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mittag spielten die Knaben Schulz und Fuhrmann auf der Abladestelle an der Oder, woselbst unter anderen Gütern auch leere Spiritusfässer aufgestapelt waren. Fuhrmann, der im Besitz einer kleinen Pistole war, wollte dadurch einen größeren Knall erzielen, daß er die Pistole mit dem Zündhütchen in das Spundloch eines Spiritus­fasses hineinhielt und losdrückte. Inzwischen hatte aber Schulz auf dem Fasse Platz genommen, als in Folge des von Fuhrmann abgegebenen Schusses das Faß explodirte und den darauf sitzenden Schulz ca. 20 Meter hoch in die Höhe schleuderte. Zum Glück fiel derselbe am nahen Oderufer auf eine Sandbank. Das Bewußtsein kehrte erst nach mehreren Stunden zurück. Die aus dem Fasse züngelnde Stichflamme hatte den anderen Knaben an der rechten Hand verletzt.

Ratibor, 10. Sept. Der Kutscher eines Beamten in Woischnik hatte 2 Pferde, von denen eins als drüsen- krank behandelt wurde, zu verpflegen. Nach ein paar Wochen erkrankte der Kutscher selbst. Die Pferde wurden bald darauf als rotzkrank befunden und getödtet. Ein fürchterliches Stadium hatte inzwischen die Krank­heit bei dem Kutscher erreicht. Der ganze Körper war mit Geschwüren bedeckt. Der Tod trat wenige Tage darauf ein.

Der Stadtrath von Ger« macht bekannt, daß er be­schlossen habe, Kartoffeln und Roggenbrod in größeren Mengen anzukaufen, um Lebensmittel an Geraer Einwohner zu möglichst billigem Preise abgeben zu können. Auch habe, falls ein annehmbares Gebot für Brodlieferung nicht eingehe, der Stadtrath den Einkauf von Mehl in Aussicht genommen, um das Brod auf städtische Kosten herstellen zu lassen.

München, 5. September. DerAugsb. Postztg." wird von hier folgendeerbauliche" Geschichte berichtet: Unsere Stadtväter haben am Donnerstag in der öffent­lichen Sitzung einige recht unangenehme Dinge von Seiten des Bevollmächtigten Hermann zu hören be­kommen und mögen insbesondere dem ersten Bürger­meister die Ohren absonderlich geklungen haben. Es stellte sich nämlich heraus, daß 1890 auf Ehrungen, d. h. auf Diplome, Festessen, Kellerfeste und ähnliche schöne Dinge nicht weniger als 44,374 Mk. ausgegeben worden waren. Diese Summe erregte natürlich bei dem Referenten mit Recht Anstoß und er besah sich die Ziffern etwas genauer. Dabei erfuhr man nun, daß z. B. bei einem einzigen Festessen für 1825 Mk. Wein getrunken, für Cigarren 89 Mk. ausgegeben worden waren. Tausende von Armen haben kaum das noth-1 wendige Brod, und hier werden Cigarren das Stück zu 70 Psg. geraucht. Das ist Wasser auf die sozialdemo­kratischen Mühlen!

Straßburg i. @ , 10. September. Die Nachricht, daß ein Soldat des Infanterie-Regiments Nr. 99 einen Unteroffizier des Infanterie-Regiments Nr. 105 auf dem Manöverfelde bei Niederschäffolsheim erschossen habe, ergänzt dieStraßb. Post" auf Grund zuverlässiger Mittheilungen dahin, daß ein Sergeant der 99er den verhängnißvollen Schuß abgab. Die Kugel sollte den Oberst des Regiments treffen, verfehlte aber ihr Ziel und traf einen Kameraden des frevelhaften Menschen. Nach der Abgabe des Schusses wurde auf Veranlassung des OberstenDas Ganze halt" geblasen und eine Untersuchung angestellt, gelegentlich deren noch mehrere scharfe Patronen bei dem betreffenden Sergeanten gefunden wurden.

Ausland»

Schweiz. Der Abschluß der Untersuchung über das Eisenbahnunglück von Mönchenstein. In ihrem im Auf­trage des Präsidenten des Civilgerichts zu Basel abge­gebenen Gutachten erklärten der Ingenieur Konrad Zschokke in Arau und Oberingenieur Leonhard Seiffert in Duisburg, daß als Ursache der Katastrophe von Mönchenstein mit fast absoluter Gewißheit die mangel­hafte Konstruktion der Eisenbahnbrücke bezeichnet werden kann. Es habe keine Entgleisung stattgefunden, sondern ein Zusammenbruch der Brücke, deren Material den Bauvorschriften entsprochen hat, dessen Bearbeitung zwar nicht ganz einwandfrei, doch nicht als ungenügend zu bezeichnen sei. Die Unterhaltung, wie der Anstrich der Brücke und die Auswechselung schadhafter Nieten sei gewissenhaft besorgt worden.

