad. Landesztg. — ein Mitglied abgcsendet, um das vergessene Symbol zu holen, das man noch im letzten Augenblicke vor der Abfahrt glücklich herbeibrachte, Stange und Fahne jedes extra, da das Tuch gut und vorsichtig in Wachstuch verpackt war. Als man an Ort und Stelle bei dem festgebenden Verein angekommen und auf dem Bahnhöfe feierlich empfangen, das Wachstuch aufrollte, um die Fahne an der Stange zu befestigen, stellte sich zur allgemeinen Verblüffung heraus, daß das Wachstuch ein hübsches Sommerkleid der Frau des Präsidenten barg. Wer den Schabernack verübt hat, blieb unermittelt, aber das Gelächter soll riesig gewesen sein.
Nürnberg, 2 l. September. In Pommelsbrunn wurde einer der beiden durch ihre vielfachen frechen Raubanfälle berüchtigten Brüder Schumann von der Gendarmerie verhaftet.
Bischofsheim b. d. RH., 20. Sept. Bei der der- maligen herrlichen Witterung ist der Besuch des Kreuz- derges, der eine wirklich lohnende Rundsicht bietet, Seitens der Touristen ein bedeutender. Daß die Zahl der Wallfahrer zu der berühmten Wallfahrtskirche gegenwärtig keine geringe ist, braucht wohl kaum erörtert zu werden. Lerd.r kommt es von Seiten der Touristen gar zu oft vor, daß die Gastfreundschaft des Klosters mißbraucht wird und zwar manchmal in einer sehr dekkaz: »werthen Weise. Gar : :l- «eben leider das Kloster als GaftchnuS an und M-M wirkluh recht ei-evornZe FvrternÄges, taste» jr:b u Um, >»ß die Mnnmz«; des OrdenSgeneralS '.: in reu Smud grqt bat, nach müder Wanderung oben asgelommen, herzliche
Aufnahme zu finden und den Verhältnissen des Klosters entsprechend bewirchet zu werden. Jüngst kam es vor, daß Touristen aus dem Thüringischen während der Abwesenheit der Herren Palres und Fratres (diese waren im Chor) in die Küche eindrangen und sichs dort recht gut schmecken ließen, um nach einer keineswegs dem Genossenen entsprechenden Bezahlung sozusagen zu verduften.
Vom Main, 21. Sept. Das Korn steigt im Main- thale fortwährend im Preise und wird jetzt mit 22—25 Mk. per Malter bezahlt. Die Kartoffeln gelten, je nach Qualität, 5 — 6 Mk. per 100 Kilo. Zwetschen werden mit Mk. 3, Birnen mit 3,50 Mk. per Eentner, Tafeläpfel mit 9 bis 10 Mk. und Kelteräpfel mit 6—8 Mk. per Doppelcentner bezahlt.
Ausland»
Wien, 22. Sept. Nach dem „Pester Sonntagsblatt" hatte die Großherzogin von Toscana, die Mutter Johann Orth's, von diesem einen Brief erhalten, worin Orth er* klärt, daß er absichtlich seinen Aufenthalt verschweige und bitte, die Recherchen einzustelleu. Auch die Familie Stubel soll Nachrichten erhalten haben, wonach Orth gegen Balmaceda focht. Hier ist an competenten Stellen nichts davon bekannt.
England. Aus Kilburn (Grafschaft Derby) wird telegrapyüt: Gestern Morgen starb hier nach ein- stündiger Krankheit ein Mann Namens Hoddard, wie konstatirt wurde, an Cholera. — Hoffentlich sind schleunigst Maßregeln getroffen worden, um eine Weiter- verbreitung der Krankheit zu verhindern.
New-Hork, 19. Sept. Gestern wurden, wie„N. B." meldet, in der Gegend von El Paso in Texas weitere Versuche angestellt, durch Sprengstoffe künstlich Regen zu erzeugen. Die Versuche dauerten von Mittag bis Abends 8 Uhr. Endlich bewölkte sich der Himmel und man erwartet, daß es heute regnen wird. Eine Menge Fremde sind nach El Paso gereist, um die interessanten Versuche zu sehen.______
Lokale- und Provinzielle-.
* Schlächtern, 25. September.
* — Aus der Sitzung der Hanauer Strafkammer vom 21. Septbr. Das Schöffengericht in Schlüchtern hatte einen Bauer von Wallroth zu 90 Pik. Geldstrafe und 9 Mk. Werthersatz an die Gemeinde Wallroth ver- urtheilt, weil er am 2l. April 1891 im Forstort Ricks- berg zwei Fichten Nutzholzstämme von je 0,70 Festmeter Inhalt im Werthe von 9 Mk. gefällt hatte. Der Angeklagte legte Berufung gegen das Urtheil ein und behauptet, die bei der Haussuchung gefundenen geschnittenen Latten stammten von einem Stamm her, den er gekauft habe, von dem angeblich gestohlenen wisse er nichts. Wenn auch das Berufungsgericht gerade nicht alle Gründe des Vorderrichters acceptirt, so hielt es doch die vorliegenden Verdachtsmomente für die Schuld des Angeklagten für ausreichend und verwarf die eingelegte Berufung unter Verurteilung in die Kosten der beiden Instanzen.
* — Wie gefährlich es ist, Zeugengebühren bei der Gerichtskasse zu erheben, ohne wirklich etwas durch sein Erscheinen als Zeuge au Arbeit oder Verdienst eingebüßt zu haben, beweist der folgende Fall: Ein Rentner, der als Zeuge bei einer in Düsseldorf stattgefundenen Strafkammerverhandlung fungirt hatte, beregnete hierfür 4 Mark, ohne, da der Mann begütert ist, wirklich Nachtheil im Verdienste oder sonstige Ausgaben gehabt zu haben. Wegen Betrugs verurtheilte das Schöffengericht den guten Mann zu 30 Mark Geldbuße event. 6 Tagen Gefängniß.
* — Eilbriefe werben während der Nacht künftig nur dann guftr.fit, wen, der Brief u. f. w. den Ler- zerf trägt: .Luch NaL:S :. bestell-u". Wer t:e Schwierigkeit« surchteull, die f» eine Eildestetllrnß zu rechtlicher Znl erisrserl:ch tatet, trie i Ar c. dere t" = vrche!.:g:e Hansbcwol. er --5 um Sr/.Ut g: M:ck;