London, 14. September. DerStandard" erinnert den Sultan daran, daß das Bestehen seines Reiches prekär sei und von der Nebenbuhlerschaft der Mächte abhänge. Sollte sich Rußland Konstantinopels bemäch­tigen, so würde es sofort durch England und den Drei­bund von dort entfernt werden.

Konstantinopel, 13. September. Ein englisches Panzerschiff besetzte Sigri auf der Insel Mytilini und schiffte Trupppen und Kanonen aus.

New »Hark. Auf dem DampfschiffObdam", das am 27. August im Hafen von New-Aork einlief, hatte sich während der Fahrt von Rottdam nach Havre eine Anzahl Matrosen empört. Um die Ordnung wieder herzustellen, war der Kapitän, wie er selbst erzählt, gezwungen, einen Heizer und zwei andere Rädelsführer der meuterischen Schiffsmannschaft zu erschießen. Dem Aufstande war ein Streik der Heizer voransgegangen; sie wähnten sich zu. schlecht behandelt und wollten keinen Dienst thun, wenn nicht ihr Lohn erhöht und die Arbeitszeit verkürzt würde. Aus Mangel an der nöthigen Feuerung blieb der Dampfer

plötzlich auf offenem Meere stehen, und der Kapitän stieg in den Maschienenraum hinab und befahl den Heizern dreimal, die Arbeit wieder aufzunehmen. Diese lachtem ihm jedoch höhnisch ins Gesicht, und einer von ihnen, Peter Duser, der angeblich aus Hamburg stammen soll, stürzte auf deu Kapitän los und wollte ihn mit einer Feuerzange schlagen. Der Schiffsherr kam ihm zuvor, zog seinen Revolver und schoß sowohl den Peier Duser als auch zwei andere, die ihn (den Kapitän) zu Boden reißen wollten, über den Haufen. Diese energische Handlungs­weise verfehlte ihre Mirkung nicht, denn die ausständigen Heizer nahmen sofort die Arbeit wieder auf.

New-V"tk, 10. September. DemNew-Iork Herold" wird von einem in San Salvador am Mittwoch stattge- habten furchtbaren Erdbeben gemeldet, durch das in der Hauptstadt und auf dem Land, mit einziger Ausnahme der Küste, die größten Verheerungen angerichtet worden sind. Viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen; der Verlust an Eigenthum wird auf Millionen geschätzt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 15. September.

* An die Landwirthe muß jetzt die dringende Bitte gerichtet werden:Versichert den geborgenen Ernte­segen gegen Feuersgefahr." Die Getreideernte ist in vollstem Gange und theilweise in die Scheune gebracht. Erfahrungsgemäß mehren sich aber gerade nach beendeter Ernte die Brände, welche oft die ganze Mühe eines arbeitsvollen Jahres zn Schanden machen. Um sich gegen die Unglücksfälle, welche geeignet sind, den Landmann zu ruiniren, zu schützen, ist dringend zu rathen, die abge­laufenen Versicherungen rechtzeitig zu erneuern.

* In der Bierhalle producirt sich seit einigen Tagen eine Fußkünstlerin, die der allgemeinen Beachtung empfohlen werden dürfte. Dieselbe, obwohl erst 11 Jahre alt, verrichtet mit den Füßen die schönsten weiblichen Hand­arbeiten, als Sticken, Häkeln, Stricken re. Daneben ist die Fußkünstlerin äußerst geschickt in Musikvorträgen und im freien deklamatorischen Vortrage. Noch selten dürften an einer Person, die leider ohne Arme geboren und mit den Füßen hantiren muß, in einem so jungen Alter mit den Füßen ausgeführte Kunstfertigkeiten wahr­genommen worden sein.

* Es ist bei uns schon öfters Klage geführt worden über die unter der männlichen Jugend von Elm, Niederzell rc. herrschende Rohheit. Diese halbwüchsigen Burschen finden nämlich ihr größtes Vergnügen darin, harmlose Wanderer und Radfahrer, gleichviel wer es ist, welche zur Abendzeit das Dorf passieren, ohne jede Veranlassung mit Steinen zu bewerfen. Da sich nun die Klagen über dieses Unwesen von Tag zu Tag mehren (wurde doch am Sonntag Abend in Niederzell einem Radfahrer ein Loch in den Kopf geworfen und einem anderen flog ein Stein an den Hals), so möchten wir hiermit die betr. Ortspolizei ersuchen, einem der­artigen Treiben im Interesse des Dorfes möglichst ent- gegenzutreten. Auch die älteren Einwohner könnten hiergegen einschreiten und etwas strammere Zucht üben.

* Weil die Zahl der vorhandenen Justizanwärter, sowie diejenige der für das Amt eines Gerichtsschreiber- Gehülfen, eines Gefängnißinspektors und eines Gerichts­vollziehers notirten Militäranwärter so erheblich ist, daß für längere Zeit die Ergänzung des für diese Dienstzweige erforderlichen Personals reichlich gedeckt erscheint, so hat sich der Justizminister genöthigt gesehen, Civilanwärter zu dem Vorbereitungsdienst für die Ge- richtsschreiberprüfung und Militäranwärter zum Vorbe­reitungsdienst für das Amt eines Gerichtsschreibergehülfen, eines Gefängnißinspektors oder Gerichtsvollziehers bis auf Weiteres nicht mehr zuzulassen. In Zukunft soll die Zahl der zuzulassenden Anwärter je nach dem Be­dürfniß festgesetzt und veröffentlicht werden.

* Die diätarischen und etatsmäßigen Gerichts- kanzlisten, welche aus den Kreisen der Militäranwärter hervorgegangen sind, haben infolge ihrer Petitionen zu­nächst Gehaltsaufbesserung von 1800 aus 2200 Att. (Maximum) erreicht, und vom 1. September ab wird denselben eine weitere Vergünstigung dadurch gewährt, daß dieselben für das von ihnen über das vorgeschriebene Arbeitspensum von 32 Seiten gelieferte Schreibwerk für jede Seite anstatt 6 nunmehr 8 Pfg. erhalten, also bei einem monatlichen Ueberverdienst von 30 Mark ein Mehr von 10 Mark.

* Die diesjährigen Rekruten-Einstellungen im Bereich des 11. Armeekorps finden für die Infanterie und die übrigen Waffen, außer Kavallerie und der Garde- Rekruten, am 6. November statt. Die Kavallerie-Rekruten treffen bereits Anfangs Oktober und die zur Garde aus­gehobenen am 5. November in ihren Bestimmungsorten ein.

Von der hessischen Grenze, 3. Septbr. Eine in der That tragikomische Sache wird uns von der hessischen Grenze mitgetheilt. Ging da ein Jagdpächter auf den Anstand, um auf Hochwild zu pirschen. Im Walde raschelte" es plötzlich im Gebüsch, unser gewaltiger Nimrod vor dem Herrn legt an, (da er in seinemblinden" Eifer unbedingt ein Reh, oder gar einen Hirsch vermuthen mußte), drückte ab und hatte richtig getroffen, und zwar eine Frau, die mit ihrer Tochter Brombeeren oder Heidelbeeren sammelte. Da die Frau gebückt ihre Arbeit versehen mußte, war ihr die für das Hochwild bestimmte Ladung tief in das eine Bein, zugleich aber auch in den Arm

gedrungen, so daß sie zeitlebenshalbinvalide" bleiben wird. Die so Verletzte verlangt nun, wie wir hören, einen Schadenersatz von 8000 M., und so dürfte der Meisterschuß dieses blindeifrigen Schützen ein sehr theurer werden.

Fulda, 11. Sept. Bei Einnahme von Einmarkstücken ist Vorsicht anzurathen. Gestern wurde bei dem hiesigen kaiserlichen Postamt wiederum ein falsches Einmarkstück kassirt und der betreffende Zahler über die Herkunft der Falschmünze zu Protokoll vernommen.

Hanau. Auf Grund landräthlicher Genehmigung findet vom 1. Oktober ab in dem Gasthaus zu den drei Hasen dahier ein wöchentlicher Viehhof zum Verkauf von Schlachtvieh statt. Der erste Markt findet am 1. Oktober d. I., die übrigen an jedem weiteren Donnerstag statt.

Kassel, 11. September. Der Kaiser ist Abends um 8, Uhr hier angekommen und wurde von der Kaiserin und den sonstigen Fürstlichkeiten am Bahnhöfe empfangen. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie des Infanterie- Regiments Nr. 83 begrüßte der Kaiser die Generäle und nahm sodann am Bahnhofplatze den Vorbeimarsch der Ehrenwache ab. Die Fahrt zur Stadt erfolgte im offenen vierspännigen Wagen, der von einer Eskadron Husaren des Regiments Nr. 14 eskortirt wurde. Bei der Begrüßung durch den Oberbürgermeister Weise überreichte die Tochter Weise's der Kaiserin einen Blumenstrauß. Nach einigen Dankesworten fuhr der Kaiser weiter nach dem Orangerieschloß: zum Festmahl durch die festlich beleuchteten Straßen und Plätze, die m t Ehrenpforten und Flaggenmasteu geschmückt waren. Krieger-, Turn- und sonstige Vereine und die Truppen bildeten Spalier. Vom Martinsthurm läuteten die Glocken und stiegen Raketen auf. Bei dem Festmahl im Orangerieschloß hat der Bize-Landmarschall v. Malsburg den Toast auf die kaiserlichen Majestäten ausgebracht und darin den Kaiser der Treue des hessischen Volks­stammes, die hinter der Treue keiner anderen Provinz zurückstehe, versichert. S. M. der Kaiser dankte in einer Erwiderung für die Versicherung der Treue und >en freundlichen Empfang, der ihm und seiner Gemahlin «reitet worden sei. Er habe hier wie in Bayern einen o festlichen Empfang gefunden, die von der Treue der putschen Gesinnung zeugten, daß er dagegen nur ver­sichern könne, auch er werde auf der von seinen Vor­fahren beschrittenen Bahn fortschreiten, um das Wohl des Volkes zu wahren. Dafür erwarte er, daß auch die Bevölkerung Hessens in einem inneren oder äußeren Kampfe ihm helfen werde, seinen Herrscherberuf zu er­füllen. Er trinke auf das Wohl der Provinz Hessen- Nassau. Nach einer Serenade des hessischen Sänger­bundes erfolgte unter Ovationen die Rückfahrt nach Wilhelmshöhe. Sonnabend fand die große Parade auf dem Felde bei Nicdcrzwehreu statt, an welcher ca. 40,000 Mann theilnahmen, und hatte der Kaiser nur Lob und Anerkennung für das 11. Armeekorps. Das Kaiserpaar, welches um 8'/» Uhr Schloß Wilhelmshöhe verlassen hatte, war im Dorfe Niederzwehren im Gehöfte des Besitzers Hamenstädt abgestiegen, welcher die Majestäten ehrfurchtsvoll begrüßte. Sein Haus und seinen Hof hatte er in sinnreicher Weise zu dekoriren gewußt. Ueber der Thür winkte ein Transparent dem hohen Paare einWillkommen" undHeil" entgegen, während über dem Scheunenthor die Inschrift:Heil, Kaiser Dir, Beschützer der Landwirthschaft" angebracht war. Der Kaiser trug die Paradeuniform der Gardes du Corps mit Band und Kette vom Schwarzen Adler, die Kaiserin die Uniform der Kürassiere-Königin mit dem rothgesticktenL" auf der Schulter, dazu Band und Stern vom Schwarzen Adlerorden. Das Haupt bedeckte ein weißer Rembrandthut mit weißer Feder. Band und Kette vom höchsten preußischen Orden trugen ebenfalls alle Fürsten und Prinzen, soweit sie diesen Orden be­sitzen. Der Kaiser bestieg seine RappstuteExtase", die Kaiserin die schwarzbraune StuteSharsa". Der Aus­tritt zur Dorfstraße wurde durch die Scheunentenne ge­nommen, welche zu beiden Seiten auf den dichten Heu­lagern mit Sensen, Hacken, Spaten, das Scheunenthor mit Garben sinnreich dekorirt war. Hier war auch der König von Sachsen zu Pferde gestiegen, welcher die Uniform seines Ostpreußischen Dragoner-Regiments an­gelegt hatte. Beide Monarchen ritten zu Seiten der Kaiserin. Unter dem Hurrah der Dorfbewohner, bei dem das Pferd der Kaiserin etwas unruhig wurde, und dem Jubelgeschrei des sonstigen Publikums nahmen die Allerhöchsten Herrschaften, gefolgt von einer sehr glänzenden Suite, den Weg nach der Paradeaufstellung. Als das Kaiserpaar sich nahte, erklang der später in die Nationalhymne übergehende Präsentirmarsch gleichzeitig mit dem dreimaligen Hurrah der Soldaten, mit dem sie ihren obersten Kriegsherrn begrüßten. Die Treffen wurden im Schritt abgeritten, dann sprengte der Kaiser im kurzen Jagdgalopp quer über das Feld bis vor die Mitte der Tribüne. Der Vorbeimarsch der Infanterie begann in Kompagniefronten mit dem 1. Nass. Ins.-- Regt. Nr. 87 unter Oberst v. Klingspor. Sobald das 4. Regiment in der Reihe, das 1. Hess. Jnf. - Regt. Nr. 81 antrat, ritt der Großherzog von Hessen dem­selben entgegen, setzte sich an dessen Spitze und führte dasselbe mit gesenktem Degen salutirend an dem Kaiser vorüber. Dasselbe wiederholte sich, als das 1. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 115 und das 1. Großh. Hess,